Eine Chat-App mit eigener Oberfläche zwingt Entwickler heute zur Mehrarbeit: Dasselbe Formular entsteht einmal für ChatGPT, einmal für Claude, dazu für Copilot und Gemini. Der Designer Patrick Neeman fordert deshalb einen gemeinsamen Standard. Mit MCP Apps steht seit November 2025 der erste offizielle Kandidat bereit, getragen ausgerechnet von OpenAI und Anthropic gemeinsam.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenMCP Apps soll ein Ärgernis beenden, das jeder kennt, der Software für KI-Assistenten schreibt. Eine simple Terminbuchung oder ein Freigabedialog verlangt bei jedem Assistenten bisher einen eigenen Bauplan. Genau hier setzt der Ruf nach einem gemeinsamen Standard für agentische Oberflächen an.
Das Wichtigste in Kürze
- Interaktive Oberflächen für KI-Assistenten wie ChatGPT und Claude entstehen bislang für jeden Anbieter getrennt, weil ein gemeinsamer Standard fehlt.
- MCP Apps ist die erste offizielle Erweiterung des Model Context Protocol und liefert Formulare, Dashboards und Dialoge einheitlich an die Hosts aus.
- OpenAI und Anthropic legten die Spezifikation (SEP-1865) im November 2025 gemeinsam vor, ein seltener Schulterschluss zweier Rivalen.
- Für Entscheider zählt vor allem eins: einmal bauen statt viermal, bei voller Kontrolle über die ausgelieferte Oberfläche.
Warum baut jede KI ihr eigenes Formular?

Der Designer Patrick Neeman bringt das Grundproblem auf den Punkt: Ohne Standard müssen Entwickler für jeden Host getrennte Umsetzungen oder Adapter pflegen.[1] Die Zersplitterung hat System. ChatGPT, Claude, Gemini und Microsoft Copilot bringen jeweils eigene Wege mit, um eine Eingabemaske im Chat darzustellen, und dieselbe Terminbuchung entsteht dadurch mehrfach.
Das gleiche Muster kennt man aus der Frühzeit jeder Plattform. Vor dem Model Context Protocol band jedes Werkzeug seine Daten über eine eigene Schnittstelle an, bis MCP diese Anbindung vereinheitlichte. Wie stark solche Protokolle inzwischen den Arbeitsalltag prägen, zeigt der Einsatz von MCP im Asset-Management. Die Oberfläche blieb dabei außen vor, und genau diese Lücke soll nun geschlossen werden.
Was löst MCP Apps, und wer steht dahinter?
MCP Apps standardisiert, wie ein Server interaktive Oberflächen an den Host ausliefert.[2] Die Bauweise bleibt bewusst schlicht: Oberflächen werden als Ressourcen unter dem Schema ui:// vorab angemeldet und laufen im Host in einer abgeschotteten iframe-Sandbox, die Kommunikation läuft über das bestehende JSON-RPC-Protokoll. Der Host sieht das HTML also vor der Anzeige und behält die Kontrolle.
Getragen wird die Erweiterung von den MCP-Maintainern bei OpenAI und Anthropic gemeinsam mit den Machern von MCP-UI.[2] Als erste offizielle Erweiterung des Protokolls zielt sie auf Hosts wie Claude, ChatGPT, Goose und VS Code. Ergänzt wird sie durch das offene Protokoll AG-UI, das den laufenden Datenstrom zwischen Agent und Oberfläche regelt. Wie weit Entwickler beim Zuschnitt auf Agenten gehen, zeigt ein Design Engineer, der sein Frontend-Wissen als ladbare Skills verpackt.
Ein Standard für KI-Oberflächen entscheidet darüber, ob der Mittelstand einmal baut oder dem nächsten Assistenten hinterherprogrammiert. Dass ausgerechnet OpenAI und Anthropic hier an einem Strang ziehen, ist das eigentliche Signal.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was heißt das für Entscheider im DACH-Raum?
Für Agenturen und IT-Abteilungen im DACH-Raum bedeutet der Standard vor allem weniger Doppelarbeit. Eine Anbindung, die auf MCP Apps setzt, läuft grundsätzlich in jedem unterstützenden Host, statt für jeden Anbieter neu entwickelt zu werden. Die Sandbox-Architektur hilft zugleich beim Datenschutz, weil die Oberfläche gekapselt bleibt und der Host jede Auslieferung vor der Anzeige prüfen kann.
Ein Selbstläufer ist die Sache noch nicht. MCP Apps ist eine optionale Erweiterung im frühen Stadium, bestehende Integrationen laufen unverändert weiter, und niemand sollte funktionierende Anbindungen vorschnell abreißen. Sinnvoll ist ein Testprojekt: eine einzelne interaktive Funktion gegen MCP Apps bauen, das Verhalten in Claude und ChatGPT prüfen und die Wartungslast mit der bisherigen Mehrfachlösung vergleichen.
Quellen
[1] Patrick Neeman, UX Collective: „The call for an agentic standard“
[2] Model Context Protocol: „MCP Apps: Extending servers with interactive user interfaces“
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