Die Gewerbesteuer wirkt komplizierter, als sie ist: Drei Größen entscheiden über die Höhe, und bei vielen Personenunternehmen bleibt nach der Anrechnung fast keine Belastung übrig. Dieser Leitfaden zeigt Schritt für Schritt, wie die Steuer zustande kommt, nennt die Werte für 2026 und 2027 und erklärt, warum der Firmensitz manchmal über Tausende Euro entscheidet.
Ein Klick · kostenlosDr. Web bei Google bevorzugenMarkieren Sie drweb.de als bevorzugte Quelle. Dann sehen Sie unsere Artikel öfter unter den Top-Meldungen.Jetzt hinzufügenDie Gewerbesteuer trifft fast jedes gewerbliche Unternehmen in Deutschland, vom Einzelhandel über die Agentur bis zur GmbH. Trotzdem kennen die wenigsten Unternehmer ihre tatsächliche Belastung, bevor der erste Bescheid eintrifft.
Schuld daran ist eine Rechenkette, die auf den ersten Blick sperrig aussieht: Gewinn, Hinzurechnungen, Freibetrag, Messzahl, Hebesatz.
Den eigentlichen Rechenweg nimmt Ihnen unser Gewerbesteuer-Rechner ab. Was dahintersteckt, erklärt dieser Beitrag, damit Sie die Zahlen einordnen und im Gespräch mit der Steuerberatung die richtigen Fragen stellen.

Das Wichtigste in Kürze
- Die Steuermesszahl beträgt bundeseinheitlich 3,5 Prozent und gilt für alle Rechtsformen.
- Der Freibetrag von 24.500 Euro steht nur Einzelunternehmen und Personengesellschaften zu, nicht der GmbH.
- Den Hebesatz legt jede Gemeinde selbst fest. In Städten ab 20.000 Einwohnern liegt der Durchschnitt 2026 bei 441 Prozent, die Spanne reicht dort von 250 bis 580 Prozent.
- Die Anrechnung nach § 35 EStG entlastet Personenunternehmen bis zu einem Hebesatz von rund 400 Prozent vollständig, sofern genug Einkommensteuer anfällt.
- Der Mindesthebesatz steigt ab dem Erhebungszeitraum 2027 von 200 auf 280 Prozent. Das Gesetz ist seit Anfang Juli 2026 verkündet.
Was ist die Gewerbesteuer?

Die Gewerbesteuer ist eine Realsteuer, also eine Steuer auf das Objekt Gewerbebetrieb und nicht auf eine Person. Besteuert wird die objektive Ertragskraft des Betriebs, unabhängig davon, wem er gehört.
Als Gemeindesteuer steht die Gewerbesteuer der Stadt oder Gemeinde zu, in der das Unternehmen seine Betriebsstätte hat; das Aufkommen finanziert dort Straßen, Schulen und andere Infrastruktur. Einen Teil reichen die Gemeinden über die Gewerbesteuerumlage an Bund und Länder weiter.
Für die Kommunen ist diese Abgabe die wichtigste eigene Einnahmequelle. 2025 nahmen die Gemeinden laut Statistischem Bundesamt rund 76,4 Milliarden Euro Gewerbesteuer ein, so viel wie nie zuvor. Die Grundsteuer, die zweite Realsteuer, brachte 16,1 Milliarden Euro.
Die rechtliche Grundlage liefert das Gewerbesteuergesetz (GewStG), ergänzt durch die Durchführungsverordnung und die Gewerbesteuer-Richtlinien. Die Besteuerung der Substanz über die frühere Gewerbekapitalsteuer hat der Gesetzgeber 1998 abgeschafft, seither zählt allein der Ertrag.
Zahlungspflicht: Gewerbebetrieb oder freier Beruf?

Ob überhaupt Gewerbesteuer anfällt, entscheidet die Art der Tätigkeit.
Gewerbesteuerpflichtig sind alle Gewerbetreibenden, ob in Handel, Handwerk, Industrie, Gastronomie oder in vielen Dienstleistungsbranchen. Sobald ein Gewerbeschein nötig wird, fällt grundsätzlich auch Gewerbesteuer an.
Freie Berufe sind ausgenommen. Ärzte, Rechtsanwälte, Steuerberater, Architekten, Journalisten und künstlerisch Tätige nach § 18 EStG zahlen keine Gewerbesteuer, ebenso wenig Land- und Forstwirte.
Ein Programmierer kann freiberuflich oder gewerblich eingestuft werden, je nach Tätigkeit und Ausbildung. Bei Zweifeln klärt das zuständige Finanzamt die Einordnung, idealerweise vor der Anmeldung.
Ein Einzelunternehmen wird steuerpflichtig, sobald der Inhaber die gewerbliche Tätigkeit aufnimmt. Eine Kapitalgesellschaft gilt kraft Rechtsform als Gewerbebetrieb, spätestens ab der Eintragung ins Handelsregister, früher, sobald die Gesellschaft schon vorher nach außen geschäftlich tätig wird.
Der Freibetrag: ab wann es ernst wird

Für natürliche Personen und Personengesellschaften liegt der Freibetrag bei 24.500 Euro pro Jahr (§ 11 Abs. 1 GewStG). Erst der Teil des Gewerbeertrags oberhalb dieser Grenze wird besteuert.
Ein Beispiel: Bei einem Gewerbeertrag von 30.000 Euro blieben nach Abzug des Freibetrags nur 5.500 Euro steuerpflichtig. Betriebe mit einem Gewerbeertrag bis 24.500 Euro zahlen gar keine Gewerbesteuer.
Für bestimmte Vereine und juristische Personen des öffentlichen Rechts gilt ein reduzierter Freibetrag von 5.000 Euro. Kapitalgesellschaften gehen leer aus: Eine GmbH oder AG versteuert ihren gesamten Gewerbeertrag vom ersten Euro an. Diese Ungleichbehandlung ist gewollt und einer der wichtigsten Gründe, warum die Rechtsform die Steuerlast spürbar verschiebt.
So wird die Gewerbesteuer berechnet

Die Berechnung beginnt beim Gewinn und endet bei dem Betrag, den die Gemeinde fordert.
Ausgangspunkt ist der Gewinn aus dem Gewerbebetrieb nach Einkommen- oder Körperschaftsteuerrecht. Zwei Korrekturen verändern diesen Wert, bevor die eigentliche Rechnung beginnt.
Über die Hinzurechnungen nach § 8 GewStG rechnet das Finanzamt bestimmte Finanzierungskosten teilweise wieder hinzu: Zinsen, Mieten, Leasingraten und Lizenzgebühren. Ein Freibetrag von 200.000 Euro verschont kleinere Betriebe; ein Rechenbeispiel folgt im nächsten Kapitel.
Die Kürzungen nach § 9 GewStG wirken in die Gegenrichtung. Seit dem Erhebungszeitraum 2025 zieht das Finanzamt für betrieblichen Grundbesitz die Grundsteuer ab, die als Betriebsausgabe gebucht ist; bis 2024 galten 1,2 Prozent des um 40 Prozent erhöhten Einheitswerts. Weitere Kürzungen vermeiden Doppelbelastungen bei Beteiligungen.
Das Ergebnis ist der Gewerbeertrag, abgerundet auf volle 100 Euro. Davon geht bei Personenunternehmen der Freibetrag ab.
Auf den verbleibenden Betrag wendet das Finanzamt die Steuermesszahl von 3,5 Prozent an. Heraus kommt der Gewerbesteuermessbetrag, den das Finanzamt festsetzt. Diesen Messbetrag multipliziert die Gemeinde mit ihrem Hebesatz, und erst daraus ergibt sich die tatsächliche Gewerbesteuer.
| Schritt | Betrag |
|---|---|
| Gewerbeertrag (gerundet) | 100.000 € |
| minus Freibetrag (Personenunternehmen) | 24.500 € |
| = steuerpflichtiger Gewerbeertrag | 75.500 € |
| × Steuermesszahl 3,5 % | 2.642,50 € (Messbetrag) |
| × Hebesatz 400 % | 10.570 € |
| Gewerbesteuer | 10.570 € |
Eine Kapitalgesellschaft mit demselben Gewerbeertrag rechnete ohne Freibetrag und käme auf einen Messbetrag von 3.500 Euro, also 14.000 Euro Gewerbesteuer bei 400 Prozent Hebesatz. Den vollständigen Vergleich mit eigenen Zahlen liefert der Gewerbesteuer-Rechner inklusive der persönlichen Steuerbelastung je Gesellschafter.
Gewinn laut Einkommen- oder Körperschaftsteuerrecht, vor allen Korrekturen.
Finanzierungsanteile über 200.000 € kommen zu einem Viertel hinzu, die Grundsteuer für Betriebsgrundstücke geht ab.
Gilt nur für Personenunternehmen; die GmbH zahlt ab dem ersten Euro.
Bundesweit gleich. Heraus kommt der Messbetrag, den das Finanzamt festsetzt.
Durchschnitt 2026 in Städten ab 20.000 Einwohnern. Die Gemeinde multipliziert damit den Messbetrag.
Personenunternehmen ziehen bis zum Vierfachen des Messbetrags von ihrer Einkommensteuer ab, höchstens die gezahlte Gewerbesteuer.
Wann erhöhen Miete, Zinsen und Lizenzen die Gewerbesteuer?

Ein Betrieb, der seine Räume mietet und auf Kredit investiert, zahlt unter Umständen Gewerbesteuer auf Geld, das er nie verdient hat. Der Gesetzgeber will mit den Hinzurechnungen gleichstellen, was mit Eigenkapital und was mit fremdem Geld finanziert ist.
Zuerst addiert das Finanzamt die betroffenen Posten in festen Anteilen. Zinsen und andere Entgelte für Schulden zählen voll, Miet- und Leasingraten für bewegliche Wirtschaftsgüter zu einem Fünftel, Mieten für Gebäude und Grundstücke zur Hälfte und Lizenzgebühren zu einem Viertel. Für geleaste Elektrofahrzeuge, bestimmte Plug-in-Hybride und Fahrräder halbiert sich dieser Anteil noch einmal, sofern der Vertrag nach 2019 geschlossen wurde; die Regel gilt bis einschließlich 2030.
Von dieser Summe bleiben 200.000 Euro frei. Nur ein Viertel des übersteigenden Betrags wird dem Gewinn hinzugerechnet.
Ein Rechenbeispiel: Angenommen, ein Händler zahlt 300.000 Euro Ladenmiete, 100.000 Euro Kreditzinsen und 40.000 Euro Leasing für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. In die Summe gingen 150.000 Euro Miete, 100.000 Euro Zinsen und 8.000 Euro Leasing ein, zusammen 258.000 Euro. Nach Abzug der 200.000 Euro blieben 58.000 Euro, ein Viertel davon wären 14.500 Euro Hinzurechnung.
Bei 400 Prozent Hebesatz würde das den Händler rund 2.030 Euro zusätzliche Gewerbesteuer kosten, obwohl sein Gewinn unverändert bliebe.
Für die meisten kleinen Betriebe bleibt die Hinzurechnung trotzdem graue Theorie: Betriebe mit weniger als 200.000 Euro an gewichteten Finanzierungsanteilen im Jahr spüren sie nicht. Filialisten, Gastronomen mit teuren Innenstadtlagen und Unternehmen mit hohen Lizenzkosten sollten die Hinzurechnung dagegen fest einplanen.
Der Hebesatz: warum der Standort entscheidet

Die Messzahl ist überall gleich, beim Hebesatz dagegen liegen die Gemeinden um mehr als das Doppelte auseinander.
Jede Gemeinde legt ihren Hebesatz selbst fest. Das gesetzliche Minimum liegt bis einschließlich 2026 bei 200 Prozent (§ 16 Abs. 4 GewStG), ab 2027 bei 280 Prozent. Nach oben besteht keine feste Grenze.
Laut DIHK-Hebesatzumfrage liegt der nach Einwohnern gewichtete Durchschnitt in Gemeinden ab 20.000 Einwohnern 2026 bei 441 Prozent, nach 439 Prozent im Vorjahr. 88 der 706 erfassten Städte haben erhöht, fünf gesenkt. Am günstigsten sind Monheim am Rhein und Leverkusen mit 250 Prozent, am teuersten Oberhausen und Mülheim an der Ruhr mit 580 Prozent.
Über alle Gemeinden gerechnet, also einschließlich der kleinen, meldet das Statistische Bundesamt für 2025 einen Durchschnitt von 410 Prozent. Die beiden Werte widersprechen sich nicht: Die DIHK erfasst nur Städte ab 20.000 Einwohnern und gewichtet sie nach Einwohnern, das Statistische Bundesamt rechnet alle Gemeinden ein, auch die vielen kleinen mit niedrigeren Sätzen, und das für das Vorjahr.
| Stadt | Hebesatz 2026 |
|---|---|
| München | 490 % |
| Köln | 475 % |
| Hamburg | 470 % |
| Frankfurt am Main | 460 % |
| Stuttgart | 430 % (bis 2025: 420 %) |
| Berlin | 410 % |
| Monheim am Rhein, Leverkusen | 250 % |
| Gesetzliches Minimum | 200 %, ab 2027: 280 % |
Ein Rechenbeispiel: Bei 100.000 Euro steuerpflichtigem Gewerbeertrag betrüge der Messbetrag 3.500 Euro. In München würden daraus 17.150 Euro Gewerbesteuer, in einer Gemeinde mit 200 Prozent 7.000 Euro, eine Differenz von gut 10.000 Euro im Jahr. Ab 2027 schrumpft der Abstand zum Minimum auf 7.350 Euro, weil beim Mindestsatz dann 9.800 Euro fällig würden.
Diese Spreizung hat über Jahre zu Sitzverlagerungen geführt, oft nur auf dem Papier: Unternehmen meldeten eine Briefkastenadresse in einer Gemeinde mit niedrigem Hebesatz an, während der Betrieb anderswo lief. Diese Praxis war der Auslöser für den höheren Mindesthebesatz.
ESt-Anrechnung: das 4,0-fache, das viele übersehen

Einzelunternehmer und Gesellschafter von Personengesellschaften dürfen ihre Gewerbesteuer auf die Einkommensteuer anrechnen (§ 35 EStG). Der Gesetzgeber wollte damit die Doppelbelastung aus Gewerbesteuer und Einkommensteuer abfedern.
Angerechnet wird das 4,0-fache des Gewerbesteuermessbetrags, begrenzt auf die tatsächlich zu zahlende Gewerbesteuer. Dieser Faktor gilt seit dem Veranlagungszeitraum 2020, eingeführt durch das Zweite Corona-Steuerhilfegesetz; bis 2019 galt das 3,8-fache. Viele Ratgeber nennen weiterhin das 3,8-fache und eine Neutralitätsgrenze von 380 Prozent. Beides stimmt seit 2020 nicht mehr, und wir halten diesen Fehler für einen der teuersten im Netz: Wer mit der alten Grenze rechnet, unterschätzt die Entlastung um zwanzig Hebesatzpunkte.
Mit dem Faktor 4,0 bleibt die Gewerbesteuer bis zu einem Hebesatz von rund 400 Prozent einkommensneutral. Weil die Anrechnung auch den Solidaritätszuschlag senkt, verschiebt sich die Grenze für Unternehmer, die ihn noch zahlen, laut IHK Aachen auf rund 420 Prozent. Oberhalb dieser Grenze entsteht eine Mehrbelastung.
Eine zweite Grenze zieht der Ermäßigungshöchstbetrag: Angerechnet wird höchstens die Einkommensteuer, die auf die gewerblichen Einkünfte entfällt. Bei hohen Verlusten aus anderen Quellen oder großen Sonderausgaben fällt die Entlastung deshalb kleiner aus, und ein ungenutzter Rest verfällt; einen Vor- oder Rücktrag kennt das Gesetz nicht.
Ein Rechenbeispiel: Bei einem Messbetrag von 2.642,50 Euro ließen sich bis zu 10.570 Euro anrechnen, exakt der Betrag, der bei 400 Prozent Hebesatz anfällt. In München mit 490 Prozent betrüge die Gewerbesteuer 12.948 Euro, rund 2.380 Euro blieben ohne Ausgleich.
Kapitalgesellschaften sind von dieser Anrechnung ausgeschlossen, und als Betriebsausgabe abziehen darf die Gewerbesteuer seit 2008 niemand mehr, gleich welcher Rechtsform: § 4 Abs. 5b EStG stellt das ausdrücklich klar.
GmbH oder Einzelunternehmen?

Die Rechtsform verändert die Gewerbesteuer an gleich drei Stellen: beim Freibetrag, bei der Anrechnung und beim Beginn der Pflicht.
| Merkmal | Einzelunternehmen / Personengesellschaft | GmbH / AG |
|---|---|---|
| Freibetrag 24.500 € | ja | nein |
| Anrechnung nach § 35 EStG | ja, 4,0-fach | nein |
| Steuerpflicht ab | Aufnahme der Tätigkeit | Handelsregistereintrag, ggf. früher |
| Effektive Belastung bei rund 400 % Hebesatz | oft nahe null | volle Gewerbesteuer |
| Körperschaftsteuer | entfällt | 15 % bis 2027, danach jährlich 1 Prozentpunkt weniger bis 10 % ab 2032 |
Im Klartext: Das Einzelunternehmen profitiert doppelt, durch Freibetrag und Anrechnung. Die GmbH zahlt die Gewerbesteuer voll, gleicht das aber an anderer Stelle aus, über den niedrigeren Körperschaftsteuersatz von 15 Prozent sowie Spielräume beim Geschäftsführergehalt und bei einbehaltenen Gewinnen.
Dieser Ausgleich wird in den kommenden Jahren größer. Nach § 23 KStG sinkt der Körperschaftsteuersatz von 15 Prozent ab 2028 in fünf Schritten auf 10 Prozent im Jahr 2032. Die Gewerbesteuer bleibt davon unberührt, ihr Anteil an der Gesamtlast einer GmbH steigt also.
Eine pauschale Empfehlung verbietet sich deshalb. Die Gewerbesteuer ist nur ein Baustein der Gesamtbelastung, und die optimale Rechtsform hängt vom Gewinn, vom Standort und von den Entnahmeplänen ab.
Reform 2027: Mindesthebesatz auf 280 Prozent

Ab dem Erhebungszeitraum 2027 darf keine Gemeinde mehr weniger als 280 Prozent erheben. Bisher lag die Untergrenze bei 200 Prozent.
Der neue § 16 Abs. 4 GewStG greift automatisch: Beschließt eine Gemeinde keinen höheren Satz, gelten kraft Gesetzes 280 Prozent.
Die Reform richtet sich gegen die Gewerbesteueroasen, in denen Unternehmen nur formal ihren Sitz anmelden und den Gemeinden mit echten Betriebsstätten Einnahmen entziehen. Laut Finanztableau des Gesetzentwurfs bringt die Anhebung jährlich rund 170 Millionen Euro mehr Gewerbesteuer, den Gemeinden bleiben nach allen Verrechnungen rund 153 Millionen Euro.
Der Bundestag beschloss die Anhebung zunächst am 24. April 2026, gebündelt mit einer steuerfreien Entlastungsprämie von bis zu 1.000 Euro, die Arbeitgeber wegen der gestiegenen Preise hätten zahlen können. Am 8. Mai 2026 verweigerte der Bundesrat dem Paket die Zustimmung, weil Länder und Kommunen fast zwei Drittel der Steuerausfälle durch die Prämie ohne Ausgleich getragen hätten.
Die Koalitionsfraktionen brachten den Gesetzentwurf daraufhin ohne die Prämie neu ein. Der Bundestag beschloss das Gesetz am 11. Juni, der Bundesrat stimmte am 12. Juni 2026 zu.
Verkündet ist das Neunte Gesetz zur Änderung von Vorschriften im Steuerberatungsrecht sowie im Steuerrecht vom 29. Juni 2026 im Bundesgesetzblatt 2026 I Nr. 197.
Betroffen ist nur eine kleine Minderheit der rund 10.800 Gemeinden. Nach einer Auswertung von KPMG lagen Ende 2024 43 Gemeinden unter 280 Prozent, darunter bekannte Namen wie Grünwald bei München. Zu ihnen gehören auch Monheim am Rhein und Leverkusen, die laut DIHK 2026 noch 250 Prozent verlangen.
Der Bundestag beschließt die Anhebung zusammen mit einer steuerfreien Entlastungsprämie von bis zu 1.000 €.
Die Länder verweigern dem Paket die Zustimmung. Fast zwei Drittel der Steuerausfälle durch die Prämie hätten Länder und Kommunen getragen.
Ohne Prämie stimmt der Bundesrat zu, einen Tag nach dem Bundestag.
Gesetz vom 29. Juni 2026, Bundesgesetzblatt 2026 I Nr. 197.
So viele lagen Ende 2024 unter der neuen Grenze, laut Auswertung von KPMG.
Erwartetes Plus pro Jahr laut Gesetzentwurf, den Gemeinden bleiben rund 153 Mio. €.
Hamburg brachte im April 2026 eine Initiative für 300 Prozent in den Bundesrat ein. Am 25. September forderte die Länderkammer in ihrer Stellungnahme zum Jahressteuergesetz 2026 dann 300 Prozent schon ab 2027; dieser Satz würde mindestens 14 weitere Gemeinden erfassen. Der Deutsche Städtetag hatte bereits 2022 sogar 320 Prozent verlangt. Die Bundesregierung hat das Ende September abgelehnt, weil 280 Prozent der Zielsetzung ausreichend Rechnung trügen; das Verfahren zum Jahressteuergesetz läuft noch (Stand: Oktober 2026).
Markus Seyfferth, Chefredakteur von Dr. Web, ordnet das so ein:
Die Debatte um den Mindesthebesatz ist im Kern eine Standortdebatte. Ein höherer Sockel trifft genau die strukturschwachen Gemeinden, die mit niedrigen Sätzen überhaupt erst Ansiedlungen anlocken. Beim Schließen von Steueroasen darf nicht zugleich der letzte Hebel kleiner Kommunen wegfallen.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Ein Rechenbeispiel für Unternehmen in den betroffenen Gemeinden: Bei 3.500 Euro Messbetrag stiege die Gewerbesteuer von 8.750 Euro bei 250 Prozent auf 9.800 Euro bei 280 Prozent, ein Plus von 1.050 Euro im Jahr.
Spürbar trifft die Reform nach unserer Einschätzung vor allem Kapitalgesellschaften. Einzelunternehmer und Gesellschafter von Personengesellschaften rechnen die Mehrbelastung bis rund 400 Prozent Hebesatz auf ihre Einkommensteuer an, soweit diese ausreicht. Eine GmbH dagegen spürt jeden zusätzlichen Hebesatzpunkt in voller Höhe.
Unternehmen mit einer Briefkastenadresse in einer solchen Gemeinde sollten die Vorauszahlungen für 2027 prüfen lassen. Eine Sitzwahl allein nach dem Hebesatz war schon bisher riskant, weil das Finanzamt bei einer reinen Scheinadresse die Betriebsstätte dort verortet, wo die Geschäfte tatsächlich geführt werden.
Erklärung, Vorauszahlungen und Fristen

Das Finanzamt setzt den Messbetrag fest, die Gemeinde verschickt darauf den Gewerbesteuerbescheid. In Berlin, Hamburg und Bremen erledigt das Finanzamt beides.
Ist die Gewerbesteuer einmal festgesetzt, leisten Sie vierteljährliche Vorauszahlungen zum 15. Februar, 15. Mai, 15. August und 15. November. Vorauszahlungen unter 50 Euro setzt die Gemeinde nicht fest.
Eine Gewerbesteuererklärung müssen Personenunternehmen abgeben, sobald ihr Gewerbeertrag 24.500 Euro übersteigt, außerdem, wenn zum Ende des Vorjahres ein vortragsfähiger Gewerbeverlust festgestellt wurde, oder auf Aufforderung des Finanzamts. Kapitalgesellschaften wie GmbH und AG reichen die Erklärung jedes Jahr ein, auch ohne Gewinn (§ 25 GewStDV). Der Weg führt elektronisch über ELSTER.
Für das Jahr 2025 endete die Frist ohne Steuerberatung am 31. Juli 2026; mit Beratung läuft sie bis zum 1. März 2027, weil der 28. Februar auf einen Sonntag fällt. Für 2026 gelten der 2. August 2027 und der 29. Februar 2028 (§ 149 AO).
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Glossar

Gewerbeertrag: Der nach § 8 und § 9 GewStG korrigierte Gewinn des Betriebs, Grundlage der gesamten Berechnung.
Steuermesszahl: Bundeseinheitlicher Faktor von 3,5 Prozent, mit dem der Gewerbeertrag multipliziert wird.
Gewerbesteuermessbetrag: Produkt aus Gewerbeertrag und Messzahl, vom Finanzamt festgesetzt.
Hebesatz: Prozentsatz, mit dem die Gemeinde den Messbetrag multipliziert. Mindestens 200 Prozent, ab 2027 mindestens 280 Prozent.
Freibetrag: Abzug von 24.500 Euro für Personenunternehmen, 5.000 Euro für bestimmte Vereine. Für Kapitalgesellschaften nicht vorgesehen.
Hinzurechnungen: Anteile von Zinsen, Mieten, Leasingraten und Lizenzgebühren nach § 8 GewStG, die den Gewinn erhöhen, soweit sie zusammen 200.000 Euro übersteigen.
Kürzungen: Beträge nach § 9 GewStG, die den Gewinn mindern, etwa die Grundsteuer für betrieblichen Grundbesitz.
Realsteuer: Steuer auf ein Objekt statt auf eine Person. Die Gewerbesteuer und die Grundsteuer zählen dazu.
ESt-Anrechnung: Anrechnung des 4,0-fachen Messbetrags auf die Einkommensteuer nach § 35 EStG, nur für Personenunternehmen.
Ermäßigungshöchstbetrag: Obergrenze der Anrechnung, nämlich die Einkommensteuer, die auf die gewerblichen Einkünfte entfällt.
Verlustvortrag: Verrechnung früherer Gewerbeverluste mit dem aktuellen Gewerbeertrag nach § 10a GewStG.
Erhebungszeitraum: Das Kalenderjahr, für das die Gewerbesteuer erhoben wird.
Mindesthebesatz: Untergrenze für den Hebesatz nach § 16 Abs. 4 GewStG, 200 Prozent bis 2026, 280 Prozent ab 2027.
Gewerbesteueroase: Gemeinde mit besonders niedrigem Hebesatz, die gezielt Unternehmenssitze anzieht.
Häufige Fragen zur Gewerbesteuer
Welche Unternehmen müssen Gewerbesteuer zahlen?
Zahlen müssen alle Gewerbebetriebe in Deutschland, etwa in Handel, Handwerk, Industrie und vielen Dienstleistungsbranchen. Maßgeblich ist die gewerbliche Tätigkeit, nicht die Größe des Unternehmens. GmbH und AG gelten allein wegen ihrer Rechtsform als Gewerbebetrieb.
Zahlen Freiberufler Gewerbesteuer?
Nein. Freie Berufe nach § 18 EStG wie Ärzte, Anwälte, Architekten oder Journalisten sind befreit, ebenso Land- und Forstwirte. Bei Grenzfällen wie Programmierern entscheidet das Finanzamt nach Tätigkeit und Ausbildung.
Ab welchem Gewinn fällt Gewerbesteuer an?
Für Einzelunternehmen und Personengesellschaften erst oberhalb von 24.500 Euro Gewerbeertrag. Kapitalgesellschaften zahlen ohne Freibetrag vom ersten Euro an.
Können Sie die Gewerbesteuer auf die Einkommensteuer anrechnen?
Als Einzelunternehmer oder Gesellschafter einer Personengesellschaft ja, in Höhe des 4,0-fachen Messbetrags und begrenzt auf die gezahlte Gewerbesteuer. Bis rund 400 Prozent Hebesatz bleibt die Belastung dadurch neutral, sofern genug Einkommensteuer auf die gewerblichen Einkünfte entfällt. Das frühere 3,8-fache gilt seit 2020 nicht mehr.
Zahlt eine GmbH mehr Gewerbesteuer als ein Einzelunternehmen?
Bei gleichem Gewerbeertrag ja, weil der GmbH Freibetrag und Anrechnung fehlen. Bei 100.000 Euro Gewerbeertrag und 400 Prozent Hebesatz zahlt die GmbH 14.000 Euro, das Einzelunternehmen 10.570 Euro und rechnet diesen Betrag auf die Einkommensteuer an. Ausgleich schafft die Körperschaftsteuer, die ab 2028 schrittweise von 15 auf 10 Prozent sinkt.
Was ändert sich 2027 bei der Gewerbesteuer?
Der Mindesthebesatz steigt ab dem Erhebungszeitraum 2027 von 200 auf 280 Prozent. Grundlage ist das Gesetz vom 29. Juni 2026 (BGBl. 2026 I Nr. 197). Beschließt eine Gemeinde nichts, gelten automatisch 280 Prozent. Ende 2024 lagen laut KPMG 43 Gemeinden darunter.
Wie hoch ist der durchschnittliche Hebesatz?
In Städten ab 20.000 Einwohnern liegt der nach Einwohnern gewichtete Durchschnitt 2026 laut DIHK bei 441 Prozent. Über alle Gemeinden gerechnet meldet das Statistische Bundesamt für 2025 einen Durchschnitt von 410 Prozent. München verlangt 490, Berlin 410 Prozent.
Quellen
25 Quellen anzeigenQuellen ausblendenabgerufen am 21.10.2026
- Gesetze im InternetGewerbesteuergesetz, § 16 (Hebesatz)
- Gesetze im InternetGewerbesteuergesetz, § 36 (Zeitlicher Anwendungsbereich, Abs. 4b und 5b)
- Gesetze im InternetGewerbesteuergesetz, § 8 (Hinzurechnungen)
- Gesetze im InternetGewerbesteuergesetz, § 9 (Kürzungen)
- Gesetze im InternetGewerbesteuergesetz, § 19 (Vorauszahlungen)
- Gesetze im InternetGewerbesteuer-Durchführungsverordnung, § 25 (Steuererklärungspflicht)
- Gesetze im InternetEinkommensteuergesetz, § 35 (Steuerermäßigung bei Einkünften aus Gewerbebetrieb)
- Gesetze im InternetKörperschaftsteuergesetz, § 23 (Steuersatz)
- Gesetze im InternetAbgabenordnung, § 149 (Abgabe der Steuererklärungen)
- BundesgesetzblattNeuntes Gesetz zur Änderung von Vorschriften im Steuerberatungsrecht sowie im Steuerrecht vom 29. Juni 2026, BGBl. 2026 I Nr. 197
- Deutscher BundestagDrucksache 21/6002, Gesetzentwurf der Fraktionen CDU/CSU und SPD
- BundesratPlenarsitzung 1065, TOP 6: Steuerberatungsrecht findet keine Mehrheit
- BundesratPlenarsitzung 1066, TOP 71: Zustimmung ohne Entlastungsprämie
- BundesratDrucksache 447/26 (Beschluss), Stellungnahme zum Jahressteuergesetz 2026
- Finanzbehörde HamburgHamburger Initiative im Bundesrat für einen höheren Mindesthebesatz bei der Gewerbesteuer
- KPMGRegierungsentwurf: Anhebung des gewerbesteuerlichen Mindesthebesatzes
- DIHKHebesatzumfrage 2026
- DIHKZehnjahresreihe der Hebesätze, Stand 2026
- Statistisches BundesamtPressemitteilung Nr. 369 vom 15.10.2026: Gewerbesteuereinnahmen 2025
- Landeshauptstadt MünchenGewerbesteuer
- Stadt KölnHebesätze der Realsteuern
- Landeshauptstadt StuttgartDoppelhaushalt 2026/2027
- Deutscher BundestagDrucksache 21/8283, Gegenäußerung der Bundesregierung zur Stellungnahme des Bundesrates zum Jahressteuergesetz 2026
- Legal Tribune Online1.000 Euro Entlastungsprämie: Bundesrat verweigert Zustimmung
- IHK AachenGewerbesteuer (Anrechnung nach § 35 EStG)
