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Was sind Progressive Web Apps und sind sie besser als native Apps?

Bei so vielen Smartphones brauchst du doch unbedingt eine App. So denken nicht wenige Unbedarfte, im Designerjargon auch als Kunden bekannt. Aber sogar Fachleute empfehlen bisweilen, bei Redesigns direkt auf native Apps zu setzen, anstatt auf eine Website. Warum das falsch ist, erklärt dieser Artikel.

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Wir schreiben das Frühjahr des Jahres 2018. Es handelt sich um das Jahr, in dem sich Progressive Web Apps aller Prognose nach endgültig durchsetzen dürften. Wenn du dich mit dem Thema bisher nicht beschäftigt hast, dann wird es jetzt höchste Zeit.

Menschen verbringen immer mehr Zeit mit ihren mobilen Geräten

Zum Thema der Nutzung nativer Apps gibt es einen ganzen Reigen verschiedener Studien, die mal die eine, mal die andere Sichtweise unterstützen. Häufig kommt es allerdings allein darauf an, wie wir die Studienergebnisse lesen. Schauen wir uns einmal die schlagkräftigsten Beispiele an.

Im US Mobile App Report veröffentlicht das Statistikunternehmen Comscore Zahlen zur Verweildauer von Nutzern mobiler Geräte. Dabei stellt sich heraus, dass mobile Nutzer 87 Prozent ihrer Zeit in Apps verbringen und nur 13 Prozent mittels mobiler Browser im offenen Web. Diese Zahl ist ebenfalls seit Jahren weitgehend stabil, obschon in den letzten Jahren rückläufig zu Gunsten der Mobilbrowser.

Na, das ist doch mal eine ganz klare Aussage, mag dein Kunde jetzt denken. Ich brauche eine App für mein Unternehmen. Immerhin habe ich damit eine Chance von 87:13, dass ich mobil wahrgenommen wäre. Allein, die Annahme ist falsch.

Denn schauen wir uns die Top 10 der Apps an, wird schnell klar, dass es sich hier gar nicht um eine Konkurrenzsituation zwischen dem offenen Web und dem App-Kosmos handelt. Die Nutzer verwenden ihre Geräte schlicht ganz anders.

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Quelle: comScore

Dabei ist es gerechtfertigt, die Facebook-App aus der Betrachtung heraus zu nehmen, denn hier handelt es sich lediglich um eine appifizierte Form der Webnutzung. Facebook ist nun mal die mit Abstand größte digitale Präsenz des Planeten. Das können wir nicht als Referenz sehen. Gleiches gilt für YouTube. Hier bietet die Verwendung der mobilen Site keine Vorteile. Die App greift auf die gleichen Inhalte zu.

Auffällig: Acht der zehn meistgenutzten Apps gehören entweder Facebook oder Google. Hat dein Kunde da eine Chance, zu konkurrieren? Die Statistik liest du übrigens so: 81 Prozent der Smartphone-Nutzer verwenden die Facebook-App usw.

Schauen wir mal mit eMarketer auf die Nutzungsfelder mobiler App-User. Das sind zumeist solche, die auf dem stationären Computer so gut wie keine Rolle (mehr) spielen. Das liegt vornehmlich an der sehr gezielten Ausrichtung mobiler Apps auf mobile Geräte. Natürlich werde ich ein kleines Spiel lieber auf meinem Smartphone spielen. Immerhin hat es Sensoren, die das Spielen interessanter machen und ich habe es immer dabei. Auch Produktivitäts-Apps, wie Aufgabenplaner, Kalender und so weiter, nutze ich selbstverständlich gerne auf dem Smartphone, denn da habe ich sie stets verfügbar. Kleine Utilities haben sich ihren Marktanteil erst über die Verfügbarkeit von Smartphones selbst geschaffen.

Der Bereich Gaming ist mit 14,3 Prozent stabil vertreten. Gegen die sozialen Netzwerke mit ihrem Anteil von 23,9 Prozent kommen die Gamer jedoch nicht an. 18,7 Prozent Anteil können die mobilen Video-Apps für sich verbuchen. Die Zahl wurde in früheren Jahren gar nicht bestimmt. Musically und Co haben da einen regelrechten Boom erzeugt. Allen dieser Anwendungsfälle gemeinsam ist, dass es sich um für mobile Geräte prädestinierte Nutzungen handelt.

Abschließend schauen wir noch auf einen Screenshot der Top-Apps im Google Play Store vom heutigen Tage:

Keine Website als App zu finden. (Screenshot. D. Petereit)

Was fällt dir sowohl bei den obigen Studien, wie auch bei dem eben gezeigten Screenshot auf? Richtig, es ist keine große Marke mit einer App vertreten, die die klassischen Aufgaben der bisherigen Website wahrnehmen würde.

Learning #01:

Apps werden sehr selektiv genutzt und müssen sich hinsichtlich ihres Anwendungszwecks optimal für die mobile Nutzung eignen. Reine Informationsbeschaffung findet auf mobilen Geräten nur in Höhe der bereits genannten dreizehn Prozent mobiler Browsernutzung statt.

Deshalb lohnt es sich auch nicht, eine App zu erstellen, die der reinen Informationsbeschaffung dienen würde. Das verstehst du sofort, wenn du mal überlegst, ob du schon mal im App-Store nach einem Restaurant, Friseur oder IT-Dienstleister gesucht hast. Nee, hast du nicht.

Die normale Durchschnitts-App existiert nicht mehr

In 2014 galt, dass der durchschnittliche Smartphone-Nutzer 8,8 Apps pro Monat installiert. Diese Zahl hatte sich zu dem Zeitpunkt seit drei Jahren kaum verändert. Aktuellere Zahlen aus 2017 zeigen, dass sich der Wert inzwischen deutlich nach unten korrigiert hat. Nur 49 Prozent der untersuchten Nutzer installieren überhaupt noch Apps; 32 Prozent zwischen einer und drei Apps im Monat.

Noch schlimmer wird der Ausblick, wenn wir jetzt Localystics zu Wort kommen lassen, die herausfanden, dass die durchschnittliche Android-App innerhalb von 90 Tagen nach der ersten Verwendung über 71 Prozent ihrer aktiven Nutzer wieder verliert. Schon nach dreißig Tagen liegt der Wert bei 57 Prozent. Dabei musst du noch berücksichtigen, dass die Quote über alle Apps gemittelt ist. Hier heben Games den Schnitt an. Würden wir Games rausrechnen, lägen wir eher bei um die 90 Prozent Verlustrate.

Im ersten Quartal 2018 betrug die verfügbare Anzahl an Apps, allein für iOS, runde zwei Millionen. Die Zahl blieb seit 2016 relativ stabil. Im Google Play Store finden wir sogar 3,8 Millionen Apps zum gleichen Zeitpunkt. Damit hat sich deren Zahl seit 2016 nahezu verdoppelt.

Aus diesen Zahlen lässt sich schlussendlich nur eine logische Schlussfolgerung ziehen. Biete deinen Kunden auf keinen Fall eine App an, es sei denn, sie gehören zu den wenigen, die in das oben genannte Profil fallen.

Nehmen wir als Beispiel Snapchat. Hier ist die App das Produkt. Die Website weist lediglich auf den Download der App hin. Dieses Unternehmen benötigt selbstverständlich eine App, es ist quasi die App. Aber der normale Durchschnittskunde fällt damit nur auf die Nase.

Learning #02

Die mobile Internetnutzung steigt weiterhin an, wenn auch nicht mehr so rasant, wie in den ersten zehn Smartphone-Jahren. Die Nutzung von Apps hingegen, ist eher rückläufig. Es empfiehlt sich daher nicht, Kunden eine App vorzuschlagen. In nahezu jedem Falle wird eine responsive Website als progressive Web-App eher das Mittel der Wahl sein. 

Vorteile responsiver Websites im Vergleich zu nativen Apps

Es mag trivial erscheinen, aber es gibt natürlich ein paar handfeste Vorteile , die responsive Websites von nativen Apps abgrenzen. Dabei handelt es sich nur dann um tatsächliche Vorteile, wenn man zuvor, anhand des bisher Gesagten, schon zu dem Ergebnis gekommen ist, dass eine native App wohl nicht das richtige für den Kunden Kasulke & Co. ist.

Bevor wir zu den Vorteilen kommen, wollen wir noch kurz festhalten, dass die Standardisierung der Webtechnologien dazu geführt hat, dass frühere Nachteile von Web-Apps gegenüber nativen Apps, allen voran der Zugriff auf Gerätefunktionen, kaum noch eine Rolle spielen. Lies unsere Artikel zu PWA hier und hier und überzeug dich selbst.

Nun aber zu den Vorteilen einer Web-App gegenüber der nativen Mobil-App:

Die Kosten sind weit geringer

Die Kosten einer responsiven Website sind um einiges geringer als die Kosten einer App. Das gilt zumindest dann, wenn man an die App gewisse ästhetische Anforderungen stellt und nicht mit dem erstbesten Baukastensystem zufrieden ist.

Ich habe eben eine vorhandene Website hinsichtlich ihrer sinnvollen Funktionen als App umgesetzt und für deutlich weniger Funktionalität ungefähr die dreifache Entwicklungszeit gebraucht. Das war dem Kunden schwer zu vermitteln.

Du brauchst keine App-Store-Regularien einzuhalten

Native Apps müssen zur Überprüfung eingereicht werden und kommen manchmal erst nach Tagen im App-Store an, von wo aus sie den Weg auf das Endgerät finden können. Jedes Update muss erneut durch diesen Prozess. Es ist erforderlich, entsprechende Developer-Accounts bei den Store-Betreiber anzulegen und zu pflegen. Eine responsive Website stellen wir einfach online.

Dadurch ist die Verfügbarkeit höher, quasi sofort

Der letzte Satz sagt es bereits. Responsive Websites stellen wir einfach online und schon sind sie verfügbar. Sie müssen nicht installiert werden. Nichtsdestotrotz ist es möglich, unsere responsive Website quasi installationsfähig zu machen. Der Nutzer legt sich dann ein Icon auf dem Homescreen an, von wo aus er künftig jederzeit die entsprechende Website starten kann. Mit PWA haben wir noch weitergehende Möglichkeiten.

Die Sichtbarkeit im offenen Web ist ebenfalls höher als im App-Store

Eine responsive Website gestalten wir nach allen Regeln der SEO-Kunst und sorgen so dafür, dass sie weit oben in den Suchergebnisseiten landet. Mit einer App können wir das nur mittelbar, indem wir eine Website, die den Download promotet, entsprechend der gleichen Regeln anlegen. Wer wird einen solchen Zwischenschritt für sinnvoll erachten? Zumal sich die Sichtbarkeit nicht auf die Inhalte der App erstrecken würde. Auch in diesem Punkt gewinnt klar die responsive Website.

Die fortschreitende Mobilnutzung des Web bedroht die offenen Standards

Es lässt sich nicht leugnen. Die Nutzung des Web verlagert sich mehr und mehr auf mobile Geräte. Dabei dominieren native Apps, die ihre Inhalte vorwiegend aus dem Web ziehen und innerhalb der App zur Anzeige bringen.

Langfristig entwickelt sich daraus die Gefahr, dass Apps mit entsprechender Reichweite ganz auf das Web als Inhaltsgeber verzichten. Facebook wird hier gern als potenzielles Beispiel genannt. Sollte sich die Nutzung irgendwann so stark in Richtung mobiler Plattformen verändert haben, dass die Unterhaltung eines webbasierten Zugangs unnötig erscheint, könnte Zuckerberg durchaus auf die Idee kommen, nur noch mit Apps und direkten Datenbankverbindungen zu arbeiten. Eine ohnehin schon stark geschlossene Gesellschaft schlösse sich noch mehr und schottete sich vor offenen Standards ab. Das Web, wie wir es kennen, wäre am Ende.

Mit Snapchat gibt es bereits heute eine Anwendung, die ausschließlich als App gedacht ist und keinerlei Schnittstellen nach außen besitzt. Auch Instagram ist über das Web nur rudimentär zu nutzen. Der ganze Spaß steht nur über die App zur Verfügung.

Natürlich ist eine solche Situation aus Sicht der Betreiber nicht nur nicht zu beklagen, sondern im Gegenteil überaus erstrebenswert. Schließlich bleibt so die Verweildauer auf dem eigenen Angebot gleichbleibend hoch. Bouncerates spielen genauso wenig eine Rolle wie Suchmaschinenoptimierung und andere Problemfelder, mit denen sich Betreiber auseinandersetzen müssen, wenn sie im offenen Wettbewerb mit Anbietern stehen, die jeweils nur einen Klick entfernt sind.

Für Designschaffende, Endnutzer und all jene Seitenbetreiber, die nicht die Reichweite von Facebook oder Snapchat haben, ist die Entwicklung hingegen ebenso gefährlich, wie sie es für den anderen Web-Riesen namens Google ist. Das ist gut für uns alle, denn nur mit der aktiven Förderung offener Standards kann Google den Trend stoppen. Ohne den blauen Konkurrenten würde Google wohlmöglich ebenfalls geneigt sein, sich einen komfortablen Garten anzulegen, der mit einer schicken Mauer nach außen abschließt.

Hier sehen wir ein gutes Beispiel dafür, dass Konkurrenz das Geschäft belebt. Facebook braucht kein offenes Netz, da sich das gesamte Leben innerhalb des Dienstes abspielt. Google lebt von seinem Anzeigengeschäft im offenen Netz. Kein anderes Geschäftsfeld bringt dem Konzern Gewinne. Niemals darf Google daher riskieren, dass sich das offene Netz schließt.

Wider die native App: Web-Apps stehen für das offene Web

Auf der untersten Ebene eines möglichen Konsenses dürfen wir als Web alles verstehen, was eine linkbare URL besitzt und über diese aufgerufen werden kann. Mit dem Erstarken der mobilen Plattformen ging der Designtrend hin zu Mobilität in der Gestaltung. Die Besonderheiten eines Smartphones wurden auf unterschiedliche Weise im Prozess berücksichtigt.

Heute gilt das sogenannte responsive Design als der Weg der Wahl. Dieser Ansatz stellt sicher, dass eine Website auf den diversen mobilen Geräten jeweils so präsentiert wird, wie es den Beschränkungen des Gerätes entspricht, ohne dass die Website zu sehr an Funktionalität verliert. Wenn wir ehrlich sind, ist dieser responsive Designansatz in der Mehrzahl der Fälle ein Kompromiss.

PWA basieren auf offenen Webstandards. Aktuell werden React und Angular gern in der Entwicklung eingesetzt. (Illustration: Pixabay)

Im Vergleich zu nativen Apps konnten mobile Web-Apps lange Zeit funktional nicht mithalten. Zwar ließ sich die Optik einigermaßen gut angepasst auf den mobilen Bildschirm bringen, sobald jedoch Zugriff auf Gerätefeatures, wie die Kamera oder diverse Sensoren, gefragt war, kam unabdingbar die native App ins Spiel.

Natürlich begannen die Probleme nicht erst an diesen Schnittstellen. Schon das Verhalten unter schlechten Internetbedingungen oder gar vollkommenen Funkversagens führte zur Unbedienbarkeit der Web-App.

Progressive Web Apps wollen genau da ansetzen.

Progressive Web Apps sind das Beste beider Welten

Unter dem Eindruck der Erkenntnis, dass auch Google großen Wert auf die Erhaltung des offenen Web legen muss, erscheint es geradezu logisch, dass sich die Kalifornier massiv an der Durchsetzung des Konzeptes der Progressive Web Apps beteiligen. Diese finanzstarke Unterstützung sollten wir begrüßen. Denn so bleiben uns zweifelsfrei bestehende Isolationstendenzen seitens Facebook und Co. voraussichtlich noch auf lange Sicht erspart.

Die Progressive Web App ist ein Konzept, das die Stärken beider Welten, nämlich der der nativen Entwicklung für Mobilgeräte und der der Entwicklung auf der Basis offener Webstandards, verbindet und vereint.

Eine Progressive Web App ist eine aufgebohrte Version bisher schon existierender mobiler Websites. Aufgebohrt in diesem Sinne bedeutet, dass sie über Features und Fähigkeiten verfügt, die man bislang nur aus dem Bereich der nativen Entwicklung kannte. Diese neue Generation von Web-Apps ist also in der Lage, viele der Fähigkeiten heutiger Mobil-Apps zu bieten, so dass derlei native Apps in weiten Teilen unnötig werden.

Na ja, könntest du jetzt einwenden. Wenn die neue Generation von Web-Apps nur die Fähigkeiten bereits existierender nativer Apps zu bieten hat, wieso sollten wir dann darauf setzen? Die Antwort darauf hat mehrere Facetten.

Zum einen wies ich bereits darauf hin, dass es für uns alle negative Folgen haben wird, sollten wir uns vom offenen Web abwenden und uns freiwillig in Walled Gardens einhegen zu lassen. Erinnerst du dich noch an AOL und Compuserve? Da wollen wir doch keinesfalls wieder hin zurück. So betrachtet ist es fast schon eine Frage der Ehre, mindestens aber der Philosophie, die man zu unterstützen bereit ist.

Zum anderen hat eine Web-App natürlich ganz eigene Vorteile. Eine Web-App wird über die Google-Suche gefunden und kann aufgerufen und genutzt werden. Es ist nicht erforderlich, sie in einem der App-Stores zu lokalisieren und von dort zu installieren. Web-Apps müssen nicht für jedes Update erneut durch die Prozesse des App-Stores laufen und dann zumeist umfangreich als Update installiert werden.

Progressive Web Apps vereinen nun die Vorteile nativer Apps hinsichtlich der Schnittstellennutzung, der lokalen Datenhaltung, der Möglichkeit, Benachrichtigungen einzublenden und einige Details mehr, mit der unkomplizierten schnellen Verfügbarkeit webbasierender Angebote und deren unmittelbare Aktualität, die keiner Updateprozesse bedarf.

Der Unterschied zwischen Web-App und Progressive Web App

Eine auf den kleinen Bildschirm eines Mobilgerätes optimierte Web-Ansicht ist die kleinste Version einer Web-App. Im Grunde ist es lediglich eine mobil zu konsumierende Website, die dabei mehr oder weniger nach App aussieht. Die Optik an Apps zu orientieren, ist dabei durchaus ratsam, wenn man sich an den Klassiker „Don’t make me think” von Steve Krug erinnert.

Apps haben unseren Alltag fest im Griff. (Illustration: Pixabay)

Die Komponenten einer Progressive Web App

Die Progressive Web App geht ein paar Schritte weiter. Sie ist darauf ausgelegt, möglichst viele, wenn nicht alle geräte- und browserspezifischen Features nutzbar zu machen. Dies geschieht progressiv.

Application Shell

Das bedeutet, dass die App im Kern erstmal eine mobile Ansicht einer URL zeigt und dann auf die Fähigkeiten des aufrufenden Gerätes und Browsers reagiert. Auf diese Weise bleibt sichergestellt, dass eine Progressive Web App ganz grundsätzlich auf jedem Gerät und Browser funktioniert, allerdings in unterschiedlichem Umfang, eben progressiv angepasst an die aufrufende Umgebung.

Optisch orientiert sich die Progressive Web App dabei an den Designstandards nativer Apps. Im Idealfall erkennt der Nutzer den Unterschied in der Bedienung nicht. Die sogenannte App Shell, also das Grundgerüst oder der äußere Rahmen für die dynamischen Inhalte, wird dabei so angelegt, dass sie sich nach dem ersten Aufruf in den Gerätecache legt und fortan ohne Verzögerungen von dort aus aufgerufen werden kann.

Service Workers

Das Herzstück einer Progressive Web App sind die Service Workers, die fortgeschrittene Funktionalitäten erst möglich machen. Ein Service Worker ist – verkürzt gesagt – ein JavaScript, das, anders als bislang möglich, im Hintergrund einer Webanwendung arbeiten kann. Das funktioniert sogar dann, wenn die Website gar nicht geöffnet ist.

Einer der offensichtlichsten Anwendungsfälle für einen Service Worker ist das Cachen von Inhalten im Hintergrund. Das kann zum einen den Grund haben, dass stets frische Inhalte ohne Ladepausen verfügbar sein sollen oder den, dass eine Web-App auch dann funktionieren muss, wenn gerade keine Verbindung zum Netz besteht.

Du kannst über einen Service Worker aber, um im Beispiel zu bleiben, nicht nur Inhalte speichern lassen, sondern auch nach Fällen unterscheiden, also schlussendlich programmlogische Abläufe starten, die in unterschiedlichen Abhängigkeiten zu unterschiedlichen Ergebnissen führen. Damit wirst du sehr flexibel in den Reaktionsmöglichkeiten deiner App.

Da Service Worker keine Optik haben, ist es sinnvoll, sich einen Fundus an Script-Schnipseln anzulegen, die diverse Basisfunktionalitäten abdecken. Solche „Rezepte” findest du etwa im Service Worker Cookbook von Mozilla oder in der Awesome List Awesome Service Workers.

Der erste Anwendungsfall, den du ganz sicher abdecken willst, ist die Anzeige eines sinnvollen Angebots bei Nichtbestehen einer Internetverbindung anstelle der generischen „You are offline”-Fehlerseite. Je nach Anwendung ist es sogar möglich, den Nutzer gar nicht auf die fehlende Netzverbindung aufmerksam zu machen, solange sie nicht zwingend zur sinnvollen Verwendung erforderlich ist.

Service Worker setzen HTTPS voraus, was die gesamte Anwendung sicherer macht.

Web App Manifest

Um das Nutzererlebnis noch näher an das einer nativen App anzulehnen, ist es ratsam, deine Progressive Web App zur Installation anzubieten. Dazu hinterlegst du eine JSON-Datei, die als Web App Manifest bezeichnet wird.

Damit erreichst du, dass der Nutzer in die Lage versetzt wird, deine App auf seinem Gerät zu installieren. Tatsächlich wird nicht nur ein Shortcut angelegt, wie man das bislang kannte. Vielmehr führt das Manifest zunächst mal dazu, dass dem Besucher ein Installationsbanner angezeigt wird. Dieses Banner kennst du bereits, bloß eben bisher lediglich versehen mit der Aufforderung, eine native App zu installieren.

Ausriss aus dem Beispiel-Manifest auf MDN. (Screenshot: Dr. Web)

Zudem kannst du festlegen, dass die App im Standalone-Modus geöffnet wird, also ohne den ausführenden Browser rund um die App anzuzeigen. Ein Icon weist du ebenfalls einfach zu. Mit entsprechend konfiguriertem Service Worker legst du bei der Gelegenheit gleich mindestens die App Shell auf dem Gerät ab.

Ebenso finden sich die so aufgerufenen Apps in der Übersicht der laufenden Anwendungen des mobilen OS als individuelle Anwendungen, nicht etwa kumuliert in einer Browserinstanz wieder.

Push Notifications

Über die Push-API kannst du den Verwendern deiner App sogar dann Benachrichtigungen aufs Display senden, wenn sie deine App zu diesem Zeitpunkt gar nicht verwenden. So ist es möglich, die Interaktionsrate mit deiner App proaktiv zu steigern. Push Notifications kommen allerdings nur mit Zustimmung der Nutzer aufs Display.

Progressive Web Apps: Zusammenstellung unter PWA Rocks (Screenshot: Dr. Web)

Der Haken ist die Browserunterstützung

Wie stets im modernen Web ist es auch hinsichtlich dieses Themas so, dass Progressive Web Apps nicht vollumfänglich in allen Browsern funktionieren. Auf Apple-Geräten läuft zwar die Web-App, aber durch den fehlenden Support, vor allem für Service Worker, kann man das Erlebnis nicht progressiv nennen. Auch die Push-API werden wir wohl eher nicht auf Apple-Geräten sehen.

Progressive Web Apps sind zum jetzigen Zeitpunkt, also Ende Februar/Anfang März 2018, nur unter Android voll funktionsfähig. Schon seit August 2017 wird jedoch an der Implementation der Service Worker in WebKit gearbeitet. WebKit ist die Technologie, auf der Safari und Mobile Safari basieren. Nun soll es also mit Safari 11.1 auf dem Desktop und mobilen Geräten so weit sein. Wie gesagt, erwarte hier nicht die volle Implementation als PWA. Lediglich Service Workers stellt Safari 11.1 zur Verfügung. Manifest, App Shell und Push Notifications, die anderen gut zwei Drittel der PWA-Technologiebasis, bleiben außen vor.

Kommen wir zum Wettbewerber aus Redmond. Microsoft hat sich ebenfalls zu offenen Standards bekannt und Anfang Februar 2018 angekündigt, den PWA-Standard aus der bisherigen Preview der Rendering-Engine EdgeHTML in den Live-Betrieb zu überführen. Mit EdgeHTML 17 soll PWA vollumfänglich bei Windows-Nutzern im Edge-Browser ankommen. Zur zeitlichen Einordnung sei gesagt, dass EdgeHTML 16 Teil des Fall Creators Updates war. Da Microsoft keinen verlässlichen Update-Rhythmus für EdgeHTML pflegt, können wir die Version 17 vielleicht im April 2018, vielleicht auch erst im Spätsommer des Jahres erwarten.

Zusätzlich zur Integration in Edge haben sich die Redmonder dazu entschlossen, PWA direkt aus dem Microsoft Store zugänglich zu machen, ihnen also den Status von echten Windows-Apps zu verleihen. Entwickler können künftig PWA manuell in den Microsoft Store stellen. Zudem soll der Bing-Crawler auf seinen Streiftouren gefundene, hochwertige PWA automatisch in den Store integrieren können. Laut Microsoft übt Bing schon seit gut einem Jahr den Umgang mit dem Indexieren von PWA.

Mit dem PWA Builder geht man bei Microsoft noch einen Schritt weiter und bietet einen kostenlosen PWA-Generator als Open-Source-Projekt. Du startest den Weg zur PWA mit der Eingabe der URL deiner Website. Der Generator stellt die Lücken fest, die es für die Definition als PWA noch zu schließen gilt und unterstützt dich im Prozess.

Über PWA-Support in Chrome, Firefox und Opera kannst du dich natürlich überdies noch freuen. Willst du dir einen Eindruck vom bisherigen PWA-Angebot verschaffen, dann schau mal in den weiter oben bereits erwähnten Katalog namens PWA Rocks.

Die unterstützten Features auf einem Rechner mit Windows 10 Creators Update und dem Firefox 58.0.2 64-Bit (Screenshot: Dr. Web)

Um eindrucksvoll zu sehen, was welcher Browser bereits zum jetzigen Zeitpunkt bietet, empfehle ich dir den Einsatz der Website What Web Can Do Today, die übrigens ihrerseits eine PWA ist. Du kannst sie von jedem Browser auf jedem Gerät aus aufrufen und erhältst präzise Informationen darüber, welche Features deine App auf dem untersuchten Browser/Gerät nutzen könnte.

TLDR

Progressive Web Apps sind Websites, die sich progressiv an die Fähigkeiten des sie nutzenden Gerätes und Browsers anpassen. Progressiv bedeutet dabei, dass die App umso leistungsfähiger wird, je leistungsfähiger das Gerät, respektive der Browser, mit dem sie aufgerufen wird, sind. Zur Erstellung werden ausschließlich offene Webstandards verwendet.

Im Verlauf des Jahres 2018 ist damit zu rechnen, dass sich das Konzept über alle Plattformen weitgehend identisch durchsetzen wird. Aufgrund der bekannten geschäftspolitischen Erwägungen seitens des Hauses Apple (Stichwort: Walled Garden) dürfte es unter macOS und iOS zu den größten Einschränkungen kommen, während anderswo flächendeckend PWA zum Standard werden dürften.

(Bildnachweis Artikelbild: Depositphotos)

3 Kommentare zu “Was sind Progressive Web Apps und sind sie besser als native Apps?”

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