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Lukas Schlömer 19. August 2010

Zahlungsfähigkeit sichern: So bleiben Sie flüssig – Teil 1

So erfreu­lich vol­le Auftragsbücher oder gar sat­te Gewinne sein mögen, eine Garantie fürs Überleben am Markt sind sie nicht. Viel zu vie­le Selbstständige und Unternehmer schei­tern, weil sie wirt­schaft­li­chen Erfolg und Zahlungsfähigkeit gleich­ge­setzt haben. Wir erklä­ren den Unterschied und zei­gen, wie eine ein­fa­che, aber wir­kungs­vol­le Liquiditätsvorschau aus­sieht. Dieser Beitrag wur­de am 6. Februar 2007 ver­öf­fent­licht und im August 2010 aktua­li­siert.

Den 2. Teil des Beitrags “Zahlungsfähigkeit sichern: So blei­ben Sie flüs­sig” fin­den Sie hier.

Der frei­be­ruf­li­che Webdesigner Peter J. ver­stand die Welt nicht mehr: In über zwei Jahren har­ter Arbeit hat­te er sich mit eben­so inno­va­ti­ven wie zuver­läs­si­gen Dienstleistungen einen guten Namen gemacht. Doch trotz nach wie vor guter Auftragslage und obwohl er sich weder eine luxu­riö­se Geschäftsausstattung gönn­te noch pri­vat in der Schickeria ver­kehr­te, geriet er unver­se­hens in eine finan­zi­el­le Klemme.

Die Dauer sei­ner Gründungsförderung hat­te er geschickt genutzt, um attrak­ti­ve Referenzprojekte fer­tig­zu­stel­len und Folgeaufträge an Land zu zie­hen. Darunter den einer gro­ßen Agentur, die mit ihm zusam­men wie­der­holt gut dotier­te Projekte abwi­ckel­te. Zwar dau­er­te es immer eine gan­ze Weile, bis sein Honorar nach dem erfolg­rei­chen Abschluss eines Auftrags auf sei­nem Konto ein­traf – da der Kunde aber zu guter Letzt doch immer zahl­te und sein Konto das pro­blem­los ver­kraf­ten konn­te, woll­te Peter J. sei­nen Kooperationspartner nicht mit Mahnungen in Verlegenheit (und sich selbst nicht um Folgeaufträge) brin­gen.

Langweiliger Papierkram?

Überhaupt nahm er es vor lau­ter Aufträgen mit dem lang­wei­li­gen Buchhaltungskram nicht so genau, die Einkommensteuererklärung für das Jahr 2008 hat­te er mit­hil­fe sei­nes Steuerberaters bis Ende 2009 hin­aus­ge­zö­gert. Als dann Mitte 2010 kurz hin­ter­ein­an­der die bei­den ers­ten Steuerbescheide ins Haus flat­ter­ten, blieb von Langeweile kei­ne Spur. Vielmehr gab es ein in mehr­fa­cher Hinsicht böses Erwachen:

Die Folge: Peter J. muss­te kurz­fris­tig einen hohen fünf­stel­li­gen Betrag auf­brin­gen. Da sein ver­meint­lich gut gefüll­tes Konto das jedoch selbst bei Ausschöpfung des Kontokorrentkredits nicht ver­kraf­te­te, wand­te er sich Hilfe suchend an sei­nen Großkunden und bat um den sofor­ti­gen Ausgleich offe­ner Forderungen. Sein Geschäftspartner steck­te jedoch gera­de selbst wie­der ein­mal in einer finan­zi­el­len Klemme. Die Bank wie­der­um war man­gels Sicherheiten nicht bereit, ein Darlehen zu gewäh­ren, um die Steuerschuld zu beglei­chen.

Dass Peter J. in der pre­kä­ren Situation letzt­lich mit einem blau­en Auge davon kam, lag an einem Kleinkredit sei­ner Großmutter. Der unver­meid­li­che Auftritt als Bittsteller war für den erfolgs­ge­wohn­ten Jungunternehmer aber außer­or­dent­lich schmerz­haft.

Zahlungsfähigkeit sichern

Wohl dem, der wohl­ha­ben­de Freunde und Familienangehörige oder eine ver­ständ­nis­vol­le Hausbank hat. Nur: was tun, wenn die feh­len oder weni­ger hilfs­be­reit sind als die Oma in unse­rem Beispiel? Am bes­ten sor­gen Sie von vorn­her­ein dafür, dass ver­meid­ba­re finan­zi­el­le Engpässe gar nicht erst auf­tre­ten. Neben dem lau­fen­den Überblick über die Auftragslage erfor­dert das die kon­se­quen­te Überwachung und Sicherung der eige­nen Zahlungsfähigkeit (= “Liquidität” = Flüssigkeit). Als zah­lungs­fä­hig gilt ein Kaufmann, wenn er jeder­zeit in der Lage ist, sei­nen Zahlungsverpflichtungen nach­zu­kom­men.

Dafür müs­sen Sie wis­sen:

  • Wann wer­den die ein­zel­nen Zahlungen mei­ner Kunden vor­aus­sicht­lich auf mei­nem Konto ein­tref­fen?
  • Umgekehrt: Zu wel­chen Zeitpunkten fal­len wel­che betrieb­li­chen und pri­va­ten Ausgaben an? Anders als bei der aufs Jahr bezo­ge­nen Umsatz-, Kosten- und Gewinnschätzung genügt es näm­lich nicht zu wis­sen, dass Ausgaben auf Sie zukom­men wer­den, son­dern auch wann das der Fall sein wird. Wenn der Gerichtsvollzieher oder Steuereintreiber auf der Matte seht, hilft der Verweis auf einen vor­aus­sicht­lich hohen Jahresüberschuss oder zahl­rei­che Kundenforderungen herz­lich wenig.
  • Welche Möglichkeiten habe ich, das Zahlungsverhalten mei­ner Kunden zu mei­nen Gunsten zu beein­flus­sen?
  • Welche Möglichkeiten habe ich, um fäl­li­ge Verpflichtungen not­falls hin­aus­zu­zö­gern?

Dass die Termine von Einzahlungen unge­wiss sind, liegt auf der Hand. Die Ausgabenseite hin­ge­gen kön­nen Sie viel­fach bes­ser pla­nen und beein­flus­sen. Doch selbst hier gibt es genug Unwägbarkeiten. Denken Sie bloß an das plötz­lich defek­te Notebook oder den uner­war­te­ten Motorschaden am Geschäftswagen. Am bes­ten hal­ten Sie sich bei Ihren Planungen an die Faustregel des vor­sich­ti­gen Kaufmanns, der zufol­ge Einzahlungen im Zweifel spä­ter ein­tref­fen als erhofft, hin­ge­gen Auszahlungen durch­weg frü­her als erwar­tet.

Ein / Aus: wie denn nun?

Die Begriffspaare “Einnahmen / Ausgaben” und “Einzahlungen / Auszahlungen” müs­sen betriebs­wirt­schaft­lich streng genom­men unter­schie­den wer­den. Buchhalterisch ent­steht eine Einnahme näm­lich bereits dann, wenn die Rechnung gestellt wird. Zum Glück spielt die­ser Unterschied bei Freiberuflern und Kleingewerbetreibenden, nur zur soge­nann­ten Einnahmenüberschussrechnung ver­pflich­tet sind, kei­ne Rolle. Bei klei­nen (Geschäfts-)Leuten ent­steht eine Einnahme (Ausgabe) nor­ma­ler­wei­se erst im Moment der Einzahlung (Auszahlung). Aus die­sem Grund wird im Folgenden zwi­schen “Einnahmen / Ausgaben” bzw. “Einzahlungen / Auszahlungen” nicht unter­schie­den.

Liquiditäts-Vorschau: Zahlungsfähigkeit im Jahresverlauf

Es gibt vie­le nütz­li­che und mehr oder weni­ger leicht hand­hab­ba­re Planungswerkzeuge zur Überwachung der Zahlungsfähigkeit. So fin­det sich zum Beispiel in dem vom Bundeswirtschaftsministerium kos­ten­los bereit­ge­stell­ten “Businessplaner online” ein ganz schlich­tes, aber durch­aus brauch­ba­res Liquiditätsmodul. Falls Sie im Rahmen der Erstellung Ihres Geschäftsplans ohne­hin schon mit die­ser (oder einer ver­gleich­ba­ren) Software gear­bei­tet haben, soll­ten Sie unbe­dingt einen Blick auf den Menüpunkt “Ihre Angaben” – “Anh. Liquiditätsvorschau” wer­fen:

Das Liquiditätsmodul des BMWi-Businessplaners

Das Liquiditätsmodul des BMWi-Businessplaners

Leider hat die an sich nütz­li­che Überwachungsliste einen Schwachpunkt: Zwar kön­nen Sie Ihre Planwerte ein­ge­ben – es fehlt aber die für Vergleichs- und Auswertungszwecke unver­zicht­ba­re zusätz­li­che “Ist”-Spalte, in die Sie die tat­säch­li­chen Einnahmen und Ausgaben ein­tra­gen kön­nen. Die Ist-Werte sind Ihnen ja bekannt: Schließlich müs­sen Sie die Angaben zwecks Umsatzsteuervoranmeldung im Rahmen Ihrer Buchführung ohne­hin regel­mä­ßig ermit­teln. Gründer sind in den ers­ten bei­den Kalenderjahren grund­sätz­lich zu monat­li­chen Umsatzsteueranmeldungen ver­pflich­tet.

Im zwei­ten Teil des Beitrags stel­len wir Ihnen eine pas­sen­de Excel-Tabelle für Ihre eige­nen Berechnungen zur Verfügung.

Update: 04.08.2010
Erstveröffentlichung 06.02.2007

Lukas Schlömer

Lukas Schlömer ist ein pseudonymer Autor, der unter diesem Namen ausschließlich für Dr. Web schreibt.

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