Das Design-Handwerk kostet plötzlich fast nichts, seit generative KI-Werkzeuge ganze Entwürfe in Minuten liefern. Microsoft-Designer Matthew Santone nennt das den entblößten Designer: Ohne die Hürde der Ausführung zeigt sich, wer wirklich eine Idee hat. Eine Figma-Studie mit 8.403 Fachleuten aus zehn Ländern liefert die Belege.

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Ein sauberer Entwurf brauchte früher Tage, heute genügen ein Prompt und wenige Minuten. Damit fällt genau der Teil weg, hinter dem sich mancher jahrelang versteckte. Was danach übrig bleibt, entscheidet über den Wert kreativer Arbeit.

Das Wichtigste in Kürze

  • Microsoft-Designer Matthew Santone beschreibt den „entblößten Designer“: KI macht die Ausführung billig, sichtbar bleibt allein die Haltung dahinter.
  • Die Figma-KI-Studie 2026 belegt den Wandel: 90 Prozent halten Design für mindestens so wichtig wie zuvor, fast 60 Prozent sogar für wichtiger.
  • Der Engpass verschiebt sich vom Können zur Entscheidung, welche der vielen KI-Varianten die richtige ist.
  • Für Agenturen im DACH-Raum zählt weniger die Zahl der Entwürfe, mehr das begründete Urteil und die Nähe zum Kunden.

Warum verliert sauberes Handwerk seinen Wert?

Schneiderpuppe mit Schild „Haltung“ und Kleiderbügel mit blauer Brille vor weißem Hintergrund
KI ermöglicht technische Perfektion in Minuten statt Tagen. Nur die dahinterstehende Idee unterscheidet noch

Sobald ein KI-Werkzeug in Minuten baut, wofür früher Tage nötig waren, trägt technische Perfektion nichts mehr zur Unterscheidung bei. Sichtbar bleibt allein die Idee dahinter.[1]

Santone beschreibt in seinem Essay für Microsoft Design, wie er saubere Ausführung lange als Schutzschild nutzte, damit niemand nach der eigentlichen Aussage fragte.[1] Solange der Aufwand als Beweis für Ernsthaftigkeit galt, ließ sich eine fehlende Idee kaschieren.

Der Bruch reicht damit tiefer als bei jedem neuen KI-Werkzeug. Ohne den Aufwand als Deckung bleibt die unbequeme Frage, ob hinter einem Entwurf eine Überzeugung steht. Substanz statt Routine wird zum eigentlichen Unterschied.

Was zählt, wenn jeder in Minuten gestaltet?

Den Ausschlag gibt das Urteil, welche der vielen KI-Varianten die richtige ist. Eine Maschine erzeugt tausend Richtungen, die Auswahl und die Haltung dahinter bleiben menschlich.

Santone bringt es auf einen Satz: „Was die KI nicht kann, ist sich darum kümmern, welche Richtung die richtige ist.“[1] Wo automatisch gebaute Oberflächen ins Generische kippen, entsteht der Wert erst durch die bewusste Entscheidung.

Die Figma-KI-Studie 2026 legt Zahlen unter diese These. 90 Prozent der befragten Fachleute halten Design für mindestens so wichtig wie vor der KI, fast 60 Prozent sogar für wichtiger.[2] Sobald KI jeden verzehnfacht, zählt laut Figma nicht mehr die eigene Geschwindigkeit, sondern die Frage, was überhaupt gebaut gehört, ähnlich wie beim Trend zum reinen Skizzieren.

Der Engpass wandert vom Können zur Entscheidung. Deutschland gehört zu den zehn Märkten der Erhebung, die Verschiebung trifft Kreativteams hier genauso.[2] Für Agenturen zählt darum weniger die Zahl gelieferter Layouts, mehr das begründete Konzept; in der Ausbildung rückt Kritik vor das reine Werkzeug-Klicken.

Nicht das schnellste Werkzeug gewinnt, sondern das begründete Urteil. KI verzehnfacht die Menge an Entwürfen, den Wert schafft die Person, die weiß, welcher davon der richtige ist.

— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Design im KI-Zeitalter: Was die Zahlen sagen
Figma-KI-Studie 2026, 8.403 Fachleute aus zehn Märkten
90 %
halten Design für mindestens so wichtig wie vor der KI
fast 60 %
sehen Design sogar als wichtiger an als zuvor
41 % statt 7 %
sagen, dass KI die Teamarbeit heute verändert, vor zwei Jahren waren es 7 Prozent
8.403
befragte Fachleute aus zehn Ländern, darunter Deutschland

Auftraggeber wiederum bewerten Angebote besser nach der Klarheit der Idee als nach Stundenzahl. Teamleiter sollten darum jetzt weniger in schnellere Werkzeuge investieren, mehr in das gemeinsame Urteil darüber, was ein Entwurf eigentlich sagen soll.

Quellen

[1] Microsoft Design: „The naked designer: what happens when you can’t hide behind craft“ (Matthew Santone)

[2] Figma: „Figma’s 2026 AI Report“

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