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Lukas Schlömer 17. Juli 2007

Zusatzauftrag und Steuerprogression: Lohnt sich das?

Kein Beitragsbild

Gleicher Kunde, gleicher Auftrag, gleicher Preis – unterschiedlicher Netto-Verdienst: Steuerprogression und Familienstand sorgen dafür, dass eine nüchterne Kosten-Nutzenrechnung bei Selbstständigen oft zu ganz unterschiedlichen Ergebnissen führt. Wir machen die Probe aufs Exempel.

Die Steuerbelastung von Unternehmern und Freiberuflern gibt es nicht. Zwar besteht bei der Einkommensteuer zwischen Angestellten und Selbstständigen grundsätzlich kein Unterschied. Endgültig abgerechnet wird immer erst am Jahresende auf Basis aller erzielten Einkünfte. Doch während die maximale Steuerbelastung bei abhängig Beschäftigten durch den Lohnsteuerabzug des Arbeitgebers weitgehend feststeht, ist das bei Selbstständigen anders: Je nachdem, wie die Geschäftslage im laufenden Jahr ist, kann der von einem einzelnen Auftrag übrig bleibende versteuerte Gewinn unterm Strich sehr unterschiedlich ausfallen.

Die Probe aufs Exempel
Angenommen, ein Webdesigner steht vor der Frage, wie hoch sein zusätzliches privates Nettoeinkommen aus einem Auftrag mit 5.000 Euro betrieblichem Reingewinn sein wird, dann kann das Ergebnis zwischen prallen 5.000 Euro und mageren 2.750 Euro liegen:

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Abbildung

Die Ursachen
Die beträchtliche Differenz hat zwei Ursachen:

Die Steuerprogression: In Deutschland werden höhere Einkünfte relativ stärker besteuert als niedrige. Bis zu einem zu versteuernden Jahreseinkommen von 7.664 Euro fällt gar keine Einkommensteuer an. Innerhalb des Einkommensbereichs zwischen 7.664 Euro und 52.152 Euro (der so genannten Progressionszone) steigt der Steuersatz schrittweise von 15 % auf 42 % an. Ab einem Einkommen von 250.000 Euro an aufwärts beträgt der Spitzensteuersatz sogar 45 % (=“Reichensteuer“). Nimmt man den Solidaritätszuschlag von 5,5 % auf die Einkommensteuer hinzu, liegt die maximale Steuerbelastung derzeit bei 47,5 %.

Das Ehegattensplitting: Gemeinsam besteuerte Ehegatten sind hierzulande besser gestellt als Ledige. Das zu versteuernde Einkommen beider Ehegatten wird dabei zunächst addiert und dann halbiert. Anschließend wird die auf den halbierten Betrag anfallende Einkommensteuer ermittelt und das Ergebnis wiederum verdoppelt. Bei Ehepartnern mit unterschiedlich hohem Verdienst mildert das die Wirkung der Steuerprogression spürbar. So fällt bei Verheirateten Einkommensteuer erst ab einem gemeinsamen Einkommen von gut 15.000 Euro an, der Spitzensteuersatz wird erst bei einem Einkommen von über 100.000 Euro erreicht. Die Reichensteuer ist erst ab 500.000 Euro Jahreseinkommen fällig.

Durchschnitt- oder Grenzsteuersatz?
Wichtig: Selbst die Superreichen bezahlen auf die ersten 7.664 Euro (bei Verheirateten: 15.328 Euro) ihres zu versteuernden Gesamteinkommens keinen Cent Einkommensteuer. Und in der Progressionszone liegt ihre Belastung wie bei allen anderen Steuerpflichtigen ebenfalls „nur“ bei 15 % bis 45 %.

Die drei verschiedenen Steuertarifzonen (zunächst steuerfrei, dann progressiv, dann linear) haben zur Folge, dass es einen Unterschied gibt, zwischen dem Durchschnittsteuersatz auf das gesamte Jahreseinkommen und dem Steuersatz, der ausgehend von einem bestimmten Einkommen auf den nächsten Euro Einkommenszuwachs entfällt. Wer wissen will, wie groß der Anteil des Staates an den Einnahmen aus einem Zusatzauftrag ist, muss daher mit dem Grenzsteuersatz rechnen.

Besonders wichtig ist diese differenzierte Betrachtungsweise für Steuerpflichtige, die im mittleren Einkommensbereich liegen und angesichts schwankender Jahreseinkünfte ihre drohende Steuerbelastung möglichst realistisch einschätzen wollen.

So rechnen Sie richtig
Je nach Ausgangslage und Sicherheitsbedürfnis kalkulieren Sie das verbleibende Privateinkommen aus Zusatzaufträgen unterschiedlich:

Wenn Sie zu den Besserverdienenden gehören und auf Nummer Sicher gehen wollen, rechnen Sie einfach mit dem Spitzensteuersatz. Ziehen Sie von möglichen Zusatzeinkünften knapp die Hälfte (genau genommen 47,5 %) ab, und Sie wissen, was im allerungünstigsten Fall für Sie privat übrigbleibt: Schlimmer wird’s nimmer.

Falls Sie es genauer wissen und dabei Vorsicht walten lassen wollen, rechnen Sie mit Ihrem Grenzsteuersatz. Wie hoch der ist, ermitteln Sie mit Hilfe des Abgabenrechners, der vom Bundesfinanzministerium im Internet bereitgestellt wird:

Abbildung
Durchschnitts- und Grenzbelastung am Beispiel eines Alleinstehenden mit einem zu versteuernden Jahreseinkommen von 45.000 Euro.

Bei einer Grenzbelastung von knapp 39 % müsste der Webdesigner in unserem 5.000-Euro-Beispiel mit einem Steueranteil von 1.950 Euro rechnen. In seiner privaten Geldbörse landen letztlich also gut 3.000 Euro.

Da sich der prozentuale Grenzsteuersatz genau genommen immer nur auf den nächsten Euro Einkommenszuwachs bezieht, sollten Sie im Einzelfall (wie in unserer Tabelle weiter oben) mit absoluten Werten arbeiten: Ermitteln Sie zuerst die Gesamtbelastung beim höheren Einkommen und ziehen Sie davon die Steuern ab, die beim niedrigeren Einkommen anfallen. Auf diese Weise ergibt sich im Beispiel ein voraussichtlicher Steueranteil von gut 2.100 Euro, es bleiben unterm Strich also nur rund 2.900 Euro vom 5.000-Euro-Kuchen übrig.

Sind die absehbaren Einkommensänderungen im Vergleich zum Vorjahr nicht so gravierend und benötigen Sie nur eine ungefähre Vorstellung vom voraussichtlichen Steueranteil, dann können Sie der Einfachheit halber aber auch mit Ihrem Durchschnittsteuersatz rechnen: Liegt Ihr tatsächliches Jahreseinkommen letztlich über dem des Vorjahres, wird die Belastung dann aber höher ausfallen als erwartet. Angesichts der zahlreichen sonstigen Unwägbarkeiten ist diese Ungenauigkeit bei überschaubaren Einkommensschwankungen aber zu verkraften.

Achtung: Reine Steueroptik!
Bitte beachten Sie: Die hier angestellten Überlegungen beziehen sich ausschließlich auf die steuerlichen Wirkungen von Zusatzeinkünften: Unter bestimmten Umständen haben Einkommenszuwächse aber auch Auswirkungen auf Beiträge zur Sozialversicherung (z. B. für freiwillige Mitglieder in der gesetzlichen Krankenversicherung oder Pflichtversicherte in der Künstlersozialkasse) oder auch auf staatliche Transferleistungen (z. B. Wohngeld oder Arbeitslosengeld II in der Bedarfsgemeinschaft). Diese Folgen müssen falls erforderlich separat bedacht werden.

Fazit
So erfreulich die größeren Gestaltungsspielräume sind, die der Fiskus Selbstständigen einräumt: Sie müssen dafür aber auch mit einer größeren Unsicherheit über ihre endgültige Steuerbelastung leben als das bei Angestellten der Fall ist. Wer um die Wirkung der Steuerprogression weiß und in der Lage ist, den Anteil des Staates an seinen Einkünften zu schätzen, nimmt dem Damoklesschwert des Finanzamts aber viel von seinem Schrecken.

Lukas Schlömer

Lukas Schlömer ist ein pseudonymer Autor, der unter diesem Namen ausschließlich für Dr. Web schreibt.

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