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Adrian Bechtold 13. Mai 2013

Weg mit Google Analytics! Die besten Statistik-Tools für Selbsthoster

Datenschutz ist immer ein Problem für Webmaster. Zu umfang­reich sind die deut­schen Regelungen, um wirk­lich alles was­ser­dicht auf der eige­nen Webseite umzu­set­zen. Gerade die unver­zicht­ba­ren Webstatistiken legen gleich meh­re­re Fallstricke, wobei vor allem exter­ne Dienste Datenschutzprobleme mit sich brin­gen. Da liegt die Idee nahe, ein­fach selbst die Statistiken zu erzeu­gen und die Probleme zu umge­hen. Tools gibt es dafür eini­ge, aber nicht alle sind wirk­lich geeig­net.

Kein Aufruf soll unbe­merkt blei­ben. Für Webmaster sind Statistiken für die Optimierung der eige­nen Webseite uner­läss­lich. Dienste wie Google Analytics machen es ganz ein­fach. Nur ein Code muss ein­ge­baut wer­den und schon ent­ste­hen wun­der­schö­ne, detail­lier­te Statistiken. Hier begin­nen die Probleme. Jeder Aufruf wird in die Google-Rechenzentren gelei­tet – natür­lich auch in die USA. Deutsche Datenschutzbehörden rei­ben sich schon lan­ge an dem Fakt. Seitenlange Verträge sol­len nun für aus­rei­chen­den Datenschutz sor­gen. Doch auch mit per­sön­li­cher Unterschrift durch Vertreter von Google ist unklar, wo die Daten gespei­chert wer­den und zu wel­chem Zweck Google dar­in her­um­spielt. Andere Anbieter von Webanalysen in der Cloud sind mit ähn­li­chen Problemen behaf­tet – von eini­gen weni­gen deut­schen, zer­ti­fi­zier­ten Anbieter mal abge­se­hen. Besser ist es jeden­falls, die Daten gleich selbst zu ver­ar­bei­ten. Die vol­le Kontrolle über die eige­nen Besucher und ein gewis­ser Schritt gegen die Datensammelwut so man­cher gro­ßer Dienste mag den etwas kom­pli­zier­te­ren Umstieg erleich­tern. Zumindest Software gibt es genug auf dem Markt.

Mint – die günstige, alte Kauflösung

Es hät­te so schön sein kön­nen. Mit Mint hat der Webentwickler Shaun Inman – auch bekannt durch den RSS-Reader fever – eine eige­ne Webanalytics-Sofware erschaf­fen. Auf Basis von PHP han­delt es sich um eine auch gra­phisch aus­ge­reif­te Lösung, die für 30 US-Dollar pro Seite auf den eige­nen Server kom­men kann. Es hat mir wirk­lich viel Spaß gemacht, mit Mint zu arbei­ten. Eine gewis­se Leichtigkeit und den­noch Übersichtlichkeit war immer die Devise – ganz wis­sent­lich auf eini­ge Features ver­zich­tend. Nur lei­der soll­te es nicht sein. Das Prinzip des ein­sa­men Entwicklers hat die Entwicklung von Mint ein­schla­fen las­sen. Die letz­te Version stammt aus 2011 und so ist eine Verwendung kaum mehr zu emp­feh­len. Die Perspektive ist ein­fach zu unsi­cher.

mint

Open Web Analytics – der OpenSource-Konkurrent

Open-Source und Webanalyse ist nicht gleich Piwik. Mit Open Web Analytics geht eine Software ins Rennen, die gleich auf den ers­ten Blick an Google Analytics erin­nert. Und wirk­lich: Gerade mit der ein­ge­bau­ten Heatmap setzt Open Web Analytics eige­ne Zeichen. Dabei bleibt es jedoch auch. Sind die Statistiken noch gut zu gebrau­chen und über­sicht­lich, ist die Performance für ein pro­duk­ti­ves Projekt zu schlecht. Zu hung­rig ist OWA nach Ressourcen. Außerdem ist die letz­te Version auch schon wie­der ein gutes Jahr alt. Damit wist auch OWA ein Projekt, das lei­der in der Konkurrenz zu Piwik ein­ge­schla­fen ist und nur noch bei ganz spe­zi­el­len Szenarien sinn­voll ist. Für die Zukunft sind wei­te­re Releases geplant. Es bleibt vor­sich­tig abzu­war­ten, was dar­aus wird.

owa

Urchin – die professionelle Lösung

Google Analytics ist kein ordi­nä­res Produkt des Konzerns aus Mountain View. Erst durch die Übernahme des Unternehmens Urchin ver­füg­te Google über ent­spre­chen­de Software. Von die­sem Zeitpunkt trenn­ten sich die Wege: Google Analytics als gehos­te­te Version in der Cloud wur­de kos­ten­los frei­ge­ge­ben und weit weg von der gro­ßen Öffentlichkeit wur­de die Sofware Urchin wei­ter ent­wi­ckelt und lizen­siert. Die Zahl der Anwender ist heu­te noch sehens­wert und vie­le exter­ne Agenturen bie­ten Support. Damit wäre Urchin eine soli­de Lösung für gro­ße Webseiten – hät­te Google nicht die Weiterentwicklung ein­ge­stellt. Zwar gibt es immer noch Lizenzen für unge­fähr 7500 Euro, jedoch ist die Zukunft unge­wiss. Können Sie sicher pro­gnos­ti­zie­ren, mit den der­zei­ti­gen, umfang­rei­chen Funktionen auch für län­ge­re Zeit aus­zu­kom­men? Dann ist Urchin auch heu­te noch eine Software, die wie geschaf­fen für den Einsatz auf Websites aller Größenordnungen ist. Fraglich bleibt zuletzt, ob Google Sicherheitslücken nach­bes­sert. Entschieden ist nichts.

urchin

Piwik – der Marktführer

Der Platzhirsch unter den Webanalyse-Programmen ist zwei­fels­frei Piwik. Leicht, ein­fach zu instal­lie­ren und OpenSource – eine Verbindung, die sich aus­zahlt. Hat Piwik am Anfang noch mit der Performance gekämpft, haben die Entwickler mäch­tig nach­ge­bes­sert und auch für wirk­lich gro­ße Installationen eine pro­duk­ti­ve Lösung ent­wi­ckelt. Die Software auf PHP-Basis pro­du­ziert indi­vi­dua­li­sier­ba­re Statistiken, die jeg­li­che Einsatzgebiete von der Newsseite bis zum Online-Shop mit ganz spe­zi­fi­schen Bedürfnisse abdeckt. Die Zahl der Anwender ist immens, vie­le Entwickler sor­gen für Weiterentwicklungen und Updates erschei­nen regel­mä­ßig. So ist Piwik eine siche­re Lösung für die Zukunft. Über Crowdfunding wer­den selbst inno­va­ti­ve Ideen wie eine eige­ne, moder­ne Kartengenerierung oder die Segmentanalyse ent­wi­ckelt. Piwik steht trotz eines immensen Funktionsumfangs erst am Anfang und es lohnt sich, die Entwicklung mit­zu­ge­hen.

piwik

Logaholic – der kostenpflichtige Datenaufbereiter

Relativ unbe­ach­tet aber auch schon meh­re­re Jahre kon­ti­nu­ier­lich auf dem Markt ist Logaholic. Die PHP-Software ist ab weni­gen Euro pro Webseite zu haben und bie­tet sehr soli­de Statistiken. Durch ein abso­lut intel­li­gen­tes Tracking der Besucher sind auch grö­ße­re Webseiten mit ver­hält­nis­mä­ßig gerin­gen Ressourcen zu ana­ly­sie­ren. Der Funktionsumfgang ist wirk­lich rie­sig, aber ganz im Gegensatz zu Ansätzen wie Piwik ist die Darstellung opti­mie­rungs­be­dürf­tig. Viele, sehr detail­lier­te Ansichten, Einstellungen und Funktionen machen die Software lei­der sehr unüber­sicht­lich Das fin­de ich ärger­lich für ein kos­ten­pflich­ti­ges Produkt. Dennoch ist Logaholic eine gute Wahl für erfah­re­ne Anwender, die auch Zahlenkolonnen und vie­le Input-Felder nicht scheu­en.

logaholic

Fazit

Webanalysen selbst zu erstel­len ist trotz eini­ger Software auf dem Markt nicht ein­fach. Viele Lösungen sind in den letz­ten Jahren ein­ge­schla­fen und der Markt an qua­li­fi­zier­ter Software ist über­schau­bar. Piwik ist wei­ter­hin für fast alle Anwendungsbereiche die bes­te Lösung. Es bleibt abzu­war­ten, wie die Entwicklung in den nächs­ten Jahren vor­an­ge­hen wird. Schließlich ist auch Piwik nicht die an allen Stellen unfehl­ba­re Lösung.

Welche Software oder Dienst treibt Ihre Statistik an? Haben Sie mit den hier genann­ten Erfahrungen? Was wür­den Sie emp­feh­len?

(dpe)

Adrian Bechtold

arbeitet als Kommunikationsberater für IT-Unternehmen und bloggt gerne über Webtechnologien.

7 Kommentare

  1. Wie sieht es mit die­sem Anbieter aus? https://www.php-web-statistik.de/
    Kostenlos, ein­fach zu instal­lie­ren und auch ohne Datenbank zu betrei­ben.

  2. So schön wie Piwik zunächst aus­sieht und sicher vie­le Nutzer gefun­den hat, macht die Software bei Seiten mit etwas mehr Traffic kei­nen Spaß. Habe mir den Quellcode nie genau ange­schaut. Vermute mal, der Flaschenhals ist die Datenbank.
    Hier müss­te man dann wohl zusätz­lich gut opti­mier­te DB-Server für das Tracking zuschal­ten. Macht aus mei­ner Sicht dann kei­nen Sinn mehr, auf eine kos­ten­lo­se Lösung zu set­zen. Oder eben doch Analytics.

    Beste Grüße
    Steve

  3. Hey Adrian,

    zuerst ein­mal dan­ke für die schö­ne Übersicht der Tracking Tools. Ein paar Hinweise von mei­ner Seite:

    - Urchin ist seit dem 28. März 2012 lei­der ein­ge­stampft und wird somit auch nicht mehr wei­ter­ent­wi­ckelt

    - Für jeg­li­che Tracking Tools gel­ten die sel­ben Datenschutzbestimmungen bzw. Richtlinien, die ein­ge­hal­ten wer­den müs­sen. In die­sem Artikel fin­dest Du eine Übersicht der ein­zu­hal­ten­den Punkte: http://ganalyticsblog.de/analytics-datenschutz/google-analytics-datenschutzkonform-mit-remarketing-nutzen/

    Wenn die­se Punkte nicht umge­setzt sind, wird die Analyse Lösung nicht Datenschutz kon­form betrie­ben!

    Viele Grüße

    Mario

  4. Ich hab mal kurz GA ver­wen­det, dann eine Weile Piwik. Danach habe ich begon­nen, mir das gan­ze selbst zu pro­gram­mie­ren. Das war eine sehr span­nen­de Zeit, vor allem beim JavaScript-Tracker. Das Server-Backend hab ich zwi­schen­durch kom­plett umge­krem­pelt und jetzt scheint es ganz gut zu lau­fen. Allerdings feh­len noch vie­le nütz­li­che Auswertungsfunktionen, und dafür fehlt der­zeit lei­der etwas die Zeit. Aber ich sam­mel die Daten mal – kom­plett im eige­nen Webspace.

    Was schein­bar weder GA noch Piwik kön­nen: Die Verweildauer des Benutzers auf der Seite erfas­sen. Da kom­men teils auch inter­es­san­te Ergebnisse bei raus. (Und hier lie­gen ab und zu auch die größ­ten Messfehler…)

    PS: “ori­gi­när”, nicht “ordi­när” ;-)

  5. Guter Artikel!

    Habe mir soeben Piwik instal­liert und bin vor­erst recht zufrie­den damit.

  6. Ich habe in den letz­ten Wochen Open Web Analytics getes­tet und bin auch nicht gera­de sehr zufrie­den.
    Beispielsweise habe ich das Problem, dass auf einer sta­ti­schen HTML-Seite stän­dig OWA ange­pingt wird und lei­der weiß ich nicht, wor­an es liegt.
    Echt Schade!

  7. Piwik steht lei­der seit ewig “erst am Anfang”. Ich benut­ze Google Analytics und bin sehr zufrie­den damit.

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