Telegram hat ein Jahrzehnt lang keinen Cent verdient und trotzdem eine Milliarde Menschen gewonnen. Seit 2024 fließt plötzlich Geld, und die Herkunft dieses Geldes ist überraschender als die App selbst.

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Telegram steckt zwei Jahre nach der Festnahme seines Gründers Pawel Durow noch immer mitten in einem französischen Strafverfahren, im Juli 2026 wurde Durow zum vierten Mal in Paris befragt, am 24. August 2026 erinnerte er öffentlich an seine dreitägige Polizeihaft von 2024. Während die juristische Zange sich schließt, hat der Messenger wirtschaftlich die entscheidende Wende geschafft: 2024 schrieb Telegram zum ersten Mal in seiner Geschichte schwarze Zahlen. Ein Dienst, der ein Jahrzehnt lang als Geldverbrennungsmaschine galt, verdient inzwischen Hunderte Millionen, und der größte Batzen kommt aus einer Quelle, die mit Messaging fast nichts zu tun hat.

Das Wichtigste in Kürze

  • Erster Gewinn 2024: Bei rund 1,2 Milliarden Euro Umsatz erzielte Telegram einen Nettogewinn von etwa 464 Millionen Euro, nach einem Verlust im Vorjahr.
  • Drei Erlössäulen: Werbung in großen Kanälen, das Abo Telegram Premium und ein Krypto-Ökosystem rund um die Blockchain TON, das den größten Anteil trägt.
  • Rund 30 Mitarbeiter betreiben eine Plattform mit über einer Milliarde monatlich aktiven Nutzern, ein extremer Hebel, den kein börsennotierter Konzern erreicht.
  • Krypto als Klumpenrisiko: Im ersten Halbjahr 2025 stand trotz 870 Millionen US-Dollar Umsatz ein Nettoverlust von 222 Millionen US-Dollar, ausgelöst durch den Kurssturz des Tokens Toncoin.
  • Alleineigentümer Durow: Der Gründer hält weiterhin sämtliche Anteile, ein Börsengang liegt wegen des Pariser Verfahrens auf Eis.

Erst raten, dann weiterlesen: Was wissen Sie über die Geldmaschine Telegram?

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Wie gut kennen Sie das Geschäft hinter Telegram?
5 Fragen aus dem Artikel. Wählen Sie Ihre Antwort, dann decken Sie die Lösung auf.
1Welche Erlösquelle trug 2024 den größten Anteil zum Umsatz bei?Aufklappen ↓
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Richtig: C. Rund die Hälfte des Umsatzes 2024 stammte aus dem Bereich Partnerschaften und Ökosystem, also aus dem Krypto-Umfeld der Blockchain TON. Werbung und Premium waren kleiner. Mehr dazu im Kapitel zum Erlösmodell.
2Wie viele Menschen betreiben Telegram ungefähr?Aufklappen ↓
Auflösung aufdecken ↓
Richtig: A. Durow gibt die Kernmannschaft mit rund 30 Ingenieuren an, ohne Personalabteilung und ohne mittleres Management. Er selbst ist der einzige Produktmanager.
3Warum verbuchte Telegram im ersten Halbjahr 2025 einen Verlust?Aufklappen ↓
Auflösung aufdecken ↓
Richtig: B. Der operative Gewinn lag bei fast 400 Millionen US-Dollar, doch der Kurssturz des Tokens Toncoin zwang zu einer Abwertung, unter dem Strich blieb ein Verlust von 222 Millionen US-Dollar. Details im Kapitel zu den Risiken.
4Wie hoch war das NetzDG-Bußgeld des Bundesamts für Justiz gegen Telegram?Aufklappen ↓
Auflösung aufdecken ↓
Richtig: B. Das Bundesamt für Justiz verhängte 2022 insgesamt 5,125 Millionen Euro, weil Telegram keinen tauglichen Meldeweg und keinen Zustellungsbevollmächtigten vorhielt. Mehr im Kapitel zur Politik.
5Warum vermeidet Telegram bislang die Einstufung als sehr große Plattform in der EU?Aufklappen ↓
Auflösung aufdecken ↓
Richtig: A. Der Schwellenwert des Digital Services Act liegt bei 45 Millionen aktiven EU-Nutzern. Telegram meldet Werte knapp darunter und entgeht so den strengsten Pflichten. Details im Kapitel zur Politik.

Wer steckt hinter Telegram und wie fing alles an?

Hinter Telegram stehen die Brüder Pawel und Nikolai Durow, zwei russische Programmierer, die den Dienst 2013 als Trotzreaktion auf staatlichen Druck gründeten. Pawel Durow hatte zuvor das größte soziale Netzwerk Russlands aufgebaut, VKontakte, oft VK genannt und als russisches Facebook beschrieben. Der Konflikt mit dem Kreml um die Herausgabe von Nutzerdaten trieb ihn 2014 aus dem eigenen Unternehmen und aus dem Land.

Die Gründungsidee war so schlicht wie politisch. Nach eigenen Angaben suchte Pawel Durow einen Weg, mit seinem Bruder sicher zu kommunizieren, ohne dass Behörden mitlesen. Aus diesem privaten Bedürfnis wurde die verschlüsselte Nachrichten-App, die sich von Beginn an als Gegenentwurf zu staatlicher Überwachung und zu datenhungrigen Werbekonzernen inszenierte.

Nikolai Durow lieferte die Technik, Pawel das Geld und die Vision. Der ältere Bruder entwickelte das hauseigene Verschlüsselungsprotokoll MTProto, der jüngere finanzierte die ersten Jahre aus seinem Privatvermögen. Beim Verkauf seiner VK-Anteile hatte Pawel Durow einen dreistelligen Millionenbetrag erlöst, dieses Startkapital hielt Telegram über Jahre am Leben, ganz ohne Werbung und ohne Investoren.

Der Verzicht auf Erlöse war lange Programm, nicht Versäumnis. Durow versprach öffentlich, Telegram werde niemals Nutzerdaten verkaufen und keine nervige Bannerwerbung zeigen. Diese Haltung machte den Dienst bei Datenschützern beliebt, warf aber die Frage auf, die den Konzern bis heute begleitet: Wovon soll ein kostenloser Dienst mit hunderten Millionen Nutzern eigentlich leben?

Auf den PunktHerkunft
  • Gründer: die Brüder Pawel und Nikolai Durow, Start 2013.
  • Motiv: Distanz zu staatlicher Kontrolle nach dem VK-Verlust.
  • Prinzip: ein Jahrzehnt Reichweite ohne Erlöse.

Ein Detail aus der Frühzeit erklärt die spätere Radikalität des Geschäftsmodells. Durow zog mit einem kleinen Team von Land zu Land, arbeitete zeitweise aus Berlin, London und Singapur, bevor Dubai zur festen Basis wurde. Diese Wanderjahre prägten eine Firmenkultur ohne Hauptquartier im klassischen Sinn, ohne große Verwaltung und mit einer bewussten Distanz zu jeder einzelnen Regierung.

Der Bruch mit Russland war kein Betriebsunfall, er bildet den Kern der Erzählung. Als der Kreml 2014 die Kontrolle über VK an regierungsnahe Eigentümer übergab, verkaufte Durow seine Restanteile und verließ das Land mit dem Vorsatz, nie wieder ein Unternehmen zu führen, das ein Staat kontrollieren kann. Dieser Vorsatz erklärt die staatenlose Struktur von Telegram bis heute.

Die frühe Unabhängigkeit von Investoren war dabei weniger Zufall als bewusste Absicherung. Solange kein Wagniskapitalgeber am Tisch saß, musste der Dienst niemandem Rendite versprechen und konnte auf jede Form der Datenvermarktung verzichten, die andere Netzwerke von Beginn an einbauten. Diese Selbstfinanzierung kaufte dem Gründer die Freiheit, ein Produkt zu bauen, das seinen Überzeugungen folgte statt den Erwartungen eines Kapitalmarkts.

Von Beginn an setzte Durow auf Reichweite statt auf schnelle Erlöse. Die App war kostenlos, werbefrei und bewusst großzügig mit Speicherplatz und Dateigrößen, während die etablierten Messenger noch knauserten. Diese Freigiebigkeit kostete Geld, verschaffte Telegram aber einen Ruf als das Werkzeug für Menschen, die mehr wollten als kurze Textnachrichten.

Auch der Verzicht auf ein festes Hauptquartier war Teil dieser Logik. Über Jahre pendelte das Team zwischen wechselnden Standorten, registrierte Gesellschaften in verschiedenen Rechtsräumen und mied bewusst die Bindung an ein einzelnes Land. Diese Staatenlosigkeit erschwert bis heute jeder Behörde den Zugriff und ist zugleich der Grund, warum Ermittler von Berlin bis Paris nur schwer einen Hebel finden.

Der Kontrast zu den werbefinanzierten Riesen war von Anfang an gewollt. Wo Meta jede Interaktion vermisst und verkauft, warb Telegram mit dem genauen Gegenteil und positionierte sich als sicherer Hafen. Diese Gegenerzählung zog neben Datenschutzbewussten auch Gruppen an, die anderswo keinen Platz fanden, von Aktivisten bis zu Verschwörungsgläubigen.

Vom Exil zur Milliarde
Sechs Stationen der Telegram-Geschichte
2013
Die Brüder Durow starten Telegram nach Pawels Bruch mit dem russischen Netzwerk VK
2018
Der Verkauf der geplanten Blockchain TON bringt rund 1,7 Mrd. US-Dollar von Investoren ein
2020
Nach Druck der US-Börsenaufsicht stoppt Telegram TON und zahlt die Gelder zurück
2021
Erstmals Werbung in großen Kanälen, ein Jahr später startet das Abo Telegram Premium
2024
Erster Gewinn der Firmengeschichte, im August wird Durow in Frankreich festgenommen
2025
Telegram überschreitet eine Milliarde monatlich aktive Nutzer

Wie wurde aus einer Trotzreaktion ein Weltmessenger?

Zwei weiße Papierflugzeuge auf weißem Grund. Auf dem größeren klebt ein oranger Punkt mit Text
Vom winzigen Solostart zum Weltmessenger mit über einer Milliarde Nutzern.

Den entscheidenden Schub brachte weniger eine Werbekampagne als das wiederkehrende Versagen der Konkurrenz. Jede Datenschutzpanne bei WhatsApp, jede umstrittene Regeländerung von Meta spülte neue Nutzer zu Telegram. Der bekannteste Sprung kam Anfang 2021, als eine geänderte WhatsApp-Datenschutzregel Millionen Menschen zum Wechsel bewegte und Telegram binnen weniger Tage zweistellige Millionenzahlen an Neuanmeldungen verbuchte.

Das Wachstum verlief in Wellen, angetrieben von äußeren Ereignissen. Politische Krisen, Zensurwellen und Plattformskandale wirkten wie kostenlose Werbung. In autoritär regierten Ländern wurde die App zum Rückgrat der Opposition, in Demokratien zum Sammelbecken für alles, was anderswo moderiert oder gelöscht wurde. Diese Doppelrolle als Freiheitswerkzeug und als Zufluchtsort für Grenzwertiges prägt den Ruf bis heute.

Der Zulauf verteilte sich früh sehr ungleich über die Welt. In West- und Mitteleuropa blieb der Dienst lange eine Nische für technikaffine Nutzer, während er in Osteuropa, Zentralasien und Teilen des Nahen Ostens rasch zum Standardkanal für Nachrichten wurde. Diese Ungleichverteilung prägt die Nutzerbasis bis heute und erklärt, warum die Werbeerlöse pro Kopf je nach Region stark schwanken.

Technisch setzte der Anbieter früh auf ein Format, das andere Messenger vernachlässigten: den Kanal. Ein Kanal lässt eine Person oder Redaktion unbegrenzt viele Abonnenten mit Nachrichten erreichen, ähnlich einem Rundfunksender im Taschenformat. Diese Broadcast-Funktion verwandelte Telegram von einer reinen Chat-App in ein Medium, über das Nachrichtenagenturen, Firmen und Regierungen direkt publizieren.

Der ehrgeizigste Wachstumsversuch aber führte in die Kryptowelt und beinahe in den Abgrund. 2018 sammelte Telegram rund 1,7 Milliarden US-Dollar von Investoren ein, um eine eigene Blockchain namens TON zu bauen, kurz für Telegram Open Network. Das Projekt sollte Zahlungen direkt in den Messenger holen und war eines der größten Krypto-Finanzierungen seiner Zeit.

Die US-Börsenaufsicht SEC stoppte das Vorhaben abrupt. Die Behörde wertete die ausgegebenen Token als nicht registrierte Wertpapiere und erzwang 2020 den Rückzug. Telegram zahlte den Investoren einen Großteil des Geldes zurück und akzeptierte eine Strafe von 18,5 Millionen US-Dollar. Dieser Rückschlag hätte das Ende des Krypto-Traums sein können, wurde aber später zur Grundlage des heutigen Geschäftsmodells.

Auf den PunktDer TON-Umweg
  • 2018: rund 1,7 Mrd. US-Dollar für die eigene Blockchain eingesammelt.
  • 2020: Stopp durch die US-Börsenaufsicht, Geld zurück plus Strafe.
  • Heute: das Krypto-Umfeld trägt den größten Umsatzblock.

Nach dem Rückzug übernahm eine unabhängige Gemeinschaft den offenen Programmcode und entwickelte TON eigenständig weiter. Telegram näherte sich der Blockchain ab 2023 vorsichtig wieder an, diesmal als Partner statt als Herausgeber. Diese Wiederannäherung ließ den Konzern vom Krypto-Ökosystem profitieren, ohne die alten juristischen Risiken erneut zu tragen.

Parallel wuchs die reine Nutzerbasis unaufhörlich. Im März 2025 überschritt Telegram die Marke von einer Milliarde monatlich aktiven Nutzern, rund 500 Millionen davon öffnen die App täglich. Damit spielt der Messenger in derselben Größenordnung wie die etablierten Plattformen, obwohl er über Jahre keinerlei Erlöse erwirtschaftete.

Der Zuwachs speiste sich dabei fast vollständig aus Mundpropaganda statt aus bezahlter Werbung. Jeder neue Skandal bei einem Wettbewerber, jede Zensurmaßnahme in einem autoritären Staat trieb Neugierige in Scharen zur App, ohne dass der Anbieter einen Cent für Kampagnen ausgeben musste. Dieser Selbstlauf hielt die Marketingkosten künstlich niedrig und erklärt, warum der Dienst trotz Milliarden Nutzern nie einen großen Vertriebsapparat aufbauen musste.

Bemerkenswert bleibt, wie schlank das Unternehmen dabei blieb. Während vergleichbare Plattformen zehntausende Menschen beschäftigen, hielt Durow die Mannschaft bei rund 30 Ingenieuren. Diese Sparsamkeit war kein Sparzwang, sie hatte Prinzip und erklärt, warum Telegram schon mit vergleichsweise geringen Erlösen tiefschwarze Zahlen schreiben kann.

Wie verdient Telegram tatsächlich sein Geld?

Münzstapel, Rakete und Warnhinweise zum Thema Krypto vor weißem Hintergrund
Drei Erlössäulen, doch das Krypto-Ökosystem trägt den größten Stapel.

Telegram verdient sein Geld heute aus drei Quellen, doch die größte davon ist kein klassisches Medienprodukt, sondern das Krypto-Ökosystem rund um die Blockchain TON. Werbung und Abonnements liefern verlässliche Erlöse, den Ausschlag zwischen Gewinn und Verlust gibt aber der volatile Krypto-Strom. Genau diese Mischung macht das Erlösmodell so ungewöhnlich.

Um die Blackbox zu öffnen, lohnt der Blick auf die geprüften Zahlen aus dem Jahr 2024, die durch die Vorbereitung einer Anleihe erstmals öffentlich wurden. Bei einem Gesamtumsatz von rund 1,4 Milliarden US-Dollar, umgerechnet etwa 1,2 Milliarden Euro, verteilten sich die Erlöse auf drei sehr unterschiedlich große Blöcke, die im Folgenden einzeln seziert werden.

3a: Woraus sich der Umsatz zusammensetzt

Der mit Abstand größte Posten trägt den unscheinbaren Namen Partnerschaften und Ökosystem und machte 2024 etwa die Hälfte des Umsatzes aus, also grob 600 Millionen Euro. Dahinter verbergen sich Einnahmen aus dem TON-Umfeld, etwa aus der Integration von Krypto-Wallets und aus Exklusivvereinbarungen. Die Werbung steuerte rund 250 Millionen US-Dollar bei, umgerechnet etwa 215 Millionen Euro, das Abo Premium etwa 292 Millionen US-Dollar, rund 251 Millionen Euro. Der oft als Kern wahrgenommene Werbestrom ist damit nur die drittgrößte Säule.

Woher der Umsatz 2024 kam
Anteile am Gesamtumsatz von rund 1,2 Mrd. Euro
Partnerschaften und Ökosystem (TON)~50 %
Telegram Premium (Abo)~21 %
Werbung in Kanälen~18 %
Sonstige Erlöse~11 %

3b: Die versteckten Erlösströme

Neben den drei großen Säulen fließen mehrere kleinere, aber margenstarke Ströme, die im öffentlichen Bild kaum vorkommen. Der wichtigste ist ein Marktplatz namens Fragment, über den Nutzernamen, anonyme Rufnummern und virtuelle Sammlerstücke versteigert werden, abgewickelt in der Kryptowährung Toncoin. Dieser Handelsplatz verwandelt digitale Knappheit in bare Münze, ohne dass Telegram selbst Ware produzieren muss.

Hinzu kommt Telegram Stars, eine hauseigene Bezahleinheit für digitale Güter innerhalb der App. Entwickler von Mini-Programmen und Spielen verkaufen ihre Inhalte gegen Stars, Telegram behält einen Anteil und ähnelt darin einem App-Store im Kleinformat. Dieser Provisionsmechanismus koppelt den Umsatz direkt an die Aktivität einer wachsenden Entwicklergemeinde.

Der größte versteckte Hebel bleibt jedoch das TON-Umfeld. Allein im ersten Halbjahr 2025 stammten rund 300 Millionen US-Dollar aus sogenannten Exklusivvereinbarungen, die eng mit dem Toncoin verknüpft sind. Diese Sonderdeals tauchen in keiner klassischen Medienbilanz auf, tragen aber inzwischen fast ein Drittel des Halbjahresumsatzes und sind damit alles andere als eine Randnotiz.

Versteckter StromWas verkauft wirdAbrechnung
FragmentNutzernamen, anonyme Rufnummern, SammlerstückeVersteigerung in Toncoin
Telegram Starsdigitale Güter in Mini-Programmen und SpielenProvision je Kauf
ExklusivvereinbarungenIntegrationen rund um die Blockchain TONrund 300 Mio. US-Dollar allein im ersten Halbjahr 2025

3c: Datenströme und Algorithmen als Erlösbasis

An dieser Stelle unterscheidet sich Telegram fundamental von Meta oder Google, und genau hier lohnt die genaue Betrachtung des digitalen Kerns. Die Werbung läuft ausschließlich in großen öffentlichen Kanälen und richtet sich nach dem Thema des Kanals, nicht nach einem persönlichen Profil des Lesers. Diese Kontextwerbung verzichtet bewusst auf das Dossier, das andere Plattformen zu Geld machen.

Der Verzicht auf feingranulares Tracking ist Marke und Schwäche zugleich. Werbetreibende können ihre Anzeigen weit weniger genau ausrichten als bei den Datenkonzernen, was den erzielbaren Preis je Kontakt drückt. Telegram gleicht das durch schiere Reichweite aus, doch der Werbeumsatz pro Nutzer bleibt deutlich niedriger als bei den profilbasierten Rivalen wie Snapchat.

Zugleich sind private Chats bei Telegram standardmäßig nicht Ende-zu-Ende-verschlüsselt, stattdessen liegen sie in der Cloud des Anbieters. Nur die eigens gestarteten geheimen Chats sind vollständig geschützt. Diese Architektur erlaubt komfortable Synchronisierung über viele Geräte, bedeutet aber, dass Telegram technisch weit mehr Daten sehen könnte, als das Datenschutzversprechen vermuten lässt.

3d: Die Margen-Asymmetrien

Die eigentliche Sensation des Geschäftsmodells liegt in der Kostenstruktur. Rund 30 Menschen betreiben eine Plattform für über eine Milliarde Nutzer, ganz ohne Personalabteilung und ohne mittleres Management. Dieser Personalhebel sorgt dafür, dass fast jeder zusätzliche Euro Umsatz beinahe ungeschmälert als Gewinn durchschlägt, sobald die Infrastrukturkosten gedeckt sind.

Zwischen den Erlösströmen klaffen dennoch große Margenunterschiede. Das Abo Premium und die Kontextwerbung sind planbar und wiederkehrend, das Krypto-Ökosystem dagegen liefert in guten Zeiten gewaltige Buchgewinne und in schlechten tiefe Buchverluste. Diese Zweiteilung erklärt, warum Telegram operativ längst profitabel ist, unter dem Strich aber im Takt des Krypto-Marktes schwankt.

Der extreme Personalhebel
Reichweite und Erlöse pro Kopf im Vergleich
~30
Beschäftigte betreiben die gesamte Plattform
>1 Mrd.
monatlich aktive Nutzer weltweit
~33 Mio.
Nutzer je Beschäftigtem, rechnerisch
~40 Mio. €
Umsatz 2024 je Beschäftigtem, rechnerisch

3e: Quersubventionierung und Verlustführer

Der gesamte Messenger war über ein Jahrzehnt ein einziger Verlustführer, finanziert aus dem Privatvermögen des Gründers. Diese Anschubfinanzierung war die größte Quersubventionierung der Firmengeschichte, denn sie hielt einen kostenlosen Dienst am Leben, bis er groß genug war, um überhaupt Erlöse zu tragen. Erst die Reichweite von hunderten Millionen Nutzern machte Werbung und Abo betriebswirtschaftlich sinnvoll.

Auch heute subventioniert der Konzern große Teile seines Angebots quer. Speicherplatz, Videoanrufe und die meisten Funktionen bleiben kostenlos, finanziert aus den drei Erlössäulen. Dieses Gratisversprechen ist kein Altruismus, vielmehr wirkt der Gratisbetrieb als Wachstumstreibstoff, denn jede kostenlose Funktion senkt die Hürde für neue Nutzer und vergrößert die Fläche, auf der später monetarisiert werden kann.

3f: Skalenökonomie und Netzwerkeffekte

Telegram profitiert von zwei sich verstärkenden Effekten, die zusammen eine hohe Eintrittsbarriere bilden. Der erste ist der klassische Netzwerkeffekt: Je mehr Menschen die App nutzen, desto wertvoller wird sie für alle anderen, weil sich mehr Kontakte, Gruppen und Kanäle finden lassen. Dieser Sog erschwert Neueinsteigern den Kampf gegen die etablierte Nutzerbasis.

Der zweite Effekt ist die extreme Skalierbarkeit der Kostenbasis. Ein zusätzlicher Kanal mit Millionen Abonnenten verursacht kaum Mehrkosten, weil die technische Infrastruktur ohnehin läuft und die Mannschaft klein bleibt. Diese Kostendegression bedeutet, dass Wachstum fast unbegrenzt Erlöse bringen kann, während die Ausgaben nur langsam mitwachsen.

3g: Wie sich das Modell in fünf Jahren verschoben hat

Vor fünf Jahren hatte Telegram praktisch keine Erlöse, heute steht ein Milliardenumsatz mit drei tragenden Säulen. Die Werbung startete 2021, das Abo Premium folgte 2022, das Krypto-Ökosystem wurde ab 2023 systematisch erschlossen. Diese Abfolge zeigt einen Konzern, der binnen weniger Jahre von der reinen Reichweitenlogik zur konsequenten Monetarisierung wechselte.

Auffällig ist, wie stark das Gewicht Richtung Krypto gewandert ist. Was als Nebenprodukt einer gescheiterten Blockchain begann, trägt heute den größten Umsatzblock und entscheidet über Gewinn oder Verlust. Ein Messenger, der als Datenschutz-Werkzeug bekannt wurde, hängt finanziell inzwischen am Kurs einer Kryptowährung, ähnlich wie Tencent seine Chat-App WeChat einst zur Zahlungsplattform ausbaute.

Wie groß ist die Marktmacht von Telegram?

Großes graues Megafon mit Textetikett „Kanal“ und fünf kleine Megafone auf weißem Hintergrund
Über Kanäle wurde die App zur Publikationsinfrastruktur mit enormer Reichweite.

Mit über einer Milliarde monatlich aktiven Nutzern gehört Telegram zu den größten Kommunikationsplattformen der Welt, bleibt im Ranking der reinen Messenger aber hinter WhatsApp klar zurück. Der Riese aus dem Hause Meta zählt rund drei Milliarden Nutzer, Telegram liegt in einer zweiten Liga zusammen mit Diensten wie WeChat und Signal, allerdings mit deutlichem Abstand nach oben.

Die eigentliche Marktmacht von Telegram liegt weniger in der Gesamtzahl als in der Art der Nutzung. Über die Kanäle hat sich der Dienst zu einer Infrastruktur für öffentliche Kommunikation entwickelt, die in vielen Ländern Nachrichtenmedien, Behörden und Aktivisten gleichermaßen nutzen. Diese Stellung als Publikationsplattform verschafft dem Messenger eine Bedeutung, die weit über privates Chatten hinausgeht.

Besonders stark ist Telegram dort, wo staatliche Zensur oder politische Umbrüche die etablierten Kanäle unbrauchbar machen. In Teilen Osteuropas, des Nahen Ostens und Zentralasiens ist die App zum dominierenden Informationskanal geworden. Diese regionale Dominanz macht Telegram für Regierungen zu einem Faktor, den sie weder kontrollieren noch ignorieren können.

Die Lock-in-Wirkung entsteht vor allem über Gruppen und Kanäle. Wer einer großen Community mit tausenden Mitgliedern angehört, wechselt nicht leicht zu einem anderen Dienst, weil die gesamte Konversation und das gesammelte Wissen an die Plattform gebunden sind. Diese Bindung ist stärker als bei einem reinen Chat-Dienst, weil sie ganze soziale Strukturen umfasst.

Gegenüber der Konkurrenz punktet Telegram mit technischen Vorzügen, die eine treue Kernnutzerschaft binden. Große Dateiübertragungen, unbegrenzter Cloud-Speicher und offene Schnittstellen für Bots machen die App für technikaffine Nutzer und für Unternehmen attraktiv. Diese Funktionsvielfalt hebt den Dienst von den bewusst schlicht gehaltenen Rivalen ab und schafft Wechselkosten eigener Art.

Zugleich bleibt die Marktmacht fragil, weil sie stark an einer einzigen Person hängt. Anders als bei einem breit aufgestellten Konzern konzentrieren sich Produktentscheidungen, Eigentum und öffentliche Wahrnehmung auf Pawel Durow. Diese Personalisierung verleiht Telegram Schlagkraft und Verwundbarkeit in einem, denn ein Ausfall des Gründers träfe das Unternehmen härter als jeden Wettbewerber.

Auf den PunktMarktposition
  • Größe: über eine Milliarde Nutzer, aber hinter WhatsApp.
  • Stärke: Kanäle als öffentliche Publikationsinfrastruktur.
  • Schwäche: alles hängt an einer einzigen Person.

Im Vergleich der Kräfte fällt auf, dass jeder Wettbewerber eine andere Schwäche von Telegram ausnutzt. Signal punktet mit kompromissloser Verschlüsselung, WeChat mit einer geschlossenen Bezahl- und Dienstewelt, Discord mit spezialisierten Communitys für Spiele und Interessen. Telegram sitzt in der Mitte dieses Feldes und bedient von allem etwas, ohne in einer einzelnen Disziplin die klare Nummer eins zu sein, was Reichweite bringt, aber die Verteidigung erschwert.

Wer ist bei Telegram eigentlich das Produkt?

Bei Telegram zahlt kaum jemand direkt, und doch tragen mehrere Gruppen die Wertschöpfung, allen voran die Betreiber großer Kanäle und die Käufer im Krypto-Ökosystem. Der einfache Nutzer, der nur privat chattet, kostet den Konzern eher Geld, als dass er welches einbringt. Erst über Umwege entsteht aus der Aufmerksamkeit dieser Nutzer ein Erlös.

Die Betreiber reichweitenstarker Kanäle sind zugleich Ware und Wertschöpfer. Ihre Inhalte ziehen Publikum an, in dieses Publikum spielt Telegram Werbung aus, an deren Erlösen die Kanalbetreiber inzwischen beteiligt werden. Diese Symbiose macht die Kanalbetreiber zu unbezahlten Zulieferern von Reichweite, die der Konzern zu Geld macht.

Die zweite tragende Gruppe sind die Teilnehmer am Krypto-Ökosystem. Nutzer, die Toncoin kaufen, auf Fragment ein Sammlerstück ersteigern oder Stars ausgeben, speisen unmittelbar die größte Erlösquelle des Konzerns. Diese Krypto-Nutzer sind das eigentliche zahlende Publikum, auch wenn sie zahlenmäßig nur einen Bruchteil der Milliarde ausmachen.

Werbetreibende wiederum kaufen Zugang zur Aufmerksamkeit der Massen, allerdings zu vergleichsweise günstigen Konditionen. Weil die Anzeigen nur grob nach Kanalthema ausgerichtet sind, zahlen sie weniger als bei profilbasierten Plattformen, erreichen dafür aber ein oft loyaleres und weniger werbeübersättigtes Publikum. Diese Werbekundschaft finanziert einen Teil des kostenlosen Betriebs, ohne die Kernnutzer direkt zur Kasse zu bitten.

Eine oft übersehene Gruppe sind die Entwickler von Mini-Programmen, die inzwischen komplette Dienste innerhalb der App bauen. Sie liefern Spiele, Shops und Werkzeuge, die Nutzer in der App halten, und geben im Gegenzug einen Teil ihrer Einnahmen über Stars ab. Diese Entwicklergemeinde verwandelt Telegram schleichend von einem Messenger in eine Plattform für Anwendungen, ähnlich der Entwicklung, die WeChat in China vorgemacht hat.

Am Ende trägt der einfache Nutzer die Wertschöpfung indirekt, indem er Reichweite und Daten in Form von Verhalten beisteuert. Er bezahlt nicht mit Geld, aber mit seiner Präsenz, die den Kanälen Publikum und der Werbung Zuschauer verschafft. Diese stille Gegenleistung ist der Preis, den auch kostenlose Dienste ihren Nutzern abverlangen, nur eben nicht an der Kasse. Je größer die Zahl der aktiven Konten, desto wertvoller wird die Fläche, auf der sich Werbung und Krypto-Angebote überhaupt erst verkaufen lassen.

Was kostet der kostenlose Messenger wirklich, und wer trägt die Kosten?

Ein Geschenkpaket mit orangefarbener Schleife und Anhänger mit der Aufschrift „GRATIS“
Das Preisschild steht auf null, das eigentliche Geschäft läuft im Verborgenen.

Telegram ist für die überwältigende Mehrheit kostenlos, die tatsächlichen Kosten tragen Abonnenten, Krypto-Käufer und Werbetreibende, während der einfache Nutzer mit Aufmerksamkeit zahlt. Das sichtbare Preisschild liegt bei null, das eigentliche Geschäft läuft im Hintergrund über mehrere gestaffelte Bezahlebenen.

Die direkteste Zahlebene ist das Abo Telegram Premium, das je nach Land zwischen etwa vier und fünf Euro im Monat kostet und Vorteile wie höhere Limits, schnelleren Download und exklusive Funktionen bietet. Über 12 Millionen Menschen hatten dieses Abo bereits 2024 gebucht, und die Zahl wächst weiter. Dieses Premium-Modell ähnelt dem Freemium-Prinzip von Diensten wie Spotify, bei dem eine zahlende Minderheit die kostenlose Mehrheit mitträgt.

Darunter liegt die Mikrozahlungsebene mit Stars und Fragment, über die Nutzer kleine Beträge für digitale Güter, Nutzernamen oder Inhalte ausgeben. Diese Beträge wirken einzeln unbedeutend, summieren sich aber über die riesige Nutzerbasis zu einem spürbaren Strom. Der Kleinstbetrag ist hier das Geschäftsmodell, nicht die Ausnahme.

Die Preisstaffel folgt einer klaren Logik: kostenlos für die Masse, kleine Beträge für Gelegenheitszahler, planbare Abogebühren für Intensivnutzer und offene Beträge im Krypto-Umfeld. Diese Fächerung holt aus jeder Nutzergruppe genau so viel heraus, wie sie zu zahlen bereit ist, ohne die kostenlose Grundnutzung anzutasten, die den Zustrom neuer Nutzer sichert.

Die folgende Übersicht zeigt, wer bei welchem Angebot tatsächlich zahlt und woraus die Marge entsteht.

AngebotPreis für den NutzerWer trägt die KostenWoraus die Marge entsteht
Private Chats und Gruppenkostenlosquersubventioniertkeine direkte, bindet Nutzer
Werbung in großen Kanälenkostenlos für LeserWerbetreibendeAnteil am Anzeigenpreis
Telegram Premiumrund 4 bis 5 Euro im MonatAbonnentAbo-Marge bei minimalen Zusatzkosten
Stars und Fragmentvariable KleinbeträgeKäufer digitaler GüterProvision je Transaktion
TON-ÖkosystemKaufpreis der TokenKrypto-Käufer und PartnerExklusivdeals und Wertsteigerung

Auffällig ist zudem, wie träge Preissenkungen weitergegeben werden, während neue Bezahlfunktionen zügig eingeführt sind. Das Abo wird um Vorteile erweitert, für die frühere Nutzer nichts zahlten, und die Krypto-Gebühren folgen dem Marktpreis nach oben schneller als nach unten. Diese Preisträgheit zugunsten des Anbieters ist ein typisches Muster reifer Plattformen, das auch bei diesem Dienst zu beobachten ist.

Die versteckten Folgekosten trägt vor allem die Gesellschaft, nicht der einzelne Nutzer. Weil Telegram lange kaum moderierte, wurde die Plattform zum Umschlagplatz für illegale Inhalte, deren Bekämpfung staatliche Stellen und Strafverfolger belastet. Diese externen Kosten tauchen in keiner Preisliste auf, sind aber ein realer Teil der Rechnung, die das Geschäftsmodell aufmacht.

Auffällig ist die Asymmetrie zwischen Erlös und Verantwortung. Die Einnahmen fließen konzentriert an einen einzigen Eigentümer, die Lasten der Moderation und der Rechtsdurchsetzung verteilen sich auf viele Staaten. Diese Schieflage steht im Zentrum des Pariser Verfahrens gegen den Gründer und markiert die eigentliche Kostenstelle des Modells.

Wer profitiert und wer zahlt drauf?

Goldsack und Figurengruppe auf einer Holzwippe, Etikett „Gewichtsklasse: Wichtig vs. Viele“
Die Gewinne bündeln sich bei einem, die Lasten verteilen sich auf viele.

Der größte Profiteur des Modells ist Pawel Durow selbst, der als Alleineigentümer sämtliche Gewinne auf sich vereint, während die Kosten der Moderation und der Risiken breit verteilt bleiben. Anders als bei börsennotierten Konzernen fehlen streuende Aktionäre, die den Ertrag teilen, das Geld bleibt an der Spitze.

Zu den Gewinnern zählen außerdem die Anleihegläubiger und frühen Investoren. Große Adressen wie der Vermögensverwalter BlackRock und der Staatsfonds Mubadala aus Abu Dhabi zeichneten 2025 eine Wandelanleihe über rund 1,7 Milliarden US-Dollar zu einem Zins von etwa neun Prozent, mit der Option, bei einem Börsengang in Anteile zu wechseln. Diese Kapitalgeber verdienen an den hohen Zinsen und wetten zugleich auf eine spätere Wertsteigerung.

Profiteure sind auch die Betreiber erfolgreicher Kanäle und die Entwickler im Ökosystem. Betreiber, die eine große Community aufbauen oder ein beliebtes Mini-Programm anbieten, verdienen über Werbebeteiligung und Stars mit. Diese Kreativen bilden eine neue Mittelschicht der Plattformökonomie, die zwar vom Erfolg abhängt, aber real an ihm teilhat.

Auf der Verliererseite stehen zunächst die Opfer der schwachen Moderation. Wo Betrug, Extremismus und illegale Handelsplätze lange ungestört gediehen, tragen Betroffene und die Allgemeinheit den Schaden. Diese Kollateralschäden sind der Preis der radikalen Offenheit, mit der Telegram groß geworden ist.

Zu den stillen Verlierern zählen zudem die Wettbewerber, die sich an strenge Regeln halten. Ein Anbieter, der Moderation, Datenschutz und Rechtsdurchsetzung ernst nimmt, trägt Kosten, die Telegram lange ausgespart hat, und gerät so im Preis- und Funktionswettbewerb ins Hintertreffen. Dieser Wettbewerbsnachteil der Regeltreuen ist eine der unsichtbarsten, aber folgenreichsten Nebenwirkungen des Modells.

Draufzahlen könnten am Ende auch die Krypto-Kleinanleger im TON-Umfeld. Sobald der Kurs des Toncoin schwankt, wie 2025 mit einem Einbruch von über 70 Prozent, verlieren viele Kleinanleger real Geld, während der Konzern seine Bestände strategisch steuert. Diese Verlustverteilung zeigt, dass die Risiken des Krypto-Geschäfts nicht gleichmäßig getragen werden.

Telegram inszeniert sich als Bollwerk gegen die Datenkonzerne und verdient sein Geld doch längst wie ein Finanzhaus mit angeschlossenem Messenger.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Die Bilanz der Gewinner und Verlierer fällt eindeutig aus, sobald man sie nebeneinanderlegt. Die folgende Übersicht ordnet die wichtigsten Gruppen und zeigt, warum das Modell für die einen ein Segen und für die anderen eine Last ist.

GruppeRolleProfit oder Verlust
Pawel DurowAlleineigentümervereint sämtliche Gewinne
AnleihegläubigerKapitalgeberhohe Zinsen plus Wandeloption
KanalbetreiberInhaltezuliefererWerbebeteiligung, aber abhängig
Einfache NutzerReichweitenspenderGratisnutzung gegen Aufmerksamkeit
Krypto-KleinanlegerToken-Käufertragen die Kursrisiken
Staaten und BetroffeneLastenträgerKosten der schwachen Moderation

Wie politisch ist Telegram?

Aktenstapel mit rotem Band, Papierflieger, Verkehrskegel und Haftnotiz „Verfahren“
Zwischen Freiheitswerkzeug und Strafverfahren spannt sich die Politik der Plattform.

Telegram ist eine der politischsten Plattformen der Gegenwart, weil sein Geschäftsmodell auf einer bewusst schwachen Moderation beruht, die den Konzern immer wieder in Konflikt mit Staaten bringt. Der spektakulärste Fall ist das Strafverfahren gegen Pawel Durow in Frankreich, das die politische Dimension des Modells offenlegt.

Im August 2024 wurde Durow bei der Einreise in Paris festgenommen und in der Folge förmlich beschuldigt, die Verbreitung illegaler Inhalte über seine Plattform unzureichend bekämpft zu haben. Zwei Jahre später ist das Verfahren nicht abgeschlossen, im Juli 2026 wurde der Gründer zum vierten Mal befragt. Diese Dauerermittlung macht Durow zum Symbol für die Frage, wie weit die Verantwortung eines Plattformbetreibers reicht.

In Deutschland kollidierte Telegram früh mit dem Netzwerkdurchsetzungsgesetz. Das Bundesamt für Justiz verhängte 2022 ein Bußgeld von 5,125 Millionen Euro, weil der Dienst keinen tauglichen Meldeweg für strafbare Inhalte und keinen Zustellungsbevollmächtigten für deutsche Behörden vorhielt. Telegram bestritt lange, überhaupt ein soziales Netzwerk im Sinne des Gesetzes zu sein, und focht die Bescheide an.

Auf europäischer Ebene dreht sich der Streit um den Digital Services Act. Das Gesetz verpflichtet sehr große Plattformen ab 45 Millionen aktiven EU-Nutzern zu strengen Auflagen, Telegram meldet Werte knapp unterhalb dieser Schwelle und entgeht so den härtesten Pflichten. Kritiker werten diese Zahlenpolitik als strategisches Manöver, um der schärfsten Aufsicht zu entkommen.

Die staatenlose Struktur des Konzerns ist selbst eine politische Aussage. Der Sitz in Dubai, die verstreute Mannschaft und die Weigerung, sich einer einzelnen Rechtsordnung vollständig zu unterwerfen, sind Ausdruck von Durows Grundüberzeugung, dass keine Regierung Zugriff auf die Kommunikation haben soll. Diese Unabhängigkeit ist Markenkern und Reibungsfläche zugleich.

Zugleich bleibt Telegram ein Instrument im geopolitischen Ringen. Für Oppositionelle in autoritären Staaten ist die App ein Freiheitswerkzeug, für Propagandisten und Desinformationsnetzwerke zugleich ein Verstärker. Diese Ambivalenz lässt sich nicht auflösen, sie ist die logische Folge einer Plattform, die Reichweite über Kontrolle stellt.

Telegram und die Regulierer
Vier Konfliktlinien mit Staaten und Behörden
2022
Deutschland: 5,125 Mio. Euro Bußgeld des Bundesamts für Justiz nach dem Netzwerkdurchsetzungsgesetz
2024
Frankreich: Festnahme und förmliche Beschuldigung von Pawel Durow in Paris
2025
EU: Meldung von unter 45 Mio. Nutzern hält Telegram vom strengsten Regime des Digital Services Act fern
2026
Frankreich: vierte Befragung Durows, das Verfahren dauert an

Besonders sensibel bleibt die russische Herkunft des Gründers, auch wenn Durow seit Jahren im Exil lebt und den Krieg öffentlich verurteilt hat. In Deutschland geriet die Plattform während der Pandemie in Verruf, weil sich dort Verschwörungsgruppen und radikalisierte Netzwerke sammelten, die anderswo gelöscht worden waren. Diese Vergangenheit haftet der Marke an und erklärt, warum Behörden hierzulande besonders genau hinschauen.

Was könnte Telegram zu Fall bringen?

Hand zieht Karte
Zieht man die Schlüsselkarte, gerät das ganze Gebäude ins Wanken.

Die größten Gefahren für Telegram liegen weniger in sinkenden Nutzerzahlen als in der Konzentration auf eine Person, der Abhängigkeit vom Krypto-Markt und dem wachsenden regulatorischen Druck. Jedes dieser Risiken für sich wäre beherrschbar, in Kombination bilden sie eine gefährliche Gemengelage.

Das offensichtlichste Risiko ist die Person Pawel Durow. Als Alleineigentümer, einziger Produktmanager und öffentliches Gesicht ist er für den Konzern unersetzlich, ein juristisches Urteil oder ein persönlicher Ausfall träfe Telegram im Mark. Dieses Schlüsselpersonenrisiko wird durch die winzige Mannschaft von 30 Personen zusätzlich verschärft, denn tiefes Wissen ist auf wenige Köpfe verteilt.

Das zweite große Risiko ist die Abhängigkeit vom Krypto-Markt. Weil der größte Erlösblock am TON-Ökosystem hängt, schlägt jeder Kurssturz direkt auf die Bilanz durch, wie der Verlust von 222 Millionen US-Dollar im ersten Halbjahr 2025 zeigte. Diese Volatilität macht die Ergebnisse unberechenbar und könnte in einer längeren Krypto-Baisse aus Buchverlusten echte Finanzierungsprobleme machen.

Regulatorisch verengt sich der Handlungsspielraum von Jahr zu Jahr. Der Digital Services Act, nationale Gesetze wie das deutsche Netzwerkdurchsetzungsgesetz und das Pariser Strafverfahren zwingen Telegram schrittweise zu mehr Moderation, die dem eigenen Markenkern widerspricht. Dieser Regulierungsdruck könnte das Versprechen der radikalen Offenheit aushöhlen, auf dem der Erfolg beruht.

Hinzu kommt die finanzielle Hebelwirkung der Wandelanleihe. Die 2025 begebenen Papiere über rund 1,7 Milliarden US-Dollar verlangen einen hohen Zins und müssen bedient werden, unabhängig vom Krypto-Kurs. Diese Schuldenlast ist tragbar, solange die Erlöse sprudeln, könnte aber in einer Krise zum Problem werden, zumal ein Börsengang als Ausweg vorerst blockiert ist.

Ein schwarzer Schwan wäre der Verlust des Vertrauens in die Sicherheit der App. Sollte sich zeigen, dass die Cloud-Chats in größerem Umfang kompromittiert wurden, bräche das zentrale Verkaufsargument weg. Ein solcher Vertrauensbruch könnte die technikaffine Kernnutzerschaft schneller vertreiben, als jede Regulierung je könnte. Gerade weil das Sicherheitsversprechen der Kern der Marke ist, wöge ein solcher Bruch schwerer als bei jedem Wettbewerber, der nie mit maximaler Vertraulichkeit geworben hat.

Risiko-Matrix Telegram
Vier Bruchstellen des Geschäftsmodells
Schlüsselperson Durow
Alleineigentümer und einziger Produktmanager, das Pariser Verfahren dauert an
Sehr hoch
Krypto-Abhängigkeit
Größter Erlösblock hängt am Toncoin, Kurssturz von über 70 Prozent 2025
Hoch
Regulierung
Digital Services Act, Netzwerkdurchsetzungsgesetz, Strafverfahren erzwingen Moderation
Hoch
Schuldenlast
Wandelanleihe über rund 1,7 Mrd. US-Dollar zu neun Prozent Zins, Börsengang blockiert
Mittel

Was bedeutet Telegram für deutsche Unternehmer und Verbraucher?

Brandenburger Tor-Modell mit Geldschein-Flugzeug und „Vorsicht“-Schild auf weiß
Für deutsche Nutzer und Firmen bleibt Telegram Chance und Fallstrick zugleich.

Für deutsche Unternehmer ist Telegram ein zweischneidiger Kanal, der enorme Reichweite verspricht, aber rechtliche Fallstricke und Reputationsrisiken mit sich bringt. Der frische Anlass, das anhaltende Pariser Verfahren gegen den Gründer, macht diese Abwägung dringlicher, denn er zeigt, wie schnell eine bequeme Plattform zum Haftungsthema werden kann.

Als Marketingkanal bietet Telegram deutschen Firmen die Chance, über einen Kanal ein treues Publikum direkt und ohne Algorithmus-Filter zu erreichen. Anders als bei den werbefinanzierten Netzwerken landet jede Nachricht garantiert bei allen Abonnenten. Diese Direktheit ist wertvoll für Händler, Verlage und Dienstleister, die eine engagierte Community aufbauen wollen.

Zugleich lauern rechtliche Risiken, die Unternehmer unterschätzen. Beim geschäftlichen Betrieb eines Kanals gelten Impressumspflicht, Datenschutz und Werbekennzeichnung, und die schwache Moderation der Plattform kann die eigene Marke in ein zweifelhaftes Umfeld rücken. Diese Sorgfaltspflichten gelten unabhängig davon, wie locker Telegram selbst mit Regeln umgeht.

Für deutsche Verbraucher ist Telegram vor allem ein kostenloser Messenger mit großem Funktionsumfang, dessen Datenschutzversprechen jedoch differenziert zu betrachten ist. Weil private Chats standardmäßig in der Cloud liegen, ist die App weniger geschützt, als ihr Ruf nahelegt. Für echte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung müssen Nutzer die geheimen Chats aktiv einschalten oder auf Alternativen wie Signal ausweichen.

Die Krypto-Funktionen bergen für deutsche Nutzer besondere Vorsicht. Beim Einstieg über Fragment oder Stars in das TON-Ökosystem bewegen sich Nutzer in einem hochvolatilen Umfeld, dessen steuerliche und rechtliche Behandlung in Deutschland komplex ist. Diese Krypto-Falle kann aus einer spielerischen Funktion schnell ein ernstes finanzielles Risiko machen.

Wie sich Unternehmer und Verbraucher konkret verhalten sollten, hängt von ihrer Rolle ab. Die folgende Übersicht fasst die wichtigsten Handlungsempfehlungen für die drei typischen Perspektiven zusammen.

PerspektiveChanceEmpfehlung
Als Unternehmerdirekte Reichweite über KanäleImpressum, Datenschutz und Kennzeichnung strikt einhalten
Als Verbraucherkostenloser Messenger mit vielen Funktionengeheime Chats für sensible Themen aktiv einschalten
Als AnlegerZugang zum TON-ÖkosystemKursrisiko und Steuerpflichten vorab genau prüfen

Ein realistischer Blick auf die kommenden zwölf Monate zeigt drei Szenarien. Im optimistischen Fall stabilisiert sich der Krypto-Markt und Telegram festigt seine Profitabilität, im realistischen Fall bleibt das Ergebnis schwankend, aber operativ gesund, im pessimistischen Fall verschärft ein Urteil im Pariser Verfahren die Lage und zwingt zu tiefen Eingriffen ins Modell. Diese Bandbreite sollten deutsche Nutzer und Firmen im Blick behalten, bevor sie sich langfristig an die Plattform binden.

Auf den PunktFür den deutschen Markt
  • Chance: direkte, ungefilterte Reichweite über Kanäle.
  • Vorsicht: Cloud-Chats sind nicht Ende-zu-Ende-verschlüsselt.
  • Risiko: das TON-Ökosystem ist hochvolatil und steuerlich heikel.

Glossar: 13 wichtige Fachbegriffe zu Telegram und Plattformökonomie

Offenes Buch, orangefarbene Klammer mit „Begriffe“, fliegendes Papierflugzeug
Die wichtigsten Fachbegriffe rund um Telegram und die Plattformökonomie.

ARPU

ARPU steht für den durchschnittlichen Erlös je Nutzer. Bei Telegram ist dieser Wert wegen der nicht profilbasierten Werbung deutlich niedriger als bei datengetriebenen Plattformen, was der Konzern durch schiere Reichweite ausgleicht.

Blockchain

Blockchain bezeichnet eine dezentral geführte, fälschungssichere Datenbank. Die Blockchain TON bildet die technische Grundlage für Telegrams Krypto-Ökosystem, über das der größte Umsatzblock läuft.

Freemium

Freemium beschreibt ein Modell, bei dem die Grundnutzung kostenlos ist und nur Zusatzfunktionen Geld kosten. Telegram Premium ist das Freemium-Angebot des Konzerns, mit dem eine zahlende Minderheit den Gratisbetrieb mitträgt.

Kanal

Kanal ist bei Telegram ein Broadcast-Format, über das ein Absender unbegrenzt viele Abonnenten erreicht. Kanäle sind der Ort, an dem Werbung ausgespielt wird, und die Grundlage der öffentlichen Publikationsmacht der Plattform.

Klumpenrisiko

Klumpenrisiko meint die gefährliche Konzentration auf eine einzige Quelle. Bei Telegram bildet die Abhängigkeit vom Krypto-Markt und von der Person Durow ein doppeltes Klumpenrisiko für Erträge und Führung.

Lock-in

Lock-in bezeichnet die Bindung von Nutzern an eine Plattform durch Wechselkosten. Bei Telegram entsteht der Lock-in über Gruppen und Kanäle, deren Inhalte und Communitys sich nicht einfach mitnehmen lassen.

MTProto

MTProto ist das von Nikolai Durow entwickelte, hauseigene Verschlüsselungsprotokoll von Telegram. Das Protokoll sichert die geheimen Chats, während normale Chats in der Cloud des Anbieters liegen.

Netzwerkeffekt

Netzwerkeffekt beschreibt den Umstand, dass der Wert eines Dienstes mit der Zahl seiner Nutzer steigt. Für Telegram ist dieser Effekt die stärkste Eintrittsbarriere gegen neue Wettbewerber.

Quersubventionierung

Quersubventionierung liegt vor, wenn eine profitable Sparte eine verlustbringende finanziert. Telegram subventioniert seinen kostenlosen Kernbetrieb aus Werbung, Abo und Krypto-Erlösen.

Stars

Stars sind Telegrams hauseigene Bezahleinheit für digitale Güter innerhalb der App. Der Konzern behält bei jedem Kauf einen Anteil und betreibt damit einen App-Store im Kleinformat.

TON

TON steht für Telegram Open Network, eine Blockchain, die ursprünglich vom Konzern selbst geplant war und heute von einer Gemeinschaft betrieben wird. Ihr Token Toncoin ist das Herz des größten Erlösblocks.

VLOP

VLOP ist die Abkürzung für eine sehr große Online-Plattform im Sinne des Digital Services Act. Ab der Schwelle von 45 Millionen aktiven EU-Nutzern greifen strenge Auflagen, die Telegram bislang vermeidet.

Wandelanleihe

Wandelanleihe ist ein verzinstes Wertpapier, das der Gläubiger später in Firmenanteile tauschen kann. Telegram finanzierte sich 2025 über eine solche Anleihe und verschob damit den Druck eines Börsengangs.

FAQ: Telegram Geschäftsmodell

Papierflieger aus 50-Euro-Geldscheinen mit FAQ-Anhänger vor weißem Hintergrund
Die häufigsten Fragen zum Geschäftsmodell von Telegram kompakt beantwortet.

Wie verdient Telegram sein Geld?

Telegram verdient über drei Säulen: Werbung in großen öffentlichen Kanälen, das Abo Telegram Premium und ein Krypto-Ökosystem rund um die Blockchain TON. Der Krypto-Bereich trug 2024 mit rund der Hälfte den größten Anteil bei, gefolgt von Premium und Werbung.

Ist Telegram profitabel?

Ja. 2024 schrieb Telegram bei rund 1,2 Milliarden Euro Umsatz erstmals einen Gewinn von etwa 464 Millionen Euro. Operativ bleibt der Konzern profitabel, unter dem Strich schwankt das Ergebnis jedoch mit dem Kurs der Kryptowährung Toncoin, im ersten Halbjahr 2025 stand deshalb ein Verlust.

Wie viele Mitarbeiter hat Telegram?

Gründer Pawel Durow gibt die Kernmannschaft mit rund 30 Ingenieuren an, ohne Personalabteilung und ohne mittleres Management. Diese extrem schlanke Struktur ist der Grund, warum Telegram schon mit vergleichsweise geringen Erlösen hohe Gewinne erzielen kann.

Sind Telegram-Chats sicher verschlüsselt?

Nur teilweise. Private Chats liegen standardmäßig in der Cloud des Anbieters und sind nicht Ende-zu-Ende-verschlüsselt. Vollständig geschützt sind allein die eigens gestarteten geheimen Chats. Wer maximale Sicherheit will, muss diese Funktion aktiv einschalten.

Warum wird Telegram-Gründer Durow in Frankreich verfolgt?

Pawel Durow wurde im August 2024 in Paris festgenommen und beschuldigt, die Verbreitung illegaler Inhalte über Telegram unzureichend bekämpft zu haben. Das Verfahren dauert an, im Juli 2026 wurde er zum vierten Mal befragt. Es gilt als Präzedenzfall für die Verantwortung von Plattformbetreibern.

Was ist TON und welche Rolle spielt es für Telegram?

TON ist eine Blockchain, die Telegram 2018 selbst plante, nach Druck der US-Börsenaufsicht aber aufgab. Heute betreibt eine unabhängige Gemeinschaft das Netzwerk, Telegram profitiert über Integrationen und Exklusivdeals. Der zugehörige Token Toncoin ist inzwischen der wichtigste Erlöstreiber des Konzerns.

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