Mozilla verwaltet ein Nettovermögen von rund 1,2 Milliarden Euro und verteidigt trotzdem vor Gericht ausgerechnet den Konzern, aus dessen Kasse fast sein gesamtes Geld stammt. Rund 86 Prozent der Vertragsumsätze der Stiftung fließen von einem einzigen Kunden herein. Dessen Name steckt im Browser Firefox nur zwischen den Zeilen.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenMozilla reichte Anfang August 2026 beim US-Berufungsgericht in Washington einen Schriftsatz ein, der Google zur Seite springt. Die Stiftung hinter Firefox verteidigt damit die milliardenschweren Zahlungen, die der Suchkonzern für die Standardsuche im Browser überweist. Hinter diesem auf den ersten Blick widersinnigen Manöver steckt die zentrale Wahrheit über das gesamte Erlösmodell.
Das Wichtigste in Kürze
- Ein Kunde trägt fast alles: Von 482,6 Millionen Euro Vertragsumsatz im Jahr 2024 stammten laut Konzernabschluss rund 86 Prozent von einem einzigen Kunden, dem Suchkonzern Google.
- Firefox ist die Verkaufsfläche: Nutzer zahlen nichts, doch ihre Suchanfragen sind die Ware. Mozilla verkauft die Standardsuche im Browser und kassiert dafür einen Anteil an Googles Werbeeinnahmen.
- Das Modell schrumpft: Der Marktanteil von Firefox liegt global nur noch bei rund 3,3 Prozent, die Zahl der Nutzer sank in drei Jahren um zweistellige Millionenbeträge.
- Der Umbau läuft: Mit Werbetechnik, Abos und einem KI-Kurs versucht Mozilla, sich von Google zu lösen, doch diese neuen Ströme decken erst rund ein Zehntel des Umsatzes.
- Ein Gerichtsurteil entscheidet mit: Ein Verbot der Google-Zahlungen im US-Kartellverfahren würde Mozilla die wichtigste Einnahmequelle über Nacht kappen.
1Welcher Anteil der Vertragsumsätze von Mozilla stammte 2024 von einem einzigen Kunden?Aufklappen ↓
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2Wofür genau zahlt Google jedes Jahr an Mozilla?Aufklappen ↓
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3Wie hoch ist der globale Marktanteil von Firefox 2026 noch?Aufklappen ↓
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4Welche beiden Produkte stellte Mozilla 2025 ein, um sich auf den Browser zu konzentrieren?Aufklappen ↓
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5Warum bedroht die KI-gestützte Suche das Erlösmodell von Mozilla besonders direkt?Aufklappen ↓
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Wer steckt hinter Mozilla und wie fing alles an?
Hinter Mozilla steht eine gemeinnützige Stiftung mit Sitz in den USA, die den Browser Firefox über eine eigene Wirtschaftstochter betreibt und sich als Gegenentwurf zu den werbegetriebenen Tech-Konzernen versteht. Der Ursprung liegt im Untergang eines Pioniers. Im Jahr 1998 stellte der damalige Browser-Marktführer Netscape seinen Quellcode unter eine freie Lizenz, kurz bevor Microsofts Internet Explorer ihn endgültig verdrängte.
Aus diesem freigegebenen Code wuchs das Mozilla-Projekt, eine offene Entwicklergemeinschaft, die zunächst kaum jemand ernst nahm. Der große Durchbruch kam 2004 mit der Version 1.0 von Firefox. Der schlanke, schnelle Browser traf einen Nerv, weil der Internet Explorer als träge und unsicher galt. Innerhalb weniger Jahre eroberte Firefox einen zweistelligen Marktanteil und wurde zum Symbol eines offenen Web, das nicht einem einzigen Konzern gehört.
Die entscheidende Weiche für das heutige Geschäftsmodell fiel bei der Gründung der Organisationsstruktur. 2003 entstand die gemeinnützige Mozilla Foundation, 2005 gliederte sie die Mozilla Corporation als hundertprozentige Tochter aus. Diese Tochter darf Verträge schließen, Umsätze erwirtschaften und Steuern zahlen, während die Stiftung darüber die gemeinnützige Mission wacht. Genau diese Konstruktion erlaubt Mozilla bis heute, Millionen von einem Werbekonzern anzunehmen und sich trotzdem als dessen Gegenmodell zu präsentieren.
Das Selbstverständnis der Bewegung schrieb Mozilla 2007 im sogenannten Mozilla-Manifest fest. Darin bekennt sich die Organisation zu einem offenen, zugänglichen Internet, in dem Sicherheit und Privatsphäre der Nutzer nicht verhandelbar sind. Dieses Dokument ist mehr als PR und begründet bis heute, warum Mozilla auf lukrative Erlösquellen wie den Verkauf von Nutzerprofilen bewusst verzichtet. Der Preis dieser Haltung ist eine dauerhaft schmalere Einnahmenbasis als bei den Konkurrenten.
Ironischerweise war Google von Anfang an mit im Spiel. Schon in den ersten Jahren nach dem Firefox-Start floss ein erheblicher Teil der Einnahmen aus einem Suchvertrag mit dem noch jungen Suchkonzern. Was damals als faire Partnerschaft zweier Herausforderer gegen Microsoft begann, wuchs über zwei Jahrzehnte zu einer Abhängigkeit heran, die heute das größte Risiko des Hauses ist. Der Grundstein der Google-Bindung wurde also bereits in der Aufbruchszeit gelegt.
Der Aufstieg von Firefox war in den späten Nullerjahren ein Kulturphänomen. Freiwillige sammelten damals Spenden für eine ganzseitige Anzeige in einer großen US-Zeitung, um den Browser bekannt zu machen. Dieser Gemeinschaftsgeist unterschied Mozilla von jedem kommerziellen Anbieter und erklärt, warum viele Nutzer dem Projekt bis heute die Treue halten. Der Idealismus der Anfangsjahre ist ein Kapital, das keine Bilanz erfasst.
An der Spitze steht seit Dezember 2025 mit Anthony Enzor-DeMeo ein Manager, der Firefox in einen modernen KI-Browser verwandeln will. Er folgte auf eine turbulente Phase, in der Gründungsfigur Mitchell Baker im Februar 2024 abtrat und Laura Chambers das Haus übergangsweise führte. Die deutsche Sektion Mozilla Deutschland ist ein rechtlich eigenständiger Verein und traditionell eine der aktivsten Ländervertretungen der Bewegung.
Mozilla wuchs aus dem freigegebenen Netscape-Code zum Symbol des offenen Web und trennte seine Struktur früh in eine gemeinnützige Stiftung und eine wirtschaftliche Tochter. Genau diese Zweiteilung trägt die kommerziellen Suchmillionen und zugleich die Rolle des Gegenmodells.
Wie wurde aus einem Rebellen-Browser eine Ein-Kunden-Firma?

Aus dem einstigen Aufständischen gegen Microsoft wurde ein Unternehmen, das fast vollständig von den Zahlungen eines einzigen Suchkonzerns lebt. Der Weg dorthin begann mit einem cleveren Deal, der Mozilla lange als geniale Erfindung galt und sich erst spät als Falle entpuppte.
Schon 2004 verknüpfte Mozilla die Suchleiste von Firefox mit einer Suchmaschine und ließ sich dafür bezahlen. Was als Nebeneinnahme begann, wurde zum Fundament. Je mehr Menschen Firefox nutzten, desto mehr Suchanfragen liefen über den voreingestellten Anbieter, und desto höher fiel die Beteiligung aus. Dieser Mechanismus machte Mozilla finanziell unabhängig von Spenden, band den Konzern aber immer enger an die Suchindustrie.
Ein Umweg zeigte, wie riskant diese Bindung war. Von 2014 bis 2017 setzte Mozilla in den USA auf Yahoo als Standardsuche, kassierte dafür üppige Garantiezahlungen und kehrte dann vorzeitig zu Google zurück, weil die Nutzer mit der schlechteren Suchqualität unzufrieden waren. Diese Episode bewies zweierlei. Erstens war Google für die Nutzer schwer ersetzbar. Zweitens hing Mozillas Kasse an der Laune der Verhandlungspartner.
Parallel verlor Firefox seine Sonderstellung. Google brachte 2008 den eigenen Browser Chrome heraus und bewarb ihn aggressiv über seine Suchseite, die meistbesuchte Website der Welt. Der Konzern, der Mozilla das Geld überwies, baute damit zugleich den Konkurrenten auf, der Firefox später an den Rand drängte. Für das Geschäftsmodell entstand eine bittere Ironie. Mozillas wichtigster Geldgeber wurde zu seinem gefährlichsten Wettbewerber.
Nach Angaben des Analysedienstes StatCounter fiel der weltweite Marktanteil von Firefox von einst über 30 Prozent auf zuletzt rund 3,3 Prozent. Die Zahl der monatlich aktiven Nutzer sank nach Mozillas eigener Telemetrie in drei Jahren um mehrere Dutzend Millionen. Trotzdem blieb der Umsatz erstaunlich stabil, weil die verbliebenen Nutzer weiter fleißig suchen und Google weiter zahlt.
Diese Entkopplung von Reichweite und Umsatz zeigt der Blick auf die Zahlen. Die Einnahmen der Mozilla Corporation kletterten von rund 424,8 Millionen Euro im Jahr 2020 auf umgerechnet rund 581,6 Millionen Euro im Jahr 2024, obwohl der Marktanteil in derselben Zeit weiter fiel. Der Grund liegt in der Struktur des Deals. Bezahlt wird nicht pro Nutzer, sondern als Anteil an den Werbeeinnahmen, die Google über die Firefox-Suche erzielt. Diese Werbeeinnahmen stiegen mit den generell wachsenden Werbepreisen. Der schrumpfende Browser verdiente also mehr Geld, ein Widerspruch, der die trügerische Ruhe im Modell erklärt.
Die Suchbeteiligung machte Mozilla früh finanziell stark, band die Kasse aber an einen einzigen Partner. Während Google mit Chrome zum Hauptkonkurrenten aufstieg, schrumpfte Firefox auf einen einstelligen Marktanteil, ohne dass die Einnahmen im gleichen Maß einbrachen.
Wie verdient Mozilla tatsächlich sein Geld?

Mozilla verdient sein Geld fast ausschließlich mit dem Verkauf der Standardsuche im Firefox-Browser an Google und kassiert dafür einen Anteil an dessen Werbeeinnahmen. Der Konzernabschluss der Mozilla Foundation für 2024 legt eine eindeutige Größenordnung offen.
Die Gesamteinnahmen des Konzerns lagen 2024 bei umgerechnet rund 581,6 Millionen Euro, nach 558,2 Millionen im Vorjahr. Den mit Abstand größten Block bilden die sogenannten Royalties, also die Beteiligungen der Suchpartner. Sie summierten sich auf rund 425,9 Millionen Euro. Diese eine Zeile in der Bilanz ist der wahre Motor von Mozilla.
Wie stark alles an einem Partner hängt, verrät eine unscheinbare Fußnote im Prüfbericht. Dort steht, rund 86 Prozent der Umsätze aus Kundenverträgen seien 2024 von einem einzigen Kunden gekommen, im Vorjahr 85 Prozent. Dieser eine Kunde ist Google. Gemessen an den Vertragsumsätzen von rund 482,6 Millionen Euro entfielen damit etwa 415 Millionen Euro auf den Suchkonzern. Kein anderes großes Technologieunternehmen ist derart von einer einzigen Quelle abhängig.
Diese eine Vertragszeile erklärt fast alles am Verhalten von Mozilla. Sie macht verständlich, warum die Stiftung ihren größten Rivalen öffentlich verteidigt, warum jeder Umbau des Modells so behutsam ausfällt und warum das Management jedes Signal aus dem Kartellverfahren genau verfolgt. In diesen 86 Prozent steckt die ganze Zwickmühle der Organisation.
Neben dieser dominanten Quelle baut Mozilla an zweiten Standbeinen. Unter Abos und Werbung verbucht der Konzern rund 56,8 Millionen Euro. Dazu zählen der bezahlte Firefox-VPN, der Weiterleitungsdienst Relay und der Überwachungsdienst Monitor. Hinzu kommt die Werbung, die Mozilla auf der Startseite neuer Tabs als gesponserte Kacheln platziert und über syndizierte Inhalte verkauft. Diese Ströme wachsen, decken aber erst rund ein Zehntel des Umsatzes.
Ein oft übersehener Erlöskanal ist die Datenverwertung im Werbegeschäft. Mit dem Zukauf der Firma Anonym im Juni 2024 stieg Mozilla in die datenschutzfreundliche Werbetechnik ein. Die Idee klingt paradox für einen Datenschutz-Anwalt, folgt aber einer klaren Logik. Mozilla will beweisen, dass zielgerichtete Werbung ohne das Ausspähen einzelner Nutzer möglich ist, um selbst daran mitzuverdienen. Ob dieser Spagat trägt, ist die offene Wette des Hauses.
Hinter der Werbetechnik steckt der einzige Datenstrom, aus dem Mozilla überhaupt Geld zieht. Der Konzern erhebt anonymisierte Nutzungsdaten über die Verbreitung von Funktionen und die Stabilität des Browsers und platziert auf der Startseite gesponserte Kacheln, die nach grobem Standort und Sprache ausgespielt werden. Der Ansatz von Anonym geht einen Schritt weiter und verspricht, den Werbeerfolg messbar zu machen, ohne dass Werbetreibende die einzelnen Profile je zu sehen bekommen. Damit versucht Mozilla, aus dem eigenen Datenschutzversprechen ein Verkaufsargument zu formen.
Zwischen den Sparten klaffen deutliche Margenunterschiede. Die Suchbeteiligung ist ein reiner Buchungsposten ohne nennenswerte Zusatzkosten und damit hochprofitabel, solange sie fließt. Die Abo- und Werbegeschäfte verlangen dagegen eigene Technik, Vertrieb und Support, sodass von jedem eingenommenen Euro weniger hängen bleibt. Die margenstarke Sparte finanziert also die margenschwache, und ausgerechnet die profitabelste Quelle ist die am stärksten gefährdete.
Der Betrieb folgt zudem einer klaren Skalenlogik. Ein einmal entwickelter Browser lässt sich an Hunderte Millionen Menschen ausliefern, ohne dass die Kosten im gleichen Maß steigen. Jeder zusätzliche Nutzer verursacht kaum Mehraufwand, bringt aber zusätzliche Suchanfragen und damit zusätzliches Geld. Genau hier liegt die Wachstumsgrenze, denn eine schrumpfende Basis dreht den Hebel ins Gegenteil.
| Erlösstrom | Umsatz 2024 | Charakter | Funktion im Modell |
|---|---|---|---|
| Suchbeteiligungen (Royalties) | rund 425,9 Mio. Euro | sehr hoch, aber abhängig | Fundament, finanziert den gesamten Betrieb |
| Abos und Werbung | rund 56,8 Mio. Euro | wachsend, margenschwächer | Diversifizierung weg von Google |
| Spenden und Kapitalerträge | zweistelliger Millionenbereich | strategischer Puffer | Absicherung der gemeinnützigen Mission |
Bemerkenswert ist die Kehrseite dieser Konzentration. Der Konzern sitzt auf einem Nettovermögen von rund 1,2 Milliarden Euro, das über Jahre aus den Google-Zahlungen aufgebaut wurde. Mozilla ist also keineswegs arm. Die Stiftung ist reich an Reserven und zugleich verwundbar bei den laufenden Einnahmen, weil fast alles davon aus einer einzigen Vertragsbeziehung fließt.
Auch eine Quersubventionierung steckt im Modell. Aus den kommerziellen Erlösen der Corporation fließt jedes Jahr ein zweistelliger Millionenbetrag als Lizenzgebühr an die gemeinnützige Foundation, die damit ihre politische Arbeit und Förderprogramme für digitale Rechte bezahlt. Das Geld des Werbekonzerns Google finanziert somit indirekt die Kampagnen für ein offenes, werbekritisches Netz. Diese verschlungene Umverteilung ist das eigentliche Geheimnis der Organisation.
In den letzten fünf Jahren hat sich das Modell spürbar verschoben. Mozilla kaufte 2023 den Bewertungsprüfer Fakespot und 2024 die Werbetechnikfirma Anonym, stampfte 2025 aber die zugekauften Nebenprodukte Pocket und Fakespot wieder ein und richtete alles auf den Browser und die Werbung aus. Zugleich stieg der Anteil aus Abos und Werbung, während die Suchbeteiligung als Fundament unangetastet blieb. Die Richtung ist klar erkennbar. Mozilla will weg von der Ein-Kunden-Abhängigkeit, kommt aber nur langsam voran.
Wie eng die beiden Hälften des Konzerns verzahnt sind, zeigt eine Zahl aus dem Stiftungsbericht. Allein rund 15,9 Millionen Euro flossen zuletzt als Lizenzgebühr von der Corporation an die gemeinnützige Foundation, dazu kamen rund 6,7 Millionen Euro an echten Spenden aus der Öffentlichkeit. Die vermeintlich unabhängige Stiftung lebt also zum größten Teil vom kommerziellen Arm, der wiederum am Tropf von Google hängt. Diese Kettenreaktion reicht vom einzelnen Werbeklick bis zur Grundrechtskampagne.
Ein Größenvergleich ordnet die Lage ein. Mit rund 581,6 Millionen Euro Jahresumsatz bewegt sich Mozilla in einer Liga, die der Suchkonzern Google an einem einzigen Tag überflügelt. Die Stiftung ist damit im Maßstab der Tech-Riesen ein Zwerg, der eine Schlüsseltechnologie des Web am Leben hält. Dieses Missverhältnis zwischen Bedeutung und Budget prägt jede strategische Entscheidung des Hauses.
- Ein Motor: Rund 425,9 Millionen Euro Suchbeteiligung tragen den Betrieb, 86 Prozent davon von Google.
- Zweite Reihe: Abos und Werbung liefern erst rund 56,8 Millionen Euro, ein Zehntel des Umsatzes.
- Voller Tresor: Rund 1,2 Milliarden Euro Rücklagen stehen einer wackeligen Einnahmenbasis gegenüber.
Wie groß ist die Marktmacht von Mozilla?

Mozilla hat als Wirtschaftsunternehmen kaum noch Marktmacht, besitzt aber mit der eigenen Browser-Engine ein technisches Faustpfand, das weit über den Marktanteil hinaus zählt. Der Blick auf die reinen Nutzerzahlen fällt ernüchternd aus.
Auf dem Weltmarkt der Browser dominiert Google Chrome mit einem Anteil von deutlich über 65 Prozent, gefolgt von Apples Safari. Firefox rangiert mit rund 3,3 Prozent im einstelligen Bereich, auf dem Desktop etwas höher. Von der einstigen Rolle als Herausforderer ist Mozilla damit weit entfernt. Der Browser ist zur Nische geschrumpft, die vor allem technisch versierte und datenschutzbewusste Nutzer hält.
Der Schwund hat einen strukturellen Grund, der mit Marktmacht der Gegenseite zu tun hat. Google bewirbt Chrome auf seiner Suchseite, dem meistbesuchten Ort des Web, und verankert den Browser tief in Android und den eigenen Diensten. Microsoft wiederum setzt Edge als Standard in Windows durch. Firefox muss dagegen aktiv heruntergeladen und eingestellt werden, ein Aufwand, den kaum ein Gelegenheitsnutzer betreibt. Der niedrige Anteil ist damit weniger ein Qualitätsurteil als das Ergebnis fehlender Voreinstellung.
Der eigentliche Hebel von Mozilla liegt tiefer, im Maschinenraum des Web. Firefox läuft mit Gecko, einer selbst entwickelten Browser-Engine. Fast alle Konkurrenten setzen dagegen auf Chromium, die von Google gepflegte Grundlage von Chrome, oder auf Apples WebKit. Gecko ist damit die letzte große unabhängige Engine, die nicht einem der beiden Plattformkonzerne gehört. Fiele sie weg, könnte Google die technischen Standards des Web praktisch im Alleingang bestimmen.
Genau daraus zieht Mozilla eine Verhandlungsmacht, die der niedrige Marktanteil nicht vermuten lässt. Solange Kartellbehörden und Öffentlichkeit einen unabhängigen Browser als Beleg für Wettbewerb sehen wollen, hat Google ein handfestes Interesse daran, Firefox am Leben zu halten. Der schwache Spieler ist also paradoxerweise nützlich für den starken, weil er dessen Monopol weniger monopolistisch aussehen lässt.
In Deutschland ist die Ausgangslage etwas günstiger. Wegen der ausgeprägten Datenschutzkultur hielt Firefox hierzulande auf dem Desktop lange einen höheren Anteil als im weltweiten Schnitt, zeitweise im oberen einstelligen Bereich. Diese regionale Stärke ist für Mozilla wertvoll, weil sie zeigt, dass ein Markt mit hohem Datenschutzbewusstsein den unabhängigen Browser stärker trägt. Der deutsche Markt ist damit eine Art Testfall für die Frage, ob sich Prinzipientreue in Reichweite ummünzen lässt.
Die Wechselhürden wirken dabei in beide Richtungen. Ein Nutzer, der Lesezeichen, Passwörter und Erweiterungen in Firefox pflegt, wechselt nicht leichtfertig zu einem anderen Browser. Umgekehrt fällt vielen der Absprung von einem vorinstallierten Chrome schwer, weil sie den Wechsel gar nicht erst erwägen. Diese Trägheit der Gewohnheit ist Firefox‘ stärkster Halt und zugleich die größte Hürde beim Zurückgewinnen verlorener Nutzer.
Als Marktteilnehmer ist Firefox mit rund 3,3 Prozent zur Nische geworden. Seine wahre Bedeutung liegt in der Engine Gecko, der letzten großen Web-Technik außerhalb der Kontrolle von Google und Apple. Diese Unabhängigkeit ist Mozillas stärkstes Argument.
Wer ist bei Mozilla eigentlich das Produkt?

Bei Mozilla ist der Firefox-Nutzer nicht der Kunde, sondern das Produkt, denn verkauft wird sein Suchverhalten an den Meistbietenden der Suchbranche. Diese Rollenverteilung durchzieht das gesamte Geschäftsmodell und bleibt für die meisten Nutzer unsichtbar.
Der eigentliche Kunde von Mozilla ist Google, nicht der Mensch vor dem Bildschirm. Google zahlt dafür, dass seine Suche im Browser voreingestellt ist, weil jede Suchanfrage die Chance auf einen bezahlten Werbeklick eröffnet. Der Nutzer liefert mit jeder Eingabe den Rohstoff, aus dem dieser Wert entsteht. Er zahlt kein Geld, sondern mit seiner Aufmerksamkeit. Beim Öffnen von Firefox erlebt der Anwender das Produkt damit aus der untersten Rolle der Wertschöpfung, ohne den Vorgang je zu bemerken.
Die Freiwilligen bilden eine zweite, oft vergessene Gruppe von Wertschöpfern. Tausende ehrenamtliche Entwickler, Übersetzer und Tester tragen zum Code von Firefox bei. Ihre unbezahlte Arbeit senkt die Entwicklungskosten und verankert das Projekt in einer weltweiten Gemeinschaft. Diese Gratisarbeit ist ein stiller Posten, der in keiner Bilanz auftaucht, das Modell aber erst bezahlbar macht.
Die Freiwilligen leisten dabei weit mehr als reines Programmieren. Sie übersetzen Firefox in Dutzende Sprachen, melden Sicherheitslücken, pflegen Hilfeseiten und testen neue Versionen, bevor sie erscheinen. Gerade die Lokalisierung in kleine Sprachen wäre für ein gewinnorientiertes Unternehmen unwirtschaftlich, für die Mozilla-Gemeinschaft ist sie Ehrensache. Diese unbezahlte Weltgemeinschaft ist ein Vermögenswert, den kein Konkurrent einfach nachbauen kann.
Zwischen den Nutzergruppen entsteht so eine klare Rangordnung des Werts. Ganz oben steht der zahlende Kunde Google, in der Mitte die Freiwilligen als unbezahlte Zulieferer und ganz unten der normale Anwender als Lieferant der Suchanfragen. Diese verdeckte Hierarchie kehrt die vertraute Logik des Einkaufens um, denn der scheinbar Beschenkte ist in Wahrheit die Ware. Genau diese Unsichtbarkeit der eigenen Rolle unterscheidet das Web-Geschäft von jedem klassischen Handel.
Anders als bei Meta oder Google steht bei Mozilla dennoch ein Versprechen im Zentrum. Die Stiftung sammelt bewusst keine Nutzerprofile für den Verkauf und wirbt genau damit. Der Nutzer ist zwar das Produkt, aber ein Produkt, dessen Daten nicht einzeln verhökert werden. Diese Selbstbeschränkung ist Mozillas Alleinstellung und zugleich der Grund für die geringeren Einnahmen im Vergleich zu den reinen Datenkonzernen. Wie ein Browser trotz dieses Verzichts Geld verdienen kann, zeigt auch der Fall von Brave, das ohne den Verkauf von Nutzerdaten auskommt.
Der zahlende Kunde ist Google, das Produkt ist das Suchverhalten der Nutzer und die eigentliche Arbeit leisten teils unbezahlte Freiwillige. Mozillas Besonderheit ist der Verzicht auf den Verkauf einzelner Nutzerdaten, der Prinzip und Umsatzbremse zugleich ist.
Was kostet Firefox wirklich, und wer trägt die Kosten?

Firefox ist für den Nutzer gratis, doch der Browser kostet Mozilla jedes Jahr Hunderte Millionen Euro, die am Ende der Werbemarkt über den Umweg Google bezahlt. Der Preis ist also real, er steht nur nicht auf einer Rechnung.
Der größte Kostenblock ist die Entwicklung. Eine eigene Browser-Engine auf dem Stand der Technik zu halten, verlangt Hunderte hochbezahlte Ingenieure, ständige Sicherheitsupdates und die Anpassung an immer neue Web-Standards. Dazu kommen Serverkosten, Marketing und die Verwaltung der Stiftung. Der Betrieb von Firefox verschlingt damit den Löwenanteil der Ausgaben.
Bezahlt wird all das aus der Suchbeteiligung, die letztlich aus den Taschen der Werbetreibenden stammt. Schaltet ein Unternehmen bei Google eine Suchanzeige, fließt ein Teil dieses Geldes über die Beteiligungskette an Mozilla. Der Firefox-Nutzer bezahlt also indirekt, sobald er auf eine Anzeige klickt oder ein beworbenes Produkt kauft. Die Kosten des kostenlosen Browsers trägt der Werbemarkt.
Ein heikler Kostenpunkt ist die Führungsspitze. Über Jahre stiegen die Gehälter im Management deutlich, während der Marktanteil fiel, was Kritiker aus der eigenen Gemeinschaft scharf anprangerten. Zugleich musste Mozilla an der Basis sparen und Hunderte Stellen streichen. Diese Schere zwischen wachsenden Vorstandsbezügen und schrumpfender Belegschaft ist ein wiederkehrender Vorwurf, der am Selbstbild der gemeinnützigen Mission kratzt.
| Kostenbestandteil | Wer trägt ihn | Sichtbar für den Nutzer |
|---|---|---|
| Entwicklung und Engine-Pflege | Mozilla, finanziert aus Suchgeld | nein |
| Server und Infrastruktur | Mozilla, finanziert aus Suchgeld | nein |
| Suchbeteiligung als Einnahme | Werbetreibende über Google | nur indirekt beim Werbeklick |
| Abos wie VPN oder Relay | direkt der zahlende Nutzer | ja |
Für einen kleinen Teil der Nutzer besteht sehr wohl ein sichtbarer Preis. Ein gebuchter Firefox-VPN, der Relay-Dienst oder ein anderes Abo kostet einen klassischen Monats- oder Jahresbeitrag. Genau diese direkten Zahlungen will Mozilla ausbauen, um weg von der indirekten Finanzierung über den Werbemarkt zu kommen. Bislang bleibt dieser Anteil jedoch klein und trägt nur einen schmalen Rand des Gesamtumsatzes.
In absoluten Zahlen steckt hinter dem Gratis-Browser ein erheblicher Apparat. Mozilla beschäftigt einige Hundert Menschen, einen großen Teil davon in der Entwicklung des Browsers und der Engine. Nach den Entlassungen der Jahre 2024 und 2025 schrumpfte die Belegschaft spürbar, sodass jeder verbliebene Ingenieur einen größeren Teil der Last schultert. Dieser Personalabbau hält die Kosten im Zaum, erhöht aber das Risiko bei der Pflege der komplexen Technik.
Der Gratis-Browser kostet Mozilla dreistellige Millionenbeträge, vor allem für Entwicklung und Engine-Pflege. Bezahlt wird das über die Suchbeteiligung aus dem Werbemarkt, sodass der Nutzer nur indirekt zahlt. Nur wer ein Abo bucht, sieht einen echten Preis.
Wer profitiert und wer zahlt drauf?

Am Modell von Mozilla verdienen vor allem Google und die gut bezahlte Belegschaft, während die Verlierer die entlassenen Mitarbeiter und die schwindende Nutzergemeinschaft sind. Die Gewinn- und Verlustrechnung fällt für die Beteiligten sehr unterschiedlich aus.
Der größte Profiteur ist paradoxerweise der Geldgeber selbst. Google sichert sich mit überschaubaren Zahlungen die Standardsuche in einem unabhängigen Browser und damit ein wertvolles Argument gegen den Vorwurf des Monopols. Zugleich profitiert die Führungsebene von Mozilla, deren Spitzengehälter über Jahre für Kritik sorgten, weil sie stiegen, während der Marktanteil fiel. Diese Schieflage ist ein wunder Punkt der Organisation.
Auf der Verliererseite stehen zuerst die eigenen Beschäftigten. Mozilla strich im Februar 2024 rund 60 Stellen, die Stiftung entließ im November 2024 etwa 30 Prozent ihrer Belegschaft. Die Abschaltung von Pocket und Fakespot im Sommer 2025 kostete weitere Jobs und enttäuschte Millionen Nutzer, die sich an die Dienste gewöhnt hatten. Beschäftigte in der Peripherie des Konzerns spürten den Sparkurs als Erste, während die Kernentwicklung des Browsers geschützt blieb.
| Gruppe | Rolle im Modell | Bilanz |
|---|---|---|
| zahlender Suchpartner und Chrome-Anbieter | Gewinner, sichert sich Legitimität | |
| Mozilla-Führung | Management der Stiftung und Tochter | Gewinner, hohe Gehälter |
| Firefox-Nutzer | Rohstofflieferant der Suche | gemischt, gratis, aber Produkt |
| Entlassene Beschäftigte | Entwicklung, Nebenprodukte | Verlierer, Stellenabbau |
Für die Nutzer ist die Bilanz zwiespältig. Sie erhalten einen kostenlosen, datensparsamen Browser und damit einen echten Gegenwert. Zugleich hängt ihr Werkzeug an einem Modell, das sie nicht steuern und dessen Fortbestand von einem Gerichtsurteil und der Laune eines Konkurrenten abhängt. Diese Abhängigkeit ist der stille Preis der Kostenlosigkeit.
Ein Sonderfall des Verlierens traf die treuen Anhänger der Nebenprodukte. Der Lesedienst Pocket hatte über zehn Millionen Nutzer, als Mozilla ihn 2025 abschaltete, um sich auf den Browser zu konzentrieren. Die dort über Jahre gesammelten Artikel mussten die Nutzer in kurzer Frist selbst retten oder verlieren. Solche abrupten Abschaltungen sind der Preis eines Sparkurses, der die schmale Erlösbasis widerspiegelt. Das Vertrauen der Gemeinschaft ist eine Währung, die Mozilla mit jeder Einstellung ein Stück ausgibt.
Dahinter steht ein Muster, das an den Ressourcenfluch ganzer Volkswirtschaften erinnert. Der bequeme Geldstrom aus einer einzigen Quelle nimmt über Jahre den Druck, echte Alternativen aufzubauen, macht das Unternehmen aber abhängig von der Gunst des Zahlenden. Mozilla erlebt genau diesen Plattform-Fluch, weil die Google-Millionen jede härtere Diversifizierung lange überflüssig erscheinen ließen. Erst der drohende Verlust dieser Quelle erzwingt nun den Umbau, der vor zehn Jahren leichter gefallen wäre.
Mozilla ist der einzige große Browser-Anbieter, der seinen gefährlichsten Konkurrenten vor Gericht verteidigen muss, um selbst zu überleben. Firefox lebt vom Geld des Gegners, und genau diese Nähe macht die vielbeschworene Unabhängigkeit so brüchig.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Google und die Mozilla-Führung zählen zu den Gewinnern, während entlassene Mitarbeiter und eingestellte Produkte die Kosten des Sparkurses tragen. Für die Nutzer bleibt ein guter Gratis-Browser, dessen Zukunft sie nicht in der Hand haben.
Wie politisch ist Mozilla?

Mozilla ist ausgesprochen politisch, weil sein Geschäftsmodell direkt von Kartellrecht, Netzregulierung und Plattformmacht abhängt und die Stiftung genau dort aktiv Einfluss nimmt. Politik ist für Mozilla kein Nebenschauplatz, sondern Existenzfrage.
Das zeigt der aktuelle Fall besonders deutlich. Im US-Kartellverfahren gegen Google wurde die milliardenschwere Zahlung für Standardsuchen als Kern des Machtmissbrauchs verhandelt. Richter Amit Mehta untersagte im September 2025 zwar exklusive Verträge, verbot die Zahlungen selbst aber nicht. Als Google und das US-Justizministerium in die Berufung gingen, reichte Mozilla Anfang August 2026 einen Schriftsatz ein, der das Gericht bestärkt, das Zahlungsverbot abzulehnen. Die Stiftung verteidigt damit ihre eigene Geldquelle.
Der zeitliche Ablauf zeigt, wie akut die Frage ist. Google legte am 16. Januar 2026 formal Berufung gegen das Urteil ein, das US-Justizministerium und mehrere Bundesstaaten reichten ihrerseits eine Gegenberufung ein, weil ihnen die Auflagen nicht weit genug gehen. Sie wollen die Zahlungen an Vertriebspartner doch noch verbieten lassen. Ein Termin für die mündliche Verhandlung stand im Spätsommer 2026 noch aus, sodass die entscheidende Weiche für Mozillas Zukunft weiter in der Schwebe hängt.
Auch jenseits dieses Verfahrens mischt Mozilla mit. Die Organisation kämpfte über Jahre für die Netzneutralität in den USA, klagte 2026 gegen Teile des britischen Online Safety Act und setzt sich in der Europäischen Union für Auswahlbildschirme ein, die Nutzern bei der Browserwahl echte Alternativen zeigen. Der Digital Markets Act der EU zwingt große Plattformen genau zu solchen Auswahlbildschirmen bei der Browserwahl und eröffnet Firefox damit eine seltene Chance auf faire Sichtbarkeit.
Diese Doppelrolle ist heikel. Mozilla tritt als moralische Stimme für ein offenes Web auf und ist zugleich wirtschaftlich an den größten Akteur dieses Web gekettet. Kritiker werfen der Stiftung deshalb vor, in der Google-Frage befangen zu sein. Die Stiftung hält dagegen, ein plötzliches Ende der Zahlungen träfe nicht Google, sondern die kleinen unabhängigen Anbieter wie sie selbst.
Auch die Steuerstruktur ist Teil des politischen Bildes. Als gemeinnützige Stiftung nach US-Recht ist die Foundation von der Körperschaftsteuer befreit, während die Corporation als normale Firma Steuern zahlt. Diese Konstruktion ist legal und weit verbreitet, verschafft Mozilla aber einen Vorteil, den rein kommerzielle Wettbewerber nicht haben. Kritiker sehen darin einen stillen Subventionseffekt zugunsten des Modells.
Mozilla betreibt intensive Lobbyarbeit für Netzneutralität, Browserauswahl und gegen scharfe Antitrust-Auflagen. Der Amicus-Brief für Google im August 2026 zeigt den Kern des Dilemmas: Die moralische Stimme des offenen Web verteidigt ihren wichtigsten Geldgeber.
Was könnte Mozilla zu Fall bringen?

Mozilla droht Gefahr aus drei Richtungen gleichzeitig, nämlich einem Ende der Google-Zahlungen, dem Verfall der klassischen Suche durch KI und dem stetigen Schwund der Nutzerbasis. Jedes dieser Risiken für sich wäre beherrschbar, ihr Zusammentreffen ist gefährlich.
Das akuteste Risiko ist juristisch. Sollte das Berufungsgericht dem US-Justizministerium folgen und die Zahlungen an Vertriebspartner verbieten, verlöre Mozilla über Nacht rund 86 Prozent seiner Vertragsumsätze. Ein Ausweichen auf einen anderen Suchpartner wie Microsofts Bing brächte nach Mozillas eigener Einschätzung deutlich weniger Geld. Diese Klippe ist der Grund, warum die Stiftung ihren Konkurrenten vor Gericht verteidigt.
Die Reserve von rund 1,2 Milliarden Euro federt diesen Schlag ab, löst das Problem aber nicht. Sie würde den laufenden Betrieb einige Jahre finanzieren und Mozilla Zeit für einen Umbau verschaffen. Ohne eine tragfähige neue Erlösquelle wäre das jedoch nur ein Aufschub, kein Ausweg. Der volle Tresor ist damit ein Rettungsboot, kein neuer Motor.
Das zweite Risiko ist struktureller Natur. Immer mehr Menschen erhalten ihre Antworten direkt von einer KI, ohne eine klassische Suchtrefferliste zu sehen. Weil Mozilla an der Suchwerbung beteiligt ist, sinkt mit jeder Suche ohne Werbeklick auch die Zahlung. Die neue Suchwelt untergräbt damit genau die Erlösquelle, auf der das ganze Modell ruht. Ausgerechnet der Trend, den der neue Mozilla-Chef mit einem KI-Browser reiten will, bedroht zugleich die Kasse.
Das dritte Risiko ist schleichend, aber hartnäckig. Jeder verlorene Nutzer bedeutet weniger Suchanfragen und damit weniger Einnahmen. Bricht die Basis unter eine kritische Schwelle, wird Firefox auch als Argument gegen Googles Monopol wertlos, und dem Konzern fehlte der Grund für weitere Zahlungen. Diese drei Gefahren verstärken sich gegenseitig, was die Lage besonders ernst macht.
Das eigentlich Tückische ist der Widerspruch im eigenen Rettungsplan. Der neue Chef setzt auf einen KI-Browser, der Antworten direkt liefert, statt zur klassischen Trefferliste zu führen. Gelingt dieser Umbau, könnte er ausgerechnet die Suchanfragen verringern, aus denen Mozilla sein Geld zieht. Die Strategie gegen den Niedergang trägt damit den Keim der nächsten Erlöslücke in sich.
Ein Zahlungsverbot im Kartellverfahren, der Verfall der klassischen Suche durch KI und der Schwund der Nutzerbasis bedrohen Mozilla gleichzeitig. Einzeln wären sie zu verkraften, ihr Zusammenspiel könnte das Erlösmodell zum Einsturz bringen.
Was bedeutet Mozilla für deutsche Unternehmer und Verbraucher?

Für deutsche Unternehmer und Verbraucher ist Mozilla vor allem ein Garant für digitale Wahlfreiheit, dessen mögliches Ende die Abhängigkeit von US-Plattformen weiter verschärfen würde. Der Nutzen von Firefox reicht in Deutschland weiter, als der Marktanteil vermuten lässt.
Firefox war in Deutschland traditionell stärker verbreitet als im weltweiten Schnitt, weil die Datenschutzkultur hierzulande ausgeprägter ist. Auf dem Desktop hält der Browser im deutschen Markt einen höheren Anteil als global. Für Behörden und Mittelständler ist die Version Firefox ESR mit zentraler Richtlinienverwaltung interessant, weil sie sich verwalten lässt, ohne dass Daten an einen der großen US-Konzerne fließen. Firefox erfüllt dabei die Mindestanforderungen des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik an sichere Unternehmensbrowser.
Für die viel beschworene digitale Souveränität Europas ist Mozilla mehr als ein Browser. Die Engine Gecko ist die letzte große Web-Technik, die nicht in Kalifornien kontrolliert wird. Der E-Mail-Client Thunderbird aus demselben Haus ist zudem in deutschen Behörden und Vereinen weit verbreitet. Verschwände Mozilla, hinge die technische Grundlage des Web vollständig an zwei US-Konzernen. Diese Abhängigkeit ist genau das Szenario, das die europäische Debatte um Souveränität vermeiden will.
Für Unternehmer ergeben sich daraus konkrete Handlungsoptionen. Firmen mit Anspruch auf digitale Souveränität können Firefox ESR als verwalteten Standardbrowser einsetzen und behalten so eine Alternative zu den Chromium-Browsern der US-Konzerne. Als unabhängige Suche bietet sich ein Anbieter wie Ecosia, die Suchmaschine, die sich selbst gehört, als Ergänzung zum Firefox-Ökosystem an. Die Marktmacht dahinter erschließt sich, sobald man das Geschäftsmodell von Google und dessen Milliardenumsätze danebenlegt.
Für Verbraucher lohnt der nüchterne Blick auf die eigene Abhängigkeit. Nahezu jeder alternative Browser außer Firefox und Safari läuft auf Googles Technik, sodass die Wahl oft nur eine Oberfläche über demselben Motor ist. Firefox aktiv einzusetzen ist damit eine der wenigen konkreten Möglichkeiten, dem Markt eine echte Alternative zu erhalten. Diese Entscheidung kostet nichts außer der Mühe eines Downloads.
Am Ende steht für deutsche Leser eine schlichte Erkenntnis. Der Fortbestand von Firefox liegt nicht in ihrer Hand, sondern hängt an einem US-Gericht und an der Rechenlogik eines Werbekonzerns. Für alle, die Vielfalt im Netz schätzen, lohnt sich der aktive Wechsel zur verbliebenen Alternative, denn ein Browser mit einem Marktanteil von null Prozent überzeugt auch keinen Geldgeber mehr. Die Zukunft des offenen Web entscheidet sich damit an einer sehr konkreten, alltäglichen Stelle, der bewussten Wahl des eigenen Browsers.
Für deutsche Firmen und Verbraucher ist Firefox ein Werkzeug der digitalen Souveränität und BSI-konform als verwalteter Unternehmensbrowser einsetzbar. Sein Fortbestand entscheidet sich jedoch fern von Deutschland, an einem US-Gericht und in der Kalkulation von Google.
Glossar: 14 wichtige Fachbegriffe rund um das Geschäftsmodell von Mozilla

501(c)(3)
501(c)(3) bezeichnet den Paragrafen im US-Steuerrecht, der gemeinnützige Organisationen von der Körperschaftsteuer befreit. Die Mozilla Foundation trägt diesen Status. Er verbietet die Ausschüttung von Gewinnen an Eigentümer, weshalb Überschüsse in Rücklagen und Programmarbeit fließen statt an Anteilseigner.
Amicus-Brief
Amicus-Brief ist eine Stellungnahme, die eine nicht am Verfahren beteiligte Partei einem Gericht als Rat einreicht. Mozilla nutzte dieses Mittel im August 2026, um im Google-Kartellverfahren für den Erhalt der Suchzahlungen zu argumentieren. Der lateinische Name bedeutet Freund des Gerichts.
Browser-Engine
Browser-Engine ist die technische Kernsoftware, die Webseiten aus Code in ein sichtbares Bild übersetzt. Firefox nutzt die selbst entwickelte Engine Gecko. Sie ist die letzte große Engine, die nicht von Google oder Apple kontrolliert wird, und damit Mozillas wichtigstes technisches Faustpfand.
Chromium
Chromium ist die von Google gepflegte, quelloffene Grundlage des Chrome-Browsers. Fast alle Konkurrenten außer Firefox und Safari bauen darauf auf. Die Dominanz von Chromium gibt Google indirekt Kontrolle über die technischen Standards des gesamten Web.
Default-Search-Deal
Default-Search-Deal bezeichnet die Vereinbarung, eine bestimmte Suchmaschine als Voreinstellung in einem Browser zu setzen. Google zahlt Mozilla dafür, im Firefox-Browser diese Standardposition zu belegen. Dieser Deal ist die mit Abstand größte Einnahmequelle der Stiftung.
Digital Markets Act
Digital Markets Act (DMA) ist ein EU-Gesetz, das große Plattformen zu mehr Offenheit zwingt. Das Gesetz verpflichtet Betriebssysteme unter anderem zu Auswahlbildschirmen bei der Browserwahl. Für Firefox bietet der DMA eine seltene Chance, wieder als Alternative sichtbar zu werden.
Gecko
Gecko ist der Name der Browser-Engine von Firefox. Ihre eigenständige Pflege kostet Mozilla viel Geld, sichert aber die Unabhängigkeit von den Plattformkonzernen. Ohne Gecko bliebe im Massenmarkt praktisch nur noch von Google und Apple kontrollierte Web-Technik.
Konzentrationsrisiko
Konzentrationsrisiko beschreibt die Gefahr, die entsteht, wenn ein Unternehmen zu stark von einem einzigen Kunden oder Partner abhängt. Bei Mozilla stammen rund 86 Prozent der Vertragsumsätze von Google. Ein Wegfall dieses einen Kunden würde das gesamte Erlösmodell erschüttern.
Mozilla Corporation
Mozilla Corporation ist die steuerpflichtige Tochtergesellschaft der Mozilla Foundation. Sie schließt die kommerziellen Verträge, entwickelt Firefox und erwirtschaftet die Umsätze. Diese Struktur trennt die gemeinnützige Mission von den wirtschaftlichen Aktivitäten.
Mozilla Foundation
Mozilla Foundation ist die gemeinnützige Stiftung, die das Mozilla-Projekt trägt und die Corporation als Tochter besitzt. Sie verfolgt die Mission eines offenen und zugänglichen Internets und finanziert daneben Förderprogramme für digitale Rechte.
Netzneutralität
Netzneutralität ist der Grundsatz, dass Internetanbieter alle Datenpakete gleich behandeln müssen und keine Inhalte bevorzugen oder bremsen. Mozilla kämpfte über Jahre juristisch und politisch für dieses Prinzip, weil ein offenes Netz die Voraussetzung für unabhängige Browser ist.
Nettovermögen
Nettovermögen ist die Differenz zwischen dem Vermögen und den Schulden einer Organisation. Der Mozilla-Konzern verfügte Ende 2024 über ein Nettovermögen von rund 1,2 Milliarden Euro. Diese Reserve macht die Stiftung finanziell robust, obwohl die laufenden Einnahmen stark von Google abhängen.
Royalties
Royalties sind Beteiligungszahlungen, die Mozilla von seinen Suchpartnern erhält. Sie bemessen sich an den Werbeeinnahmen, die der Partner über die Firefox-Suche erzielt. Mit rund 425,9 Millionen Euro im Jahr 2024 bilden sie den weitaus größten Teil aller Einnahmen.
Standardsuchmaschine
Standardsuchmaschine ist der Anbieter, der in einem Browser voreingestellt ist und den die meisten Nutzer nie ändern. Weil diese Voreinstellung das Suchverhalten stark lenkt, ist sie wirtschaftlich extrem wertvoll und deshalb Gegenstand milliardenschwerer Verträge.
FAQ: Mozilla: Wie überlebt Firefox am Google-Tropf?

Bekommt Mozilla Geld von Google?
Ja, Google ist der mit Abstand wichtigste Geldgeber. Nach dem Konzernabschluss 2024 stammen rund 86 Prozent der Vertragsumsätze von einem einzigen Kunden, nämlich Google. Der Konzern zahlt dafür, dass seine Suche im Firefox-Browser die Standardeinstellung ist.
Warum verteidigt Mozilla ausgerechnet Google vor Gericht?
Weil ein Verbot der Google-Zahlungen Mozilla selbst am härtesten treffen würde. Die Stiftung reichte im August 2026 einen Amicus-Brief ein, der das Zahlungsverbot ablehnt. Sie argumentiert, ein solches Verbot schade nicht Google, sondern den kleinen unabhängigen Anbietern wie Firefox.
Wie viel Umsatz macht Mozilla im Jahr?
Der Mozilla-Konzern nahm 2024 umgerechnet rund 581,6 Millionen Euro ein, nach 558,2 Millionen im Vorjahr. Den größten Block bilden mit rund 425,9 Millionen Euro die Suchbeteiligungen. Abos und Werbung steuerten rund 56,8 Millionen Euro bei.
Ist Firefox wirklich kostenlos oder zahle ich indirekt?
Der Browser ist gratis, doch die Kosten trägt der Werbemarkt. Klicken Sie über die Firefox-Suche auf eine Google-Anzeige, fließt ein Teil des Werbegeldes an Mozilla. Nur Zusatzdienste wie der VPN oder Relay kosten einen direkten Abopreis.
Warum ist Firefox für den Datenschutz wichtig?
Firefox nutzt mit Gecko die letzte große Browser-Engine außerhalb der Kontrolle von Google und Apple und verzichtet auf den Verkauf einzelner Nutzerdaten. Die Version Firefox ESR lässt sich zentral verwalten und erfüllt die Mindestanforderungen des BSI an sichere Unternehmensbrowser.
Was passiert, wenn Google nicht mehr an Mozilla zahlt?
Dann verlöre Mozilla über Nacht rund 86 Prozent seiner Vertragsumsätze. Ein Wechsel zu einem anderen Suchpartner wie Bing brächte nach Mozillas Einschätzung deutlich weniger Geld. Die Reserve von rund 1,2 Milliarden Euro würde den Betrieb einige Zeit sichern, das Modell aber grundlegend infrage stellen.
Quellen
Mozilla Foundation | Mozilla Foundation and Subsidiaries, Consolidated Financial Statements December 31, 2024 and 2023 | https://stateof.mozilla.org/pdf/Mozilla%20Fdn%202024%20-%20AuditedFinancials.pdf | besucht am 23.08.2026
Mozilla Foundation | State of Mozilla 2024, Financing an Open Internet | https://www.mozilla.org/en-US/foundation/annualreport/2024/article/financing-an-open-internet-mozillas-path-forward/ | besucht am 23.08.2026
Mozilla | The future of the web depends on getting this right (Amicus-Brief) | https://blog.mozilla.org/en/mozilla/internet-policy/amicus_brief/ | besucht am 23.08.2026
US District Court for the District of Columbia | US and Plaintiff States v. Google, Remedies Opinion (September 2025) | https://www.justice.gov/atr/case/us-and-plaintiff-states-v-google-llc-2020 | besucht am 23.08.2026
StatCounter Global Stats | Browser Market Share Worldwide 2026 | https://gs.statcounter.com/browser-market-share | besucht am 23.08.2026
Mozilla | Discontinuing Pocket and Fakespot | https://support.mozilla.org/kb/future-of-pocket | besucht am 23.08.2026
Europäische Zentralbank | Euro-Referenzkurs EUR/USD 1,1699 (21.08.2026) | https://www.ecb.europa.eu/stats/policy_and_exchange_rates/euro_reference_exchange_rates/html/eurofxref-graph-usd.en.html | besucht am 23.08.2026