WordPress: SaaS als Geschäftsmodell für Plugin-Entwickler

Dieter Petereit

ist seit 1994 im Netz unterwegs, aber bereits seit über 30 Jahren...

Der SaaS-Trend insgesamt ist seit Jahren ungebrochen. Dem Entwickler gefällts, dem Nutzer weniger. Jetzt schwappt der Trend mehr und mehr auf die Entwickler von WordPress-Plugins über. Wir schauen, wo die Vor- und Nachteile liegen.

WordPress-Plugin als SaaS: nicht völlig neu

Mit Sicherheit kennst du eines der ältesten Saas-Plugins in WordPress, nämlich Akismet. Akismet verbindet auf der Seite des in deinem Blog installierten Plugins lediglich dein Blog mit der API des Spam-Verhinderers aus dem Hause Automattic.

Akismet: SaaS-Veteran aus dem Hause Automattic. (Screenshot: Dr. Web)

Die gesamte Logik, im speziellen der Algorithmus, der die Spamerkennung leistet, läuft nicht auf deinem Blog. Das ist auch gut so, denn die Performance deines Servers würde vermutlich deutlich leiden, wenn es anders wäre. Zudem wäre die Logik des Spamerkenners ziemlich angreifbar, wenn man sie lediglich aus dem Plugin-Code per Reverse Engineering rausoperieren müsste. Auch VaultPress, das Backup-Plugin aus dem gleichen Hause, arbeitet als SaaS, in Langform „Software as a Service”.

SaaS im Allgemeinen: Ein Konzept setzt sich durch

SaaS-Lösungen bieten generell den Vorteil größerer Kosteneffizienz bei größeren Installationen. Anstelle einmaliger Lizenzgebühren pro Nutzer zahlt der Kunde deutlich niedrigere monatliche Nutzungsgebühren, die sich durchaus über ein oder zwei Jahre insgesamt auf die vormals erhobene Kaufgebühr summieren oder diese sogar übersteigen können. Dafür ist die monatliche Belastung niedrig. Zumeist enthalten die Gebühren auch die fortlaufende Pflege, also funktionale Updates und Erweiterungen, sowie den erforderlichen Support. So erhält der Kunde ein stets aktuelles Produkt.

Da der Kunde in der Regel nur einen kleinen Teil der Funktionalität der SaaS-Lösung tatsächlich lokal laufen lassen muss, können so auch Anwendungen realisiert werden, die besonderer Rechenleistung bedürfen. Hierzu bedienen sich die SaaS-Anbieter dann skalierbarer Plattformen, wie etwa der Amazon Web Services oder Microsofts Azure. Diese Plattformen sorgen dafür, dass Leistung und Speicherplatz nahezu unbegrenzt skalieren können – eine Eigenschaft, die der heimische Rechner so nicht aufweist. Auf diese Weise kann die Anwendung nahezu beliebig leistungsfähig werden, weil ihr keine physikalischen Limits auferlegt sind.

Kunden begegnen dem Konzept teilweise dennoch mit eher gemischten Gefühlen. Zu verbreitet erscheint noch der Wunsch, etwas im Eigentum zu haben, für das man bezahlt. Allerdings wird dieser Wunsch in den letzten Jahren nicht zuletzt durch den Siegeszug der Streamingdienste im Medienbereich zunehmend aufgeweicht. Das Problem besteht heutzutage eher im privaten Bereich, wo es vielen potenziellen Kunden nach wie vor generell lieber ist, eine Einmalzahlung zu leisten, als jeden Monat aufs neue zahlen zu müssen.

Als objektive Nachteile aus Kundensicht lassen sich die Notwendigkeit einer ständigen und stabilen Internetverbindung, sowie die damit verbundenen Sicherheitsbedenken formulieren. Auch ein Totalausfall bei Insolvenz des SaaS-Gebers ist nicht vollkommen von der Hand zu weisen.

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SaaS: eine Internetanbindung sollte zuverlässig stehen. (Foto: Pixabay)

Der SaaS-Anbieter hingegen freut sich zunächst über eine bessere Kontrolle über sein Produkt, sowie die Möglichkeit, jederzeit Änderungen und Verbesserungen implementieren zu können, ohne dabei Updatezyklen einhalten zu müssen. Insgesamt hat der Anbieter deutlich mehr Hoheit über sein Produkt als zuvor. Durch den Ausbau seiner Lösung besteht stets die Möglichkeit des Upselling, also des Unterbreitens von zusätzlichen Angeboten an die bestehenden Kunden.

Nicht zu unterschätzen ist der Liquiditätseffekt der SaaS-Lösung. Kunden zahlen über einen Zeitraum X regelmäßig ihre Nutzungsgebühren. Zahlen dieser Art freuen jede Bank und geben Planungssicherheit für die jeweils gezeichneten Zeiträume. Auf der anderen Seite muss der SaaS-Anbieter jedwede Investition in die eigene Infrastruktur aus den Nutzungsgebühren tätigen. Das ist gerade zu Beginn ein nicht zu unterschätzendes Risiko, das beim Verkauf von Einzellizenzen überhaupt nicht existiert.

WordPress und SaaS: WTF?

Wie bereits erwähnt, ist SaaS auch bei WordPress-Plugins kein völlig neues Konzept. Und in der Tat kann das Modell für viele kommerzielle Plugins Sinn ergeben, für andere hingegen weniger. Generell erlaubt das SaaS-Modell leistungsfähigere Funktionsaufsätze als das bisherige Modell der Installation einer Handvoll PHP-Files mit dem kompletten Programmcode. Das dürfte wohl unstreitig sein.

Es scheint mir aber insbesondere das Konzept der „rentengleichen Leistung” zu sein, das die Attraktivität der Lösung für WordPress-Entwickler ausmacht. Natürlich ist es ein Stück weit unfair, von rentengleicher Leistung zu sprechen, denn das impliziert ja eine leistungslose Bezahlung. Bei einem SaaS-PLugin ist der Entwickler im Zweifel stärker beschäftigt als er es zuvor war. Denn bei monatlicher Zahlung erwarten die Kunden auch einen kontinuierlich hohen Gegenwert. Nichtsdestotrotz ist die Perspektive, monatlich bezahlt zu werden, eine, die auch den entwickelnden Freelancer verständlicherweise zunehmend fasziniert.

Was ist dran an der Idee, WordPress-Plugins als SaaS-Lösung zu konzipieren?

Wiederkehrende Einnahmen

Eine monatliche Gebühr für die Nutzung summiert sich übers Jahr schnell zu einem hübschen Sümmchen auf, das du möglicherweise nicht als Einmalzahlung hättest durchsetzen können. Es ist sehr wahrscheinlich, dass du mit dem SaaS-Modell mehr für dein Plugin bekommst, als es zuvor der Fall war. Erstmals bist du in der Lage, eine saubere Liquiditätsplanung zu machen. Rechne dir einfach aus, wie viele Abonnenten du benötigst, um deine Jahreskosten zu decken. Das hat schon was.

MIttels Upselling kannst du bestehende Kunden einfacher auf teurere Pläne upgraden, als das beim Einzelverkauf der Fall wäre, denn durch die stete Zahlung sinkt beim Kunden die Hemmschwelle für die Kostenentscheidung. Wesentlich leichter ist es daher auch, Preiserhöhungen durchzusetzen, denn diese können in der Regel überaus moderat ausfallen und dir in Summe dennoch eine nenneswerte Umsatzsteigerung bescheren.

Durch den Abonnentenstatus deiner Kunden fokussiert du dich automatisch stärker auf den Bestand als auf das Neukundengeschäft, während letzteres ohne Abomodell eigentlich dein einziges ist. Dadurch wird dein Produkt fast automatisch besser, denn du willst deine Saas-Kunden schließlich behalten und musst ihnen deshalb stets Gründe liefern, das Abo nicht zu kündigen.

Geld verdienen durch Zeitablauf – ganz so einfach ist es nicht. (Foto: Pixabay)

Schutz vor Piraterie

Du gibst deinen Code nicht aus der Hand und bist von daher sicher, dass ihn dir niemand klauen kann. Das ist ein essenziell wichtiger Faktor, wenn du Plugins erstellst, um davon leben zu können. Reverse Engineering ist bei Plugins keine Kunst, bei „echter Software” sieht das nochmal ganz anders aus.

Einfachere Entwicklung

Du machst was du willst und wann du es willst. Deine Kunden freuen sich höchstens, wenn du hyperaktiv neue Features raushaust. Niemand muss sich mehr Updates installieren und du brauchst nicht auf die Sicherheit alter Versionen zu achten. Das Leben kann so einfach sein.

Ebenso wird es dir gefallen, dass die einzige wichtige Umgebung, auf der deine SaaS laufen muss, der Cloudserver ist, den du dafür verwenden willst. Es ist erstmals vollkommen wurscht, welche Umgebungsvoraussetzungen deine Kunden mitbringen – ein Traum.

Feedback und Nutzungsdaten

Bislang hast du keine Ahnung von deinen Kunden. Du weißt nicht, wo dein Plugin eingesetzt ist. Du weißt nicht, wie groß die Seite ist, auf der es Dienst tut. Du weißt nicht, ob es fehlerfrei funktioniert und ob die auftretenden Fehler kritisch sind oder nicht. Im Grunde weißt du gar nichts, außer, dass du es verkauft hast.

Das sieht natürlich völlig anders aus, wenn du dein Plugin als SaaS konzipierst. Dann verfügst du über all das, über das du bislang nicht verfügt hast. Und es ist ja auch nicht unwichtig. Es handelt sich um eine Art automatisches Feedback aus Nutzungsdaten. Du kannst erkennen, wo dein Plugin schwächelt oder auf andere Weise nicht leistet, was es soll. Dadurch, dass du vom Zwang zu immer mehr Neukundengeschäft befreit bist, kannst du dich zudem wieder auf bestehende Kunden und deren Probleme fokussieren.

Genauso wichtig ist aber ein ganz anderer Aspekt. Du erhältst nämlich Zielgruppenmetriken. Du hast mehr als bloße Adressen zur Verfügung. Du kannst quasi in die Bedürfnislagen deiner potenziellen Kunden hineinblicken und dein Produkt auf gesicherter Datenbasis fortentwickeln. Das fängt schon damit an, dass du siehst, welche Art von Website dein Plugin typischerweise verwendet und in welchem Umfang. Es würde mich nicht wundern, wenn du da ein/zwei Features bei entdecken würdest, die keiner jemals nutzt. Dann solltest du die Frage beantworten, warum das so ist. Ist die Funktion vielleicht einfach nicht gut genug konzipiert?

Ebenso erkennst, wenn dein Plugin plötzlich nicht mehr läuft. Ist der Kunde vor dem Absprung oder hat er bloß ein technisches Problem. In jedem Falle kannst du proaktiv mit der Information umgehen.

Was spricht gegen die Idee, WordPress-Plugins als SaaS anzubieten?

Es gibt natürlich Plugins, wie das bereits genannte Akismet, die kannst du gar nicht nicht als SaaS umsetzen, wenn du nicht große Kompromisse hinsichtlich Leistungsumfang und Performance eingehen willst. Das Phänomen betrifft aber nicht die größere, sondern eher die weitaus kleinere Zahl denkbarer Plugins. Von daher ergibt sich in der Vielzahl der Fälle durchaus die Situation, in der man die oben bereits angeführten Vorteile den Nachteilen gegenüberstellen und abwägen muss.

Im SaaS und auf hoher See, sind wir alle in Gottes Hand (Abwandlung). (Foto: Pixabay)

Risiko der Kundenakzeptanz in preislicher Hinsicht

Ein Plugin zu mieten, wird nicht jedermann gefallen. Du brauchst also eine ausgezeichnete Kommunikationsstrategie, wenn du potenzielle Käufer von deinem Produkt überzeugen willst. Das ist zwar eine generelle Wahrheit, die immer gilt. Wichtig ist aber auch, dass dir dein Produkt erlaubt, eben eine solche Strategie glaubhaft zu entwickeln.

Wenn du ein exotisches Plugin entwickelt hast, dass es deinen Kunden erlaubt, ein abseitiges Dateiformat zu importieren, mithin eine Tätigkeit durchzuführen, die vielleicht einmal im Jahr vorkommt, wird es dir schwerfallen, eine plausible Strategie zu finden, die zu einem dauerhaften Zufluss an Finanzmitteln führt. Hier solltest du eher identifizieren, wo die Zielgruppe ist, die dieses Plugin benötigt und es ihr dann per Einmalkauf verkaufen.

WordPress ist auch deshalb so schnell so groß geworden, weil es zwei wesentliche Vorteile besitzt, die unabhängig von der konkreten Leistungsfähigkeit für sich stehen. Es ist kostengünstig, im Sinne von kostenlos. Das ist ein Riesenargument für die meisten Blogger. Und zum anderen erlaubt es WordPress, die eigene Website bei sich selbst zu behalten. WordPress ist damit eine Art Gegenentwurf zu den sozialen Netzen und gehosteten Diensten, bei denen du deine Inhalte in fremde Hände gibst.

Der durchschnittliche WordPress-Selbsthoster wird also tendenziell eher daran interessiert sein, seine Inhalte, seine Website zu „besitzen“ und den weitestgehenden Einfluss darauf zu haben. Da sind lokal installierte Plugins mit vollem Funktionsumfang natürlich sympathischer. Denn bei SaaS gibst du als Seitenbetreiber wieder etwas nach außen. Diese Denke bestsht ganz unabhängig von der Frage des Datenschutzes.

Hinter dem Gedanken, eine eigene WordPress-Installation zu hosten und nicht etwa das Angebot von WordPress.com, gegebenenfalls bezahlt, zu nutzen, steckt vielfach eine Heimwerker-Geisteshaltung. Solchen WordPressern geht es möglicherweise nicht nur, aber auch um das Basteln, den Lernaspekt und die eigene Fortentwicklung.

Dass das ein Massenphänomen ist, sehen wir hier bei Dr. Web ganz eindeutig daran, dass Beiträge zum Handling von WordPress besonders gut laufen. Auch Webhoster widmen der Benutzung von WordPress teils eigene Blogs, weil sie den Bedarf erkennen. In den Kommentaren outen sich dann vielfach Strick-, Näh-, Fashion-, Fitness- und was nicht alles für Blogger, die Spaß an ihrem Hobby oder (Neben)beruf haben, und sich mehr notgedrungen mit WordPress-Interna oder dem möglichst günstigsten WordPress-Hosting befassen.

Risiko der Kundenakzeptanz mit Blick auf den Datenschutz

Wenn dein Plugin Daten verarbeitet, dann geschieht das bislang zwingend auf den Servern deiner Kunden. Das ist für dich im Grunde gut, denn damit musst du dich um Prozessorleistung und Speicherplatz nicht kümmern. Wohingegen du derjenige bist, der AWS oder Azure oder einen anderen Plattformdienstleister bezahlt, wenn du deine Plugins als SaaS betreibst.

Je nachdem, um welche Daten es sich handelt, werden sich deine Kunden in Zeiten von Snowden nur dann wohlfühlen, wenn klar erkennbar ist, wer die Daten wo zu welchem Zwecke speichert. Ein deutscher Serverstandort dürfte die Akzeptanzschwelle senken, ein gewisses nagendes Misstrauen könnte bleiben. Diese psychologische Frage kannst du kaum beeinflussen. Sie beeinflusst aber den Absatz deines Plugins potenziell stark.

Diese Plugins funktionieren bereits als SaaS

Wenn du dich gedanklich mit dem Thema befasst, kann es hilfreich sein, sich einmal ein paar Beispiele von Plugins anzuschauen, deren Entwickler schon auf das SaaS-Modell umgestiegen (oder von vornherein drauf eingestiegen) sind. Die folgenden Exemplare dürften zu den erfolgreichsten ihrer Gattung gehören. Da ich Akismet und VaultPress aus dem Hause Automattic weiter oben schon erwähnt habe, findet du diese Plugins in der folgenden Liste nicht noch einmal.

OptinMonster

OptinMonster startete 2013 als reines WordPress-Plugins für Selbsthoster. Die Aufgabe des Tools besteht darin, Email-Adressen zu sammeln, vornehmlich wohl für Newsletter-Abonnements, letztlich aber obliegt die Zieldefinition lediglich der Fantasie des Einsetzenden. Schnell wurde den Entwicklern deutlich, dass die Technologie in Abhängigkeit von den technischen Rahmenbedigungen des jeweiligen WordPress-Hostings schneller an ihre Grenzen stoßen kann, als zunächst gedacht. Neben der variierenden Performance machten vor allem Plugin- und Theme-Konflikte den Support schwierig.

OptinMonster Landing Page (Screenshot: Dr. Web)

Seit Ende 2015 ist OptinMonster nun eine SaaS, die auf beliebigen Websites und CMS genutzt werden kann, natürlich auch in WordPress. Das entsprechende WordPress-Plugin gibt es immer noch, ist aber nur noch das individuelle Kontrollzentrum und die Datenschnittstelle für die in der Cloud laufende Basistechnologie.

Jetpack

Jetpack ist das Plugin aus dem Hause Automattic, das die Funktionen von WordPress.com, der gehosteten Variante der Blog-Software, auch den Nutzern der selbstgehosteten Version zugänglich macht. Wir berichteten schon desöfteren über den Funktionsboliden, vor allem im Zusammenhang mit dem europäischen Datenschutz. Nichtsdestotrotz ist Jetpack ein hervorragendes Beispiel für eine SaaS-Lösung in Gestalt eines WordPress-Plugins.

Jetpack Landing Page (Screenshot: Dr. Web)

Unter der Haube des Jetpack-Plugins vereint Automattic mittlerweile mehr als drei Dutzend sogenannte Module, jedes mit einem eigenen Funktionsbereich. Inzwischen steht hinter Jetpack ein Geschäftsmodell, nachdem das Tool jahrelang kostenlos verteilt wurde. In verschiedenen Preiskategorien schraubst sich der Monatsbetrag nach oben, bis du in der höchsten Stufe, dem Jetpack Professional, runde 300 USD im Jahr aufwenden musst. Dafür verspricht dir Automattic allerdings eine rundum sichere, performante Website mit allem Komfort. Das Hosting ist indes nocht inkludiert.

Jetpack ist ein Hybrid aus SaaS-Elementen und Modulen, die lokal laufen. Dabei konzentrieren sich die SaaS-Elemente auf Dinge, die per API auf einem dedizierten Server besser aufgehoben sind. Da geht es um das leistungsintensive Spamfiltering, das performancelastige Real-Time-Backup oder das CDN, das deinen Server von bandbreitenhungrigen Dateien, wie etwa Videos, entlastet. Auch das Berechnen der Anzeige von „Related Posts“ bedarf mehr Leistung als der unbedarfte WordPress-Nutzer erwarten würde.

Caldera Forms

Auch Caldera Forms startete als reines WordPress-Plugin. Eines der Hauptfeatures zum Start war die Umwandlung von Formularinhalten in PDF nebst Speicherung selbiger. Das funktionierte nur da gut, wo die technischen Voraussetzungen der jeweiligen WordPress-Installation auf einem professionellen Level waren. Auf Shared Space verhielt sich das Plugin unvorhersehbar.

Caldera Forms Landing Page (Screenshot: Dr. Web)

Der Umstieg auf ein SaaS-Modell konnte dieses und einige andere Probleme mit Leichtigkeit lösen, weil der entsprechende Server hinsichtlich Konfiguration und allgemeiner Leistungsfähigkeit der Gestaltung durch das Caldera-Team unterliegt. Anstatt sich der unberechtigten Kritik auszusetzen, das Prdukt tauge nichts, nahm man lieber die Schaffung der tauglichen Voraussetzungen in die eigenen Hände.

Imagify

Imagify ist ein Cloud-Service, der das Web leichter machen will, indem er Bilder so weit komprimiert wie irgend möglich. Bildkompression wiederum ist ein leistungsintensives Geschäft. Das weiß jeder, der schon mal eine Reihe von Bildern am Stück hat verkleinern müssen. Du brauchst Geduld.

Imagify Landing Page (Screenshot: Dr. Web)

Imagifys WordPress-Plugin bildet die Schnittstelle zum SaaS-Part von Imagify. Du lädst die Bilder wie gewohnt in deine Website, Imagify greift sie sich, komprimiert sie optimal und legst sie mittels des Plugins in deiner Mediathek ab.

Weglot

Weglot ist eine SaaS, die in der Lage ist, deine Website von einer beliebigen Sprache in eine beliebige andere Sprache zu übersetzen. Dabei kannst du entweder selber die anzuzeigenden Übersetzungen beisteuern, wie bei einem herkömmlichen Multi-Language-Plugin. Oder du lässt Weglots Algorithemen freie Hand und die SaaS vollkommen selbständig übersetzen.

Weglot Landing Page (Screenshot: Dr. Web)

Siri, Cortana, Google Assistant, Alexa – sie alle arbeiten hinsichtlich ihrer Spracherkennungsfeatures mit der Cloud. Die mobilen Geräte bieten nicht die Leistungsfähigkeit, die die Sprachverarbeitung bedarf. So ähnlich sieht es in Weglots Arbeitsbereich aus. Wenn du die Übersetzung nicht beisteuerst, was du ja schlechterdings auch nicht für alle denkbaren Sprachen tun kannst, muss Weglot möglichst in Echtzeit ran. Dazu reicht das Plugin die Inhalte an die SaaS weiter.

Fazit: WordPress-Plugins als Saas? Ja, aber…

Es dürfte klar geworden sein, dass die Idee, WordPress-Plugins als SaaS anzubieten, weder eindeutig spitzenmäßig, noch eindeutig dämlich ist. Wie immer, liegt die Wahrheit dazwischen und hängt stark von den Faktoren des Einzelfalls ab. Generell kann man wohl sagen, dass das Pendel umso stärker in Richtung SaaS schwingt, je funktionsreicher das Plugin wird. Wenn dann noch Aspekte des Machine Learning dazu kommen, wie bei Akismet, geht an SaaS kein Weg vorbei. Ganz generell gilt es, alle hier genannten Aspekte jeweils auf die eigene Idee zu beziehen und dann gegeneinander abzuwägen.

Kunden sollten sich klar machen, dass ein Plugin auf SaaS-Basis ein potenziell sichereres und besser auf die Kundenbedürfnisse angepasstes Stück Software ist. Das sind gravierende Vorteile, die schwer gegen die gefühlten Nachteile wiegen.

Wenn du dir einen sanften Einsteig in die SaaS-Welt vorstellen kannst, solltest du auf jeden Fall mal Freemius besuchen. Die bieten dir als Plugin- und Theme-Entwickler quasi ein Schmalspur-Saas out of the box.

Weiterführende Lesetipps:

      • The Problem in WordPress – Musings on Plugins & SaaS | Chris Lema
      • WordPress Plugins: SAAS! Gota Go SAAS. Right Brah? | Josh Pollock
      • Careful! This Simple Pricing Experiment Cost Us $2,000 in Revenue | Freemius
      • 8 Awesome WordPress Web Apps Paving the Way for WordPress as a SaaS Platform | Elegant Themes
      • 3 reasons software as a service (SaaS) is the future for WordPress developers | GoDaddy Blog
      • Converting a WordPress Plugin into a SaaS (Our Journey) | Syed Balkhi
      • The Rise of SaaS WordPress Plugins | Element 502

Dieter Petereit

ist seit 1994 im Netz unterwegs, aber bereits seit über 30 Jahren in der IT daheim. Seit Anfang des neuen Jahrtausends schreibt er für diverse Medien, hauptsächlich zu den Themenfeldern Technik und Design. Man findet ihn auch auf Twitter und Google+.

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1 Kommentar auf "WordPress: SaaS als Geschäftsmodell für Plugin-Entwickler"

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Winni
Gast

Hallo Dieter, wie immer ein Bombenbeitrag von dir. Ich denke, es braucht noch ein bißchen zeit, bis Saas und WordPress von der Allgemeinheit akzeptiert werden. Ist ja immer so,wenn etwas neu ist, doch ich denke, dass die Vorteile (wie du es ja auch serh gut beschrieben hast) überwiegen.

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