Dieter Petereit 26. April 2013

Wunderlist Pro ist da! Wir zeigen Alternativen!

Seit Donnerstag, den 25.04.2013 ist sie endlich da – die Pro-Version des Aufgabenplanerchens Wunderlist. Seit 18 Uhr desselben Tages darf darüber berichtet werden. Das will ich hiermit gern tun. Denn vermutlich wird wieder einmal der Hype durch die Decke gehen. Da sollten wenigstens ein paar Redakteure die Ruhe bewahren. Lassen Sie uns mal gemeinsam schauen, was Sache ist…

Lese-Tipp –> Aufgabenverwaltung deluxe: Zoho Projects: Luxuriöses, aber nicht teures Aufgaben- und Projektmanagement für (fast) jeden Anwendungsfall

wunderlist-pro-teaser

Wunderlist Pro – Delegation von Aufgaben, Teilaufgaben anlegen

Mit dieser Überschrift lässt sich fast schon erschöpfend beschreiben, was die Pro-Version von der kostenlosen Variante unterscheidet. Für 4,49 € im Monat oder 44,99 € pro Jahr erweitert man Wunderlist um folgende Funktionen:

wunderlist
Wunderlist Pro: Jetzt auch mit Stadtfotos als Hintergrund…

Feature 1: Zuweisen von Aufgaben, auch delegieren genannt, an Team-Mitglieder.

Über anderen zugewiesene Aufgaben bleibt man auf dem Laufenden und kann den Status jederzeit im Blick behalten. Schon bisher konnte man Listen zugänglich machen. Das hatte allerdings den gravierenden Nachteil, dass die zur Kollaboration eingeladenen Personen Vollzugriff auf die jeweilige Liste hatten. Diese zu ändern, gar zu manipulieren, war kein Problem.

Zudem ging es tatsächlich nur um die Freigabe ganzer Listen. Das neue Feature der Pro-Version erlaubt die Delegation einzelner Aufgaben, was ein wesentlich geschäftstauglicheres Vorgehen darstellt als bislang möglich gewesen ist.

Feature 2: Teilaufgaben erstellen

Bislang kannte Wunderlist nur zwei Hierarchien, die Liste und darunter die Aufgabe. Mit der Pro-Version wird eine weitere Stufe unterhalb der Aufgabe eingeführt, nämlich die Teilaufgabe. Das ergibt in Kombination mit der Delegation der Aufgaben natürlich Sinn, denn so lassen sich ein Bündel von Teilaufgaben unter einer zu delegierenden Aufgabe aggregieren.

teilaufgaben
Wunderlist Pro: Aufgabe mit Teilaufgaben am Beispiel einer Einkaufsliste

Ohne die Möglichkeit der Bildung von Teilaufgaben konnte man auch bislang schon ähnliches abbilden, indem man schlicht die obere Hierarchiestufe zu Hilfe nahm. Da hätte dann eine Liste die Funktion der übergreifenden Aufgabe übernommen, alle Aufgaben wären Teilaufgaben gewesen. Wer also nicht echte Delegation benötigt und auf freundschaftliche Kollaboration setzt, kann getrost weiterhin die kostenlose Variante verwenden, ohne größere Einschränkungen zu verspüren.

Feature 3: Mehr Hintergrundbilder

Tja, was soll ich dazu sagen? Es ist ernsthaft als Feature der Pro-Version ausgewiesen, dass man eine Anzahl weiterer Hintergrundbildchen auswählen darf. Darunter findet sich der Alexanderplatz, Venedig und ein zugegebenermaßen niedliches Kätzchen, aber praktischer Nutzen?

Feature 4: Anhängen von Dateien

Noch nicht fertig ist das letzte Feature der Pro-Version – das Anhängen von Dateien an Aufgaben. Das soll aber ganz bald kommen.

Angekündigt werden seitens der Wunderkinder „weitere“ Features, konkrete Aussagen gibt es dazu jedoch bislang nicht. Man sollte sich also nicht zu sehr darauf verlassen. Um es mal rein rechtlich zu fassen: Wenn man die Pro-Version jetzt bucht, schließt man jedenfalls keinen Vertrag ab, der über die hier genannten Features hinaus einen Anspruch auf weitere begründet.

Um die Teamfeatures der Wunderlist nutzen zu können, müssen alle Teammitglieder Pro-Kunden sein. Ein Team mit fünf Mitgliedern kommt so auf 22,45 € monatlich oder 224,95 € im Jahr. Das ist schon ein hübsches Sümmchen für Features, die selbst ein langjähriger Mitarbeiter eines Sägewerks immer noch zuverlässig an einer Hand abzählen kann.

Wermutstropfen am Rande: Team-Accounts können nicht im Bündel erworben werden. Jeder Account muss einzeln upgraden. Größere Teams werden schon wegen dieser Unbill, verbunden mit dem Fakt, dass es lediglich die Möglichkeit der Kreditkartenzahlung gibt, mehrfach überlegen, den Schritt zu gehen. Nicht, dass mir nicht weitere Gründe einfielen…

Mit der Einführung der Pro-Version werden schrittweise auch die einzelnen Plattform-Clients neu ausgerollt. Vom Start weg dabei sind iPhone, iPad, Mac und Web. Android und Windows müssen erneut warten.

Wunderlist Pro – die Alternativen

Aufgabenplanung ist keine Raketenwissenschaft. Das galt schon vor vier Jahren, als ich den Artikel „Aufgabenplaner Online – eine nicht ganz vollständige Liste“ für das Dr. Web Magazin schrieb. Und das gilt mit den Möglichkeiten heutiger Technik natürlich noch viel mehr. Wer sich also für Alternativen zu Wunderlist interessiert, sollte den eben genannten Beitrag ruhig mal lesen. Die wichtigsten Alternativen aus meiner Sicht sind:

Producteev – Arbeitsbereiche mit unlimitierten Nutzern

Producteev ist ebenfalls eine sehr moderne und ansehnliche Variante eines aufgebohrten Aufgabenplaners. Es gibt native Apps für die gängigen Plattformen, die sämtlich kostenlos sind. iPad-Nutzer kommen allerdings nicht in den Genuss einer angepassten Optik und müssen mit derjenigen des iPhone vorlieb nehmen.

producteev
Producteev | Web App

Producteev ist für den Einzelkämpfer und einen weiteren Mitstreiter komplett kostenlos verwendbar. Bei Producteev wird nicht pro Nutzer bezahlt, sondern lediglich pro Arbeitsbereich, sofern dieser mehr als zwei Mitglieder beherbergen muss. Einen Arbeitsbereich kann man sich als Projekt vorstellen, an dem man gemeinsam arbeitet. Einen Arbeitsbereich kann man sich aber genauso gut auch als Firma oder entferntes Team vorstellen, in der/dem man gemeinsam arbeitet.

Innerhalb eines Arbeitsbereiches lassen sich Aufgabenbündel mittels sog. Etiketten voneinander trennen. Auf diese Weise kann man Listenfunktionalität erreichen und die Aufgaben strukturieren. Gut an dieser Art der Organisation finde ich zudem, dass auf diese Weise eine Aufgabe in mehreren „Listen“ stecken kann. Jede Aufgabe kann Unteraufgaben erhalten und jede Aufgabe lässt sich an andere Teammitglieder delegieren. Ebenfalls gegeben ist die Möglichkeit, Dateien an Aufgaben zu hängen. Der Speicherplatz hierfür ist bei freien Arbeitsbereichen auf 500 MB begrenzt, in bezahlten Arbeitsbereichen ist der Speicherplatz unbegrenzt.

Einen bezahlten Arbeitsbereich lässt sich Producteev mit 20 USD, aktuell etwas über 15 € im Monat, oder 220 USD, mithin rund 170 € im Jahr vergüten. Das scheint auf den ersten Blick nicht so fürchterlich weit von Wunderlist Pro weg zu sein, aber

  • Producteev erlaubt unlimitiert viele Teammitglieder, schon ab vier Teilnehmern ist Producteev billiger als Wunderlist.
  • da der Arbeitsbereich bezahlt wird und nicht der User, muss nicht jeder User ein Pro-Kunde sein, wie es bei Wunderlist der Fall ist.
  • das Bezahlprozedere kann bei Producteev zentral erledigt werden.
  • Producteev hat bereits jetzt eine funktionierende Dateiverwaltung.

Bleibt auf der Negativseite nur zu nennen, dass man auch Producteev nur mit Kreditkarte buchen kann. Ach ja, Katzenbildchen als Hintergrund gibt es hier ebenfalls nicht…

Toodledo – moderate Kosten und Anbindung an weitere Software

Toodledo ist ursprünglich ebenfalls als kostenloser Aufgabenplaner entstanden. Um ihn mit Wunderlist Pro zu vergleichen, müssen wir allerdings die kostenpflichtige Variante zur Beurteilung heranziehen.

toodledo
Toodledo Web App | Nicht hübsch, aber funktional

Für USD 29,95 – entsprechend rund 23 € – im Jahr bietet Toodledo 10 GB Dateispeicherplatz, die Möglichkeit zur Kollaboration und die Fähigkeit, Unteraufgaben anzulegen. Damit kommt das Featureset demjenigen von Wunderlist Pro nah, mit der Ausnahme, dass auch hier die Dateiablage-Funktion bereits existiert. Bei Toodledo muss, wie bei Wunderlist, jedes Teammitglied einen eigenen Pro-Account haben, damit die Kollaboration gewährleistet ist.

Dennoch spricht die Preissituation auch hier eine deutliche Sprache. Keine 2 Euro im Monat werden pro Teammitglied fällig…

Zusätzlich verfügt Toodledo, wie Producteev, über die sehr zuverlässig funktionierende Möglichkeit, E-Mails als Aufgaben anzulegen, indem man sie schlicht an den Dienst weiterleitet. Diese Funktionalität nutze ich täglich. Sie ist bei Wunderlist zwar vorhanden, aber anders gelöst.

Während man bei Toodledo an eine dedizierte Mail-Adresse schreibt, egal von welchem eigenen Konto aus, können Aufgaben in Wunderlist nur per Mail von dem Account gesendet werden, der Accountholder bei Wunderlist ist. Zwar löst auch Producteev das ähnlich wie Wunderlist, erlaubt aber in den Optionen beliebig viele Mailaccounts zu hinterlegen, von denen Aufgaben gesendet werden dürfen. In meinem Fall, mit vier aktiven E-Mail-Adressen, ist Wunderlist nicht ohne umständliches Hin- und Hersenden zwischen den Accounts so nutzbar.

Toodledo bietet keine schönen Hintergründe, die Usability ist gut, aber nicht elegant. Wer es schön will, sollte sich die App 2Do ansehen, die mit Toodledo synchronisieren kann und für iOS, Android und Mac OS verfügbar ist.

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2Do | Hier in der Variante für Mac OS

Im Stile eines echten Aufgabenplaners aus edlen Materialien – ja, ich mag Skeuomorphismus – präsentiert 2Do die Aufgaben noch schöner als Wunderlist – zumindest nach meiner bescheidenen Meinung. Die Apps sind kostenpflichtig. Am schmerzlichsten kneift der Kauf der Mac App mit 29,99 € ins Zwiebelleder. Die Apps für Android (6,62 € / keine Tablet-Optimierung) und iOS (8,99 € / Universal) sind da schon günstiger erhältlich…

Was sollen wir nun kaufen?

Eben stellte ich Ihnen zwei Aufgabenplaner vor, die in meinem Alltag ihren Platz haben. Viele weitere habe ich in dem weiter oben genannten Artikel zusammen getragen.

Producteev ist in sich moderner gestaltet und bietet für mittlere bis größere Teams natürlich ein unschlagbares Preis-Leistungs-Verhältnis. Toodledo nutze ich schon länger, allerdings nahezu ausschließlich über die genannten 2Do-Apps und in der kostenlosen Variante des Dienstes.

Wunderlist Pro ist optisch beiden Alternativen überlegen, sofern man Optik als „Schönheit“ definiert. Von der Usability her sehe ich in der „Schönheit“ der Wunderlist-Apps keinerlei Vorteile.

Funktional und vor allem preislich können die genannten Alternativen ganz locker mithalten. Producteev ist sogar ein ganzes Stück leistungsfähiger und deutlich billiger.

Natürlich ist Geschmack auch eine in Geld zu bewertende Größe. Wer also eigentlich gar keine Aufgabenverwaltung benötigt, aber trotzdem eine haben will, weil sie so schön aussieht, der kann bedenkenlos zu Wunderlist (Pro) greifen…

Weitere Links zum Beitrag

  • Produktseite | Wunderlist.com
  • Ideen, Aufgaben und mehr verwalten mit Wunderlist (von Jan Tißler) | Upload Magazin
  • Wunderlist – Hype, Anspruch und Wirklichkeit der Aufgaben-App (von Dieter Petereit) | T3N Magazin

Dieter Petereit

Dieter Petereit

ist seit 1994 im Netz unterwegs, aber bereits seit über 30 Jahren in der IT daheim. Seit Anfang des neuen Jahrtausends schreibt er für diverse Medien, hauptsächlich zu den Themenfeldern Technik und Design.
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17 Kommentare

  1. Hallo,
    kleiner Hinweis: Producteev ist inzwischen (seit Mitte 2013) vollständig kostenlos (auch >2 Teilnehmern)! Danke für den Hinweis auf diese kostenlose Alternative.
    Grüße Thomas

  2. Smartsheet ist eine tolle und sehr einfach zu bedienende PM und mehr. IOS App gibt es ebenfalls.
    VG

  3. Sobald Evernote endlich eine vollständige „Checkliste“ anbietet wird sich Evernote am Markt noch weiter durchsetzen. Die bereits vorhandene Checkliste ist doch noch eher mager ausgestattet. Zwar gibt es bereits in der Beta-Version eine Erinnerungsfunktion doch an die Wunderlist kommt Evernote _noch_ nicht ran.

    • Hallo – kennt und arbeitet jemand mit 2do und Toodledo – das ist eigentlich sehr gut – auch plattformübergreifend – klasse APP – aber Dokumente kriegt man nicht wirklich angehängt an 2do oder wie macht ihr das ?

  4. Dieser Artikel zeigt noch mal sehr schön, wie mager das Paket von Wunderlist Pro eigentlich ausgefallen ist…

    Die Möglichkeit Teilaufgaben zu erstellen, war übrigens auch schon vor Wunderlist Pro möglich.

  5. Ich würde auf jeden Fall Asana erwähnen.
    – preislich genial (0-30 Teammitglieder kostenlos)
    – viele gute Features
    – übersichtlich!

  6. Anbei habe ich eine kleine Anleitung gefunden wie Ihr die Hintergrundbilder in eueren normalen Account einstellen könnt. http://cl.ly/Oaha

  7. Ich mag Trello sehr gerne (http://trello.com).

    Ist kostenlos und wird es bleiben. iPhone/iPad/Android/Win8-Apps vorhanden. Sonst per Browser.

    Man kann „Cue Dates“ einstellen, Kommentare abgeben, Labels vergeben, Delegieren und man kann Organisationen anlegen, so dass man Team-Mitglieder nicht einzeln hinzufügen muss. Usw. Usf.

    Wurde hier schon mal einzeln vorgestellt:
    http://www.drweb.de/magazin/trello-kostenloses-projektorientiertes-kollaborationstool-nicht-nur-fur-teams-34496/

  8. Und was ist mit Platzhirsch „Things“? Ich bin nicht ganz auf dem Laufenden, aber wurde das Dingens jetzt von den anderen abgehängt?

  9. Gute Gegenüberstellung! Danke, besonders für den Hinweis mit den Katzenbildern ;) Mal ne Frage in die Runde: Hat jemand mit Teambox.com Erfahrungen? Das ist auch so ein Collaboration-Tool. Sieht wirklich einfach zu bedienen aus. Wie würdet ihr das in diesem Kontext einordnen?

  10. Danke, dass Du den Hype um das Unding Wunderlist hinterfragst. Sieht alles wunderschön aus, aber eben mehr nicht.
    Ich persönlich (und auch bei uns in der Bude) verwenden wir todoyu. Ist Open Source, lässt sich somit kostenlos installieren und erweitern. Ziemlich mächtig das Teil. Einziger Wehrmutstropfen: Es gibt (noch) keine auf Mobile Geräte optimierte Version.

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