
Sind Googles Werbeeinnahmen durch ChatGPT gesunken?
Michael Dobler
Autor Dr. WebWussten Sie, dass Google 2025 erstmals über 400 Milliarden Dollar Jahresumsatz erzielt hat, obwohl ChatGPT täglich viele Millionen Nutzer anzieht? Google Ads ist seit zwei Jahrzehnten Googles verlässlichste Geldmaschine im digitalen Marketing. Seit ChatGPT und andere KI-Assistenten die klassische Suche herausfordern, fragen sich Entscheider, Marketingverantwortliche und Budgetplaner weltweit, ob das Modell noch trägt. Die Antwort überrascht: Google verdient mehr als je zuvor. Achtung, keine Anlageberatung.
Das Wichtigste in Kürze
- Google Search erzielte in Q4 2025 rund 63 Milliarden Dollar Quartalsumsatz, ein Plus von 17 % gegenüber dem Vorjahr
- Alphabet überschritt 2025 erstmals die 400-Milliarden-Dollar-Marke beim Jahresumsatz
- 93 % aller Suchanfragen über Googles KI-Mode enden ohne einen einzigen Klick auf eine externe Website
- Publisher und Websitebetreiber verlieren dramatisch, Google selbst profitiert
Wofür nutzen Menschen ChatGPT?
Hat ChatGPT Googles Werbegeschäft beschädigt?

Die kurze Antwort: nein. Die ausführliche Antwort erklärt, warum das trotzdem keine Entwarnung ist.
Alphabet, die Muttergesellschaft von Google, meldete für das Gesamtjahr 2025 erstmals einen Jahresumsatz von über 400 Milliarden Dollar. Google Search allein brachte im vierten Quartal 2025 rund 63 Milliarden Dollar ein, ein Wachstum von 17 % gegenüber dem Vorjahresquartal. Zum Vergleich: In Q4 2024 waren es noch 54 Milliarden Dollar.
Wer also erwartet hatte, dass Millionen ChatGPT-Nutzer Googles Kassen leeren, liegt falsch. Das Gegenteil ist eingetreten.
Der Grund dafür ist so simpel wie unbequem: Google hat KI nicht als Bedrohung erlebt, sondern als Hebel genutzt, um noch mehr Traffic innerhalb des eigenen Ökosystems zu behalten.
Warum wächst Google, obwohl Nutzer abwandern?

KI-Overviews als strategische Waffe
Im Mai 2024 rollte Google die sogenannten AI Overviews aus, also KI-generierte Zusammenfassungen direkt in den Suchergebnissen. Im März 2026 erscheinen diese Zusammenfassungen bereits bei 48 % aller Suchanfragen. Nutzer bekommen ihre Antwort, ohne eine externe Website zu besuchen.
Für Google ist das kein Verlust. Anzeigen erscheinen inzwischen in rund 25,5 % aller AI-Overview-Ergebnisseiten, ein Anstieg von 394 % gegenüber Januar 2025. Google verdient an jedem Klick innerhalb des eigenen Systems.
Das Netzwerk schrumpft, der Kern wächst
Hier liegt der entscheidende Widerspruch. Googles Network-Werbeeinnahmen, also die Erlöse aus AdSense, AdMob und dem Ad Manager für externe Publisher, erreichten in Q2 2025 einen historischen Tiefstand: nur noch 10 % des gesamten Werbeumsatzes. 90 % der Werbeeinnahmen fließen inzwischen in Googles eigene Properties: Search, YouTube und die KI-Features.
Wer verliert wirklich?

Publisher und Websitebetreiber
Wer eine Website betreibt und auf Traffic aus der Google Suche angewiesen ist, spürt den Wandel unmittelbar. 93 % aller Suchanfragen über Googles KI-Mode enden ohne einen einzigen Klick auf eine externe Website. Nutzer verbringen im Schnitt 49 Sekunden pro KI-Mode-Sitzung innerhalb von Googles Oberfläche.
Die organischen Klickraten sind bei informationsgetriebenen Suchanfragen um bis zu 61 % eingebrochen. Bei bezahlten Anzeigen auf denselben Anfragen beträgt der Rückgang bis zu 68 %.
Im Januar 2026 verschärfte sich die Lage noch einmal dramatisch: Technische Störungen in Google Ad Manager und AdSense führten bei zahlreichen Publishern weltweit zu Umsatzeinbrüchen zwischen 50 und 90 % über Nacht.
Werber zahlen mehr für weniger Sichtbarkeit
Wer in Branchen wie Technologie oder Telekommunikation Suchanzeigen schaltet, zahlt heute höhere Klickpreise als vor einem Jahr. Der Grund: AI Overviews erscheinen oberhalb der organischen Ergebnisse und verdrängen bezahlte Anzeigen nach unten. Wer weiterhin sichtbar sein will, muss mehr bieten.
Wie groß ist ChatGPT wirklich?

Das Bild vieler Entscheider von ChatGPT als neuem Suchmonopol entspricht nicht der Realität.
Die zehn größten KI-Chatbots zusammen verzeichneten im Zeitraum April 2024 bis März 2025 rund 55 Milliarden Besuche. Im gleichen Zeitraum kamen die zehn größten Suchmaschinen auf 1,863 Billionen Besuche. Das entspricht einem KI-Anteil von knapp 3 %.
Zudem gilt: Rund 70 % der ChatGPT-Nutzung entfällt auf kreative Aufgaben wie Texte schreiben, Programmieren und Bildgenerierung. Nur 30 % sind klassische Informationssuchen, die in direkter Konkurrenz zu Google stehen.
Googles Marktanteil bei der Suche fiel in Q4 2024 erstmals seit 2015 unter die 90-Prozent-Marke. Ein echter Einbruch ist das nicht, aber das Signal ist klar: Googles Stellung als unangefochtener Standardzugang zum Internet ist zum ersten Mal überhaupt fragwürdig geworden.
Was hat Google unternommen?

„Google verliert keine Werbeeinnahmen an ChatGPT. Google verliert Vertrauen. Und das ist die teurere Währung.“ — Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Google hat auf die KI-Konkurrenz nicht gewartet, sondern aggressiv reagiert. AI Overviews, AI Mode und das neue Kampagnenformat AI Max sind Teil einer Strategie, die Traffic innerhalb von Googles Ökosystem halten soll.
AI Mode erreichte in den USA und Indien über 100 Millionen monatlich aktive Nutzer. Im Januar 2026 ermöglichte Google Nutzern, direkt aus einem AI Overview in eine vollständige AI-Mode-Konversation zu wechseln, ohne die Google-Oberfläche je zu verlassen.
Für Werbetreibende bedeutet das: Anzeigen tauchen nicht mehr nur in klassischen Suchergebnissen auf, sondern künftig auch direkt in KI-generierten Antworten. Google experimentiert bereits mit entsprechenden Formaten in Performance Max und AI Max Kampagnen.
Was bedeutet das für Ihr Unternehmen?

Wenn Sie Google Ads schalten
Die Grundregeln des Suchmaschinenmarketings gelten weiterhin, aber die Mechanik hat sich verschoben. Wer für kommerzielle Suchanfragen wirbt, also Anfragen mit klarer Kaufabsicht, spürt die KI-Veränderungen weniger stark als jemand, der auf informationsgetriebene Suchanfragen setzt.
Seer Interactive analysierte über 25 Millionen Impressionen und stellte fest: Marken, die in KI-generierten Antworten zitiert werden, erzielen eine um 91 % höhere bezahlte Klickrate als Marken ohne KI-Sichtbarkeit. Die neue Währung heißt Autorität, nicht Budget.
Wenn Sie auf organischen Google-Traffic angewiesen sind
Informationsgetriebener Content steht unter dem größten Druck. Suchanfragen nach Definitionen, einfachen Erklärungen oder schnellen Fakten beantwortet Google inzwischen selbst. Der Traffic auf solche Seiten bricht ein.
Komplexe, beratungsintensive und transaktionale Inhalte halten sich dagegen besser. Wer Inhalte produziert, die eine echte Kaufentscheidung begleiten oder ein spezifisches Problem lösen, hat weiterhin eine realistische Chance auf Klicks.
Mehr dazu, wie KI das digitale Marketing strukturell verändert, lesen Sie in unserem Schwerpunkt zu Künstlicher Intelligenz.
Droht Google langfristig ein Rückgang?

Rechtliche Risiken wiegen schwer
Neben der KI-Konkurrenz setzt Google ein anderes Risiko unter Druck: die Regulierung. Die EU-Kommission verhängte im September 2025 eine Geldstrafe von 2,95 Milliarden Euro gegen Google wegen Marktmachtmissbrauchs im Werbetechnologiebereich. In den USA drängt das Justizministerium auf einen Zwangsverkauf von Chrome, Googles Browser mit über 65 % globalem Marktanteil.
Verliert Google Chrome, verliert Google einen strukturellen Vorteil, der sich in Milliarden von Suchanfragen pro Tag auszahlt.
Das strukturelle Problem bleibt
Selbst wenn Googles Umsatz heute wächst, ist das Modell fragil. Je mehr Suchanfragen Google selbst beantwortet, desto weniger Klicks gibt es zu verkaufen. Analysten von Gartner prognostizierten bereits 2024 einen Rückgang des klassischen Suchvolumens um 25 % bis 2026.
Glossar: 12 wichtige Fachbegriffe zu Google Ads und KI-Suche

AI Overview
AI Overview bezeichnet die KI-generierten Zusammenfassungen, die Google seit 2024 direkt in den Suchergebnissen anzeigt. Für Werbetreibende bedeutet das weniger Sichtbarkeit für klassische Anzeigen unterhalb der Zusammenfassung.
AI Mode
AI Mode ist Googles fortgeschrittener KI-Suchmodus, der eine vollständige Konversation innerhalb der Google-Oberfläche ermöglicht. 93 % dieser Suchanfragen enden ohne Klick auf externe Websites.
Click-Through-Rate (CTR)
Die CTR beschreibt das Verhältnis von Klicks zu Impressionen. AI Overviews haben die CTR bei informativen Suchanfragen um bis zu 61 % gesenkt.
Cost-per-Click (CPC)
Der CPC ist der Betrag, den ein Werbetreibender pro Klick auf eine Anzeige zahlt. In Branchen mit hoher AI-Overview-Dichte steigen CPCs, weil Anzeigen weiter unten platziert werden.
Google Network
Das Google Network umfasst alle externen Publisher, die Googles Werbetechnologie nutzen: AdSense für Websites, AdMob für Apps und Google Ad Manager für größere Verlage. Die Einnahmen aus diesem Segment fielen auf einen historischen Tiefstand von 10 % des Gesamtumsatzes.
Performance Max
Performance Max ist Googles KI-gestütztes Kampagnenformat, das Anzeigen automatisch über alle Google-Kanäle ausspielt: Search, YouTube, Gmail, Display und Maps.
AI Max
AI Max ist eine 2025 eingeführte Erweiterung für klassische Suchkampagnen, die keywordlose Zielgruppenansprache und automatische Textvariationen kombiniert. Interne Google-Daten zeigen eine Steigerung der Conversions um durchschnittlich 19 % bei frühen Nutzern.
Zero-Click-Search
Eine Zero-Click-Search bezeichnet eine Suchanfrage, bei der der Nutzer die gewünschte Information direkt in den Suchergebnissen erhält und keine externe Website besucht.
AdSense
AdSense ist Googles Programm für Websitebetreiber, die Werbeflächen auf ihren Seiten an Google vermieten. Das Programm steht unter Druck, weil sinkende Klickzahlen aus der Google Suche den Traffic auf teilnehmenden Websites reduzieren.
Share of Voice
Share of Voice misst im KI-Kontext, wie oft eine Marke in KI-generierten Antworten erwähnt wird, verglichen mit Wettbewerbern.
Demand Gen
Demand Gen ist Googles visuelles Kampagnenformat für YouTube, Gmail und Google Discover. Google positioniert das Format als direkten Konkurrenten zu Metas Werbeanzeigen.
Programmatic Advertising
Programmatic Advertising bezeichnet den vollautomatisierten Ein- und Verkauf von Werbeflächen in Echtzeit. Technische Störungen in diesem System, wie im Januar 2026, können Publisher-Einnahmen über Nacht um bis zu 90 % einbrechen lassen.
FAQ zu Googles Werbeeinnahmen
Sind Googles Werbeeinnahmen durch ChatGPT gesunken?
Nein. Alphabet erzielte 2025 erstmals über 400 Milliarden Dollar Jahresumsatz. Google Search allein wuchs in Q4 2025 um 17 % auf 63 Milliarden Dollar Quartalsumsatz. ChatGPT hat Googles Kerngeschäft bisher nicht beschädigt, aber die Struktur des Werbesystems grundlegend verändert.
Welche Auswirkungen haben KI-Suchanfragen auf Google Ads?
KI-Suchanfragen über Googles AI Mode enden zu 93 % ohne Klick auf eine externe Website. Das reduziert die Sichtbarkeit klassischer Anzeigen. Google reagiert, indem Anzeigen künftig direkt in KI-generierten Antworten erscheinen. Werbetreibende sollten ihre Kampagnenstrategie auf die neuen Formate AI Max und Performance Max ausrichten.
Lohnt sich Google Ads noch in 2026?
Für kommerzielle Suchanfragen mit klarer Kaufabsicht lohnt sich Google Ads weiterhin. Informationsgetriebene Kampagnen stehen dagegen unter Druck, weil AI Overviews viele Antworten direkt in den Suchergebnissen liefern. Die bezahlte Klickrate ist bei diesen Anfragen um bis zu 68 % gesunken.
Warum verlieren Publisher Einnahmen, obwohl Google wächst?
Google verschiebt Werbebudgets systematisch von externen Publishern zu eigenen Plattformen wie Search, YouTube und KI-Features. Der Anteil des Google Network am Gesamtwerbebudget fiel 2025 auf historisch niedrige 10 %. Publisher verlieren Traffic durch Zero-Click-Searches und damit ihre Anzeigeneinnahmen.
Wie groß ist ChatGPTs Anteil an der Suche wirklich?
ChatGPT und alle anderen KI-Chatbots zusammen kamen im Zeitraum April 2024 bis März 2025 auf rund 3 % des Suchvolumens der klassischen Suchmaschinen. ChatGPT wird zudem zu etwa 70 % für kreative Aufgaben wie Texte und Code genutzt, nicht für klassische Informationssuchen.
Was müssen Unternehmen bei ihrer Google Ads Strategie 2026 ändern?
Unternehmen sollten ihre Inhalte auf KI-Zitierbarkeit optimieren, also auf umfassende, autoritative Antworten auf komplexe Fragen. Marken, die in KI-Antworten erscheinen, erzielen eine um 91 % höhere bezahlte Klickrate. Gleichzeitig lohnt sich eine Diversifikation weg von rein informationsgetriebenen Kampagnen hin zu transaktionalen und kommerziellen Suchanfragen.
Quellen
- ALM Corp | Google Search Revenue Hits $63 Billion in Q4 2025 | https://almcorp.com/blog/google-search-63-billion-ai-mode-advertising-q4-2025/
- ALM Corp | AdSense Revenue Plunge January 2026 | https://almcorp.com/blog/adsense-revenue-plunge-january-2026-causes-solutions-recovery/
- Digital Applied | Google AI Mode: 75M Users, Ads in 25% of AI Results | https://www.digitalapplied.com/blog/google-ai-mode-75m-users-ads-in-ai-results-2026
- IMD | Google vs LLM: The Future of Search | https://www.imd.org/ibyimd/artificial-intelligence/battle-for-search-dominance/
- PPC.land | Google ad platform failures slash publisher revenue up to 90% overnight | https://ppc.land/google-ad-platform-failures-slash-publisher-revenue-up-to-90-overnight/
- Dataslayer | AI Overviews Killed CTR 61% | https://www.dataslayer.ai/blog/google-ai-overviews-the-end-of-traditional-ctr-and-how-to-adapt-in-2025
- OneLittleWeb | AI Chatbot vs Search Engine Traffic 2025
Zum Newsletter anmelden
Kommen Sie wie über 6.000 andere Abonnenten in den Genuss des Dr. Web Newsletters. Als Dankeschön für Ihre Anmeldung erhalten Sie das große Dr. Web Icon-Set: 970 Icons im SVG-Format – kostenlos.






Schreiben Sie einen Kommentar