Frankreich ist 2025 gleich zweimal herabgestuft worden, obwohl die zweitgrößte Volkswirtschaft der Eurozone weiter Autos, Flugzeuge und Atomstrom exportiert. Die Ratingagenturen begründeten das mit politischer Instabilität und blockierten Haushalten, nicht mit der Wirtschaftsleistung. Institutionelle Stärke entscheidet im Rating oft härter als jede Wachstumszahl, und dieser Beitrag zeigt, an welchen vier Kennzahlen die Agenturen sie festmachen.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenEin Land kann reich sein und trotzdem schlecht bewertet werden. Paris führt das gerade vor: Regierungen stürzen im Halbjahrestakt, ein Haushalt kommt nicht durch die Nationalversammlung, und die Agenturen ziehen die Konsequenz. Fitch hat im September 2025 auf A+ gesenkt, S&P folgte im Oktober, und Moody’s hält als einzige der drei noch ein Aa3, eine Stufe darüber. Die französische Wirtschaft hat sich in diesen Wochen kaum verändert. Verändert hat sich das Vertrauen in die Handlungsfähigkeit des Staates.
Dieser Beitrag gehört zur Serie, in der wir die Bausteine eines Länder-Ratings einzeln aufschlüsseln. Wie eine ganze Volkswirtschaft überhaupt zur Note wird, steht im Überblick zum Länder-Rating. Warum wirtschaftliche Größe allein nicht reicht, klärt die Säule zur Wirtschaftsstärke, und wie tragfähig die Staatskasse ist, behandelt die Säule zur Fiskalstärke. Hier geht es um das Fundament unter allem: Rechtsstaat, Verwaltung und Korruptionskontrolle.
Das Wichtigste in Kürze
- Institutionelle Stärke misst, wie verlässlich ein Staat regiert, Recht durchsetzt und Korruption kontrolliert. Sie ist im Rating oft der schwerste Einzelfaktor.
- Vier Indizes liefern die Datenbasis: die Worldwide Governance Indicators der Weltbank, der Korruptionsindex von Transparency International, der Rule-of-Law-Index des World Justice Project und der Demokratieindex der Economist Intelligence Unit.
- Fitch zieht die Governance-Werte der Weltbank direkt in sein Rating-Modell und gewichtet sie dort am höchsten.
- Das Rating belohnt Rechtssicherheit, nicht Demokratie: Singapur trägt AAA und gilt zugleich nur als eingeschränkte Demokratie.
Angeberwissen in fünf Fragen: der Governance-Check
1 Was misst die Säule institutionelle Stärke? Aufklappen ↓
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2 Welche Kennzahl zieht Fitch direkt in sein Rating-Modell? Aufklappen ↓
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3 Warum ist Frankreich 2025 zweimal herabgestuft worden? Aufklappen ↓
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4 Wie schneidet Singapur ab? Aufklappen ↓
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5 Wo steht Deutschland beim Korruptionsindex 2025? Aufklappen ↓
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Was bedeutet institutionelle Stärke im Rating?

Institutionelle Stärke beschreibt, wie zuverlässig ein Staat funktioniert, wenn niemand hinschaut. Setzen Gerichte geltendes Recht durch, auch gegen die Regierung? Zieht die Verwaltung Steuern ein, ohne dass Schmiergeld fließt? Bleibt Politik berechenbar, wenn die Mehrheiten wechseln? Aus diesen Fragen entsteht die Note, die im Rating oft schwerer wiegt als jede Konjunkturzahl.
Der Begriff wirkt abstrakt, sein Effekt ist es nicht. Ein Gläubiger, der einem Staat Geld leiht, verlässt sich darauf, dass dieser Staat in zehn Jahren noch existiert, noch zahlt und die Spielregeln nicht über Nacht ändert. Diese Erwartung nennt die Bonitätsprüfung Verlässlichkeit, und sie speist sich weniger aus dem Bruttoinlandsprodukt als aus der Qualität der Institutionen dahinter.
Genau hier trennt sich diese Säule von den beiden anderen. Wirtschaftsstärke fragt, wie groß und produktiv eine Volkswirtschaft ist. Fiskalstärke fragt, ob die Staatskasse die Schulden trägt. Institutionelle Stärke fragt etwas Grundsätzlicheres: ob überhaupt jemand am Ruder sitzt, der zahlen kann und zahlen will.
Der Fall Frankreich zeigt die Reihenfolge der Wichtigkeit. Die französische Wirtschaft ist weiter eine der stärksten Europas. Herabgestuft worden ist das Land trotzdem, weil die politische Führung keinen Haushalt beschließen konnte. Institutionelle Schwäche schlägt in diesem Fall wirtschaftliche Stärke.
Institutionelle Stärke misst nicht, wie reich ein Land ist, sondern wie verlässlich es regiert wird. Diese Verlässlichkeit entscheidet im Rating oft schwerer als Wachstum oder Exportkraft.
Welche Kennzahlen messen die Qualität der Institutionen?

Vier Indizes haben sich als Standard etabliert, und jeder beleuchtet einen anderen Ausschnitt. Zusammen ergeben sie das Bild, aus dem die Agenturen ihre Einschätzung formen. Einzeln betrachtet hat jeder seine blinde Stelle, deshalb lohnt der Blick auf alle vier.
An erster Stelle stehen die Worldwide Governance Indicators der Weltbank. Sie bündeln sechs Dimensionen: Mitsprache und Rechenschaft, politische Stabilität, Regierungseffektivität, Regulierungsqualität, Rechtsstaatlichkeit und Korruptionskontrolle. Jedes Land bekommt je Dimension einen Perzentilrang von 0 bis 100. Diese Werte sind fürs Rating besonders relevant, weil eine Agentur sie unverändert übernimmt.
Der zweite Index ist der Korruptionswahrnehmungsindex von Transparency International. Er reicht von 0 für hochkorrupt bis 100 für sauber und erscheint jedes Jahr im Februar. Der Index 2025 hat einen neuen Tiefstand markiert: Der weltweite Schnitt ist auf 42 Punkte gefallen, nur fünf Länder liegen überhaupt über 80.
Rechtsstaat, Korruptionskontrolle und Regierungsfähigkeit lassen sich nicht direkt messen. Vier etablierte Indizes nähern sich der Frage aus je eigenem Blickwinkel. Je weiter der Balken nach rechts reicht, desto besser der Spitzenwert.
Deckt Regierungseffektivität, Rechtsstaat und Korruptionskontrolle ab. Fitch zieht diese Werte direkt in sein Rating-Modell.
Weltweiter Schnitt nur 42 Punkte. Deutschland verbesserte sich auf 77 und steht auf Rang 10.
Misst gelebten Rechtsstaat aus Umfragen. Deutschland steht auf Rang 5 mit 0,83.
Vier Regimetypen von voller Demokratie bis autoritär. Fürs Rating zweitrangig, wie der Fall Singapur zeigt.
Als dritte Größe zählt der Rule-of-Law-Index des World Justice Project. Er stützt sich auf mehr als 214.000 Haushaltsbefragungen und misst gelebten Rechtsstaat entlang von acht Faktoren, von der Kontrolle der Regierungsmacht bis zur Ziviljustiz. Dänemark führt die Ausgabe 2024 mit 0,90 an, Deutschland steht auf Rang 5.
Der vierte Index, der Demokratieindex der Economist Intelligence Unit, spielt fürs Rating die kleinste Rolle. Er sortiert Länder auf einer Skala von 0 bis 10 in vier Regimetypen von der vollen Demokratie bis zur Autokratie. Warum die Agenturen ihn nachrangig behandeln, zeigt später der Fall Singapur besonders deutlich.
Auffällig ist eine gemeinsame Schwäche aller vier: Drei davon beruhen auf Wahrnehmung und Expertenurteil, nicht auf gemessenen Größen. Das macht sie nützlich und angreifbar zugleich, ein Punkt, auf den das vierte Kapitel zurückkommt.
- Weltbank-Governance-Indikatoren: sechs Dimensionen, Perzentil 0 bis 100, direkte Rating-Relevanz.
- Korruptionsindex: 0 bis 100, weltweiter Schnitt zuletzt nur 42.
- Rule-of-Law-Index: acht Faktoren, Deutschland auf Rang 5.
- Demokratieindex: vier Regimetypen, fürs Rating nachrangig.
Wie stark gewichten S&P, Moody’s und Fitch die Institutionen?

Alle drei großen Agenturen führen einen eigenen Institutionen-Block in ihrer Methodik, und bei keiner ist er Beiwerk. Standard & Poor’s prüft die Kreditwürdigkeit entlang eines institutionellen und wirtschaftlichen Profils, in dem Regierungseffektivität und Rechtsstaat einen festen Platz haben. Moody’s führt die Kategorie ausdrücklich als „Institutions and Governance Strength“.
Am transparentesten macht es Fitch. Das Sovereign Rating Model der Agentur ruht auf vier Säulen, und die sogenannten strukturellen Merkmale tragen darin das höchste Gewicht. In diese Säule fließen die Governance-Indikatoren der Weltbank direkt ein, und Fitch benennt sie selbst als die am stärksten gewichtete Variable des gesamten Modells.
Was das praktisch bedeutet, zeigt ein Blick in eine Fitch-Bewertung. Bei Saudi-Arabien vermerkt die Agentur einen ESG-Relevanzwert von 5 für Rechtsstaat und Korruptionskontrolle, die höchste Stufe, weil die Weltbank-Werte im Modell so schwer wiegen. Ein Land mit schwachen Governance-Rängen kann seine Note also kaum über eine bestimmte Schwelle heben, so stark die Wirtschaft auch läuft.
Wie viel Gewicht genau auf die Governance entfällt, ist zwischen Beobachtern strittig. Indiens Finanzministerium hat den Agenturen vorgerechnet, rund 15 Prozent der Länder-Note hingen an Governance-Kennzahlen, überwiegend aus dem Weltbank-Index, und die Methodik gehöre überarbeitet. Diese Zahl stammt aus der Kritik eines betroffenen Staates, nicht aus einer Agentur, taugt also als Größenordnung und nicht als amtlicher Wert.
Über das reine Modell hinaus behalten die Agenturen einen Ermessensspielraum. Fitch etwa darf seine rechnerische Note über einen qualitativen Aufschlag um bis zu drei Stufen nach oben oder unten korrigieren. Genau dieser Spielraum greift, wenn ein Land wie Frankreich politisch ins Rutschen gerät, schneller als jede Kennzahl es abbilden würde.
- S&P bündelt Institutionen im institutionellen und wirtschaftlichen Profil.
- Moody’s führt sie als eigene Kategorie Institutions and Governance.
- Fitch gewichtet die Weltbank-Governance-Werte am höchsten und lässt bis zu drei Stufen qualitativen Spielraum.
Was die Institutionen-Kennzahlen verschweigen

So plausibel die vier Indizes wirken, ihre Schwächen gehören auf den Tisch, sonst liest man die Ranglisten falsch. Drei davon wiegen schwer, und alle drei sind in den Quellen selbst dokumentiert.
Erstens messen die meisten dieser Indizes keine Tatsachen, sondern Wahrnehmung. Der Korruptionsindex etwa bündelt Urteile von Experten und Geschäftsleuten, keine gezählten Bestechungsfälle. Wahrnehmung reagiert träge und folgt manchmal dem Ruf eines Landes statt seiner Realität, was gefestigte Rechtsstaaten tendenziell begünstigt und Aufsteiger benachteiligt.
Zweitens verdichtet jeder Index ein ganzes Land zu einer Zahl. Regionale Unterschiede, funktionierende Nischen in einem sonst schwachen Staat oder faule Stellen in einem starken verschwinden im Mittelwert. Ein einziger Punktwert suggeriert eine Eindeutigkeit, die es vor Ort selten gibt.
Drittens droht ein Zirkelschluss. Eine schlechtere Governance-Note treibt die Zinsen, höhere Zinsen engen den Haushalt ein, ein enger Haushalt schwächt Verwaltung und Investitionen weiter. Die Bewertung kann so mitverursachen, was sie eigentlich nur beschreiben will.
Am deutlichsten wird die blinde Stelle bei einem Land, das gleich zwei Indizes gegeneinander laufen lässt. Singapur führt die Korruptionskontrolle weltweit mit an und trägt bei allen drei Agenturen die Bestnote AAA. Im Demokratieindex gilt es zugleich nur als eingeschränkte Demokratie, weil politische Rechte und Pressefreiheit beschränkt sind. Das Rating stört dieser Widerspruch nicht, denn es belohnt Rechtssicherheit und Verlässlichkeit, nicht freie Wahlen.
Diese Unterscheidung ist die Kante der ganzen Säule. Wer institutionelle Stärke mit Demokratie gleichsetzt, missversteht, was die Agenturen bewerten. Sie fragen nicht, ob ein Staat frei ist, sondern ob er verlässlich zahlt. Frankreich setzt seine Gesetze im Übrigen hart durch, etwa den Ökomalus gegen Ultra-Fast-Fashion, und scheitert trotzdem an der schlichtesten Regierungsaufgabe, einen Haushalt zu verabschieden. Handlungsfähigkeit zerfällt eben nicht überall gleichzeitig.
- Drei der vier Indizes messen Wahrnehmung, nicht gezählte Tatsachen.
- Jeder Index presst ein Land in eine Zahl und verdeckt regionale Unterschiede.
- Das Rating belohnt Rechtssicherheit, nicht Demokratie, wie der Fall Singapur zeigt.
Frankreich exportiert weiter Flugzeuge und Atomstrom und ist trotzdem zweimal abgestuft worden. Das Rating misst eben nicht die Wirtschaftskraft, sondern ob am Ende jemand regiert, der den Haushalt durchbringt.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Wer führt, wer fällt zurück?

Ganz oben drängen sich die kleinen, gefestigten Rechtsstaaten. Dänemark führt den Korruptionsindex 2025 mit 89 Punkten an, im achten Jahr in Folge, gefolgt von Finnland, Singapur, Neuseeland und Norwegen. Mehr als diese fünf Länder schaffen den Sprung über 80 Punkte nicht mehr, und dieselben Namen tauchen auch beim Rule-of-Law-Index und im Kreis der verbliebenen Triple-A-Staaten wieder auf.
Ganz unten stehen Staaten in Konflikt und Autokratie. Somalia und Südsudan teilen sich mit je 9 Punkten den letzten Platz, Venezuela folgt mit 10. Der Rule-of-Law-Index zeichnet dasselbe Bild, dort schließt Venezuela die Rangliste ab. Institutionelle Schwäche und wirtschaftliche Not verstärken sich hier gegenseitig.
Der Korruptionsindex 2025 zeigt das Muster der ganzen Säule. Oben stehen kleine, gefestigte Rechtsstaaten, unten Konflikt- und Autokratiestaaten. Werte auf der Skala von 0 (korrupt) bis 100 (sauber).
Nur fünf Staaten liegen über 80 Punkten: Dänemark, Finnland, Singapur, Neuseeland und Norwegen.
Singapur steht beim Korruptionsindex in der Weltspitze und trägt bei allen drei großen Agenturen das Spitzenrating AAA. Im Demokratieindex gilt es zugleich nur als eingeschränkte Demokratie. Der Widerspruch ist gewollt: Das Rating belohnt Rechtssicherheit und Verlässlichkeit, nicht freie Wahlen.
Die eigentliche Lehre steckt in einem Muster, das sich durch alle Ranglisten zieht: Größe schützt nicht. Singapur mit rund sechs Millionen Einwohnern trägt AAA, die USA und China nicht. Die Vereinigten Staaten haben im Mai 2025 ihr letztes Spitzenrating verloren, als Moody’s der früheren Abstufung von S&P und Fitch gefolgt ist, unter anderem wegen wiederkehrender Haushaltsblockaden und politischer Polarisierung. Wie sich diese Governance-Schwäche in Zahlen niederschlägt, zeigt der Blick auf die US-Staatsverschuldung.
Genau dieses Muster hat unser Wirtschafts-Prototyp zur WM 2026 schon einmal durchgespielt, als Korruptionskontrolle dort als eigene Disziplin gegeneinander antrat. Nicht die größte Volkswirtschaft gewinnt, sondern die verlässlichste. Ein Ergebnis, das im Sportvergleich überrascht und im Rating der Normalfall ist.
An der Spitze stehen kleine, gefestigte Rechtsstaaten, am Ende Konflikt- und Autokratiestaaten. Größe entscheidet nicht: Singapur trägt AAA, die USA und China nach ihren Abstufungen nicht mehr.
Wo steht Deutschland?

Deutschland gehört zu den Gewinnern dieser Säule, und das mit Abstand. Bei allen drei großen Agenturen trägt das Land die Bestnote und zählt damit zu den nur noch rund zehn Staaten weltweit, die das Triple-A durchgängig halten. Im Korruptionsindex 2025 hat sich Deutschland auf 77 Punkte und Rang 10 verbessert, im Rule-of-Law-Index steht es auf Rang 5, im Demokratieindex gilt es als volle Demokratie.
Diese Werte erklären, warum der deutsche Aufhänger und der französische Gegenpol so weit auseinanderliegen. Beide Länder sind wirtschaftlich vergleichbar stark. Deutschland hält sein AAA dennoch, sogar mit dem milliardenschweren Schuldenpaket für Infrastruktur und Verteidigung, das die Regierung seit Mai 2025 auf den Weg gebracht hat. Frankreich hat sein Doppel-A verloren, weil die politische Führung an der Grundaufgabe scheitert.
Der Grund liegt in der institutionellen Reserve. Ein Staat mit verlässlicher Verwaltung, unabhängigen Gerichten und stabiler Politik darf sich neue Schulden erlauben, weil Gläubiger ihm zutrauen, das Geld sinnvoll einzusetzen und zurückzuzahlen. Dieselbe Schuldenaufnahme wäre in einem instabilen Land ein Warnsignal, in einem gefestigten ist sie eine Investition.
Sorglos ist die deutsche Lage trotzdem nicht. Bei der Regulierungsqualität, einer der sechs Weltbank-Dimensionen, drückt die vielzitierte Bürokratielast, und der Trend in Westeuropa zeigt beim Korruptionsindex seit Jahren leicht nach unten. Ein Spitzenplatz ist kein Besitzstand, sondern eine Momentaufnahme, die jedes Jahr neu verdient sein will.
Für Entscheider heißt das zweierlei. Die Bonität des eigenen Standorts hängt an Faktoren, die kein Unternehmen direkt steuert, aber täglich spürt, von der Rechtssicherheit bis zur Verwaltungseffizienz. Und die deutsche Bestnote ist ein Standortvorteil, der sich in niedrigeren Finanzierungskosten für Staat und Wirtschaft niederschlägt, solange die Institutionen halten.
- Deutschland trägt bei allen drei Agenturen AAA und hält es trotz neuer Schulden.
- Der Grund ist die institutionelle Reserve aus Rechtsstaat, Verwaltung und Stabilität.
- Schwachstelle bleibt die Regulierungslast, und der Spitzenplatz will jährlich neu verdient sein.
Glossar: 12 wichtige Fachbegriffe zu institutioneller Stärke

AAA (Triple-A)
AAA (Triple-A) ist die höchste Stufe auf der Bonitätsskala aller drei großen Agenturen und signalisiert die geringste Ausfallwahrscheinlichkeit. Weltweit halten nur noch rund zehn Staaten das Triple-A durchgängig, darunter Deutschland und Singapur.
Corruption Perceptions Index (CPI)
Corruption Perceptions Index (CPI) ist der jährliche Korruptionswahrnehmungsindex von Transparency International. Er bewertet gut 180 Länder auf einer Skala von 0 für hochkorrupt bis 100 für sauber und stützt sich auf Urteile von Experten und Geschäftsleuten.
Demokratieindex
Demokratieindex nennt sich der Index der Economist Intelligence Unit, der Länder von 0 bis 10 bewertet und in vier Regimetypen einordnet, von der vollen Demokratie bis zur Autokratie. Fürs Rating spielt er die kleinste Rolle der vier Kennzahlen.
ESG-Relevanzwert
ESG-Relevanzwert ist eine Kennziffer von Fitch, die angibt, wie stark ein Umwelt-, Sozial- oder Governance-Faktor auf die Note wirkt. Der Höchstwert 5 markiert einen entscheidenden Rating-Treiber, etwa Rechtsstaat und Korruptionskontrolle.
Governance
Governance ist der Sammelbegriff für die Qualität des Regierens: Verwaltung, Rechtsdurchsetzung, Korruptionskontrolle und politische Stabilität. Im Länder-Rating bildet Governance den Kern der institutionellen Säule und beeinflusst die Note über mehrere Kennzahlen zugleich.
Institutionelle Stärke
Institutionelle Stärke ist die Rating-Säule, die bewertet, wie verlässlich ein Staat regiert, Recht durchsetzt und Korruption kontrolliert. Sie ist bei mehreren Agenturen der schwerste Einzelfaktor und wiegt oft mehr als Wirtschaftsleistung oder Schuldenstand.
Perzentilrang
Perzentilrang ist eine Einordnung von 0 bis 100, die angibt, welchen Anteil aller Länder ein Staat übertrifft. Ein Perzentilrang von 90 bedeutet, dass ein Land besser abschneidet als 90 Prozent der übrigen. Die Weltbank nutzt diese Skala.
Qualitativer Aufschlag
Qualitativer Aufschlag heißt der Ermessensspielraum, mit dem eine Agentur ihre rechnerische Modellnote nachjustiert. Bei Fitch sind bis zu drei Stufen nach oben oder unten möglich, etwa um politische Schocks abzubilden, die das Zahlenmodell noch nicht erfasst.
Rechtsstaatlichkeit
Rechtsstaatlichkeit bezeichnet den Grundsatz, dass staatliches Handeln an Recht und Gesetz gebunden ist und Gerichte es unabhängig kontrollieren. Sie ist eine der sechs Weltbank-Dimensionen und ein zentraler Treiber der Bonität, weil sie Verträge und Eigentum absichert.
Rule-of-Law-Index
Rule-of-Law-Index ist der Rechtsstaatsindex des World Justice Project. Er misst gelebten Rechtsstaat entlang von acht Faktoren auf einer Skala von 0 bis 1, gestützt auf über 214.000 Haushaltsbefragungen. Dänemark führt, Deutschland steht auf Rang 5.
Sovereign Rating Model (SRM)
Sovereign Rating Model (SRM) ist das quantitative Modell von Fitch zur Länderbewertung. Es ruht auf vier Säulen, wobei die strukturellen Merkmale mit den Weltbank-Governance-Werten das höchste Gewicht tragen. Das Ergebnis lässt sich durch den qualitativen Aufschlag anpassen.
Worldwide Governance Indicators (WGI)
Worldwide Governance Indicators (WGI) sind die Governance-Indikatoren der Weltbank mit sechs Dimensionen von Regierungseffektivität bis Korruptionskontrolle. Sie liefern Perzentilränge von 0 bis 100 und fließen bei Fitch unmittelbar und am stärksten gewichtet in die Bonitätsnote ein.
FAQ: Institutionelle Stärke: Warum Rechtsstaat die Bonität hebt

Was versteht man unter institutioneller Stärke im Länder-Rating?
Institutionelle Stärke bezeichnet, wie verlässlich ein Staat regiert, Recht durchsetzt und Korruption kontrolliert. Ratingagenturen behandeln sie als eigenen Bewertungsblock, der oft schwerer wiegt als Wirtschaftsleistung oder Schuldenstand, weil er die Zahlungsverlässlichkeit über Jahrzehnte abbildet.
Welche Rolle spielt Korruption für die Kreditwürdigkeit eines Staates?
Korruption senkt die Bonität direkt, weil sie Steuereinnahmen untergräbt, Investitionen verteuert und die Verlässlichkeit des Staates schwächt. Der Korruptionsindex von Transparency International fließt über die Governance-Kennzahlen in die Bewertung aller drei großen Agenturen ein.
Warum wurde Frankreich 2025 herabgestuft, obwohl die Wirtschaft stark ist?
Ausschlaggebend war politische Instabilität, nicht die Wirtschaftsleistung. Fitch und S&P senkten Frankreich 2025 auf A+, weil wechselnde Regierungen keinen Haushalt beschließen konnten. Binnen gut eines Jahres wechselten drei Regierungen.
Ist ein demokratisches Land automatisch besser bewertet?
Nein. Das Rating belohnt Rechtssicherheit und Verlässlichkeit, nicht demokratische Freiheit. Singapur gilt nur als eingeschränkte Demokratie, trägt aber bei allen drei Agenturen das Spitzenrating AAA, weil Verwaltung und Rechtsdurchsetzung als hochverlässlich gelten.
Welche Kennzahlen nutzen Ratingagenturen für die Institutionen?
Vor allem die Worldwide Governance Indicators der Weltbank, dazu den Korruptionsindex von Transparency International und den Rule-of-Law-Index des World Justice Project. Fitch bezieht die Weltbank-Werte unmittelbar in sein Modell ein und gewichtet sie am höchsten.
Wie schneidet Deutschland bei der institutionellen Stärke ab?
Deutschland trägt bei allen drei Agenturen AAA und zählt zu den rund zehn verbliebenen Triple-A-Staaten. Im Korruptionsindex 2025 erreicht es 77 Punkte und Rang 10, im Rule-of-Law-Index Rang 5. Schwachstelle bleibt die hohe Regulierungslast.
Quellen
- Weltbank | Worldwide Governance Indicators (Methodik und Länderwerte) | https://www.worldbank.org/en/publication/worldwide-governance-indicators | besucht am 01.09.2026
- Transparency International | Corruption Perceptions Index 2025 | https://www.transparency.org/en/cpi/2025 | besucht am 01.09.2026
- World Justice Project | Rule of Law Index 2024 | https://worldjusticeproject.org/rule-of-law-index/ | besucht am 01.09.2026
- Economist Intelligence Unit | Democracy Index 2024 | https://www.eiu.com/n/campaigns/democracy-index-2024/ | besucht am 01.09.2026
- Fitch Ratings | Sovereign Rating Criteria (Sovereign Rating Model, Qualitative Overlay) | https://www.fitchratings.com/ | besucht am 01.09.2026