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Gastautor 25. Februar 2008

You can say you to me – Was leistet ein Online-Übersetzer?

Kein Beitragsbild

von Sarah Greszat

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Jeder, der das Internet regelmäßig als Informationsplattform nutzt, stößt früher oder später auf Texte, die zwar die gesuchten Informationen enthalten, aber leider nur in einer Fremdsprache vorhanden sind. Hier erscheinen Online-Übersetzer als die perfekte Lösung, denn sie zeichnen sich durch eine leichte Bedienbarkeit und freie Verfügbarkeit aus.

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Doch bereits nach der ersten Nutzung wird einem meist klar, dass Online-Übersetzer von der Perfektion weit entfernt sind. Trotz allem sollte man diese Systeme nicht voreilig als nutzlos abstempeln. Mit etwas Vorarbeit lässt sich das Ergebnis wesentlich verbessern und reicht für Privatanwender in der Regel aus.

Die zunehmende Globalisierung, sowie Innovationen, wie beispielsweise das Internet, lassen den Bedarf an Übersetzungen ins Unermessliche steigen. Insbesondere aufgrund der immensen Kosten kommen menschliche Übersetzer hierfür jedoch nicht immer in Frage. Kostenlose Online-Übersetzer bieten eine gute Alternative und machen dem Menschen seit Mitte des 20. Jahrhunderts Konkurrenz. Bereits in den 1940er-Jahren träumten die Wissenschaftler von der maschinellen Übersetzung, die den Beruf des Übersetzers überflüssig machen sollte. Doch auch heute liegt dieser Traum in weiter Ferne, wie jeder Nutzer eines maschinellen Übersetzungssystems aus leidvoller Erfahrung bestätigen kann. Ohne eine gründliche Bearbeitung des Quell- und Zieltextes ist eine solche Übersetzung praktisch unbrauchbar. Daher benötigen Benutzer von Online-Übersetzern zumindest Grundkenntnisse sowohl in der Quell-, als auch in der Zielsprache.

Screenshot
Benutzeroberfläche des Online-Übersetzers von Abacho

Wie die Abbildung zeigt, besticht der Online-Übersetzer von Abacho durch ein funktionales Design, das eine simple Bedienung ermöglicht. Obwohl dieses Übersetzungssystem über zahlreiche Ausgangs- und Zielsprachen verfügt, befasst sich dieser Artikel ausschließlich mit dem Sprachpaar Englisch – Deutsch, da die englische Sprache das Internet dominiert und für Internetnutzer allgegenwärtig ist.
Anhand verschiedener Beispiele werden die Möglichkeiten und Grenzen eines Online-Übersetzers deutlich.

Schlagzeilen online übersetzen
Der Quelltext der Beispiele (1) und (2) besteht aus aktuellen Schlagzeilen und stammt von der Internetpräsenz des amerikanischen Nachrichtensenders CNN.

(1) U.S. recognizes independent Kosovo
Die Vereinigten Staaten erkennen das unabhängige Kosovo an

Das erste Beispiel zeigt, dass Online-Übersetzer durchaus in der Lage sind, korrekte Übersetzungen zu liefern. Simple und kurze Schlagzeilen stellen für den Übersetzer anscheinend kein Problem dar. Eine weitere Schlagzeile widerlegt dieses jedoch umgehend wieder.

(2) Is technology, once the music industry’s enemy, now a lifeline?
Ist Technologie, einmal der Musik-Industriefeind, jetzt eine Rettungsleine?

Obwohl es sich in Beispiel (2) ebenfalls um eine Schlagzeile handelt, treten bereits hier die ersten Probleme auf. Jeder Muttersprachler würde diese Übersetzung als Ergebnis einer maschinellen Übersetzung erkennen. Trotz sprachlicher Schwierigkeiten ist das System in der Lage, den englischen Satz so ins Deutsche zu übersetzen, dass der Sinn erfasst werden kann. Auch Personen, die über keinerlei Englischkenntnisse verfügen, wären somit in der Lage, den Inhalt der Schlagzeile zu verstehen.

Folglich zeigen schon diese beiden Beispiele, dass ein Online-Übersetzer die hochwertige Qualität eines menschlichen Übersetzers nicht erreichen kann und keine ernste Konkurrenz für diesen bildet. Den hohen Anforderungen an eine professionelle Übersetzung wird ein solches System nicht gerecht und bleibt für berufliche Zwecke unbrauchbar.

Online-Übersetzer erweisen sich aber im privaten Gebrauch als äußerst nützlich. In der Regel spielt die Qualität der Übersetzung eine untergeordnete Rolle, da der Nutzer bestrebt ist, den fremdsprachlichen Text zu verstehen. Dies können maschinelle Übersetzer in fast allen Fällen leisten und sind somit äußerst praktisch. Trotzdem gibt es auch zahlreiche Fehlerquellen, die zu teilweise amüsanten Ergebnissen führen können. Hierbei entstehen leicht Verständnisprobleme, die den Sinn des Quelltextes mitunter gravierend verändern. Kennt man häufige Schwierigkeiten von Online-Übersetzern, lässt sich eine Vielzahl der Fehler bereits im Vorfeld vermeiden.

Online-Übersetzer und Kontextabhängigkeit
Eine dieser Fehlerquellen ist die Kontextabhängigkeit. Für die maschinelle Übersetzung von verschiedenen Texten muss ein Übersetzungssystem in der Lage sein, den Kontext in die weitere Übersetzung eines Textes einzubeziehen. Schließlich gibt es in den meisten Texten Bezüge zu vorherigen Sätzen, die ebenfalls korrekt übersetzt werden müssen.

(4) Ich habe einen Hund. Er ist aus Spanien.
I have a dog. He is from Spain.

Anhand des Quelltextes aus Beispiel (4) wird ersichtlich, ob der Online-Übersetzer von Abacho über die Fähigkeit verfügt, den Kontext in die Übersetzung einzubeziehen. Das Ergebnis zeigt, dass dies hier nicht der Fall ist. Das System hat den Quelltext wortwörtlich übersetzt und daher für den zweiten Satz „Er ist aus Spanien.“ „He is from Spain.“ als Äquivalent ausgegeben. Auf den ersten Blick mag dieses Ergebnis richtig erscheinen, da jedes Wort korrekt übersetzt wurde. Betrachtet man jedoch den gesamten Zusammenhang, erkennt man die Fehlerquelle. Obwohl „he“ die Übersetzung für das deutsche „er“ bildet, ist dies in diesem Fall falsch, denn das Pronomen bezieht sich auf den Hund aus dem vorherigen Satz und müsste folglich mit „it“ übersetzt werden.

(5) Ich habe einen Hund. Er ist ein Bernhardiner.
I have a dog. It is a St Bernard.

Man könnte annehmen, dass in Beispiel (5) derselbe Fehler auftreten wird, weil hier eine identische Satzstruktur verwendet wurde. Jetzt liefert der Online-Übersetzer jedoch ein perfektes Ergebnis. Dies geschieht aber nicht, weil nun der Kontext korrekt erfasst wurde, sondern weil das System das Wort „Bernhardiner“ als Hunderasse identifizieren kann. Da Tiere im Englischen dem neutralen Pronomen „it“ zugeordnet werden, wird der Satz mit „It is a St Bernard.“ übersetzt.

Online-Übersetzer und Mehrdeutigkeiten
Jede Sprache verfügt über unzählige Mehrdeutigkeiten, die von einem maschinellen Übersetzungssystem erkannt und richtig interpretiert werden müssen. Zahlreiche Wörter haben in verschiedenen Kontexten unterschiedliche Bedeutungen und stellen somit eine große Fehlerquelle bei der maschinellen Übersetzung dar. Eines dieser Wörter ist das deutsche „vor“, weil es sowohl im zeitlichen, als auch im räumlichen Kontext stehen kann. Im Englischen gibt es jedoch für jeden der beiden Kontexte jeweils eine eigene Entsprechung.

(6) Vor der Schule gehe ich mit dem Hund spazieren.
Before school I go for a walk with the dog.

In Beispiel (6) steht das “vor” im temporären Kontext, denn man könnte alternativ auch “Bevor ich zur Schule gehe, gehe ich mit dem Hund spazieren.“ verwenden. Das englische Wort „before“ wird ausschließlich im zeitlichen Zusammenhang benutzt und bildet daher die korrekte Übersetzung.

(7) Vor der Schule steht ein Bus.
Before the school stands a coach.

Wird “vor” jedoch verwendet, um einen lokalen Kontext zu schaffen, bildet das englische “in front of“ die passende Entsprechung. Der Online-Übersetzer von Abacho hat hiermit anscheinend Probleme, wie das Beispiel (7) zeigt. In diesem Fall liefert das System erneut „before“ als Äquivalent für „vor“, obwohl diesmal kein temporärer Kontext besteht. Der Benutzer muss die Übersetzung also zusätzlich korrigieren, um ein brauchbares Ergebnis zu erhalten.

Das englische Verb „call“ erschwert den maschinellen Übersetzungsprozess ebenfalls, denn es ist auch mehrdeutig. Es kann sowohl für das deutsche „nennen“, als auch für das Verb „anrufen“ stehen. In Beispiel (8) wäre somit „anrufen“ die passende Entsprechung, da „Ich rief das Krankenhaus an.“ die korrekte Übersetzung darstellt. Im Gegensatz dazu, liefert Abacho für Beispiel (9) eine perfekte Lösung. In beiden Fällen wurde das englische „call“ mit „nennen“ übersetzt, obwohl es im Deutschen mehrere Übersetzungsmöglichkeiten gibt.

(8) I called the hospital.
Ich nannte das Krankenhaus.

(9) You can call me Tom.
Sie können mich Tom nennen.

Online-Übersetzer und komplexe Satzstrukturen
Neben der Kontextabhängigkeit und den Mehrdeutigkeiten stellen unter anderem komplexe Satzstrukturen ein enormes Hindernis für Online-Übersetzer dar. Lange, verschachtelte Sätze müssen richtig analysiert und interpretiert werden, bevor eine sinnvolle Übersetzung erstellt werden kann. Maschinelle Übersetzungssysteme müssen in der Lage sein, dies durchzuführen, denn allgemeinsprachliche Texte bestehen in der Regel nicht nur aus kurzen Hauptsätzen. Dies bildet jedoch insbesondere für frei verfügbare Übersetzungssysteme ein großes Problem und führt zu verfälschten Ergebnissen. Im folgenden Beispiel wird diese Problematik deutlich.

(10) Der Mann, den Peter im Bus gesehen hat, war der Lehrer seiner Tochter Susi.
The man whom Peter has seen in the coach was the teacher his daughter Susi.

Obwohl das Übersetzungssystem eine brauchbare Übersetzung erstellen konnte, ist diese nicht vollkommen richtig. Der Übersetzer hat am Ende des Satzes den Genitiv nicht erkannt und eine wortwörtliche Übersetzung vorgenommen. Im Englischen wird der Genitiv mithilfe von „of“ ausgedrückt, sodass das Ergebnis, wie folgt, lauten müsste: „The man whom Peter has seen in the coach was the teacher of his daughter Susi.“

Tipps für eine optimale Übersetzung
Wie die verschiedenen Beispiele gezeigt haben, eignen sich Online-Übersetzer vorwiegend für den privaten Gebrauch. Im professionellen Bereich empfiehlt sich die Anschaffung eines hochwertigen und kostenpflichtigen Übersetzungssystems, denn diese liefern deutlich bessere Ergebnisse. Privatanwender kommen in der Regel jedoch mit einem Online-Übersetzer aus, da hier das Textverständnis im Vordergrund steht. Damit es hierbei zu keinen gravierenden Fehlern kommt, müssen Sie einige Dinge beachten.

Sie sollten beispielsweise lange, verschachtelte Sätze vermeiden und stattdessen mehrere kurze Hauptsätze bevorzugen. Außerdem ist es empfehlenswert, auf Doppeldeutigkeiten zu verzichten und eindeutige Formulierungen zu verwenden. Grundsätzlich gilt: Je besser Ihre Sprachkenntnisse sind, desto besser können Sie das Übersetzungsergebnis beeinflussen, denn nur so können Sie eine umfangreiche Vor- und Nachredaktion vornehmen. Folglich kann man sagen, dass maschinelle Übersetzungssysteme nicht so schlecht sind, wie ihr Ruf, obwohl es noch ein weiter Weg bis zum perfekten Übersetzungssystem sein wird. ™

Weitere Online Übersetzer:

Erstveröffentlichung 25.02.2008

Ein Kommentar

  1. „Er/Sie hätte besser jemanden gefragt, der sich damit auskennt“ – dieser Spruch kommt uns Übersetzern immer wieder in den Sinn, wenn wir auf so offensichtliche Maschinenübersetzungen stoßen.

    Mal eine provokative Frage. Was würde ein Graphikdesigner sagen, wenn man ihm entgegenhält: „wozu brauche ich ein langes Studium, man kann doch einfach ein Foto einlesen und ein paar Photoshop-Filter drüberlaufen lassen, sieht prima aus, das!“ ;-)

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