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Dieter Petereit 11. Juni 2019

Nicht nur fürs Business: So nutzt du ein VPN im Alltag

Ursprünglich dienten VPN dazu, entfernte Unternehmensteile über das Internet an das Firmennetz anzuschließen. Heutzutage ist die Technologie zusätzlich für ganz andere Anwendungsfälle im Einsatz. Wie auch du vom Einsatz der VPN-Technologie profitieren kannst, zeige ich dir im folgenden Beitrag.

Das ist das Konzept eines VPN

Die Architektur des Weltennetzes ist dir klar? Sie ist so angelegt, dass sich die Datenkommunikation immer neue Wege suchen kann, wenn einzelne oder auch ganze Gruppen technischer Bauteile ausfallen, etwa weil sie durch Kriegshandlungen zerstört werden. Das macht das Weltennetz sicher. Sicher allerdings nur insoweit, als das Aufrechterhalten der Kommunikationsverbindungen gemeint ist.

Sichtbare Technik ist nur das Eine.

Bezogen auf den Datenverkehr als solches ist das Weltennetz eher vergleichbar mit dem massenhaften Verschicken von Postkarten. Jeder, der die Postkarte, respektive das Datenpaket in die Finger bekommt, kann sie/es lesen. VPN ist der Name der Technologie, die diesen Mangel beseitigt.

VPN, das virtuelle private Netzwerk, errichtet eine Client-Server-Verbindung über das Internet. Dabei dient das Weltennetz nur als Transportmedium.

Der Client, also dein Smartphone, Tablet oder Computer, baut einen Kommunikationstunnel zum Server auf. Dieser Tunnel läuft zwar über die ungesicherte Infrastruktur des Netzes, die Kommunikation an sich findet jedoch in verschlüsselter Form innerhalb dieses Tunnels statt. Die Sicherheit dabei ist doppelter Natur.

Zum einen kann niemand von außen in den Tunnel schauen. Zum anderen könnte, selbst wenn dies möglich wäre, niemand die Kommunikation lesen, weil sie verschlüsselt abläuft.

Entschlüsseltes Datenpaket am Endpunkt?

Zusätzliche Sicherheit ergibt sich daraus, dass das VPN den Kommunikationstunnel komplett abbricht und ganz neu aufbaut, sobald der Verdacht besteht, dass jemand versucht, in den Tunnel einzudringen.

So erklärt sich also der Name. VPN verbindet einen Client mit einem Server, der typischerweise Zugang zu einem internen Unternehmensnetzwerk bietet. Dieses interne Netzwerk wird quasi virtuell erweitert. Das Attribut privat ergibt sich aus der Abschottung des Datenverkehr gegen Dritte.

In der Vergangenheit war VPN deshalb vor allem eine Technologie, um Außendienstmitarbeiter ans Firmennetz oder Filialen eines Unternehmens an den Hauptstandort anzubinden. Das Microsoft-Betriebssystem Windows etwa bietet VPN in seinen Server- und Desktop-Varianten integriert an, so dass es lediglich der Konfiguration, aber keiner weiteren Investition bedarf.

Insgesamt ist die Anbieterlandschaft im VPN-Gewerbe durchaus bunt, wobei mit Microsoft und Citrix sicherlich die Platzhirsche der Branche bereits benannt sind. Neben diesem zentralen Anwendungszweck gibt es indes weitere, die letztlich für jedermann relevant sind.

VPN für jedermann

Wenn heutzutage von VPN die Rede ist, dann ist zumeist nicht der zuvor beschriebene Anwendungsbereich gemeint. Viel mehr hat sich in den letzten Jahren der VPN-Einsatz für das Nutzen der Inhalte des Internets als solches durchgesetzt. Dabei gibt es einige legitime und legale und ein paar illegale Nutzungsszenarien.

Meinungsfreiheit und politischer Aktivismus

Meinungsfreiheit ist in vielen Teilen der Welt ein unbekanntes Fremdwort. Und selbst in der sogenannten zivilisierten Welt ist es nicht ganz ungefährlich, seine ehrliche Meinung zu äußern, sollte diese nicht mit dem politisch korrekten Mainstream auf einer Linie sein.

Je nachdem, wo du wohnst, kann also freie Meinungsäußerung für dich lebensgefährlich sein oder dich zumindest potenziell die wirtschaftliche Existenz kosten. Es ergibt daher Sinn, dafür Sorge zu tragen, dass du im Netz nicht lokalisiert werden kannst.

Natürlich bedarf es da eines ganzen Bündels an Vorsichtsmaßnahmen, aber die Grundlage damit zu setzen, dass deine IP-Adresse und dein Surf-Verlauf nicht in den Zugriff Dritter geraten können, ist auf jeden Fall ein sehr guter Anfang. Auch dabei hilft dir VPN-Technologie.

Zugriff auf Dienste, die per Geoblockade geschützt sind

Bleiben wir bei Fragen der freien Meinungsäußerung, stellen wir fest, dass es auf der Welt Staaten gibt, die Informationsquellen zensieren. So machte etwa die Türkei bereits mehrfach damit Schlagzeilen, dass der Zugriff auf Twitter im Land gesperrt war. Zensurkönig weltweit ist aber natürlich die Volksrepublik China, für die im Grunde eine eigenen Dienste-Infrastruktur geschaffen werden musste, weil westliche Services weitgehend unzugänglich sind. Was können Bürgerinnen und Bürger in Ländern mit weitreichendem Zensurverhalten tun, um freie Informationen zu beziehen oder zu teilen?

Auf der weniger gefährlichen Seite des Lebens ärgert sich so mancher Internetnutzer darüber, dass er etwa von Europa aus nicht auf den US-Katalog von Netflix oder Hulu zugreifen kann. Dabei kann ebenfalls VPN helfen.

Sichere Nutzung des Internet in unsicheren Umgebungen

Du sitzt in der Flughafen-Lounge und nutzt das offene Airport-WLAN. Hier bist du doppelt gefährdet. Im Grunde schreibst du hier nicht bildlich Postkarten, sondern rufst deine Daten laut hörbar für jedermann durch den Saal. Schon minderbegabte Scriptkiddies können deinen gesamten Datenverkehr mit einer simplen Smartphone-App abhören.

Nun könntest du dich natürlich auf die Situation einstellen und bloß ein bisschen in der Süddeutschen (wegen der Political Correctness) lesen. Was aber, wenn du doch noch das ein oder andere wichtige Thema erledigen musst, bei dem sensible Daten eine Rolle spielen? Nimm ein VPN.

Das leisten VPN-Anbieter

Technisch betrachtet sichert ein VPN deine Kommunikation durch die Installation eines Tunnels, deine Daten durch Verschlüsselung und deinen Standort dadurch, dass du in einem VPN stets eine IP aus dem Netz erhältst, in das du dich einloggst. Loggst du dich beispielsweise aus Flensburg in das Firmannetzwerk in München ein, vergibt dir der dortige Server eine IP aus dem Münchener Netzwerk. Deine physikalische Position spielt keine Rolle.Du erkennst die Potenziale?

Wahrscheinlich bist du schon über Dienste, wie NordVPN, ExpressVPN, ProtonVPN und wie sie alle heißen, gestolpert. Die Kollegen von VPNpro haben übrigens eine sehr gute Übersicht der VPN-Anbieter für dich, wenn du der englischen Sprache mächtig bist.

All diese Dienste brechen den typischen Anwendungsfall eines VPN auf. Sie verbinden dich nicht mit einem Firmennetz oder einem anderen privaten Netzwerk. Stattdessen leiten sie dich über ihre VPN-Server in das Internet zurück.

ProtonVPN, ein Anbieter aus der Schweiz.

Du installierst also auf deinem Smartphone, Tablet, Notebook oder PC den jeweiligen Client des VPN-Anbieters deiner Wahl. Nachdem du diesen Client gestartet hast, genügt es in der Regel, den Button „Connect“ zu betätigen. Schon verbindet sich der Client mit dem VPN-Anbieter.

Jetzt hast du mehrere Vorteile:

Deine IP-Adresse ist nicht auf dich zurückzuverfolgen

Der VPN-Anbieter weist deinem Gerät eine IP aus seinem Netzwerk zu. In das Internet wiederum geht der VPN-Anbieter zudem in der Regel mit einer einzigen IP für Hunderte von Kundenanschlüssen, so dass selbst im Falle des Zugriffs auf die Daten des VPN-Anbieters durch Behörden nicht nachvollziehbar ist, welcher Kunde nun wann welche Seite aufgerufen hat.

In der Regel schützen sich VPN-Anbieter zusätzlich dadurch, dass IP-Zuweisungen und Aktivitätsverläufe gar nicht erst gespeichert werden. Wo nichts gespeichert wird, kann auch nichts im Nachhinein zugeordnet werden.

Für Netzdienste befindest du dich am Standort des VPN-Servers

Große VPN-Anbieter verfügen über Server in vielen Ländern der Erde und erlauben dir, dich gezielt mit Servern deiner Wahl zu verbinden. Machst du von dieser Möglichkeit Gebrauch und verbindest dich etwa mit einem Server in Brasilien, so glauben fortan alle Dienste, die du besuchst, dass du ein Nutzer aus Brasilien bist.

So umgehst du etwa Geoblockaden aus Zensurzwecken, aber auch Geoblockaden aus wirtschaftlichen Gründen, etwa jene von Netflix oder Hulu.

Du nutzt das offene WLAN des Cafés um die Ecke sorgenfrei

Dadurch, dass deine Netzkommunikation getunnelt und verschlüsselt über den von dir gewählten VPN-Anbieter läuft, kannst du beruhigt auch im offenen WLAN um die Ecke surfen und dabei tun, was du im Netz tun willst.

Dabei bist du nicht auf die Nutzung des Browsers beschränkt. Vielmehr kannst du alle IP-basierten Dienste verwenden.

Fazit: VPN für jedermann ist eine gute Sache

Natürlich ist es nicht egal, welchen VPN-Anbieter du wählst, aber große Unterschiede gibt es, zumindest im Vergleich der Großen der Branche, nicht. Hier kannst du durchaus nach dem Preis als wesentlichem Kriterium gehen.

Nicht empfehlen würde ich dir amerikanische Anbieter, denn diese sind ja bekanntlich verpflichtet, Behörden Zugang zu ihren Kundendaten zu verschaffen. Derlei Anbieter werden also loggen und das ist nicht in deinem Sinne.

Daneben ist es wichtig, einen vertrauenswürdigen Anbieter zu finden, denn während nicht einmal mehr dein ISP (Internet Service Provider), also der Dienstleister, über den du technisch ins Netz gehst, sehen kann, was du wann wo im Netz getan hast, kann es dein VPN-Anbieter natürlich auf jeden Fall.

Hast du schon Erfahrungen mit einem VPN für jedermann gemacht? Welches ist dein bevorzugten Anbieter und warum?

(Beitragsbild: Stefan Coders / Pixabay)

Dieter Petereit

Dieter Petereit

ist seit 1994 im Netz unterwegs, aber bereits seit über 30 Jahren in der IT daheim. Seit Anfang des neuen Jahrtausends schreibt er für diverse Medien, hauptsächlich zu den Themenfeldern Technik und Design.

5 Kommentare

  1. Ich habe in meinem Job nur einen VPN-Dienst genutzt, aber nach einigen Cybersicherheitstrainings am Arbeitsplatz habe ich mich entschieden, in meine Sicherheit online zu investieren, also habe ich NordVPN gekauft. Ich hätte nie gedacht, dass ich nur durch Online-Shopping gehackt werden kann…
    Ich habe auch angefangen, viel über Cybersicherheit zu lesen (:

  2. Ich habe mir vom Titel eine Anleitung erhoft und keinen Diskurs. ‚Weltennetz‘ – Du meinst das Internet, nicht?

  3. Hallo Dieter,

    danke für die gute Zusammenfassung, was ein VPN an Vorteilen bietet. Die ist wirklich gelungen.

    Mir fallen da noch zwei Sachen ein:
    Erstens, wer sagt mir, dass meine Daten nicht vom VPN-Anbieter analysiert werden? An dieser Stelle wird die Verschlüsselung ja „aufgehoben“, oder liege ich da falsch?
    Und zweitens fehlt mir der Hinweis darauf, dass der heimische Router oft auch in der Lage ist, ein VPN aufzubauen. Dabei zu bedenken ist natürlich, dass man in dem Moment geschwindigkeitstechnisch „nur noch“ die vom Provider zur Verfügung gestellte Upload-Geschwindigkeit als Download-Geschwindigkeit zur Verfügung hat. Mein liebster VPN-Provider ist meine eigene FritzBox bei mir zuhause.

    Schönen Gruß
    Stefan

    • Hallo Stefan!

      Danke für deine ergänzenden Erfahrungen. In der Tat sind aktuelle Router und Fritzboxen auch in der Lage als VPN-Server und -Client zu agieren. Damit ist indes nur der Zugang von extern auf die Fritzbox oder die Anbindung des eigenen Fritzbox-Netzes an ein anderes LAN zu bewerkstelligen. Die Vorteile eines Alltags-VPN, wie im Artikel behandelt, ergeben sich daraus nicht. Dennoch richtig: Wer Netze verkoppeln oder von außen auf sein Heimnetz zugreifen will, kann dafür seine Fritzbox verwenden.

      Was die Analyse der Daten beim VPN-Provider betrifft: Es ist natürlich so, dass du darauf angewiesen bist, zu glauben, was dir der Anbieter verspricht. Und im Beitrag weise ich auch darauf hin, dass es wohl weniger klug ist, VPN-Server in den USA zu nutzen. Die meisten Anbieter indes versprechen, dass sie nichts loggen und deswegen auch nichts preisgeben können. Deinen Datenverkehr können sie natürlich theoretisch tatsächlich lesen, aber ohne VPN kann das ja sogar jeder mit technischem Zugang zum Übertragungsweg. Ganz ausschließen kannst du Risiken aber tatsächlich nicht. Da hast du Recht.

      Gruß
      Dieter

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