Der Ausbildungsberuf Berg- und Maschinenmann wird in Deutschland noch von 15 jungen Menschen im Jahr begonnen, und seine Ausbildungsordnung stammt aus dem Jahr 1979. Ein Beruf also, den man leicht für erledigt halten könnte. Der KI-Resilienz-Check von Dr. Web prüft jeden Ausbildungsberuf nach dem Sechs-Kriterien-Raster des Basisartikels Schulnote für 30 Berufe und vergibt eine Note auf der Schulnotenskala von 1 bis 6.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDas Wichtigste in Kürze
- Gesamtnote im KI-Resilienz-Check: 3,8 von 6, damit in der exponierten Hälfte aller bisher geprüften Ausbildungsberufe
- Ausbildungsdauer: zwei Jahre dual, geregelt in der Verordnung über die Berufsausbildung zum Berg- und Maschinenmann und zur Berg- und Maschinenfrau vom 22. Juni 1979
- Einstiegsvergütung: gesetzlich garantiert sind 724 Euro brutto im ersten Lehrjahr, eine eigene Tarifzeile führt die BIBB-Datenbank für diesen Kleinstberuf nicht
- Substituierbarkeitspotenzial laut Job-Futuromat des IAB: 100 Prozent, alle drei Kerntätigkeiten des Monoberufs gelten als technisch ersetzbar
- Knackpunkt ist der Ort: Wo der Beruf heute überlebt, im gesicherten Altbergbau, existiert weder eine Grubenkarte noch ein Funknetz
Erst raten, dann lesen: Wie KI-fest tippen Sie den Berg- und Maschinenmann?
1 Salz, Kali und Erz kommen weiterhin aus deutschen Gruben. Wie viele junge Menschen haben 2025 bundesweit eine Ausbildung zum Berg- und Maschinenmann begonnen? Aufklappen ↓
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2 Ferngesteuerte Lademaschinen bräuchten ein Funknetz, und unter Tage gebe es nun einmal keinen Empfang, lautet die verbreitete Annahme. Was stimmt daran nicht? Aufklappen ↓
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3 Eine einzige Kerntätigkeit dieses Berufs stuft das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung als nicht ersetzbar ein. Welche ist es? Aufklappen ↓
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4 Weil die Bundesdatenbank für diesen Kleinstberuf keine Tarifzeile führt, zählt die gesetzliche Untergrenze. Wie viel muss ein Betrieb 2026 im ersten Lehrjahr mindestens zahlen? Aufklappen ↓
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5 Die Preisfrage: Welche Note vergibt Dr. Web dem Berg- und Maschinenmann im KI-Resilienz-Check? Aufklappen ↓
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Was macht ein Berg- und Maschinenmann und wie läuft die Ausbildung ab?
Berg- und Maschinenleute arbeiten dort, wo der Rohstoff liegt, meistens mehrere hundert Meter unter der Oberfläche. Sie treiben Strecken vor, bringen Ausbau ein, bedienen Lade- und Fördermaschinen, transportieren Material durch das Grubengebäude und halten Rohrleitungen, Förderbänder und Schlauchleitungen in Betrieb. Der Arbeitsplatz ist eine Kali-, Salz- oder Erzgrube, ein Sanierungsbergwerk oder ein alter Grubenbau, der gesichert werden muss.
Die Ausbildung dauert zwei Jahre und läuft dual. Rechtsgrundlage ist die Verordnung über die Berufsausbildung zum Berg- und Maschinenmann und zur Berg- und Maschinenfrau vom 22. Juni 1979, nachzulesen im Volltext bei Gesetze im Internet. Nach dem ersten Jahr steht eine Zwischenprüfung an, am Ende eine Abschlussprüfung aus vier Arbeitsproben und vier schriftlichen Fächern. Ausbildungsberufsbild und Rahmenplan haben sich seit 1979 nicht verändert.
Ein Blick in den Prüfungskatalog erklärt den Beruf besser als jede Berufsbeschreibung. Im Fach Technisches Zeichnen soll der Prüfling markscheiderische Darstellungen, Ausbautafeln und Sprengbilder lesen können, im Fach Technische Mathematik Querschnitte, Volumen, Geschwindigkeiten und den eigenen Lohn berechnen. Die Fertigkeitsprüfung zählt doppelt so viel wie die Kenntnisprüfung. Handarbeit schlägt Papier, so hat der Verordnungsgeber das 1979 gesehen.
Gewählt wird zwischen zwei Fachrichtungen. Vortrieb und Gewinnung umfasst das Bohren in Mineral und Nebengestein, das Gewinnen, Lösen, Laden und Abfördern sowie das Unterhalten von Grubenbauen. Transport und Instandhaltung dreht sich um Transporteinrichtungen, Fördereinrichtungen sowie Rohr- und Schlauchleitungen. Beide Zweige teilen sich einen gemeinsamen Grundstock aus Arbeitsschutz, Metallgrundfertigkeiten und bergmännischen Grundfertigkeiten.
Bei der Vergütung wird die Quellenlage dünn. Die BIBB-Gesamtübersicht der Ausbildungsvergütungen führt rund 180 Berufe und den Berg- und Maschinenmann nicht, Handwerkskammer-Tabellen kommen mangels Handwerkseigenschaft nicht in Frage. Die branchenweiten Übersichten der Industrie- und Handelskammern kennen die Zeile ebenfalls nicht. Belastbar bleibt die gesetzliche Mindestausbildungsvergütung nach Paragraf 17 des Berufsbildungsgesetzes, 2026 also 724 Euro im ersten und 854 Euro im zweiten Lehrjahr.
Das ist die Untergrenze, nicht die Wirklichkeit. Die Kali- und Steinsalzindustrie mit ihren rund 10.000 Beschäftigten ist tarifgebunden, die IG BCE hat für sie zuletzt eine Anhebung der Ausbildungsvergütungen um 100 Euro je Ausbildungsjahr zum 1. August 2025 durchgesetzt. Eine öffentlich nachprüfbare Tariftabelle je Lehrjahr veröffentlicht dieser Tarifbereich allerdings nicht, deshalb zeigt die Grafik oben ehrlich die gesetzliche Grenze und den Bundesdurchschnitt daneben.
Formal genügt jeder Schulabschluss, praktisch stellen die Betriebe Bewerber mit Hauptschul- oder Realschulabschluss ein. Die ärztliche Eignungsuntersuchung entscheidet mit. Zum Abgleich mit den Alternativen listet der Dr.-Web-Berufsfinder alle Ausbildungsberufe im Überblick samt Verdienstangaben. Bemerkenswert bleibt die Geschlechterverteilung: 2013 wurde die Berufsbezeichnung eigens um die Berg- und Maschinenfrau ergänzt, 2025 entfielen laut BIBB-Rangliste 100 Prozent der 15 neuen Verträge auf Männer.
Welche Note bekommt der Berg- und Maschinenmann im KI-Resilienz-Check?
Die Gesamtnote 3,8 liegt in der exponierten Hälfte der Serie, obwohl kaum ein Arbeitsplatz so unwirtlich ist wie dieser. Wie sie zustande kommt, zerlegt das Sechs-Kriterien-Raster im nächsten Kapitel.
Die Gesamtnote lautet 3,8. Damit landet der Berg- und Maschinenmann in der exponierten Hälfte der bisher geprüften Ausbildungsberufe, ein gutes Stück hinter dem Bauwerksmechaniker für Abbruch und Betontrenntechnik mit 3,0 und knapp vor dem Aufbereitungsmechaniker mit 4,0. Diese Nachbarschaft ist kein Zufall, denn alle drei arbeiten an Gestein, und alle drei sind rechtlich schwach geschützt.
Interessanter als die Note ist die Lücke, die sie zu einer anderen Zahl aufreißt. Der Job-Futuromat des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung beziffert das Substituierbarkeitspotenzial des Monoberufs auf 100 Prozent: Maschinenführung, Streckenausbau und Fördertechnik, alle drei Kerntätigkeiten gelten als technisch ersetzbar. Nur zwei Berufe der gesamten Serie stehen bei diesem Höchstwert, der zweite ist der Aufbereitungsmechaniker.
Eine Note von 3,8 statt 5 oder 6 braucht deshalb eine Begründung. Sie liegt darin, dass der Futuromat die technische Machbarkeit je Tätigkeit misst und dabei ein modernes, vermessenes, verkabeltes Bergwerk vor Augen hat. Der Datenstand dieser Bewertung ist 2022, erhoben für einen Beruf, dessen tatsächliche Ausbildungsplätze heute überwiegend in Sachsen und Thüringen liegen, in Betrieben der Altbergbausanierung.
Dort sieht die Grube anders aus. Wer im Erzgebirge einen Grubenbau aus dem 16. Jahrhundert sichert, findet keine Grubenkarte, keine Lagerstättendatenbank und kein Funknetz vor. Genau diese Ortsbedingungen halten das Raster oben, weil physische Präsenz doppelt zählt. Nicht besser als 3,8 fällt die Note trotzdem aus, weil den Beruf keinerlei Zugangsschranke schützt und der Routineanteil hoch bleibt.
Wie setzt sich die Note aus dem Sechs-Kriterien-Raster zusammen?
Physische Präsenz (Note 2)
Der Ausbau muss dort eingebracht werden, wo das Gebirge freigelegt ist, und die Schlauchleitung dort repariert, wo sie liegt. Trotzdem steht hier eine 2 und nicht die 1, die man einem Untertagejob reflexhaft geben würde. Der Grund sitzt im Namen des Berufs: Die halbe Tätigkeit besteht aus Maschinenführung. Der Fahrersitz einer Lademaschine ist inzwischen ein Stuhl über Tage. Kapitel 4 zeigt die Technik dazu im Detail.
Empathie und Vertrauen (Note 5)
Kundschaft gibt es nicht, Beratung findet nicht statt, Fürsorge für andere Menschen gehört nicht zum Berufsbild. Eine glatte 6 wäre trotzdem falsch, denn unter Tage ist Verlass aufeinander eine Sicherheitseinrichtung und keine Stimmung. Paragraf 21 der Allgemeinen Bundesbergverordnung verpflichtet jeden Beschäftigten ausdrücklich, auch für die Sicherheit der Personen zu sorgen, die von seinen Handlungen betroffen sind. Diese Kameradschaft hält den Wert bei 5.
Urteilskraft und Haftung (Note 3)
Am Ortsbetrieb trifft der Berg- und Maschinenmann durchaus Entscheidungen, die niemand nachträglich korrigiert, etwa beim Sichern und Herrichten des Arbeitsplatzes. Die formale Verantwortung liegt jedoch woanders. Die Allgemeine Bundesbergverordnung verlangt in Paragraf 5 für jede belegte Arbeitsstätte eine bestellte verantwortliche Person mit nachgewiesener Fachkunde. Paragraf 9 lässt gefährliche Arbeiten erst nach einer schriftlichen Arbeitsfreigabe beginnen. Das Bergrecht nimmt der ausführenden Fachkraft die Letztentscheidung bewusst ab, deshalb 3 statt 2.
Regulatorische Hürde (Note 4)
Ein Handwerk ist der Beruf nicht, weder Anlage A noch Anlage B der Handwerksordnung führen ihn. Der Abschluss berechtigt zu keiner selbstständigen Tätigkeit. Nach dem Muster vergleichbarer Berufe wäre das eine 5. Vergeben wird trotzdem eine 4, weil die Gesundheitsschutz-Bergverordnung in Paragraf 2 die arbeitende Person selbst adressiert: Untertage beschäftigen darf ein Unternehmer nur, wem eine ärztliche Bescheinigung mit Eignungsgruppe vorliegt, ausgestellt vor Arbeitsbeginn und regelmäßig zu erneuern.
Für eine 3 reicht das nicht. Die Untersuchung prüft Gesundheit, nicht Können, sie setzt keinen Berufsabschluss voraus und steht jedem offen, der tauglich ist. Geschützt wird damit ein Zustand, kein Berufszugang. Bemerkenswert bleibt sie als vierte Rechtsquelle, aus der diese Serie eine personengebundene Pflicht ableitet, nach Gewerberecht, Arbeitsschutzrecht und Gefahrstoffrecht nun das Bergrecht.
Routineanteil (Note 5)
Das Berufsbild von 1979 zählt Tätigkeiten auf, die sich wiederholen: bohren nach Angabe, laden, abfördern, transportieren, Ausbau einbringen, Leitungen instand halten. Die Arbeitsproben der Abschlussprüfung heißen entsprechend Bohren nach Angabe und Transportieren von Lasten. Planung, Kalkulation und Arbeitsvorbereitung tauchen im gesamten Ausbildungsrahmenplan nicht als eigene Position auf, anders als beim dreijährigen Bergbautechnologen.
Digitalisierungsgrad (Note 5)
Der moderne Bergbau gehört zu den am stärksten automatisierten Schwerindustrien überhaupt. Die Bundesbergverordnung schreibt in Paragraf 16 vor, die Grubengaskonzentration an bestimmten Punkten ständig zu überwachen, Bewetterungsparameter werden gemessen und aufgezeichnet, Lademaschinen navigieren autonom. Die Ausbildungsordnung dagegen kennt kein einziges digitales Lernziel, weil sie aus dem Jahr 1979 stammt. Bewertet wird hier der Arbeitsplatz, nicht der Lehrplan, also 5.
Die gewichtete Gesamtrechnung
Physische Präsenz, Empathie und Vertrauen, Urteilskraft und Haftung sowie die regulatorische Hürde zählen doppelt, Routineanteil und Digitalisierungsgrad einfach. Die Rechnung lautet damit: (2 mal 2) plus (5 mal 2) plus (3 mal 2) plus (4 mal 2) plus (5 mal 1) plus (5 mal 1) ergibt 38, geteilt durch 10 ergibt die Note 3,8. Gerundet wird nicht.
Welche Teilaufgaben verschwinden zuerst?

Am schnellsten geht der Fahrersitz. Der schwedische Hersteller Sandvik betreibt mit AutoMine ein System für die teleferne und autonome Steuerung von Untertageladern und Muldenkippern, nach Herstellerangaben mit mehr als drei Millionen Betriebsstunden und über 600 im Einsatz befindlichen Maschinen. Ein Bediener steuert den kompletten Zyklus aus einem Kontrollraum am Grubeneingang oder darüber hinaus, inklusive des Batteriewechsels bei elektrischen Ladern.
Diese Technik läuft weiter, während die Schicht wechselt und während nach einer Sprengung die Wetter noch nicht rein sind. Genau dort liegt ihr wirtschaftlicher Hebel: Maschinenzeit, in der aus Sicherheitsgründen kein Mensch im Betriebspunkt sein darf. Die zugehörige Zahl im deutschen Sprachraum liefert der Job-Futuromat, der die Kerntätigkeit Maschinenführung für alle drei Varianten dieses Berufs als ersetzbar einstuft.
Der Einwand gegen diese Perspektive lautet seit Jahren, unter Tage komme kein Funk an, und ohne Funk keine Fernsteuerung. Dieses Argument ist inzwischen widerlegt. Im Salzbergwerk Sondershausen in Thüringen hat ein Konsortium um das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT im Projekt 5G.NAMICO ein eigenständiges 5G-Netz untertage installiert, gefördert vom Land Nordrhein-Westfalen. Ziel des Projekts ist ausdrücklich, Personal von monotonen und gefährlichen Arbeiten zu entlasten.
Zweite Baustelle ist die Planung des Abbaus. Bohrschema und Sprengbild entstehen heute im Lagerstättenmodell und wandern als Datensatz in den Bohrwagen, der die Ansatzpunkte selbst anfährt. Der Prüfungsinhalt Sprengbilder lesen aus der Verordnung von 1979 beschreibt damit eine Papierarbeit, die es in modernen Betrieben so nicht mehr gibt.
Dritte Baustelle ist die Überwachung. Bewetterung, Grubengas und Streckenzustand liefern Messwerte im Sekundentakt, ausgewertet und alarmiert wird automatisch, wie es Paragraf 16 der Bundesbergverordnung ohnehin verlangt. Was früher ein Mensch mit einem Messgerät und einem Wetterbuch erledigte, erledigt jetzt eine Sensorkette. Vierte Baustelle ist die Transportdisposition, die aus derselben Datengrundlage fällt.
Welche Teilaufgaben bleiben unersetzbar menschlich?
- −Lader und Muldenkipper im Vollzyklus, gesteuert vom Sitz über Tage
- −Bohrschema und Sprengbild aus dem Lagerstättenmodell
- −Dauerüberwachung von Grubengas und Wetterstrom
- −Transportdisposition und Schichtplanung unter Tage
- +Ausbau einbringen, wo das Gebirge nicht standfest ist
- +Instandsetzen von Förder- und Transporteinrichtungen
- +Rohr- und Schlauchleitungen im Grubenbau instand halten
- +Befahren unvermessener Grubenbaue im Altbergbau
Die Antwort des IAB fällt eindeutig aus und ist zugleich überraschend. Nicht das Bohren, nicht das Gewinnen und nicht das Fördern gelten als unersetzbar, sondern Wartung, Reparatur und Instandhaltung sowie das Instandhalten von Rohr- und Schlauchleitungen. In der Fachrichtung Transport und Instandhaltung ist die Instandhaltung sogar die einzige Kerntätigkeit, die der Futuromat dem Menschen zuschreibt.
Der Grund ist bauartbedingt. Eine autonome Maschine fährt eine geplante Route in einem vermessenen Grubengebäude, aber sie repariert sich nicht selbst. Der defekte Antrieb eines Förderbandes liegt selten dort, wo ein Servicefahrzeug hinkommt. Jede Stunde, die eine Lademaschine autonom fährt, erzeugt Verschleiß, den jemand vor Ort beheben muss.
Zweitens bleibt der Ausbau. Paragraf 15 der Bundesbergverordnung verlangt, nach dem Freilegen des Gebirges Ausbau nach schriftlicher Anweisung einzubringen und dessen Zustand regelmäßig zu prüfen, es sei denn, das Gebirge ist erfahrungsgemäß standfest. Diese Einschätzung, ob die Firste hält, trifft ein Mensch am Stoß. Sie hängt an Erfahrung mit genau diesem Gebirge.
Drittens, und das ist der eigentliche Kern dieses Berufs im Jahr 2026, bleibt der Altbergbau. Die Bergsicherung Schneeberg im Erzgebirge bildet Berg- und Maschinenleute im eigenen Ausbildungsbergwerk aus, der historischen Kobalterzgrube Fundgrube Weißer Hirsch. Danach geht die Arbeit in Grubenbaue, die Jahrhunderte alt sind. Keine dieser Strecken ist vermessen, keine hat ein Funknetz, und die wenigsten haben eine verlässliche Karte.
Eine autonome Maschine braucht ein Modell der Umgebung, bevor sie sich bewegt. Der Altbergbau liefert dieses Modell prinzipiell nicht, denn seine Hohlräume sind das Ergebnis von 850 Jahren unkoordinierter Handarbeit. Die Sicherungsarbeit beginnt deshalb regelmäßig damit, dass ein Mensch mit Lampe und Selbstretter befährt und aufnimmt, was da überhaupt ist. Diese Erkundung ist keine Vorstufe der Automatisierung, sie ist ihre Voraussetzung, und sie fällt jedes Mal neu an.
Wie verändert sich der Arbeitsalltag konkret?
Der deutsche Steinkohlenbergbau endete 2018, der Braunkohleausstieg läuft. Trotzdem wird dieser Beruf weiter gebraucht. Der Bedarf hat nur die Seite gewechselt: weg von der Gewinnung, hin zur Sicherung. Das Sächsische Oberbergamt vergibt Aufträge zur Gefahrenabwehr im Altbergbau an Fachingenieurbüros und Bergsicherungsunternehmen. Auf seiner eigenen Seite steht die Bergsicherung Schneeberg als Beispiel.
Die Größenordnung dieses Marktes lässt sich beziffern. Für das EFRE-Vorhaben Prävention von Risiken des Altbergbaus standen dem Sächsischen Oberbergamt zwischen 2014 und 2023 rund 56,4 Millionen Euro zur Verfügung, verteilt auf 22 Vorhaben, darunter vier sanierte Wasserlösestollen und neun verwahrte Steinkohlenschächte. Die Kosten der bereits geplanten weiteren Maßnahmen schätzt die Behörde auf 100 Millionen Euro.
Dem steht ein Nachwuchs von 15 Verträgen im Jahr gegenüber. Dass die Bundesagentur für Arbeit den Beruf in ihrer Fachkräfteengpassanalyse nicht als eigene Zeile führt, liegt schlicht an seiner Größe; die Analyse 2025 weist bundesweit 157 Engpassberufe aus und nennt Bau- und Ausbauberufe ausdrücklich als Schwerpunkt der Engpässe.
Zweiter Treiber ist die europäische Rohstoffpolitik. Die Verordnung über kritische Rohstoffe gibt der EU das Ziel vor, bis 2030 mindestens zehn Prozent ihres Jahresverbrauchs an strategischen Rohstoffen im eigenen Gebiet zu gewinnen. Lithium aus dem Erzgebirge und Wolfram aus dem sächsischen Untergrund gehören zu den Kandidaten. Beides liegt in Regionen, in denen der Beruf ohnehin noch ausgebildet wird.
Ein Beruf mit 15 Anfängern im Jahr sieht nach Auslaufmodell aus. Tatsächlich beschreibt diese Zahl kein Nachfrageproblem, sondern ein Angebotsproblem: Die Arbeit ist da, finanziert, gesetzlich angeordnet und auf Jahrzehnte terminiert. Was fehlt, sind Leute, die sie machen wollen.
— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Für den Einzelnen bedeutet diese Lage vor allem Sicherheit. Ein Betrieb, der eine Handvoll Auszubildende im Jahr durchbringt, kann es sich nicht leisten, sie ziehen zu lassen. Die öffentlichen Auftraggeber im Sanierungsbergbau planen in Jahrzehnten statt in Quartalen. Der Arbeitsalltag wird technischer, weil auch Sanierungsbetriebe vermessen, dokumentieren und modellieren, aber er wird nicht ferngesteuert.
Was bedeutet das für angehende Azubis und Betriebe?

Angehende Auszubildende sollten die zwei Jahre als Anfang lesen, nicht als Ziel. Das Raster zeigt die Schwachstelle offen: Die regulatorische Hürde steht bei 4 und der Routineanteil bei 5, beides Werte, die sich durch eine Anschlussqualifikation verschieben lassen. Der dreijährige Bergbautechnologe ist der naheliegende nächste Schritt, denn seine Ausbildungsordnung kennt Arbeitsvorbereitung als eigene Position. Genau diese stuft der Job-Futuromat als nicht ersetzbar ein.
Ebenso lohnt jede Qualifikation, die eine Vorschrift an die Person bindet statt an den Betrieb. Sprengberechtigung, Befähigung zum Führen von Fördermaschinen, Mitgliedschaft in der Grubenwehr und Vermessungskenntnisse wirken alle in dieselbe Richtung: Sie machen die einzelne Person zur Voraussetzung dafür, dass eine Arbeit überhaupt beginnen darf. Wie sich diese Abwägung gegen ein Studium verhält, ordnet der Beitrag Ausbildung oder Studium ein.
Angehende Azubis mit Blick auf die Untertagearbeit sollten vorher zum Arzt gehen. Die Eignungsuntersuchung nach der Gesundheitsschutz-Bergverordnung ist keine Formalie, sondern eine harte Zugangsbedingung, und sie wiederholt sich in festen Fristen ein Berufsleben lang. Ein Bescheid mit gesundheitlichen Bedenken beendet die Untertagelaufbahn unabhängig vom Können.
Ausbildungsbetriebe stehen vor der umgekehrten Aufgabe. Bei 15 neuen Verträgen bundesweit entscheidet nicht die Auswahl, sondern die Sichtbarkeit. Der Verbund mit Berufsschule und überbetrieblicher Metallausbildung, wie ihn die sächsischen Bergsicherungsunternehmen mit der Berufsschule Julius Weisbach in Freiberg fahren, ist für Kleinstberufe die einzig tragfähige Organisationsform.
Inhaltlich sollten Betriebe die Lücke zur Ausbildungsordnung selbst schließen. Eine Verordnung von 1979 verlangt weder Umgang mit Vermessungsdaten noch mit Maschinensteuerungen oder Sensorik, die in jedem modernen Grubenbetrieb Alltag sind. Betriebe, die ihren Auszubildenden diese Inhalte zusätzlich mitgeben, heben deren Digitalisierungsgrad aus einer Bewertungsschwäche in einen Vorteil, ohne auf eine Neuordnung warten zu müssen.
Und ein Letztes gilt für beide Seiten. Der Job-Futuromat bewertet die Tätigkeiten eines Berufs, nicht die Bedingungen eines konkreten Arbeitsplatzes. Die 100 Prozent beschreiben ein Bergwerk mit Karte, Netz und Lagerstättenmodell. Für den Grubenbau von 1750 unter einem sächsischen Wohngebiet gilt diese Zahl nicht. Diese Unterscheidung ist die wichtigste Entscheidungsgrundlage, die dieser Beruf zu bieten hat.
Glossar: 16 wichtige Fachbegriffe zum Berg- und Maschinenmann
Abteufen
Abteufen Das Herstellen eines senkrechten Grubenbaus von oben nach unten, also der Bau eines Schachtes. Der Begriff gehört zum Ausbildungsinhalt der Fachrichtung Vortrieb und Gewinnung und beschreibt eine der aufwendigsten Arbeiten im Bergbau überhaupt.
Altbergbau
Altbergbau Sammelbegriff für stillgelegte Bergwerke, deren Betreiber nicht mehr existiert oder nicht mehr haftbar ist. Die Sicherung fällt dann der öffentlichen Hand zu. In Sachsen reicht der Altbergbau über 850 Jahre zurück und erzeugt bis heute Tagesbrüche und Setzungen.
Ausbau
Ausbau Die Stützkonstruktion, die einen Grubenbau offen hält, aus Ankern, Bögen, Matten, Beton oder Holz. Paragraf 15 der Allgemeinen Bundesbergverordnung verlangt, den Ausbau nach schriftlicher Anweisung einzubringen, regelmäßig zu prüfen und instand zu halten.
Bergaufsicht
Bergaufsicht Die staatliche Aufsicht über Bergbaubetriebe, ausgeübt durch die Bergbehörden der Länder. Sie genehmigt Betriebspläne, überwacht die Einhaltung des Bergrechts und begleitet Betriebe von der Aufsuchung bis zur Verwahrung.
Bewetterung
Bewetterung Die planmäßige Versorgung untertägiger Arbeitsstätten mit Frischluft. Paragraf 16 der Allgemeinen Bundesbergverordnung schreibt Hauptlüfter, Alarmvorrichtungen, regelmäßige Messungen und einen Bewetterungsplan vor.
Eignungsuntersuchung
Eignungsuntersuchung Die ärztliche Untersuchung nach Paragraf 2 der Gesundheitsschutz-Bergverordnung. Ohne Bescheinigung mit Eignungsgruppe darf niemand untertage arbeiten, Fördermaschinen bedienen oder im Braunkohlenbergbau Großgeräte führen.
Fahrung
Fahrung Der bergmännische Ausdruck für das Fortbewegen von Personen unter Tage, zu Fuß oder mit Fahrzeugen. Eine Grube wird befahren, nie begangen, auch wenn die Fahrung senkrecht über eine Leiter führt.
Grubengebäude
Grubengebäude Die Gesamtheit aller Hohlräume eines Bergwerks, also Schächte, Strecken, Abbaue und Betriebsräume. Grundkenntnisse des Grubengebäudes sind Prüfungsgegenstand im Fach Technologie.
Job-Futuromat
Job-Futuromat Ein Online-Werkzeug des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, das je Beruf angibt, welcher Anteil der Kerntätigkeiten technisch durch Maschinen ersetzbar wäre. Der Wert misst Machbarkeit, nicht Wirtschaftlichkeit und nicht Rechtslage.
Markscheidewesen
Markscheidewesen Das Vermessungswesen des Bergbaus. Markscheiderische Darstellungen bilden Grubenbaue räumlich ab. Sie zu lesen gehört seit 1979 zum Prüfungsfach Technisches Zeichnen dieses Berufs.
Mindestausbildungsvergütung
Mindestausbildungsvergütung Die gesetzliche Untergrenze der Ausbildungsvergütung nach Paragraf 17 des Berufsbildungsgesetzes. Für einen Ausbildungsbeginn 2026 liegt sie bei 724 Euro im ersten und 854 Euro im zweiten Lehrjahr.
Sonderbewetterung
Sonderbewetterung Die Belüftung eines Betriebspunktes über Lutten statt über den durchgehenden Wetterstrom. In grubengasführenden Betrieben ist sie beim Hereingewinnen von Bodenschätzen verboten und nur für Ausrichtungs-, Vorrichtungs- oder Raubarbeiten zugelassen.
Substituierbarkeitspotenzial
Substituierbarkeitspotenzial Der Prozentwert des Job-Futuromaten. Er bezieht sich ausschließlich auf die Kerntätigkeiten eines Berufs, nicht auf die gesamte Tätigkeitsliste. Für den Berg- und Maschinenmann als Monoberuf liegt er bei 100 Prozent.
Verantwortliche Person
Verantwortliche Person Die nach Paragraf 59 des Bundesberggesetzes bestellte Aufsichtsperson eines Bergbaubetriebs. Sie muss Zuverlässigkeit, Fachkunde und körperliche Eignung nachweisen und jede belegte Arbeitsstätte mindestens einmal je Schicht aufsuchen.
Verwahrung
Verwahrung Das dauerhafte Sichern eines stillgelegten Grubenbaus, etwa durch Verfüllen eines Schachtes oder das Verschließen eines Stollenmundlochs. Die Verwahrung ist das Kerngeschäft der Bergsicherungsunternehmen.
Wasserlösestollen
Wasserlösestollen Ein historischer Stollen, der Grubenwasser aus einem Bergbaugebiet abführt. Fällt er zu, steigt der Wasserspiegel und gefährdet die Oberfläche. Vier solcher Stollen hat das Sächsische Oberbergamt zwischen 2014 und 2023 saniert.
FAQ: Berg- und Maschinenmann im KI-Resilienz-Check
Wird der Berg- und Maschinenmann durch KI ersetzt?
Wie lange dauert die Ausbildung und welche Fachrichtungen gibt es?
Was verdient man in der Ausbildung zum Berg- und Maschinenmann?
Braucht man für die Arbeit unter Tage eine besondere Zulassung?
Wie viele Menschen lernen diesen Beruf überhaupt noch?
Wo wird der Beruf heute noch ausgebildet?
Quellen
- Bundesministerium der Justiz – Verordnung über die Berufsausbildung zum Berg- und Maschinenmann und zur Berg- und Maschinenfrau (BergMAusbV) vom 22. Juni 1979, zuletzt geändert am 29. Juli 2013 – https://www.gesetze-im-internet.de/bergmausbv/ – besucht am 21.08.2026
- Bundesministerium der Justiz – Allgemeine Bundesbergverordnung (ABBergV), insbesondere Paragrafen 5, 9, 15, 16 und 21 – https://www.gesetze-im-internet.de/abbergv/ – besucht am 21.08.2026
- Bundesministerium der Justiz – Gesundheitsschutz-Bergverordnung (GesBergV), Paragrafen 2 bis 4 – https://www.gesetze-im-internet.de/gesbergv/ – besucht am 21.08.2026
- Bundesinstitut für Berufsbildung – Rangliste der Ausbildungsberufe nach Anzahl der Neuabschlüsse 2025, Tabelle naa309, Blatt Deutschland – https://www.bibb.de/de/211102.php – besucht am 21.08.2026
- Bundesinstitut für Berufsbildung – Datenbank Ausbildungsvergütungen, Gesamtübersicht Bundesgebiet 2025 – https://www.bibb.de/de/12209.php – besucht am 21.08.2026
- Bundesinstitut für Berufsbildung – Mindestausbildungsvergütung, Werte für Ausbildungsbeginn 2026 – https://www.bibb.de/de/199658.php – besucht am 21.08.2026
- Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung – Job-Futuromat, Berg- und Maschinenmann/-frau (Monoberuf sowie beide Fachrichtungen), Datenstand 2022 – https://job-futuromat.iab.de/ – besucht am 21.08.2026
- Bundesagentur für Arbeit – Fachkräfteengpassanalyse 2025, Blickpunkt Arbeitsmarkt, veröffentlicht Mai 2026 – https://statistik.arbeitsagentur.de/DE/Navigation/Statistiken/Interaktive-Statistiken/Fachkraeftebedarf/Engpassanalyse-Nav.html – besucht am 21.08.2026
- Sächsisches Oberbergamt – Altbergbau und Sanierungsbergbau sowie Gefahrenabwehr Altbergbau – https://www.oba.sachsen.de/altbergbau-und-sanierungsbergbau-4082.html – besucht am 21.08.2026
- Sächsisches Staatsministerium – Medieninformation: Oberbergamt schließt EFRE-Vorhaben Prävention von Risiken des Altbergbaus ab, 4. September 2024 – https://www.medienservice.sachsen.de/medien/news/1079350 – besucht am 21.08.2026
- Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT – Projekt 5G.NAMICO, Networked, Adaptive Mining and Construction, 5G-Netz im Salzbergwerk Sondershausen – https://www.ipt.fraunhofer.de/de/projekte/5g-namico.html – besucht am 21.08.2026
- Sandvik Mining and Rock Solutions – AutoMine, Automatisierung und teleferne Steuerung von Untertageladern und Muldenkippern – https://www.mining.sandvik/en/digital-solutions/automation/ – besucht am 21.08.2026
- IG BCE – Tarifabschluss Kali- und Steinsalzindustrie, Laufzeit bis 31. Dezember 2026 – https://igbce.de/igbce/tarifabschluss-kali-und-steinsalzindustrie-250124 – besucht am 21.08.2026
- BERGSICHERUNG SCHNEEBERG GmbH & Co. KG – Ausbildungsangebot Berg- und Maschinenmann, Verbundausbildung mit der Berufsschule Julius Weisbach Freiberg – https://www.bergsicherung.net/karriere/ausbildungsangebot/berg-und-maschinenmann-mw/ – besucht am 21.08.2026
- Amtsblatt der Europäischen Union – Verordnung (EU) 2024/1252 über kritische Rohstoffe, Artikel 5 Richtwerte bis 2030 – https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX:32024R1252 – besucht am 21.08.2026