Eine automatisierte Kontosperre kostet Uber laut Reuters 825 Millionen Euro. Die niederländische Datenschutzbehörde wirft dem Fahrdienst vor, zwischen 2020 und 2022 Fahrerkonten per Algorithmus gesperrt zu haben, ohne die Betroffenen über die Logik dahinter aufzuklären.[1] Uber widerspricht der Entscheidung vom 17. August 2026 und kündigt Berufung an.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Die niederländische Datenschutzbehörde verhängt laut Reuters 825 Millionen Euro gegen Uber, die Entscheidung trägt das Datum 17. August 2026.
  • Die Behörde wirft Uber vor, Fahrerkonten allein durch automatisierte Verfahren gesperrt und die Fahrer über die Kriterien im Unklaren gelassen zu haben.
  • Hinter Metas 1,2 Milliarden Euro aus Irland wäre das die zweithöchste Geldbuße in der Geschichte der DSGVO.
  • Uber bestreitet die Darstellung, verweist auf menschliche Prüfungen sowie Widerspruchswege und will Berufung einlegen.

Warum genügt ein Mensch im Prüfprozess nicht?

Ein Stempel mit der Aufschrift „Menschliche Prüfung“ über Ausweis-Stapel
Gericht stuft Ubers Kontrollmechanismus bei Fahrer-Sperren als bloß symbolisch ein und wertet dies als automatisierte Entscheidung gemäß Artikel 22 DSGVO

Unter Artikel 22 DSGVO entscheidet nicht, ob ein Mensch am Verfahren beteiligt war, sondern ob dieser Mensch die Sperre tatsächlich hätte aufheben können. Genau daran scheiterte Uber schon einmal: Das Amsterdamer Berufungsgericht stufte die Kontrolle der Sperrentscheidungen am 4. April 2023 als kaum mehr als symbolischen Akt ein und wertete die Deaktivierungen deshalb als rein automatisiert. Ein Häkchen ohne Einblick in den Fall und ohne Befugnis zur Korrektur genügt der Vorschrift nicht.

Betroffene müssen zudem die Logik hinter einer automatisierten Entscheidung nachvollziehen können, sonst läuft ihr Widerspruch ins Leere. Ubers Software sperrte Konten vorübergehend bei Betrugsverdacht, etwa nach Umwegen zur Erhöhung des Fahrpreises oder nach angenommenen, aber nicht gefahrenen Touren. Dauerhaft geschlossen wurden Konten auch nach schlechten Bewertungen; für 2021 nennt Uber 126 solcher Fälle in Europa.

Bleibt das ein Einzelfall der Plattformwirtschaft?

Die Behörde in Den Haag trifft Uber binnen zwei Jahren zum zweiten Mal. Im Juli 2024 kostete die Übertragung von Fahrerdaten in die USA ohne ausreichende Garantien bereits 290 Millionen Euro.[2] Der Maßstab reicht dabei weit über Fahrdienste hinaus.

Der Europäische Gerichtshof entschied am 7. Dezember 2023 im Fall Schufa, dass bereits ein Score-Wert unter Artikel 22 fällt, sobald ein Dritter seine Entscheidung maßgeblich darauf stützt. Bewerbungs-Rankings, Betrugsscores, Bonitätsampeln und Risikoklassen der Versicherer stehen damit im selben Rahmen wie eine Fahrer-Sperre.

Nicht der Algorithmus kostet hier 825 Millionen Euro, sondern die menschliche Freigabe, die niemand ernsthaft prüfen konnte. Jede Firma mit automatischen Sperren sollte deshalb messen, wie viele Entscheidungen ihre Prüfer am Ende wirklich kippen.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Selbst in den Konzernen wächst das Misstrauen gegen die automatische Vorauswahl: Googles KI-Sicherheitsteam umging den eigenen Bewerbungsfilter. Parallel gerät die Rechtslage der Fahrer in Bewegung, wie der Streit um die Vertretung von Uber- und Lyft-Fahrern in Kalifornien zeigt. Wie Daten aus dem laufenden Betrieb zur Rechtsfrage werden, beschreiben auch unsere Berichte über die geplanten Zugriffe auf Fahrzeugdaten und über die Klimasensoren in Vonovia-Wohnungen.

Was die automatisierte Kontosperre bei Uber kostet

Bußgeldhöhe, geprüfter Zeitraum und die Frist, die deutsche Plattformen betrifft

825 Mio. Euro
Bußgeld der niederländischen Datenschutzbehörde, laut Reuters datiert auf den 17. August 2026
Platz 2
hinter Metas 1,2 Milliarden Euro aus Irland die zweithöchste Geldbuße unter der DSGVO
2020 bis 2022
geprüfter Zeitraum; für 2021 nennt Uber 126 dauerhaft deaktivierte Fahrer in Europa
2. Dez. 2026
Frist für die EU-Richtlinie zur Plattformarbeit, mit menschlichem Letztentscheidungsrecht bei Kontosperren

Artikel 22 DSGVO verlangt eine Prüfung durch Menschen mit echter Befugnis. Das Amsterdamer Berufungsgericht nannte Ubers Kontrolle 2023 kaum mehr als einen symbolischen Akt.

Was ändert sich für deutsche Arbeitgeber?

Bis zum 2. Dezember 2026 muss die EU-Richtlinie zur Plattformarbeit in deutschem Recht stehen, samt menschlichem Letztentscheidungsrecht bei Kontosperren. Das Bundesarbeitsministerium arbeitet an einem Referentenentwurf.[3] Die Pflichten treffen jede Plattform, die Aufträge algorithmisch verteilt oder Konten automatisch schließt, von Lieferdiensten bis zu Freelancer-Marktplätzen.

Der AI Act stuft KI-Systeme im Beschäftigungskontext als hochriskant ein, dort greifen die Pflichten allerdings erst 2027. Artikel 22 DSGVO gilt dagegen seit acht Jahren. Genau darauf stützt sich die Entscheidung aus Den Haag, und wie Betriebe ihre Prozesse gegen solche Risiken absichern, ordnen unsere Cybersecurity-Grundlagen ein.

Zunächst sollten Sie klären, welche Ihrer Systeme Konten oder Bewerbungen ohne menschlichen Eingriff aussortieren. Danach dokumentieren Sie für jede dieser Entscheidungen, wer sie mit welchem Informationsstand aufheben darf und wie oft eine Korrektur tatsächlich vorkommt. Diese Quote ist der Beleg, den eine Aufsichtsbehörde sehen will.

FAQ: Bußgeld gegen Uber und automatisierte Entscheidungen

Wie hoch ist das Bußgeld gegen Uber?

Die niederländische Datenschutzbehörde hat laut Reuters 825 Millionen Euro festgesetzt. Die Entscheidung trägt das Datum 17. August 2026 und ist noch nicht amtlich veröffentlicht. Uber widerspricht der Bewertung und kündigt Berufung an.

Was verbietet Artikel 22 der DSGVO?

Artikel 22 DSGVO untersagt Entscheidungen mit erheblicher Wirkung, die ausschließlich auf einer automatisierten Verarbeitung beruhen. Betroffene haben Anspruch auf eine Prüfung durch einen Menschen mit echter Entscheidungsbefugnis, auf eine Begründung und auf Widerspruch.

Gilt der Maßstab auch für deutsche Unternehmen?

Ja. Die DSGVO gilt europaweit einheitlich, und der Europäische Gerichtshof hat den Anwendungsbereich am 7. Dezember 2023 im Schufa-Urteil ausgeweitet. Schon ein Score-Wert fällt darunter, sobald ein Dritter seine Entscheidung maßgeblich darauf stützt.

Was müssen Plattformen bis Dezember 2026 umsetzen?

Die EU-Richtlinie zur Plattformarbeit muss bis zum 2. Dezember 2026 in nationales Recht umgesetzt sein. Sperren und Kontoschließungen brauchen dann ein menschliches Letztentscheidungsrecht, dazu kommen Auskunfts- und Überprüfungspflichten für automatisierte Systeme.

Quellen

[1] Reuters: „Dutch regulator fines Uber for automating driver suspensions, document shows“

[2] Autoriteit Persoonsgegevens: „Dutch DPA imposes a fine of 290 million euro on Uber“

[3] Denkfabrik Digitale Arbeitsgesellschaft des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales: „Plattform-Richtlinie der EU“

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