Anzeige
Smartes Cloud Hosting für anspruchsvolle Projekte.
↬ Loslegen und Spaces testen ↬ Jetzt testen!
Gastautor 26. April 2007

Was ist eigentlich Usability? Teil 2: Grundsätze der Dialoggestaltung

Kein Beitragsbild

von Sebastian Zipp

Anzeige

Für die Gestaltung einer ergonomischen Webseite kann es hilfreich sein, sich an den folgenden sieben Regeln – den sieben Grundsätzen der Dialoggestaltung – zu orientieren. Auch diese sind in einer Norm formuliert worden, nämlich im Teil 10 der ISO 9241 (Ergonomische Anforderungen für Bürotätigkeiten mit Bildschirmgeräten). Die sieben Regeln liefern gute Ansätze für die Erstellung einer leicht bedienbaren, ergonomischen Benutzeroberfläche.

1. Aufgabenangemessenheit
Eine Webseite ist aufgabenangemessen, wenn Besucher effektiv und effizient zu ihrem Ziel gelangen.

Wie bereits erläutert wurde, bedeutet „effektiv“, wie vollständig oder exakt der Besucher sein Ziel erreicht. Die Effizienz gibt den dafür benötigte Aufwand an. Eine Webseite ist also aufgabenangemessen, wenn stets ein einfacher und direkter Weg zum Ziel führt.

Das kann man durch relativ einfache Maßnahmen erreichen. Wird beispielsweise in einem Formular ein falscher Wert (eine inkorrekte E-Mail-Adresse) eingegeben, so sollte dieses Feld nicht nur farblich markiert werden, sondern auch den Fokus erhalten. Das erspart dem Benutzer bei der Korrektur das Anklicken per Maus. Eine Automatisierung von sich immer wiederholenden und vorhersagbaren Tätigkeiten, wie etwa das Eintragen des aktuellen Datums in ein Eingabefeld, kann den Besucher weiter bei der Erreichung des gewünschten Ziels unterstützen. Kleinigkeiten, möchte man vielleicht meinen, aber es sind oft diese kleinen Details, die – zusammengenommen – dem Besucher einer Webseite als positiv im Gedächtnis bleiben.

2. Selbstbeschreibungsfähigkeit
Eine Webseite ist selbstbeschreibungsfähig, wenn sämtliche Schritte verständlich sind oder dem Besucher erklärt werden.

Mit anderen Worten: eine Webseite sollte selbsterklärend und intuitiv bedienbar sein. Ein wichtiger Punkt dabei ist die Orientierung auf der Seite. Ein Besucher muss stets erkennen können, woher er kommt, wo er sich befindet, wo er welche Informationen erhält oder welche Funktionen zur Verfügung stehen und wie er dort hinkommt. Das alles kann durch eine aussagekräftige Navigation erreicht werden. Vor allem eine sogenannte Breadcrumb-Navigation, die den Pfad der aktuellen Seite anzeigt (zum Beispiel Startseite – Produkte – Haushaltsgeräte – Staubsauger), hilft Besuchern, sich zu orientieren.

Grundsätzlich sollte der Besucher auf einer Webseite so wenig wie möglich über die Navigation nachdenken müssen. Selbst bei simplen Hyperlinks kann man ihn dabei unterstützen, indem Links immer eindeutig als solche erkennbar sind (zum Beispiel durch Unterstreichung) und vor allem ihr Ziel durch eindeutige Benennung erkennbar ist. Als fast schon klassisches Negativbeispiel gelten Links in der Form von „klicken Sie hier für weitere Informationen“, wobei lediglich das Wort „hier“ verlinkt ist.
Auch eine jederzeit zur Verfügung stehende Hilfe oder erklärende Kurzinformationen (Tooltips) fördern die Selbstbeschreibungsfähigkeit.

3. Steuerbarkeit
Eine Webseite ist steuerbar, wenn ein Besucher den Dialogablauf bis zum Ziel beeinflussen kann. Unter Steuerbarkeit versteht man also, dass der Besucher die Webseite jederzeit unter Kontrolle hat und nicht anders herum die Webseite den Besucher steuert. Innerhalb vorgegebener Abläufe sollte man also vor- und zurückspringen oder sie ganz unterbrechen können. Beispielsweise kann ein Benutzer in einer steuerbaren Webseite bei einem mehrseitigen Eingabeformular jederzeit einen Schritt zurückspringen, um Korrekturen durchzuführen. Unter den Begriff Steuerbarkeit fällt auch, dass eventuelle Flash-Animationen jederzeit abgebrochen werden können oder das Auflisten von Vorschaubildern (Thumbnails) für Bilder.

4. Erwartungskonformität
Eine Webseite ist erwartungskonform, wenn sie in sich konsistent ist und sich an allgemeine Konventionen hält. Eine Webseite sollte sich stets so verhalten, wie es der Besucher erwartet, also wie es seinen Gewohnheiten entspricht. Allgemeine Gewohnheiten können beispielsweise die Assoziation eines Mülleimer-Symbols mit der Aktion „löschen“ sein oder das Drücken der Tabulator-Taste, um ins nächste Eingabefeld eines Formulars zu springen. Viele weitere solcher Konventionen kann man entdecken, indem man sich andere Webseiten ansieht. So gelangt man fast immer auf die Startseite, wenn auf das Logo einer Seite, welches links oben auf einer Seite positioniert ist, geklickt wird. Das Warenkorbsymbol wird meist rechts oben auf einer Seite gesucht, außerdem erwarten viele Benutzer als Symbol dafür einen Einkaufswagen. Allerdings sollte man bei solchen Konventionen beachten, dass diese oft vom Kulturkreis der Benutzer abhängig sind. Wer von rechts nach links liest statt von links nach rechts, der hat sehr wahrscheinlich auch andere Gewohnheiten, was den Aufbau von Webseiten betrifft.

Eine Webseite sollte sich zusätzlich bei ähnlichen Vorgängen auch ähnlich verhalten, also in sich selbst konsistent sein. Das erreicht man, indem man etwa Informationen wie einen Hilfe-Text oder Rückmeldungen wie „Produkt wurde in den Warenkorb gelegt“ stets an der gleichen Stelle platziert. Vor allem sollte darauf geachtet werden, dass das Interaktionsverhalten innerhalb der Webseite einheitlich ist. Es darf beispielsweise nicht vorkommen, dass ein Benutzer das Löschen eines einzelnen Produktes aus seinem Warenkorb bestätigen muss, beim kompletten Löschen aller Produkte diese Sicherheitsabfrage aber ausbleibt.

5. Fehlertoleranz
Eine Webseite ist fehlertolerant, wenn der Benutzer sein Ziel trotz fehlerhafter Eingaben erreichen kann. Fehler sollten von einer Webseite vermieden oder behoben werden, indem fehlerhafte Formulareingaben angezeigt und eventuell Korrekturvorschläge gegeben werden. Vor allem Aktionen, die sich nicht rückgängig machen lassen, dürfen erst nach Bestätigung durch den Benutzer durchgeführt werden.

Fehlermeldungen sollten in einer für den Besucher verständlichen Sprache formuliert sein und Hilfestellung zur Problemlösung geben, statt nur einen Fehlerhinweis zu beinhalten. Statt der Fehlermeldung „Error: Falscher Datentyp“ nach der Eingabe von „uq565“ in ein Postleitzahlenfeld sollte also besser eine Rückmeldung wie „Ihre Postleitzahl ist falsch, bitte überprüfen Sie, ob sie nur Ziffern eingetragen haben“ gegeben werden.

Doch nicht nur Formulare können fehlertolerant sein, auch angepasste 404-Fehlermeldungen helfen Besuchern weiter, wenn sie eine nicht existierende Seite aufgerufen haben. Ein kurzer Hinweistext, ein Link zur Startseite oder zur Suche oder sogar eine verlinkte Auflistung der Hauptrubriken der Webseite sind simplen Fehlermeldungen wie „Error 404 – File not found“ vorzuziehen.

6. Individualisierbarkeit
Eine Webseite ist individualisierbar, wenn sie vom Besucher an dessen Fähigkeiten und Vorlieben angepasst werden kann. Individualisierbare Webseiten sollen Benutzer beim alltäglichen Umgang unterstützen, meist setzen sie einen Benutzeraccount oder wenigstens Cookies voraus. So können zum Beispiel auf Portalseiten Nachrichten oder Informationen ein- oder ausgeblendet werden und auch bei einem späteren Besuch sind diese Einstellungen noch vorhanden. Ein anderes Beispiel sind Webseiten für Onlinebanking, bei denen oftmals eingestellt werden kann, ob man nach dem Login erst auf die Kontoübersicht oder direkt zu einem Überweisungsformular gelangen will.

7. Lernförderlichkeit
Eine Webseite ist lernförderlich, wenn der Besucher bei Bedarf unterstützt und angeleitet wird. Im Gegensatz zur Selbstbeschreibungsfähigkeit wird bei der Lernförderlichkeit das Langzeitgedächtnis angesprochen. Schrittweise Anleitungen oder eine geführte Tour machen beispielsweise bei einer komplexen Webseite Anfänger mit den Funktionen vertraut. In einem Forum kann durch eine Vorschaufunktion von Forumsbeiträgen die Lernstrategie „Learning by Doing“ realisiert werden, da Benutzer vorab das Aussehen ihres Eintrags überprüfen und gegebenenfalls korrigieren können.

Wie bei den drei Kriterien effektiv, effizient und zufriedenstellend für gebrauchstaugliche Webseiten gilt auch bei den sieben Grundsätzen der Dialoggestaltung, dass nicht alle sieben auf einmal erfüllt sein müssen. Je nach dem, welche Aufgaben Besucher auf einer Webseite erledigen sollen, kann man auch hier eine Gewichtung vornehmen, manche Regeln also mehr, andere weniger detailliert erfüllen. Für eine Webseite, auf der lediglich Informationen angeboten werden, spielen Individualisierbarkeit und Lernförderlichkeit sicher keine so große Rolle wie für eine Onlinebanking-Webseite oder ein Forum. Wenn bei der Entwicklung ein Auge auf die Aufgabenangemessenheit, Steuerbarkeit, Erwartungskonformität und Fehlertoleranz geworfen wird, dürfte dies jedoch den meisten Webseiten zugute kommen, unabhängig von deren Anwendungsgebiet. ™

    Erstveröffentlichung, 03.05.2007

    Schreibe einen Kommentar

    Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.