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Lukas Schlömer 30. Juni 2010

Steuernummer hoch 6: Welche Steuer-ID für welchen Zweck?

Angesichts immer neu­er Steuernummern, Steuer-IDs, TINS und steu­er­li­cher Ordnungsmerkmale ver­lie­ren vie­le Steuerpflichtige lang­sam den Überblick. Selbst Kleinbetriebe und Freelancer müs­sen mit sechs und mehr Steuerkennungen jon­glie­ren, die ganz unter­schied­li­chen Zwecken die­nen. Wir erläu­tern, was es mit den ver­schie­de­nen Steuernummern auf sich hat.

Früher kamen man­che Selbstständige ihr gesam­tes Geschäftsleben mit einer ein­zi­gen Steuernummer aus. Die ganz per­sön­li­che finanz­amts­be­zo­ge­ne Steuernummer gibt es heu­te noch: Je nach Bundesland hat sie das Format “12/345/67890”, “123/456/78901” oder “12345/67989”. Unter die­ser klas­si­schen Steuernummer wur­den (und wer­den vie­ler­orts noch) sämt­li­che Vorgänge einer steu­er­pflich­ti­gen Person bei deren Wohnort-Finanzamt geführt.

Nur Einzelunternehmer mit meh­re­ren Betrieben sowie Personen- und Kapitalgesellschaften bekom­men dar­über hin­aus jeweils eine betrieb­li­che Steuernummer.

Geschäftsleute, die grenz­über­schrei­ten­de Geschäfte im EU-Raum machen, brau­chen zudem eine Umsatzsteuer-Identifikationsnummer. Einzelunternehmer und Freiberufler set­zen die UStIdNr. aus Datenschutzgründen oft aber auch auf Rechnungen im Inland als Ersatz für die ansons­ten vor­ge­schrie­be­ne pri­va­te Steuernummer ein.

Arbeitnehmern ist dar­über hin­aus die elek­tro­ni­sche Transfer-Identifikations-Nummer (= “eTIN”) zuge­ord­net: Dieses Ordnungsmerkmal soll Arbeitgebern die Datenübertragung der elek­tro­ni­schen Lohnsteuerbescheinigung erleich­tern. Trotz des auf den ers­ten Blick kom­pli­zier­ten eTIN-Formats (“MSTR MXAX 80 E 20 F”) ist die­ses Steuerkennzeichen nicht ein­deu­tig. Seine Anwendung ist im Übrigen bis 2010 befris­tet.

Neu: Persönliche Steuer-Identifikationsnummer

Nachteil des Finanzamts-Bezugs bei der klas­si­schen per­sön­li­chen und betrieb­li­chen Steuernummer: Beim Umzug in den Einzugsbereich eines ande­ren Finanzamts oder der Eröffnung einer neu­en Filiale wird eine ande­re oder zusätz­li­che Steuernummer fäl­lig. Angesichts wach­sen­der räum­li­cher und wirt­schaft­li­cher Mobilität erschwer­te das den Finanzbehörden die unzwei­fel­haf­te Zuordnung steu­er­li­cher Vorgänge zu bestimm­ten Personen und Betrieben.

Von der Wiege …

Aus die­sem Grund weist das Bundeszentralamt für Steuern allen Bürgern bereits seit 2007 soge­nann­te Identifikationsnummern zu. Den Anfang machen dabei die natür­li­chen Personen: Die bun­des­ein­heit­li­che, unver­wech­sel­ba­re und unver­än­der­li­che Steuer-Identifikationsnummer (= Tax Identification Number = “TIN”) für Privatleute wird nach und nach sowohl die per­sön­li­che finanz­amts­be­zo­ge­ne Steuernummer als auch die Arbeitnehmer-eTIN erset­zen. Die per­sön­li­che Steuer-TIN besteht aus 11 Ziffern (“12 345 678 901”). Nach Angaben des Bundeszentralamts kön­nen aus der Zahlenkombination kei­ne Rückschlüsse auf den Steuerpflichtigen gezo­gen wer­den.

… bis nach der Bahre!

Zu jeder TIN einer natür­li­chen Person spei­chert das Bundeszentralamt auf Basis der Angaben von Meldebehörden gemäß § 139b Abgabenordnung die fol­gen­den Angaben (sofern vor­han­den):

  • Familienname, frü­he­re Namen, Vornamen und Doktorgrad(e),
  • Geschlecht, Geburtstag und Geburtsort,
  • gegen­wär­ti­ge oder letz­te bekann­te Anschrift,
  • zustän­di­ge Finanzbehörden
  • even­tu­ell erteil­te Wirtschafts-Identifikationsnummern und sogar
  • den Sterbetag.

Die neue Steuer-ID gilt also sogar über den Tod hin­aus: Wichtig ist das zum Beispiel für die steu­er­li­chen Folgen von Erbschaften und betrieb­li­chen Nachfolgeregelungen. Erst 20 Jahre nach dem Tod des Steuerpflichtigen soll sei­ne per­sön­li­che TIN und die dazu­ge­hö­ri­gen Informationen gelöscht wer­den.

Wichtig: Im Anschluss an die Vergabe der Steuer-Identifikationsnummer dür­fen die genann­ten Daten nur dazu genutzt wer­den, um die TIN eines Steuerpflichtigen und des­sen Finanzamt fest­zu­stel­len, Steuerangelegenheiten abzu­wi­ckeln sowie steu­er­rele­van­te Daten an die zustän­di­gen Stellen wei­ter­zu­lei­ten.

Zukunftsmusik: Wirtschafts-Identifikationsnummer für Geschäftsleute

Bei der per­sön­li­chen Steuer-TIN wird es nicht blei­ben: Wirtschaftlich täti­ge natür­li­che und juris­ti­sche Personen bekom­men mit der Wirtschafts-Identifikationsnummer in nächs­ter Zeit ein wei­te­res per­ma­nen­tes Identifikationsmerkmal für Steuerangelegenheiten. Diese Steuerkennung ist für alle geschäft­li­chen Steuerangelegenheiten gedacht. Als wirt­schaft­lich tätig gel­ten zum Beispiel Einzelunternehmer, Freiberufler und ande­re Selbstständige, aber auch Personen- und Kapitalgesellschaften. Wie die UStIdNr. wird die W-IdNr. mit den Buchstaben “DE” begin­nen – gefolgt von einer mehr­stel­li­gen Ziffernfolge.

Beantragen müs­sen Steuerpflichtige ihre neue Wirtschafts-Identifikationsnummer(n) nicht: Sie wird auto­ma­tisch durch die zustän­di­ge Finanzbehörde ver­ge­ben. Wie die Umsatzsteuer-Identifikationsnummer beginnt sie mit der natio­na­len Vorsilbe “DE”. Die bis­he­ri­ge UStIdNr. soll aber zunächst wei­ter­hin für grenz­über­schrei­ten­de Geschäfte inner­halb der EU genutzt wer­den.

Bitte beach­ten Sie: Wer meh­re­re Gewerbebetriebe betreibt, selbst­stän­di­ge Tätigkeiten aus­übt und / oder an ver­schie­de­nen Gesellschaften betei­ligt ist, wird neben der per­sön­li­chen Steuer-Identifikationsnummer gleich meh­re­re Wirtschafts-Identifikationsnummern bekom­men.

Welche Daten zusam­men mit der Wi-IdNr. vom Bundeszentralamt für Steuern gespei­chert wer­den, hängt gemäß §139c Abgabenordnung von der Rechtsform ab. Die wich­tigs­ten Angaben kön­nen Sie der fol­gen­den Tabelle ent­neh­men:

Datenspeicherung nach Rechts- und Gesellschaftsform

Wirtschafts-Identifikationsnummer: Datenspeicherung nach Rechts- und Gesellschaftsform

Überblick: Die wichtigsten Steuernummern und ihre Funktion

Zum Schluss noch ein­mal alle wich­ti­gen Steuer- und Identifikationsnummern im Schnell-Durchlauf:

  1. Die meis­ten Finanzämter bevor­zu­gen im Schriftverkehr und bei tele­fo­ni­schen Anfragen nach wie vor die gute alte per­sön­li­che Steuernummer.
  2. Auch wenn Sie Ihre indi­vi­du­el­le Steuer-Identifikationsnummer (TIN) bereits haben, geben Sie daher bei Steuererklärungen, Voranmeldungen und bei Schriftwechseln am bes­ten Ihre bis­he­ri­ge finanz­amts­be­zo­ge­ne Steuernummer zusätz­lich an.
  3. Falls Ihrem Unternehmen eine betrieb­li­che Steuernummer zuge­ord­net ist, nen­nen Sie die bei allen steu­er­lich rele­van­ten betrieb­li­chen Vorgängen.
  4. Die eTIN für Arbeitnehmer ist ein Auslaufmodell: Ab 2011 wird es ein geän­der­tes Verfahren für die Lohnsteuermeldungen und -beschei­ni­gun­gen geben.
  5. Obwohl vie­le Gesetze und Verordnungen bereits auf die neue Wirtschafts-Identifikationsnummer ver­wei­sen, wird ihre flä­chen­de­cken­de Verbreitung wohl noch eine Weile auf sich war­ten las­sen. Sobald sie Ihnen vor­liegt, soll­ten Sie die­se Steuer-ID bei allen betrieb­li­chen Steuerangelegenheiten, aber auch bei der Erfüllung Ihrer geschäft­li­chen Informationspflichten ver­wen­den – sei es im Website-Impressum oder bei den all­ge­mei­nen Dienstleistungs-Informationspflichten.
  6. Einstweilen behält die Umsatzsteuer-Identifikationsnummer ihren hohen Stellenwert. Diese Kennung lässt sich nicht nur bei umsatz­steu­er­frei­en grenz­über­schrei­ten­den Ein- und Verkäufen ein­set­zen: Sie kön­nen Sie auch auf Rechnungen, im Website-Impressum oder bei der Erfüllung sons­ti­ger Informationspflichten als Ersatz für die daten­schutz­recht­lich sen­si­ble per­sön­li­che Steuernummer ein­set­zen.

Apropos Auslandsgeschäfte: Wer neben sei­nen lau­fen­den Umsatzsteuervoranmeldungen “Zusammenfassende Meldungen” über grenz­über­schrei­ten­de Lieferungen und Leistungen abge­ben muss, benö­tigt noch eine wei­te­re Steuerkennung. Wie Sie die für die Online-Übermittlung erfor­der­li­che Teilnehmerkennung (Format: “T0123456”) bekom­men, kön­nen Sie im Dr.Web-Beitrag Zusammenfassende Meldungen: Neue Steuerpflichten für Dienstleister nach­le­sen.

(mm),

Lukas Schlömer

Lukas Schlömer ist ein pseudonymer Autor, der unter diesem Namen ausschließlich für Dr. Web schreibt.

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