GPT-6 Astra hat eine Enigma-Funknachricht der Wehrmacht von 1941 entschlüsselt, die 21 Jahre lang als ungelöst galt. Den Bruch erledigte das Modell weitgehend allein. Aus dem Archiv wählte das System die passende Nachricht, programmierte sich einen Enigma-Simulator samt Bombe und fand den Schlüssel in zwei Tagen. Für Unternehmen steckt darin eine nüchterne Lektion über agentische KI, die ihre Werkzeuge selbst baut.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenSeit 1941 lag die Funknachricht mit dem Kürzel MVUEH im Archiv; 21 Jahre lang scheiterten Codeknacker an ihr. GPT-6 Astra brauchte zwei Tage. Der Bruch wirkt wie eine Fußnote der Kryptografie-Geschichte, zeigt Entscheidern aber, wie eigenständig agentische KI inzwischen eine offene Aufgabe zerlegt.
Das Wichtigste in Kürze
- GPT-6 Astra entschlüsselte die Wehrmachts-Enigma-Nachricht MVUEH vom 10. Juli 1941, die seit 2005 als ungelöst galt.
- Das Modell wählte die Nachricht selbst aus, programmierte einen eigenen Enigma-Simulator samt Bombe-Software und fand den passenden Walzensatz.
- Die eigentliche Neuerung liegt in der Autonomie, nicht in der Methode: Simulator, Bombe und Crib-Suche sind seit Jahrzehnten bekannt.
- Für Unternehmen zählt: Ein KI-Agent baut und orchestriert Werkzeuge selbst, während Aufsicht und Rechenkosten beim Betreiber bleiben.
Wie knackte GPT-6 Astra einen Funkspruch von 1941?

Das Modell baute sich die Analyse selbst. Der Anwender, der den Lauf startete, bat GPT-6 Astra lediglich, sich an den offenen Enigma-Nachrichten der Sammlung Crypto Cellar Research zu versuchen.[1] Astra griff sich den Funkspruch MVUEH vom 10. Juli 1941 heraus, einen Spruch an den Quartiermeister der SS-Totenkopf-Division, und schrieb dafür in Python und C++ einen Enigma-Simulator sowie eine Bombe zur Schlüsselsuche.
Ein seltener Walzenübertrag hatte den Bruch über Jahre verhindert. MVUEH lief mit der Walzenlage 253 statt der 512 aus dem übrigen Tagesverkehr, und ein Übertrag der linken Walze am 72. Buchstaben machte die Nachricht zusätzlich sperrig. Als Einstieg diente der doppelte Ortsname ROSENOW ROSENOW als wahrscheinlicher Klartext, ein klassischer Crib. Der entschlüsselte Text selbst ist banal, eine Nachfrage zur Marschroute nach Rosenow.
Warum ist die Autonomie die eigentliche Nachricht?
Neu ist der eigenständige Werkzeugbau, nicht die Kryptoanalyse. Simulator, Bombe und Crib-Suche gehen auf Bletchley Park zurück und liegen längst als offener Code vor. Frode Weierud, der die Sammlung Crypto Cellar Research pflegt, beschreibt Astras Vorgehen als das eines sehr professionellen Kryptoanalytikers und Archivrechercheurs, der in zwei Tagen schaffte, wofür Menschen sonst Wochen oder Monate brauchen.[1]
Vom Einzelfall zum Muster: Der Enigma-Bruch reiht sich in eine Serie ein, in der KI-Agenten offene Aufgaben eigenständig zerlegen. Google liefert mit AX einen quelloffenen Orchestrator für autonome Agenten, und Sicherheitsforscher nutzen dieselbe Eigenständigkeit längst offensiv, etwa mit autonomen Agenten, die reihenweise Behördenkonten übernehmen. Der gemeinsame Nenner: Das Modell schreibt den nötigen Code selbst und prüft damit seine Hypothesen.
Nicht die geknackte Enigma ist die eigentliche Nachricht, sondern dass sich ein Modell Simulator und Bombe selbst schreibt, um die Aufgabe ohne Drehbuch durchzuziehen. Genau diese Eigenständigkeit gehört im Unternehmen an die kurze Leine, mit Protokoll und Kostendeckel.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet der Enigma-Bruch für Unternehmen?
Autonome Agenten brauchen einen Rahmen aus Aufsicht und Budget. Dieselbe Fähigkeit, die den alten Funkspruch knackte, treibt im Betrieb die Rechen- und Token-Kosten. Zugleich entzieht sich diese Autonomie rasch der Kontrolle. OpenAI führt GPT-6 Astra intern als erstes Modell mit der Cyber-Risikostufe Critical.
Der Betreiber haftet, nicht das Modell. Praktisch heißt das: Ein Agent erhält nur die Rechte, die eine Aufgabe wirklich verlangt, jeder Lauf wird protokolliert und ein festes Kostenlimit deckelt die Rechenzeit. Vor dem ersten internen Test lohnt der Blick auf den größeren Rahmen der KI-Entwicklung und auf die Debatte um eigenmächtige Agenten.
Quelle
[1] Crypto Cellar Research: „The MVUEH Break“
Mehr Newshunger?
- Astra for Law: OpenAI bringt GPT-6 direkt in die Kanzlei
- GPT-6 Astra: OpenAIs erstes Modell mit Cyber-Risikostufe Critical
- Autonome KI-Agenten knacken 85 Behördenkonten in Taiwan
- AX: Googles quelloffener Orchestrator für autonome KI-Agenten
- Warum KI-Agenten lügen, betrügen und sich absprechen
- Anthropic pausiert riskantes KI-Training nach eigenmächtigen Claude-Aktionen