Gastautor 26. April 2007

Was ist eigentlich Usability? Teil 1: Die Definition

Kein Beitragsbild

von Sebastian Zipp

Immer wieder hört man im Zusammenhang mit Blog, Webdesign und Web 2.0 auch den Begriff Usability fallen. Das ist eine positive Entwicklung, denn anscheinend machen sich immer mehr Leute nicht nur Gedanken darüber, was für Informationen sie im Internet darbieten wollen, sondern auch wie das geschehen soll. Fragt man jedoch genauer nach, was man unter Usability zu verstehen hat, sind die typischen Antworten, wie „damit kann man die Webseiten leichter bedienen“, nicht falsch, aber doch etwas vage.

Bei der einfachen Übersetzung fangen die Probleme schon an. Übersetzt man Usability nun wörtlich mit „Bedienbarkeit“ oder „Brauchbarkeit“? Oder vielleicht doch besser mit „Benutzerfreundlichkeit“? Hier könnte man sich sicher streiten, aber es gibt eine umfassende Definition des Begriffs Usability, die weitgehend akzeptiert ist und in der Norm ISO 9241 („Benutzer-orientierte Gestaltung interaktiver Systeme“) festgehalten wurde. Die deutsche Fassung dieser Norm übersetzt den Begriff mit „Gebrauchstauglichkeit“.

Um die Gebrauchstauglichkeit in einen Kontext einzuordnen, muss man noch ein bisschen weiter ausholen. Die Abkürzung HCI (Human-Computer-Interaktion), also die Interaktion zwischen Mensch und Computer, wird oft mit dem Begriff Usability gleichgesetzt – dabei steht HCI eigentlich als übergeordneter Begriff über mehreren Teilgebieten, zu denen unter anderem Software-Ergonomie, Interaktionsdesign und eben auch die Gebrauchstauglichkeit gehören.

Häufig fällt im Zusammenhang von Usability der Begriff der (Software-)Ergonomie. Es wird von ergonomischer Software oder von softwareergnomischer Gestaltung gesprochen. Natürlich ist auch der Begriff Ergonomie genau definiert und in einer weiteren Norm (ISO 6385, „Grundsätze der Ergonomie für die Gestaltung von Arbeitssystemen“) festgehalten. Ergonomie ist demnach eine wissenschaftliche Disziplin, die Wechselwirkungen zwischen menschlichen und anderen Elementen eines Systems aufklären soll, mit dem Ziel, das Wohlbefinden des Menschen und die Leistung des Gesamtsystems zu optimieren. Mit anderen Worten: Ergonomie stellt die Gebrauchstauglichkeit von Produkten sicher. Software-Ergonomie beschäftigt sich demzufolge mit der Gebrauchstauglichkeit von Software.

Was muss man tun, wenn man eine gebrauchstaugliche Webseite erstellen will? Vor allem sollte man bei der Umsetzung drei Kriterien im Hinterkopf haben, nämlich Effektivität, Effizienz und Zufriedenstellung.

Effektivität bedeutet, inwieweit die Webseite den Benutzer dabei unterstützt, seine gewünschten Ziele zu erreichen. Ein Ziel des Benutzers ist im einfachsten Fall lediglich das Finden von Informationen, aber auch die Bestellung in einem Shop oder das Antworten auf einen Forenbeitrag kann ein denkbares Ziel sein.

Angenommen, ein Benutzer kommt auf die Webseite einer Versicherung, um sich über eine KFZ-Versicherung zu informieren. Wurde bei der Konzeption der Webseite auf Effektivität geachtet, sollte es ohne Probleme möglich sein, sämtliche gesuchten Informationen zu finden. Effektivität ist ein sogenanntes „lösungsorientiertes Kriterium“ – es dreht sich also alles um das Ergebnis, hier zum Beispiel den gesuchten Informationen über KFZ-Versicherungen. Je genauer und vollständiger das Ergebnis, desto besser ist auch die Effektivität.

Im Gegensatz zur Effektivität handelt es sich bei der Effizienz um ein „prozessorientiertes Kriterium“. Effizienz bezieht sich also auf den Weg, der zur Lösung führt. Es ist der nötige Aufwand, den der Benutzer betreiben muss, um zum Ziel zu gelangen.

Muss auf der Webseite des Versicherungsunternehmens beispielsweise erst durch eine tief verschachtelte Navigation geklickt werden, um zu einer gesuchten Information zu gelangen, dann ist die Webseite nicht effizient. Eine übersichtliche und sinnvoll gegliederte Navigation oder eine zusätzliche Suchfunktion (die natürlich brauchbare Ergebnisse liefern sollte), können die Effizienz einer Webseite demnach steigern.

Die Effektivität und Effizienz einer Webseite lassen sich recht einfach objektiv messen, indem man eine Testperson nach bestimmten Informationen suchen lässt und beobachtet, ob sie alles findet und wie viele Schritte dazu notwendig sind. Das letzte Kriterium für eine gebrauchstaugliche Webseite – die Zufriedenstellung – ist dagegen nicht messbar. Ob eine Webseite zufriedenstellend ist, findet man heraus, indem man eine Testperson nach ihrer (subjektiven) Meinung fragt. Wie gefällt dir die Seite? Hattest du den Eindruck, dass du dich gut zurecht gefunden hast? Wie schwer fandest du es, die gesuchten Informationen zu finden? Natürlich sollte man nicht nur eine, sondern nach Möglichkeit mehrere Testpersonen befragen, um handfeste Aussagen zur Zufriedenstellung zu erhalten.

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass eine Webseite gebrauchstauglich ist, wenn ein Benutzer seine Ziele (zum Beispiel „Informationen suchen“ oder „ein Produkt im Shop kaufen“) effektiv, effizient und zufriedenstellend erreichen kann. Je nach dem, um was für eine Webseite es sich im einzelnen handelt, müssen nicht alle drei Kriterien gleich stark gewichtet sein. ™

  • Was ist eigentlich Usability? Teil 1: Die Definition
  • Was ist eigentlich Usability? Teil 2: Grundsätze der Dialoggestaltung
  • Was ist eigentlich Usability? Teil 3: Benutzerorientierte Gestaltung

Erstveröffentlichung, 26.04.2007

Dr. Webs exklusiver Newsletter
Hinweise zum Datenschutz, also dem Einsatz von Double-Opt-In, der Protokollierung der Anmeldung, der Erfolgsmessung, dem Einsatz von MailChimp als Versanddienstleister und deinen Widerrufsrechten findest du in unseren Datenschutzhinweisen.

Ein Kommentar

  1. Grosses Lob! Ich hoffe du fuehrst diese Arbeit fort.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Kennst du schon unseren Newsletter?

Hinweise zum Datenschutz, also dem Einsatz von Double-Opt-In, der Protokollierung der Anmeldung, der Erfolgsmessung, dem Einsatz von MailChimp als Versanddienstleister und deinen Widerrufsrechten findest du in unseren Datenschutzhinweisen.