Frank Puscher 9. Dezember 2004

WebDesign-Trend: Weniger ist mehr

Kein Beitragsbild

Immer mehr WebSites reduzieren die Optik auf wenige Farben und vereinfachen die Struktur und das Aussehen ihres Angebots. Der neue Design-Trend heißt Minimalismus.

Wer Hillman Curtis fragt, weshalb seine WebSite so langweilig ist und dort überhaupt kein Flash eingesetzt wird, erhält eine überraschende Antwort. „Das gehört da nicht hin, das will keiner.“ Eine ehrliche Aussage eines Multimedia-Kritikers würde man vermuten, wenn man nicht wüsste, dass eben dieser Hillman Curtis fünf Jahre lang ArtDirector bei Macromedia war und in dieser Funktion das Werkzeug Flash wesentlich mit entwickelte. Curtis ist also weit davon entfernt, ein Gegner von Flash zu sein. Vielmehr ist er ein Gegner von falsch-eingesetztem Flash. Dort wo sie keinen Mehrwert stiftet, gehört diese Technik nicht hin.

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Hillman Curtis benutzt bei seinen eigenen Seiten stark reduzierte Optik

Mit seinem Credo, dem in seiner Site Ausdruck verliehen wird, setzt sich der Top-Designer an die Spitze einer neuen Bewegung. Genervt von blinkenden Werbebannern, ermüdet von minutenlang stillstehenden Ladebalken und gestresst von Floating Adds, die die Sicht auf die Inhalte einer WebSite versperren, gehen immer mehr Gestalter den Weg eines neuen Minimalismus. Sie reduzieren die Anzahl der verwendeten Farben, bis nur noch ein sehr homogenes Spektrum von zwei bis fünf Farbtönen übrig bleibt.

Sie präsentieren transparente, eingängige Navigationen ohne schmissige RollOver-Effekte und sie schrecken auch nicht davor zurück Fremd-Grafiken, wie zum Beispiel den Button zur Downloadseite bei Macromedia an ihr Farbspektrum anzupassen und somit zum integralen Bestandteil der Site werden zu lassen, der sich harmonisch einfügt.

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Gregory Germe setzt mit dem zentralen Foto ein deutliches Highlight

Minimalismus-Usability
Natürlich ist diese dezente Farbgestaltung wie bei Gregory Germe oder Hillman Curtis eine Modeerscheinung. Aber sie besticht auch durch einen handfesten Usability-Vorteil. Innerhalb gleichfarbiger Gestaltungswelten lassen sich sehr gezielt Highlights setzen. Das Foto oder Logo, welches in Echtfarben erscheint, der Schriftzug, der mit einer aggressiven Schmuckfarbe gestaltet wurde, fällt umso deutlicher auf und erregt die Aufmerksamkeit des Betrachters. Ganz anders als auf den kunterbunten Seiten von zum Beispiel BILD, wo selbst große Elemente es schwer haben, als Highlight wahrgenommen zu werden.

Durch den gezielten Einsatz von Highlight-Farben, kann die Aufmerksamkeit des Users gesteuert werden. Das funktioniert statisch in der HTML-Seite aber auch dynamisch in einem Flash-Film, in dem die Elemente nach und nach in den Fokus des Betrachters rücken.

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Die Site des Jazzers Coltrane arbeitet gezielt mit Highlight-Farben

Freilich gehen diese beiden WebSites ziemlich sorglos mit der Bandbreite der Benutzer um. Doch angesichts steigender DSL-Verbreitung lässt sich das 50 Kilobyte-Paradigma (eine Seite mit Bildern = 50 Kilobyte) allmählich aufweichen. Die Optimalfassung bietet eine schnell ladende Eingangsseite und dann eine Verzweigung zu einer bildstarken und zu einer Ladezeiten-sparenden Variante an.

Warum nicht Schwarzweiß?
Die Steigerung dieses Design-Stils arbeitet ganz ohne Grundfarben sondern beschränkt sich auf die Kombination Schwarzweiß. Auch hier wird mit einzelnen Highlightfarben gearbeitet um Elemente hervorzuheben. Dieser Stil hat weitere, handfeste Vorteile. Arbeitet der Designer auf weißem Hintergrund, erhöht sich die Druckbarkeit einer Seite und es muss kein Hintergrundbild verwendet werden. Die Seiten sind sehr kontraststark und erfüllen somit auch die Grundregeln der Barrierefreiheit. Außerdem lassen Sie sich auf monochromen Displays besser betrachten.

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Auch zu architektonischen Themen passt Schwarzweiß hervorragend

Nicht zuletzt ist Schwarzweiß aber auch ein gängiges Stilmittel, das für edles, reduziertes Design steht. Schwarzweiß passt zu vielen Luxusartikeln, zu Fotografen-Sites und natürlich zu bestimmten Musikstilen, wie zum Beispiel Jazz. Die Site von John Coltrane arbeitet mit einer schwarzweißen Grundoptik und lädt die verschiedenen Kapitel in Signalfarben. Wenn Farbnavigation so deutlich eingesetzt wird, kann sie funktionieren.

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Vorbild Fotografie: Schwarzweiß ist nicht nur Reduktion sondern bedeutet ebenfalls Pointierung

Eine weitere Variante für einen minimalistischen Ansatz zeigt die WebSite der dänischen Agentur Unit 1391. Die Site ist komplett in Schwarz-weiß realisiert aber trotzdem wurde sie in Flash umgesetzt. Das ermöglicht natürlich sehr spannende Übergangseffekte mit vielen flirrenden und blinkenden Zeichen und außerdem sind die MouseOvers wesentlich subtiler, als sie in HTML oder CSS sein könnten.

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Frank Puscher

Autor der Fachbücher "Leitfaden Web-Usability", "Flash MX-Das Kochbuch" und "Die Tricks der Internet Künstler". Frank Puscher ist nicht nur ein angesehener Autor, der für zahlreiche Fachzeitschriften tätig ist, er ist auch als Schulungsleiter und Berater erfolgreich.
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