Fisch landet in Deutschland zu 82,7 Prozent als Importware auf dem Teller. Der Selbstversorgungsgrad ist binnen eines Jahres um 3,4 Punkte auf 17,3 Prozent gefallen. Als wäre das noch nicht genug, hat Perus Fischereiministerium die Fischfang-Quote um 36 Prozent gekürzt und die Saison am 11. Juni vorzeitig gestoppt.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenSchon seit den späten 1980er Jahren stagniert die Menge an weltweit gefangenem Fisch bei rund 90 Millionen Tonnen pro Jahr während die Nachfrage wächst. Seit 2024 stammt mehr als die Hälfte der Weltproduktion für Fisch nicht aus dem Netz, sondern aus der Fischzucht.
Das Wichtigste in Kürze
- Die FAO zählte für 2024 erstmals mehr Fisch aus Aquakultur (103 Millionen Tonnen) als aus Wildfang (92 Millionen Tonnen). Zusammen mit Algen kommt die Weltproduktion auf 235 Millionen Tonnen.
- Der Anteil der biologisch nachhaltig befischten Bestände sank von 64,5 auf 62,4 Prozent. Gleichzeitig stammen 72,6 Prozent aller Anlandungen aus gut gemanagten Beständen.
- Deutschland deckt 17,3 Prozent seines Bedarfs selbst, importiert knapp zwei Millionen Tonnen und verbraucht 15,2 Kilogramm je Kopf pro Jahr.
- Perus Anchovis-Quote für die erste Saison 2026 liegt bei 1,91 Millionen Tonnen, 36 Prozent unter Vorjahr. Peru stellt rund ein Fünftel der Weltproduktion an Fischmehl und Fischöl.
Bluff oder Wissen? Der Fisch-Check
1Wie viel Fisch kam 2024 weltweit aus Aquakultur?Aufklappen ↓
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2Wie hoch ist Deutschlands Selbstversorgungsgrad bei Fisch?Aufklappen ↓
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3Um wie viel kürzte Peru die Anchovis-Quote für die erste Saison 2026?Aufklappen ↓
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4Welches Land betreibt die größte Hochseefischereiflotte der Welt?Aufklappen ↓
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5Seit wann gilt das WTO-Abkommen gegen schädliche Fischereisubventionen?Aufklappen ↓
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Was ist Fisch als Rohstoff und wie entsteht ein Bestand?
Fisch ist der einzige industriell genutzte Rohstoff, der sich selbst nachbildet. Ein Bestand wächst über Laichmenge, Aufwuchs und natürliche Sterblichkeit nach, und genau diese Nachwuchsrate setzt die Grenze, wie viele Tonnen jedes Jahr entnommen werden dürfen.
Ein weiblicher Kabeljau gibt bei einem einzigen Laichvorgang mehrere Millionen Eier ab. Von diesen Eiern erreicht statistisch etwa eines das Erwachsenenalter, alles andere frisst das Meer. Diese Verschwendung ist keine Panne der Evolution, sondern das Prinzip: Der Bestand puffert Schwankungen über schiere Masse ab.
Zwischen Laichen und Fangreife liegen je nach Fisch wenige Monate oder mehrere Jahre. Eine peruanische Anchovis laicht schon im ersten Lebensjahr und ist deshalb extrem schnell wieder da, sobald das Wasser stimmt. Ein Roter Thun braucht vier bis fünf Jahre, ein atlantischer Kabeljau drei bis fünf. Diese Reproduktionszeit entscheidet darüber, ob ein zusammengebrochener Bestand in zwei Jahren oder in zwei Jahrzehnten zurückkommt.
| Art | Laichreif nach | Wichtigster Fanggrund | Bedeutung |
|---|---|---|---|
| Peruanische Anchovis | 1 Jahr | Humboldtstrom vor Peru | Rohstoff für Fischmehl und Fischöl |
| Hering | 3 bis 4 Jahre | Nordsee und Ostsee | 11,0 Prozent des deutschen Verzehrs |
| Kabeljau und Dorsch | 3 bis 5 Jahre | Barentssee, Nordsee, Ostsee | Klassischer Speisefisch, mehrfach kollabiert |
| Roter Thun | 4 bis 5 Jahre | Atlantik und Mittelmeer | Höchstpreise im Sashimi-Segment |
Die Fischereiwissenschaft übersetzt das in eine einzige Kennzahl: den höchstmöglichen Dauerertrag, im Fachjargon MSY. Der Internationale Rat für Meeresforschung (ICES) berechnet daraus jedes Frühjahr, wie viele Tonnen eine Flotte einem Bestand entnehmen kann, ohne die Laicherbiomasse unter kritische Werte zu drücken. Sinkt der Bestand unter die Grenzreferenz Blim, gilt die Reproduktion als gefährdet.
Die geografische Verteilung folgt dem Nährstoff, nicht der Geologie. Auftriebsgebiete, in denen kaltes, nährstoffreiches Tiefenwasser an die Oberfläche steigt, machen weniger als ein Prozent der Meeresfläche aus und tragen einen überproportionalen Teil der Weltfangmenge. Der Humboldtstrom vor Peru ist der produktivste dieser Flecken, dahinter folgen der Benguelastrom vor Namibia und der Kanarenstrom vor Westafrika.
Der zweite große Fangraum sind die flachen Schelfmeere: Nordsee, Barentssee, Beringmeer, die Bänke vor Neufundland. Anders als ein Erzvorkommen lässt sich ein Fischbestand nicht bohren und beziffern. Wie viel Fisch ein Bestand hergibt, schätzen Forschungsschiffe, Fangstatistiken und Altersanalysen, und jede dieser Schätzungen trägt eine Fehlerspanne.
Bei den Förderkosten ersetzt der Treibstoff den Bergbau. Ein Krabbenkutter vor Norddeich verbrennt Diesel für jede Stunde Schleppnetz, ein Fabrikschiff in der Beringsee verbrennt ihn für Wochen. Steigt der Ölpreis, wandert der Fang aus entlegenen Gebieten zuerst aus der Wirtschaftlichkeit, lange bevor der Bestand knapp wird.
Wer machte den Fisch zur Handelsware und wie begann der Rausch?

Der erste Boom mit Fisch entstand aus der Haltbarkeit. Getrockneter Stockfisch von den Lofoten und in Salz eingelegter Hering aus der Ostsee ließen sich monatelang lagern und über tausende Kilometer verschiffen, und damit begann der Fernhandel mit Fisch als Eiweißquelle.
Norwegische Fischer hängten Kabeljau schon im Mittelalter an Holzgestelle in den kalten Küstenwind. Der so getrocknete Stockfisch verlor rund vier Fünftel seines Gewichts, hielt Jahre und wurde zum Reiseproviant der Wikinger und später zur Handelsware Bergens.
Die Hanse baute daraus ein System. Vom Frieden von Stralsund 1370 an kontrollierten die norddeutschen Kaufleute den Heringsfang vor Schonen an der Südspitze des heutigen Schweden praktisch konkurrenzlos. Der Dreieckshandel führte Getreide und Malz von Lübeck nach Bergen, Stockfisch von Bergen nach England und Flandern, Tuche von dort zurück nach Lübeck. Ohne Salz als Konservierungsmittel aus den Lüneburger Sieden wäre dieses Netz nie entstanden. Die Nachfrage lieferte die Kirche gleich mit, denn an Fastentagen war Fleisch verboten und Fisch nicht. Der Hering wurde damit zum ersten Massenlebensmittel Nordeuropas.
1497 erreichte der venezianische Seefahrer John Cabot im englischen Auftrag die Bänke vor Neufundland. Die Berichte über Kabeljauschwärme, in denen sich angeblich Körbe ohne Netz füllen ließen, zogen portugiesische, baskische und französische Flotten über den Atlantik. Aus dem gesalzenen und getrockneten Fang entstand der Klippfisch, bis heute Grundlage des portugiesischen Bacalhau und der spanischen Bacalao-Küche.
Industriell wurde die Sache erst mit Dampf und Eis. 1885 lief mit der SAGITTA der erste deutsche Fischdampfer vom Stapel, 1896 gründeten Bremer Kaufleute die Deutsche Dampffischereigesellschaft Nordsee und legten im selben Jahr den Bremerhavener Fischereihafen an. Eisenbahn und Kühlhaus brachten frischen Fisch aus der Nordsee erstmals ins Binnenland.
Den letzten Sprung machte 1954 die britische FAIRTRY, das erste Fabrikschiff, das den Fang an Bord filetierte und einfror. Sowjetische, japanische und später koreanische Reedereien kopierten das Prinzip innerhalb weniger Jahre. Von da an war kein Fanggrund für Fisch mehr zu weit entfernt, und der Aktionsradius einer Flotte hing nur noch am Treibstoff.
Wie hat der Fisch die Weltkarte verändert?

Fisch hat die Seegrenzen der Erde neu gezogen. Die 200-Seemeilen-Zone, heute Grundlage des Seerechts und der Rohstoffansprüche im Meeresboden, setzte Island in den Kabeljaukriegen gegen Großbritannien durch, und zwar mit gekappten Netzen statt mit Kanonen.
Zwischen 1958 und 1976 weitete Island seine Fischereigrenze in drei Schüben von vier auf zwölf, dann auf 50 und schließlich auf 200 Seemeilen aus. Britische Trawler fischten weiter, die isländische Küstenwache kappte deren Schleppnetze, die Royal Navy schickte Fregatten. Island drohte mit dem Austritt aus der NATO und dem Ende des amerikanischen Stützpunkts Keflavík, und dieses Druckmittel wirkte in jedem der drei Konflikte.
Auch die Bundesrepublik war Partei. Deutsche Hochseetrawler verloren mit den isländischen und norwegischen Zonen ihre wichtigsten Fanggründe, und die Bremerhavener Flotte schrumpfte in den Folgejahrzehnten auf einen Rest zusammen. Das Seerechtsübereinkommen von 1982 schrieb die ausschließlichen Wirtschaftszonen dann global fest und verwandelte weite Teile der Ozeane in Hoheitsgebiet.
1992 verhängte Ottawa ein vollständiges Fangverbot für den Nordatlantik-Kabeljau vor Neufundland und Labrador, nachdem der Bestand kollabiert war. Rund 30.000 bis 40.000 Menschen verloren Arbeit und Erwerbsgrundlage, und erst 2024 vergab das Fischereiministerium nach 32 Jahren wieder eine Offshore-Quote. In Europa arbeitet der Ostsee-Dorsch am selben Muster: Sauerstoffarme Zonen wachsen dort seit Jahrzehnten, weil Stickstoff und Phosphor aus der Landwirtschaft ins Meer gelangen und die Algenblüte anheizen. ICES empfiehlt für den westlichen Dorsch seit Jahren die Schließung der Fischerei, und der Klimawandel beschleunigt den Sauerstoffschwund zusätzlich.
Der größte Akteur der Gegenwart operiert weit außerhalb der eigenen Zone. Chinas Hochseeflotte umfasst nach Schätzungen bis zu 16.000 Schiffe, mehr als das Dreifache der Flotten Japans, Südkoreas, Spaniens und Taiwans zusammen. Global Fishing Watch ordnete China für den Dreijahreszeitraum ab 2022 44 Prozent der weltweit sichtbaren Fischereiaktivität zu, und im IUU Fishing Index der Global Initiative Against Transnational Organized Crime belegt das Land den letzten Platz unter 152 Küstenstaaten.
Wem der Fisch in einem Meeresgebiet gehört, ist bis heute justiziabel. Am 4. Oktober 2024 entschied die Große Kammer des Europäischen Gerichtshofs, dass die Handels- und Fischereiabkommen zwischen der EU und Marokko die besetzte Westsahara nicht einschließen dürfen, weil Marokko dort keine Souveränität besitzt. Die europäische Flotte verlor damit den Rechtsgrund für einen ihrer ertragreichsten Fanggründe vor Afrika.
Anteil nachhaltig befischter Bestände nach Region
Wie aus Fanggründen Grenzen wurden
Warum ist Fisch für die Weltwirtschaft so wichtig?

Fisch und Meeresfrüchte liefern rund 3,1 Milliarden Menschen ein Fünftel ihres tierischen Eiweißes und tragen weltweit über 600 Millionen Existenzen. Der internationale Handel damit erreichte zuletzt 184 Milliarden US-Dollar, umgerechnet 160,3 Milliarden Euro.
Der Bericht The State of World Fisheries and Aquaculture, den die FAO am 16. Juni 2026 in Mombasa vorstellte, markiert einen Wendepunkt. Erstmals lieferte die Aquakultur mit 103 Millionen Tonnen mehr als der Wildfang mit 92 Millionen Tonnen. Zusammen mit Algen kommt die Weltproduktion auf 235 Millionen Tonnen, und die Zucht deckt inzwischen 53 Prozent der Gesamtmenge sowie über 59 Prozent der Nahrungsproduktion.
Der Pro-Kopf-Verbrauch an Fisch liegt global bei 21,3 Kilogramm im Jahr, mit erheblicher Spreizung: Asien kommt auf 26,3 Kilogramm, Afrika auf 9,1. 89 Prozent der aquatischen Erzeugung gehen direkt in die menschliche Ernährung, der Rest in Futtermittel und Industrie. Ausgerechnet dieser kleinere Anteil ist die Schaltstelle des Systems, denn ohne Fischmehl läuft keine Lachszucht.
Die Bestandslage entwickelt sich in zwei Richtungen zugleich. Der Anteil biologisch nachhaltig befischter Bestände fiel von 64,5 auf 62,4 Prozent, gezählt nach Beständen. Nach Anlandemengen gerechnet stammen dagegen 72,6 Prozent des Fangs aus gut gemanagten Beständen, weil die großen, gut überwachten Bestände überproportional viel liefern. Bei Thunfisch gelten über 91 Prozent der bewerteten Bestände als nachhaltig, und 99 Prozent der Anlandungen kommen aus gesunden Beständen. Management wirkt also messbar, nur eben nicht überall.
| Kennzahl der deutschen Fischversorgung 2025 | Wert |
|---|---|
| Pro-Kopf-Verbrauch | 15,2 kg |
| Selbstversorgungsgrad | 17,3 Prozent |
| Eigene Erzeugung (Fanggewicht) | 219.700 t |
| davon Anlandungen im Ausland | 170.100 t |
| davon Binnenfischerei und Aquakultur | 34.800 t |
| Import | knapp 2.000.000 t |
| Export | 918.500 t |
Einen zentralen Weltmarktpreis wie bei Weizen oder Kupfer kennt der Fischhandel nicht. Fisch aus dem Wildfang wird über Auktionen und Kontrakte gehandelt, Zuchtlachs orientiert sich am Nasdaq Salmon Index, Fischmehl an peruanischen Ausschreibungen. Diese Zersplitterung macht den Markt für Einkäufer unübersichtlich und für Spekulanten interessant.
Die Handelswege verlaufen häufig zweimal um die halbe Welt. Ein in der Barentssee gefangener Kabeljau wird in China filetiert und in Europa verkauft, weil die Lohnkosten der Handarbeit den doppelten Transport und das zweite Einfrieren aufwiegen. Jede Störung der Kühlkette oder der Frachtraten schlägt beim Fisch deshalb sofort auf die Marge durch.
Für Deutschland fällt die Rechnung eindeutig aus. Die eigene Erzeugung stammt überwiegend aus Anlandungen deutscher Schiffe in ausländischen Häfen, im Inland selbst kamen 2025 nur 14.800 Tonnen an Land. Der Export von 918.500 Tonnen besteht großenteils aus veredelter Ware, deren Rohstoff zuvor eingeführt wurde. Ein Selbstversorgungsgrad von 17,3 Prozent macht die Bundesrepublik zu einem der abhängigsten Fischmärkte Europas.
In welchen Produkten steckt Fisch und was verschwindet ohne ihn?

Fisch steckt in weit mehr Regalen als der Kühltheke. Fischmehl und Fischöl gehen in Tierfutter, Omega-3-Kapseln und Aquakultur-Pellets, und genau dieser unsichtbare Teil der Kette reißt zuerst, sobald ein Auftriebsgebiet ausfällt.
Im Kühlregal ist die Sache schnell erzählt. In Deutschland führte Lachs den Verzehr 2024 mit 22,6 Prozent an, gefolgt von Alaska-Seelachs mit 19,8 Prozent, Thunfisch und Boniten mit 14,6 Prozent, Hering mit 11,0 Prozent und Garnelen mit 10,1 Prozent. Diese fünf Arten machen zusammen fast 80 Prozent des gesamten Fischkonsums aus.
Alaska-Seelachs ist der Fisch hinter Fischstäbchen, Schlemmerfilet und paniertem Tiefkühlfisch. Aus billigem Weißfisch entsteht außerdem Surimi, jene zu Paste verarbeitete und neu geformte Masse, aus der Krebsfleisch-Imitate für Sushi und Salate werden. Sardellen stecken in Worcestershiresauce und im klassischen Caesar-Dressing, und asiatische Fischsauce besteht aus fermentiertem Kleinfisch.
Weiter hinten in der Kette taucht Fisch dort auf, wo ihn niemand vermutet. Fischöl liefert die langkettigen Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA in Nahrungsergänzungskapseln. Fischmehl landet im Futtertrog von Schweinen, Geflügel und vor allem Zuchtfischen. Katzen- und Hundefutter arbeitet mit Fischnebenströmen, Kollagen aus Fischhaut geht in Kosmetik, und Fischabfälle werden zu Dünger verarbeitet.
Die Mengenverhältnisse zeigen, wo der Hebel sitzt. Rund 60 Prozent des weltweit produzierten Fischmehls und etwa 81 Prozent des Fischöls fließen in die Aquakultur. Wer also einen Zuchtlachs kauft, kauft indirekt peruanische Anchovis mit. Diese Abhängigkeit ist der eigentliche Flaschenhals der modernen Fischwirtschaft.
Damit steht fest, welcher Fisch bei einem Lieferausfall zuerst wegfällt. Fischstäbchen lassen sich auf andere Weißfischarten umstellen, Thunfisch aus der Dose ebenso, wenn auch teurer. Zuchtlachs dagegen hängt am Fischöl: Ohne diesen Rohstoff sinkt der Omega-3-Gehalt im Filet, und der gesundheitliche Kaufgrund verschwindet mit ihm. Für Omega-3-Kapseln existiert mit Algenöl ein technisch gleichwertiger Ersatz, der aber deutlich teurer produziert wird. Am wenigsten ersetzbar bleibt die Ernährungsgrundlage in Westafrika und Südostasien, wo Fisch keine Beilage ist, sondern die wichtigste Proteinquelle.
Was bei einem Lieferausfall zuerst wegfällt
Wie setzt sich der Preis für ein Kilo Lachs zusammen?

Ein Kilo norwegischer Lachs kostete die Züchter 2024 im Schnitt 64,60 Kronen an reinen Produktionskosten, umgerechnet 5,89 Euro. Über den Export ging dasselbe Kilo 2025 im Mittel für rund 88 Kronen oder 8,03 Euro raus.
Die Produktionskosten stammen aus der jährlichen Rentabilitätserhebung der norwegischen Fischereidirektion und enthalten Setzlinge, Futter, Löhne, Versicherung, Abschreibung, Schlachtung und Fracht. Das Futter ist dabei der mit Abstand größte Einzelposten, und genau über dieses Futter schlägt jede Fischmehlkrise direkt auf die Kostenseite der Zucht durch.
Den Exportpreis liefert eine einfache Division. Norwegen führte 2025 nach Angaben des Norwegian Seafood Council 1.414.909 Tonnen Lachs im Wert von 124,7 Milliarden Kronen aus, macht rechnerisch rund 88 Kronen je Kilo. Zwischen Produktionskosten und Exportpreis liegen damit etwa 23 Kronen oder 2,14 Euro, aus denen Züchter Steuern, Kapitalkosten und Gewinn bestreiten.
Ein Teil dieser Spanne fließt seit 2023 an den norwegischen Staat. Das Parlament in Oslo beschloss am 31. Mai jenes Jahres eine Grundrentensteuer von 25 Prozent auf die Aquakultur, nachdem die Regierung ursprünglich 35 Prozent gefordert hatte. Die Branche wehrte sich heftig, Mowi und SalMar kündigten Klagen an, und der Verband Sjømat Norge bezifferte die daraufhin gestoppten oder gekürzten Investitionen auf 40 Milliarden Kronen, umgerechnet 3,6 Milliarden Euro. Eine Rohstoffrente lässt sich also besteuern, sobald ein Staat die Lizenzen kontrolliert.
Zwischen Exportkai und Kühltheke kommt der teuerste Abschnitt. Ein Rechenbeispiel: Angenommen, ein Kilo Filet ließe sich aus rund 1,7 Kilogramm ganzem Lachs gewinnen, dann steckten allein 13,40 Euro Rohstoffwert im Endprodukt, bevor überhaupt jemand filetiert, verpackt, kühlt, transportiert und im Laden auslegt. Auf den Endpreis kommt in Deutschland der ermäßigte Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent.
Die Lachspreise gaben 2025 nach, weil Norwegen 13 Prozent mehr Menge auf den Markt brachte. Im deutschen Regal kam davon wenig an: Frischer Fisch als Filet kostete im Oktober 2025 nach Zahlen des Statistischen Bundesamts rund 34 Prozent mehr als im Mittel des Jahres 2020. Nach unten bewegt sich der Ladenpreis langsam, nach oben schnell, und daran ändert auch ein Rekordangebot wenig.
Vier Größen, die den Endpreis bewegen
Wer verdient am Fisch und wer zahlt drauf?

Am meisten verdient, wer die Lizenz und die Küste besitzt. Norwegen setzte 2025 mit Meeresprodukten 181,5 Milliarden Kronen um, umgerechnet 16,5 Milliarden Euro, und der Staat greift über eine Grundrentensteuer von 25 Prozent mit ab.
Der Lachs allein trug davon 124,7 Milliarden Kronen oder 11,4 Milliarden Euro bei. Polen, die USA und China sind die drei größten Abnehmer, wobei der chinesische Markt binnen eines Jahres um 31 Prozent zulegte und vom sechsten auf den dritten Platz sprang. Eine Konzentration auf wenige Konzerne wie Mowi, SalMar und Lerøy verstärkt die Gewinnwirkung zusätzlich.
Am anderen Ende der Kette stehen die Küstenfischer Westafrikas, für die Fisch Einkommen und Mahlzeit zugleich ist. In Mauretanien, Senegal, Gambia und Guinea-Bissau sind inzwischen über fünfzig Fischmehlfabriken entstanden, die frisch gefangene Sardinellen zu Mehl vermahlen. Genau diese Sardinelle ist dort das billigste tierische Eiweiß, und im Senegal stammen rund drei Viertel des tierischen Proteins aus dem Meer.
Der Mechanismus dahinter ist der Ressourcenfluch in seiner reinsten Form. Ein Land mit einem produktiven Auftriebsgebiet vor der Küste verkauft Rechte am Fisch gegen Devisen, weil die eigene Verarbeitungsindustrie fehlt. Die Devisen fließen in den Staatshaushalt, der Fisch geht außer Landes, und die lokale Bevölkerung konkurriert mit europäischen und asiatischen Zuchtbetrieben um das eigene Grundnahrungsmittel.
Island zeigt die Gegenrichtung. Nach den Kabeljaukriegen baute Reykjavík ein System handelbarer Fangquoten auf, hielt die Wertschöpfung im Land und machte die Fischerei zu einer profitablen, kapitalintensiven Industrie statt zu einer Subventionsempfängerin. Über den Abstand zwischen Island und dem Senegal entscheidet die Verhandlungsmacht gegenüber den Flotten, nicht der Fisch im Wasser.
| Merkmal | Island | Senegal und Mauretanien |
|---|---|---|
| Zugang zum Fanggrund | Eigene Flotte, seit 1976 exklusive 200-Seemeilen-Zone | Fangrechte an ausländische Flotten verkauft |
| Verarbeitung | Im Land, hohe Wertschöpfungstiefe | Fischmehlfabriken, überwiegend in ausländischer Hand |
| Steuerung der Menge | Handelbare Fangquoten je Bestand | Sardinellenbestände unter Druck, schwache Kontrolle |
| Wirkung auf die Bevölkerung | Fischerei als profitable Exportindustrie | Konkurrenz um das eigene Grundnahrungsmittel |
Die Weltmeere zahlen Zinsen, solange das Kapital liegen bleibt. Perus gekappte Anchovis-Quote erreicht Deutschland mit einem halben Jahr Verzögerung und einem Preisschild an der Lachstheke.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Verlierer sind auch die deutschen Küstenfischer, wenn auch aus anderem Grund. Die Kutterflotte an der Nordseeküste schrumpft seit Jahren, weil Quoten, Treibstoffkosten und Meeresschutzauflagen zusammenkommen. Bis Ende März 2026 lagen 48 Anträge auf Abwrackprämien vor, mehr als die erste Förderrunde mit zwölf Millionen Euro bedienen konnte, und der Nachfrageüberhang spricht seine eigene Sprache.
Wie mächtig ist die Fischerei-Lobby?

Weltweit fließen jährlich rund 22 Milliarden US-Dollar an schädlichen Fischereisubventionen, umgerechnet 19,2 Milliarden Euro. Dieses Geld verbilligt Treibstoff, Neubauten und Fernfahrten und hält damit Flotten auf See, die sich ohne Zuschuss längst nicht mehr rechnen würden.
Nach mehr als zwanzig Jahren Verhandlung trat am 15. September 2025 das erste bindende WTO-Abkommen zur ökologischen Nachhaltigkeit in Kraft, ausgelöst durch die Ratifikationen Brasiliens, Kenias, Tongas und Vietnams. Inzwischen haben 122 Staaten zugestimmt, Deutschland eingeschlossen. Das Abkommen untersagt Zuschüsse für illegale, unregulierte und ungemeldete Fischerei sowie für die Befischung überfischter Bestände ohne Wiederaufbauplan.
Die Lücke steckt im Detail. Der größte Subventionsblock, nämlich die allgemeine Kapazitätsförderung durch Treibstoffbeihilfen und Werftzuschüsse, blieb in der ersten Verhandlungsrunde ausgeklammert und wartet auf ein Anschlussabkommen. Verboten ist damit vor allem, was ohnehin illegal war, und die eigentliche Überkapazität bleibt vorerst finanziert.
In Europa spielt sich der Machtkampf jedes Jahr im Dezember ab. ICES legt im Frühjahr die wissenschaftlichen Fangempfehlungen vor, der EU-Fischereirat beschließt im Herbst die tatsächlichen Quoten, und regelmäßig liegen die politischen Zahlen über den wissenschaftlichen. Die Deutsche Umwelthilfe kritisierte die Ostsee-Quoten für 2026 mit dem Vorwurf, Fischen um jeden Preis verschärfe die Überfischung, und nannte insbesondere die erhöhten Fangmengen für Sprotte und Hering in der zentralen Ostsee als Risiko.
Die Branche argumentiert dabei mit der Küste, nicht mit dem Fisch. Arbeitsplätze, Tourismus, Tradition und Ernährungssouveränität sind die Stichworte, mit denen ein Kutterhafen politisch mehr Gewicht entfaltet als seine wirtschaftliche Größe hergibt. In Deutschland verstärkt das Fördergeld diesen Effekt: Der Bund stellt 20 Millionen Euro für das Abwrackprogramm bereit, unterstützt mit zehn Millionen Euro die Entwicklung eines klimaneutralen Nordseekutters, und Niedersachsen legt für die Krabbenfischerei mehr als eine Million Euro obendrauf.
Derselbe Staat zahlt für den Ausstieg aus der Fischerei und für ihre technische Erneuerung, und beides lässt sich politisch gut erklären. Ob am Ende eine kleinere, modernere Flotte oder nur eine teurere Schrumpfung herauskommt, entscheidet sich erst über die nächsten Förderrunden.
Wie kommen wir vom Wildfang los?

Der Ausstieg aus dem Wildfang läuft längst, nur nicht dort, wo die meisten ihn vermuten. Die Aquakultur hat den Wildfang mengenmäßig bereits überholt, hängt aber selbst am Wildfisch, solange Fischmehl und Fischöl im Futter stecken.
Der wirksamste Hebel liegt deshalb im Futtertrog. Rund 60 Prozent des Fischmehls und etwa 81 Prozent des Fischöls gehen in die Zucht, und jeder Prozentpunkt, der dort durch pflanzliche oder mikrobielle Rohstoffe ersetzt wird, lässt mehr Fisch im Meer. Rapsöl, Algenöl, Insektenmehl, Einzellerprotein und Soja als Eiweißlieferant teilen sich diesen Markt bereits auf, wobei Algenöl als einziger Ersatz die langkettigen Omega-3-Fettsäuren direkt mitliefert.
Der zweite Hebel ist unspektakulär und wirkt sofort: Nebenströme. Köpfe, Gräten, Häute und Innereien aus der Verarbeitung lassen sich zu Fischmehl vermahlen, statt den Rest im Container zu entsorgen. Ihr Anteil an der weltweiten Fischmehlproduktion wächst seit Jahren, und diese Verwertung braucht keinen einzigen zusätzlichen Fang.
Bei der Haltung selbst konkurrieren zwei Wege. Netzgehege im offenen Meer sind billig, aber anfällig für Lachsläuse, Ausbrüche und Nährstoffeintrag. Landbasierte Kreislaufanlagen filtern und führen ihr Wasser im Kreis, vermeiden diese Probleme weitgehend und schlucken dafür erhebliche Mengen Strom. Über die Wirtschaftlichkeit entscheidet damit der Energiepreis, nicht die Biologie.
Die billigste Alternative zum Wildfang bleibt allerdings der Fisch in einem intakten Bestand. Für den Nordseehering hob ICES die Fangempfehlung für 2027 um 38 Prozent gegenüber der Empfehlung für 2026 an, der Hering der zentralen Ostsee entwickelt sich das dritte Jahr in Folge positiv, und Kanada vergab nach 32 Jahren Moratorium wieder eine Kabeljauquote vor Neufundland. Erholung funktioniert, sobald der Druck lange genug wegbleibt.
Zellkultivierter Fisch und pflanzliche Filet-Imitate stehen dagegen weiter am Anfang. Beide lösen bislang kein Mengenproblem, sondern besetzen Nischen im Premium- und im Convenience-Segment. Eine spürbare Entlastung der Meere entsteht in den kommenden zehn Jahren deshalb eher über das Futter und über das Quotenmanagement als im Bioreaktor.
Was bedeutet die Anchovis-Krise für Deutschland?

Perus Produktionsministerium setzte die Quote für die erste Anchovis-Saison 2026 auf 1.914.049 Tonnen fest, 36 Prozent unter den drei Millionen Tonnen des Vorjahres und der niedrigste Wert seit einem Jahrzehnt. Am 11. Juni stoppte die Behörde die Saison in der Nord-Zentral-Zone, als erst ein Viertel der Quote gefangen war.
Die Gründe stehen im Wasser. Warme Oberflächentemperaturen im Vorfeld eines küstennahen El Niño und ein hoher Anteil juveniler Fische im Fang zwangen die Behörde zu Sperrungen im April, im Mai und schließlich im Juni. Peru liefert rund ein Fünftel der Weltproduktion an Fischmehl und Fischöl, und der Ausfall trifft damit keinen Nischenmarkt, sondern die Futtergrundlage der globalen Aquakultur.
Die Marktdaten bestätigen den Engpass. Die Marine-Ingredients-Organisation IFFO meldete für das Frühjahr 2026 eine gegenüber dem Vorjahr rückläufige Fischmehl- und Fischölproduktion, mit einem Minus von 21 Prozent allein im April und einem kumulierten Rückgang von 26 Prozent seit Jahresbeginn. Gleichzeitig wächst die chinesische Nachfrage, die bis 2034 auf 42 Prozent des weltweiten Fischmehlverbrauchs zulaufen soll.
Für deutsche Verbraucher läuft die Kette über den Fisch aus norwegischer Zucht. Teureres Futter erhöht die Produktionskosten in Norwegen, und norwegischer Lachs deckt mit 22,6 Prozent den größten Einzelposten des deutschen Fischverzehrs. Bei einem Pro-Kopf-Verbrauch von 15,2 Kilogramm und einem Selbstversorgungsgrad von 17,3 Prozent existiert kein heimischer Puffer, der einen Importpreis abfedern könnte.
Für deutsche Unternehmen liegt die Belastung in der Kalkulation. Verarbeiter, Tiefkühlhersteller, Gastronomie und Handel arbeiten mit Jahreskontrakten, deren Grundlage sich innerhalb weniger Monate verschiebt. Hersteller von Futtermitteln, Heimtiernahrung und Nahrungsergänzung spüren den Fischölpreis direkt in der Rezeptur.
Die Politik reagiert an anderer Stelle. Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer will mit dem Abwrackprogramm die Leistungsfähigkeit der Flotte und die tatsächlichen Fangmöglichkeiten wieder in Einklang bringen, insgesamt 20 Millionen Euro in drei Runden, drei Viertel davon für die Krabbenfischerei. Ziel ist eine um rund 30 Prozent kleinere Kutterflotte an der deutschen Nordseeküste. Gegen einen peruanischen Quotenausfall hilft diese Strukturpolitik allerdings nicht.
| Szenario für die kommenden Monate | Auslöser | Folge im deutschen Markt |
|---|---|---|
| Optimistisch | Die zweite peruanische Saison liefe normal an | Fischmehlpreise gäben nach, im Regal bliebe der Effekt unsichtbar |
| Realistisch | Die Futterkosten blieben erhöht | Zuchtlachs verteuerte sich moderat, Handelsmarken wichen auf Alaska-Seelachs aus |
| Pessimistisch | Ein ausgeprägter El Niño verzögerte auch die zweite Saison | Omega-3-Produkte und Premium-Lachs zögen spürbar an |
Praktisch ergibt sich daraus für beide Seiten dieselbe Empfehlung: Ausweichen üben. Beim Fisch fahren Verbraucher mit Hering, Makrele und Sardine günstiger und bekommen dieselben Omega-3-Fettsäuren, oft aus besser bewirtschafteten Beständen. Einkäufer in Handel und Gastronomie sollten Kontrakte auf mehrere Arten und Herkünfte verteilen, statt eine Kalkulation an einem einzigen Auftriebsgebiet vor der peruanischen Küste aufzuhängen. Der Rohstoff Fisch wächst nach, aber der Zeitplan dafür liegt nicht beim Einkauf.
Glossar: 16 wichtige Fachbegriffe rund um den Rohstoff Fisch

Anchoveta
Anchoveta ist der Handelsname der peruanischen Sardelle, eines kleinen Schwarmfischs im Humboldtstrom vor Peru und Chile. Die Art laicht bereits im ersten Lebensjahr, reagiert dadurch extrem schnell auf Umweltbedingungen und bildet die Rohstoffbasis für einen großen Teil der Weltproduktion an Fischmehl und Fischöl.
Aquakultur
Aquakultur bezeichnet die kontrollierte Aufzucht von Wassertieren und Wasserpflanzen in Teichen, Netzgehegen oder Kreislaufanlagen. Seit 2024 liefert die Aquakultur weltweit mehr Menge als der Wildfang und deckt über 59 Prozent der aquatischen Nahrungsmittelproduktion.
Ausschließliche Wirtschaftszone
Ausschließliche Wirtschaftszone (AWZ) nennt das Seerechtsübereinkommen den Meeresstreifen bis 200 Seemeilen vor der Küste, in dem ein Staat allein über Fischerei und Rohstoffe verfügt. Island erzwang dieses Prinzip in den Kabeljaukriegen, seit 1982 gilt die Regel weltweit.
Beifang
Beifang umfasst alle Tiere, die ungewollt ins Netz geraten: untermaßige Fische, andere Arten, Seevögel oder Meeressäuger. Ein hoher Anteil juveniler Fische im Beifang ist ein Warnsignal und führte 2026 in Peru mehrfach zur Sperrung ganzer Fanggebiete.
Blim
Blim steht für den Grenzreferenzwert der Laicherbiomasse. Sinkt ein Bestand unter diese Marke, gilt die Fortpflanzungsfähigkeit als beeinträchtigt, und die Fischereiwissenschaft empfiehlt in der Regel eine Nullquote bis zur Erholung.
Fangquote
Fangquote (TAC) bezeichnet die zulässige Gesamtfangmenge für einen Bestand in einem Jahr, aufgeteilt auf die berechtigten Staaten. In der EU beschließt der Fischereirat die Quoten, wissenschaftliche Grundlage sind die Empfehlungen des Internationalen Rats für Meeresforschung.
Fischmehl
Fischmehl entsteht durch Kochen, Pressen und Trocknen ganzer Kleinfische oder von Verarbeitungsresten. Rund 60 Prozent der Weltproduktion gehen in Futter für die Aquakultur, der Rest in die Schweine-, Geflügel- und Heimtiernahrung.
Fischöl
Fischöl fällt bei der Fischmehlproduktion als flüssige Phase an und enthält die langkettigen Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA. Etwa 81 Prozent der Weltproduktion fließen in Aquakulturfutter, der kleinere Rest in Nahrungsergänzung und Industrie.
Futterquotient
Futterquotient (FCR) gibt an, wie viel Kilogramm Futter für ein Kilogramm Zuwachs nötig sind. Zuchtlachs schneidet hier deutlich besser ab als Rind oder Schwein, weshalb Aquakultur als vergleichsweise effiziente Form der Eiweißerzeugung gilt.
Grundrentensteuer
Grundrentensteuer heißt eine Sonderabgabe auf Gewinne, die aus der Nutzung natürlicher Ressourcen stammen. Norwegen belegt die Lachsaquakultur seit 2023 mit 25 Prozent, nachdem das Parlament den ursprünglichen Regierungsvorschlag von 35 Prozent abgesenkt hatte.
ICES
ICES ist der Internationale Rat für Meeresforschung mit Sitz in Kopenhagen. Das Gremium bewertet die Bestände im Nordatlantik, in der Nordsee und in der Ostsee und veröffentlicht jährlich Fangempfehlungen, die Grundlage der europäischen Quotenverhandlungen sind.
IUU-Fischerei
IUU-Fischerei steht für illegale, unregulierte und ungemeldete Fischerei. Der IUU Fishing Index bewertet 152 Küstenstaaten anhand von 40 Indikatoren, und das erste WTO-Abkommen über Fischereisubventionen zielt genau auf diese Praxis.
Klippfisch
Klippfisch ist gesalzener und anschließend getrockneter Kabeljau, im Unterschied zum ungesalzenen Stockfisch. Portugiesische und baskische Flotten brachten das Verfahren nach der Entdeckung der Neufundlandbänke nach Südeuropa, wo der Klippfisch als Bacalhau bis heute Küchenklassiker trägt.
Kreislaufanlage
Kreislaufanlage (RAS) beschreibt eine landbasierte Zuchtanlage, die ihr Wasser mechanisch und biologisch filtert und im Kreis führt. Solche Anlagen vermeiden Ausbrüche und Nährstoffeintrag ins Meer, verbrauchen aber erheblich mehr Strom als Netzgehege.
Laicherbiomasse
Laicherbiomasse bezeichnet das Gesamtgewicht aller geschlechtsreifen Tiere eines Bestands. Diese Kennzahl misst die Fortpflanzungskraft und dient als zentrale Steuergröße im Fischereimanagement, weil aus ihr die zulässige Entnahme abgeleitet wird.
Surimi
Surimi ist eine Paste aus zerkleinertem, gewaschenem Weißfischmuskel, die mit Stärke, Salz und Aroma zu Imitaten von Krebs- oder Garnelenfleisch geformt wird. Das Verfahren stammt aus Japan und verwertet preiswerte Arten wie Alaska-Seelachs.
FAQ: Fisch aus dem Meer reicht nicht mehr

Woher kommt der Fisch, den Deutschland isst?
Rund 82,7 Prozent des in Deutschland verbrauchten Fisches stammen aus dem Ausland, der Selbstversorgungsgrad lag 2025 bei 17,3 Prozent. Knapp zwei Millionen Tonnen kommen als Import ins Land, vor allem Lachs aus Norwegen und Alaska-Seelachs aus dem Nordpazifik. Die eigene Erzeugung von 219.700 Tonnen entsteht überwiegend durch Anlandungen deutscher Schiffe in ausländischen Häfen, im Inland selbst kamen nur 14.800 Tonnen an Land.
Ist Zuchtlachs schlechter als Wildlachs?
Zuchtlachs und Wildlachs unterscheiden sich vor allem im Fettgehalt und im Omega-3-Profil, das beim Zuchtfisch direkt am Futter hängt. Sinkt der Fischölanteil im Futter, sinkt auch der Gehalt an EPA und DHA im Filet. Der Vorteil der Zucht liegt in der planbaren Menge, der Nachteil in der Abhängigkeit von Fischmehl und Fischöl aus dem Wildfang.
Warum wird Fisch immer teurer?
Treibstoff für die Flotte, Energie für Kühlung und Verarbeitung sowie knappere Fangquoten treiben den Preis gleichzeitig nach oben. Frischer Fisch als Filet kostete im Oktober 2025 nach Zahlen des Statistischen Bundesamts rund 34 Prozent mehr als im Mittel des Jahres 2020. Nachgebende Erzeugerpreise erreichen das Regal dagegen nur langsam.
Wie viele Fischbestände sind weltweit überfischt?
Nach dem FAO-Bericht The State of World Fisheries and Aquaculture 2026 gelten 62,4 Prozent der bewerteten Meeresfischbestände als biologisch nachhaltig befischt, gut 37 Prozent also als überfischt. Nach Anlandemengen gerechnet stammen dagegen 72,6 Prozent des Fangs aus gut gemanagten Beständen, weil große Bestände besser überwacht werden.
Wie lange dauert es, bis sich ein überfischter Bestand erholt?
Die Erholungsdauer hängt an der Zeit bis zur Laichreife: Eine peruanische Anchovis laicht schon im ersten Lebensjahr, ein Kabeljau erst nach drei bis fünf Jahren. Der Kabeljau vor Neufundland brauchte nach dem kanadischen Fangverbot von 1992 rund 32 Jahre, ehe das Fischereiministerium 2024 wieder eine Offshore-Quote vergab.
Welcher Fisch ist die günstigste Omega-3-Quelle?
Hering, Makrele und Sardine liefern dieselben langkettigen Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA wie Lachs, kosten aber deutlich weniger und stammen häufig aus besser bewirtschafteten Beständen. Hering deckte 2024 rund 11,0 Prozent des deutschen Fischverzehrs, Lachs mit 22,6 Prozent gut das Doppelte.
Quellen
FAO | SOFIA 2026: Global fisheries and aquaculture production reaches new highs | https://www.fao.org/newsroom/detail/sofia-2026–global-fisheries-and-aquaculture-production-reaches-new-highs/en | besucht am 31.07.2026
Marine Stewardship Council | Five takeaways from the FAO SOFIA Report 2026 | https://www.msc.org/media-centre/news-opinion/news/2026/06/19/five-takeaways-from-the-fao-sofia-report-2026 | besucht am 31.07.2026
Ministerio de la Produccion Peru | PRODUCE autoriza inicio de la primera temporada de pesca de anchoveta con una cuota de 1.91 millones de toneladas | https://www.gob.pe/institucion/produce/noticias/1373721-produce-autoriza-inicio-de-la-primera-temporada-de-pesca-de-anchoveta-con-una-cuota-de-1-91-millones-de-toneladas | besucht am 31.07.2026
We Are Aquaculture | The downward trend in fishmeal and fish oil production continued in 2026 | https://weareaquaculture.com/news/feed/the-downward-trend-in-fishmeal-and-fish-oil-production-continued-in-2026 | besucht am 31.07.2026
Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft | Versorgungsbilanz Fisch | https://www.bmel-statistik.de/ernaehrung/versorgungsbilanzen/fisch | besucht am 31.07.2026
Fisch-Informationszentrum | Fischkonsum 2024: Deutschlands Appetit auf Fisch | https://www.fischinfo.de/news/deutschlands-appetit-auf-fisch/ | besucht am 31.07.2026
Norwegian Seafood Council | Price growth for wild fish and increased salmon volume resulted in record value for Norwegian seafood exports in 2025 | https://en.seafood.no/news-and-media/news-archive/price-growth-for-wild-fish-and-increased-salmon-volume-resulted-in-record-value-for-norwegian-seafood-exports-in-2025- | besucht am 31.07.2026
SeafoodSource | Norwegian Directorate of Fisheries confirms salmon, rainbow trout company profits dropped over 30 percent in 2024 | https://www.seafoodsource.com/news/business-finance/norwegian-directorate-of-fisheries-confirms-lower-2024-profits-in-salmon-and-rainbow-trout-industry | besucht am 31.07.2026
Handelskammer Deutschland-Norwegen | Grundzinsdebatte in Norwegen: Parlament beschließt Lachssteuer von 25 Prozent | https://handelskammer.blog/lachssteuer_25_prozent/ | besucht am 31.07.2026
WWF Deutschland | WTO-Abkommen: Wichtiger Etappensieg für den Meeresschutz | https://www.wwf.de/themen-projekte/meere-kuesten/fischerei/wto-abkommen-wichtiger-etappensieg-fuer-den-meeresschutz | besucht am 31.07.2026
Deutsche Umwelthilfe | Deutsche Umwelthilfe zu neuen Ostsee-Fangquoten: Fischen um jeden Preis verschärft Überfischung | https://www.duh.de/presse/pressemitteilungen/pressemitteilung/deutsche-umwelthilfe-zu-neuen-ostsee-fangquoten-fischen-um-jeden-preis-verschaerft-ueberfischung-und/ | besucht am 31.07.2026
Nordwest-Zeitung | Küstenfischerei im Umbruch: Große Nachfrage nach Abwrackprogramm | https://www.nwzonline.de/wirtschaft/kuestenfischerei-im-umbruch-grosse-nachfrage-nach-abwrackprogramm-kutter-verschwinden-aus-kuestenorten_a_4,3,402206114.html | besucht am 31.07.2026
Land und Forst | So soll der Zukunftskutter die Nordsee-Fischerei retten | https://www.landundforst.de/niedersachsen/ostfriesland/so-zukunftskutter-nordsee-fischerei-retten-574797 | besucht am 31.07.2026
Oceana | China Dominates 44% of Visible Fishing Activity Worldwide | https://oceana.org/press-releases/china-dominates-44-of-visible-fishing-activity-worldwide/ | besucht am 31.07.2026
Aktionsgemeinschaft Solidarische Welt | Westsahara-Netzwerk zum EuGH-Urteil | https://www.aswnet.de/themen/westsahara/westsahara-netzwerk-zu-eugh-urteil | besucht am 31.07.2026
Stadt Bremerhaven | Zur Geschichte von Hochseefischerei und Fischwirtschaft | https://www.bremerhaven.de/de/aktuelles/zur-geschichte-von-hochseefischerei-und-fischwirtschaft.138138.html | besucht am 31.07.2026
Statistisches Bundesamt | Verbraucherpreisindex für Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke | https://www.destatis.de/DE/Themen/Wirtschaft/Konjunkturindikatoren/Preise/kpre520.html | besucht am 31.07.2026
Europäische Zentralbank | Euro foreign exchange reference rates | https://www.ecb.europa.eu/stats/policy_and_exchange_rates/euro_reference_exchange_rates/ | besucht am 31.07.2026