Webhosting-Trend 2017: Das Angebot an WordPress-Providern wächst. Aber wieso?

Dieter Petereit

ist seit 1994 im Netz unterwegs, aber bereits seit über 30 Jahren...

Es gibt zwei Trends im Webhosting 2017. Der eine ist der Übergang vom physikalischen zum virtuellen Hosting, der sogenannten Cloud. Der andere ist der Aufstieg der spezialisierten WordPress-Provider.

Trends, die aus Profiterwartung entstehen

Über den Trend zur Cloud als Hosting-Plattform schrieb ich hier bei Dr. Web vor gar nicht allzu langer Zeit diesen Beitrag. Im Fazit kam ich zu dem Ergebnis, dass nicht alle Kundenerfordernisse über Cloud-Hosting abzudecken seien und es mit Sicherheit auch weiterhin Bedarf an günstigen Providern geben würde.

Cartoon: Disruptives Design
Nicht alles, was geht, ergibt auch Sinn… (Cartoon: Dr. Web)

Parallel dazu entwickelt sich ein Trend, den ich nicht nachvollziehen kann. Immer mehr Provider bieten teils exklusiv, teils als zusätzliches Angebot dediziertes WordPress-Hosting an. Hier erhältst du also keinen freien Webspace für welches Angebot auch immer du darauf laufen lassen willst. Hier erhältst du eine technisch gepflegte, fertig installierte WordPress-Website. Im Grunde bekommst du das, was du bei WordPress.com ebenso buchen kannst, bloß außerhalb von WordPress.com.

Aus meiner Sicht liegt dem Angebot kein reales Problem zugrunde. Vielmehr wird hier eines geschaffen, weil davon ausgegangen wird, dass sich damit Geld verdienen lässt. Das ist quasi “Reverse Produktentwicklung”. Funktioniert meist nicht…

WordPress-Hosting: zu kurz gesprungen

Was ist nun für mich so schwer verständlich an einem solchen Angebot? Im Grunde ist es ganz einfach. Wenn ich eine WordPress-Website aufsetzen will, brauche ich entweder ein gerüttelt Maß an Knowhow oder einen professionellen Dienstleister, der mir diese Arbeit abnimmt. Wenn ich das Knowhow nicht selber habe, werde ich mich auf die Inhaltserstellung fokussieren und froh sein, wenn ein Dritter sich um das Technische kümmert. Das ist doch logisch, denkst du jetzt vielleicht, dafür gibt es dann WordPress-Provider.

Das stimmt allerdings so nicht. Denn der dedizierte WordPress-Provider ist keine Design-Agentur. Vielmehr erhältst du hier lediglich das nackte System in lauffähiger Verfassung. Du hast damit noch kein Design, keine Struktur, kein SEO, keine Zusatzfeatures, etwa über Plugins, nichts. Lediglich wird deine Domain direkt auf eine WordPress-Installation geleitet. Zudem wird die Installation, teils sogar mit den installierten Plugins und Themes, einem regelmäßigen Backup unterzogen. Natürlich erledigt der Hoster ebenso die WordPress-Updates für dich.

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Wo ist da der Nutzen? Personen ohne Knowhow nützt ein solches Angebot nichts, weil es viel zu kurz greift und die Agentur oder den Freelancer eben doch nicht überflüssig macht. Zudem findest du sogar auf einfachen Webspace-Paketen fast immer die Möglichkeit, aus dem Backend ein WordPress per Klick zu installieren.

Personen mit Knowhow hingegen schaffen die konventionelle Installation von WordPress auf einem beliebigen Webspace innerhalb von zehn Minuten selber; Agenturen und Design-Freelancer sowieso. Über ein ordentliches Backup geraten letztere ebenfalls nicht in Schweiß. Automatische Updates bieten aktuelle WordPress-Versionen von Haus aus.

Der deutsche Hoster Raidboxes setzt auf SSDs, HTTP2, PHP7, nginx statt Apache und serverseitiges Caching. Das sind schon einige Pluspunkte, allerdings keine, die du bei anderen Hostern nicht finden könntest. Drauf achten müsstest du halt.

WordPress-Hosting: teuer und unflexibel

Zudem sind dedizierte WordPress-Hosts im Vergleich zu konventionellen Hostern kostspielig und unflexibel. Das Hosting ist stets auf genau eine Domain zugeschnitten. Benötigst du eine weitere, kaufst du ein weiteres Paket. Bei einem konventionellen Hosting würdest du schlicht eine weitere Domain für kleines Geld buchen und auf ein Verzeichnis im Root deines Webspace leiten.

Willst du dich als Kreativer von der Arbeit des Webmasterns befreien und setzt du für deine Kunden voll auf WordPress, könnte das WordPress-Hosting für dich interessant sein. In der Regel wird es hier aber ebenso an der fehlenden Flexibilität und den vergleichsweise hohen Kosten scheitern.

Was dir dediziertes WordPress-Hosting indes garantiert, ist ein auf die Besonderheiten des CMS zugeschnittenes Technik-Paket. Bei Raidboxes etwa weist man besonders auf das hohe Maß an Sicherheit und die gute Performance hin. Sicher, ein Provider, der nur eine Plattform hostet, kann sich voll darauf spezialisieren.

WordPress Hosting: Bringt das was oder kann das weg?

WordPress hosten statt WordPress-Hosting

Andererseits ist WordPress-Hosting keine Raketenwissenschaft und lässt sich mit ein paar Kenntnissen, etwa aus unseren E-Books “WordPress Performance” und “WordPress Sicherheit” selbst schnell auf ein Niveau heben, das sich nicht zu verstecken braucht. Deshalb ist aus meiner Sicht das beste WordPress-Hosting eines, das im Kern gar keines ist, sondern ein ganz normales Paket, wie du es seit zwanzig Jahren bereits vielerorts kaufen kannst. Achte auf ein paar technische Aspekte und du bist nicht wesentlich weiter hinten, als wenn du dir ein teures WordPress-Hosting besorgst. Hier findest du eine umfassende Marktübersicht mit dreißig verschiedenen Anbietern.

Bist du kein Kreativarbeiter, sondern willst du lediglich einen Blog auf WordPress-Basis betreiben, startest du am besten mit dem kostenlosen Angebot auf WordPress.com. Wenn du ein Gefühl für das System entwickelt hast, kannst du entweder auf ein selbstgehostetes WordPress umziehen oder deine Domain mit WordPress.com verbinden und dein Blog im Rahmen eines kostenpflichtigen Pakets an gleicher Stelle weiterführen.

Die 26 nützlichsten und funktionellsten WordPress-Snippets

Fazit: WordPress-Hosting muss nicht sein

So gibt es aus meiner Sicht keinen schlagenden Grund für ein WordPress-Hosting. Natürlich gilt es einiges zu beachten, wenn du WordPress selbst betreiben willst. Du kommst allerdings um den Aufbau eines gewissen Knowhow oder die Beauftragung von Fachleuten ohnehin nicht herum.

Also baue dir lieber eine Hosting-Checkliste und investiere das gesparte Geld in ein Premium-Theme oder beauftrage gleich einen professionellen Design-Dienstleister, der dir WordPress lauffertig mit Layout und allen erforderlichen Plugins hinbiegt.

Selbst in letzterem Falle wirst du dich über kurz oder lang dennoch in ein paar Systeminterna einarbeiten wollen und auch müssen. Das ist nicht schlimm, denn WordPress macht es dir verhältnismäßig leicht.

Dieter Petereit

ist seit 1994 im Netz unterwegs, aber bereits seit über 30 Jahren in der IT daheim. Seit Anfang des neuen Jahrtausends schreibt er für diverse Medien, hauptsächlich zu den Themenfeldern Technik und Design. Man findet ihn auch auf Twitter und Google+.

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5 Kommentare auf "Webhosting-Trend 2017: Das Angebot an WordPress-Providern wächst. Aber wieso?"

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Johannes Benz
Gast
Hi Dieter,  vielen Dank für diesen interessanten Artikel, der durchaus polarisieren kann 😉 WordPress Hosting ist tatsächlich in Amerika ein “alter Hut”. Die ersten WordPress Hoster haben hier vor sieben Jahren begonnen und standardmäßig alle über 50.000 Kunden. Begonnen haben wir in Deutschland vor 2,5 Jahren mit einer Landingpage, die das Interesse getestet hat und haben mittlerweile an die 2.000 Kunden. Mit manipulativem Marketing, “Vorgaukeln eines Mehrwerts”, käme hier sicherlich keiner weiter und die Kunden sind viel zu schlau, um dafür auch noch einen höheren Preis zu zahlen. Tatsächlich besteht der hauptsächliche Mehrwert, wie ihr in eurem Hostingvergleich auch gut… Read more »
Heiko Mitschke
Gast

Hallo!

Ich finde, der Beitrag widerspricht etwas dem anderen “Designer vs. Entwickler”. WordPress-Hosting hat meines Erachtens schon eine Daseinsberechtigung, eben für diejenigen, die sich nicht um die Technik ihrer Webseite kümmern wollen. Es ist schon einfacher, wenn man ein fertiges WordPress erhält, dem man nur “Themes” und Erweiterungen hinzufügen muss.
Diese Möglichkeiten hat man bei WordPress.com erst mit 24,92 € im Monat! Persönlich habe ich auch lieber deutschen bzw. mindestens europäischen Datenschutz. Außerdem gibt es einen Kundendienst, der sich nur mit WordPress beschäftigt. Für eine bestimmte Zielgruppe also durchaus beachtenswert.

Viele Grüße
Heiko Mitschke

Guido
Gast

Ich bin absolut der gleichen Meinung. Ein spezielles WordPress Hosting ist meiner Ansicht nach nicht erforderlich. Selbst PHP7 und SSDs bringen nur marginal eine besserere Performance, wenn eine Website vorher schon auf Performance optimiert war. Das ist zumindest meine Erfahrung. Meine Kunden und ich nutzen Hostingpakete bei Hosteurope und Webgo, meist im unteren Preissegment und die Performance stimmt. Der Support ist bei beiden Anbietern sehr gut. Wie im Artikel schon beschrieben, gehören zur einer optimierten und performanten Website weit mehr Kenntnisse, als in einem speziellen WP-Hosting abgedeckt sind.

pezi
Gast
Nein, man braucht wirklich keinen spez. WP Hoster. Aber man braucht guten Support! Wer mehr als nur eine kleine, priv. Site betreiben will, sollte die Strapazierfähigkeit der Supporter checken. Wer mehrere größere Sites betreibt, ev. gar als Einnahmequelle; uo. für Kunden designt usw. braucht guten 24/7 Support. Ob per Chat, Mail, Ticket ist wurscht – Hauptsache die antworten schnell und kompetent. Klar ist es von Vorteil wenn diese externen Dienstleister sich mit WP auskennen. Es gibt ja ev. ein paar Eigenarten, welche eine WP-basierte Site auch aus Sicht der Hoster von anderen System unterscheidet. Und va. Kundenanfragen, welche eben WP-spezifisch… Read more »