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Sven Lennartz 30. Mai 2019

Aufgepasst: Das ist der richtige Vertrag für Webdesign-Aufträge

Wenn Webdesigner und Kunde sich einig sind, alles gut geht und die Arbeit termingerecht und perfekt abgeliefert wird, ist alles in Butter. Doch sobald Probleme auftauchen, ist es mit der heilen Welt vorbei. Um das zu vermeiden, braucht es einen Vertrag. Doch welchen? Werkvertrag, Dienstvertrag? Und was ist mit dem Urheberrechtsvertrag?

Die Unterschiede sind gravierend. Deshalb ist es wichtig, vorher die richtige Wahl zu treffen. Ein Werkvertrag beinhaltet die Verpflichtung, ein bestimmtes Arbeitsergebnis zu liefern – eine Website, ein „Werk“. Ein Dienstvertrag ist da ganz anders gestrickt. Er beinhaltet die Verpflichtung eine bestimmte Arbeit zu erledigen, einen „Dienst“ zu tun. Daraus ergibt sich ein gewichtiger Unterschied.

Bezahlt wird, wenn der Dienst geleistet wurde, ganz egal ob der Auftraggeber damit nun zufrieden ist, ein Problem gelöst wurde oder nicht. Selbst wenn aus welchen Gründen auch immer die Website nicht fertig gestellt wird oder nicht ans Netz gehen kann, Vertrag ist Vertrag und bezahlt wird, wenn der Dienst erbracht wurde. Typisch dafür ist eine Abrechnung nach Stunden. Wurden die vereinbarten Stunden geleistet, ist der Vertrag erfüllt, unabhängig vom Ergebnis. Kann etwa die Leistung nicht erbracht werden, weil der Auftraggeber notwendige Unterlagen nicht beschaffen konnte oder für das Projekt nötige Vorarbeiten nicht geleistet wurden, besteht kein Anspruch auf eine Art „Lohnfortzahlung“.

Diese Angaben muss ein Dienstvertrag enthalten:

  • Exakte Beschreibung der Dienstleistung
  • Anzahl der zu leistenden Arbeitstunden
  • Verteilung der Arbeitstunden pro Woche, pro Tag etc.
  • Termin, zu dem die Leistung vollständig erbracht sein muss
  • Zahlungsmodalitäten
  • Erstattung eventueller Spesen
  • Kündigungsfristen des Vertrags

Ein Dienstvertrag wird immer dann vorkommen, wenn ein Webdesigner lediglich einen Teil eines größeren Projekts übernimmt, er quasi als Spezialist hinzugezogen wird, jedoch mit der der Leitung des Gesamtprojekts nichts zu tun hat.

Konflikte lassen sich zwar nicht vermeiden, aber einer Regelung zuführen. (Bildquelle: Depositphotos)

Das gilt auch für Beratungsleistungen. Zum Beispiel wenn Sie eine Website in Sachen Accessibility auf Vordermann bringen oder eine Suchmaschinenoptimierung durchführen. Hier lässt sich der Arbeitsaufwand zuvor gar nicht exakt ermitteln. Es sei denn durch eine vorhergehende Analyse, und die wäre dann wieder eine Dienstleistung.

Ein Werkvertrag ist erst dann erfüllt, wenn das Werk vollständig, termingerecht und nach Maßgabe des Vertrages abgeliefert wurde, egal wie groß der Aufwand dafür war. Selbst wenn der Kunden es sich bis dato anders überlegen sollte, mit dem Konzept insgesamt nicht mehr zufrieden ist und auf eine Veröffentlichung verzichten will: Vertrag ist Vertrag und der bindet. Zahlen muss er trotzdem, denn das „Werk“ wurde fertig gestellt.

Ein Werkvertrag birgt ein gewisses Risiko für den Webdesigner. Eine Endabnahme der fertigen Website gehört nämlich dazu. Diese ist Gelegenheit für den Auftraggeber allerlei Mängel festzustellen – und sei es nur, um den Preis zu drücken. Sollte die Website aber tatsächlich Mängel aufweisen, muss nachgebessert werden. Wenn Bestellformulare nicht funktionieren, gängige Browser nur ein wirres Durcheinander zeigen, Javascript Fehlermeldungen produziert, Links nicht funktionieren oder Bilder schlichtweg vergessen wurden. Passiert das, wird die Endabnahme verweigert und der Webdesigner darf sich noch einmal an die Arbeit machen und nachbessern.

Aber Achtung: Der Kunde kann dafür eine Frist festsetzen, die unbedingt einzuhalten ist. Tut man das nicht, erweitern sich seine Rechte. Schlimmstenfalls kann er vom gesamten Vertrag zurücktreten und sogar Schadensersatz verlangen.

Diese Angaben muss ein Werkvertrag enthalten:

  • Eine exakte Beschreibung der zu gestaltenden Website. Hier sind auch Details festzulegen. Etwa die Anzahl der Seiten, Bilder, Formulare. Das geht bis hin zum „Pflichtenheft„, das sämtliche Einzelheiten genau auflistet.
  • Leistungen des Auftraggebers. Etwa das Beschaffen von Fotos, Produktdaten, Texten.
  • Termin der Fertigstellung und für die Endannahme.
  • Termin für eine eventuelle Zwischenabnahme.
  • Zahlungsmodalitäten. Bei größeren Aufträgen sind Abschlagzahlungen sinnvoll, die man vorher aushandelt und die selbstverständlich im Vertrag geregelt werden.

Der Urheberrechtsvertrag regelt, was der Kunde mit seiner Website tun darf. Ohne eine solche Regelung ist das nicht viel. Er darf die Website veröffentlichen und damit hat es sich auch schon. Nicht einmal nachträglich verändern darf er sie.

Der Urheberrechtsvertrag wird hier gebraucht:

  • Der Kunde möchte seine Website auf CD-ROM pressen und an seine eigenen Kunden verteilen.
  • Der Kunde möchte die Website für seine Filialen kopieren, anpassen und ebenfalls ins Netz stellen.
  • Der Kunde möchte Teile der Website, Designelemente oder Texte daraus für einen gedruckten Prospekt verwenden.
  • Der Kunde möchte die Website an einen Dritten verkaufen.
  • Übersetzung und Publikation der Website in anderen Ländern.

All das regelt der Urheberrechtsvertrag. Für den Fall der Fälle kann man sich so als Webdesigner ein Zubrot sichern. Wird ein solcher Vertrag nicht abgeschlossen oder diese Fragen nicht im Rahmen des Werkvertrages geregelt, gilt kein stillschweigendes Einverständnis, nach dem Motto: „Davon haben Sie mir aber gar nichts gesagt“. Ohne vertragliche Regelung gibt es kein erweitertes Nutzungsrecht. Natürlich ergibt es Sinn, Urheberrechtsfragen innerhalb des Dienst- oder Werkvertrages gleich mit zu regeln.

Weitere wichtige Tipps enthält unser Freiberufler-Schutzprogramm gegen zahlungsunwillige Kunden ;-)

(Beitragsbild: Depositphotos)

(Der Beitrag erschien zuerst im Jahr 2003 und wird seitdem aktuell gehalten. Das letzte Update erfolgte im Mai 2019.)

Sven Lennartz

Sven Lennartz

Ex Webdesigner, Gründer von Dr. Web und Smashing Magazine. Heute ist Sven als Schriftsteller und Blogger unterwegs. Schau was er jetzt macht…

2 Kommentare

  1. hallo ich habe folgende frage und freue mich über eine zeitnahe antwort.

    ich bin selbst freelancer, per dienstvertrag bei einem ingenieursbüro als freelancer im vertrag, in diesem dienstvertrag ist ein passus, das alle rechtlichen forderungen bei einer verletzung der sozial- renten und versicherungspflicht durch den auftragnehmer – sprich mich als freelancer – zu begleichen sind, genauer wortlaut folgt gerne bei bedarf – in kürze bin ich zwei jahre bei einem kunden des ingenieursbüro als internationaler projektmanager im vertrag. folgende kriterien sind für mich geltend
    – hat keine eigenen Geschäftsräume, nein
    – keine professionellen Geschäftspapiere, doch vorhanden
    – keine eigenen Maschinen und Anlagen, vorhanden Büroausstattung
    – betreibt keine Werbung, doch – website in arbeit
    – hat keine oder nur wenige andere Kunden, ja
    ich habe die chance meine tätigkeit als internationaler projetleiter über diesen zeitraum hinaus beim kunden des ingenieursbüro zu betreiben – wie kann ich mich absichern das eine scheinselbstständigkeit bei einer vertragszeit über zwei jahre für mich nicht zutreffen wird?
    –> freelancer anstellen für steuer & büro bei > 440 € im Monat?
    –> einen Mitarbeiter sozial- renten und versicherungstechnisch bei > 440 € im Monat?
    –> eine ein mann gmbh gründen?
    –> eine gmbh gründen?
    –> … ?
    im voraus vielen dank für eine hoffentlich mögliche lösung der beschriebenen situation

    • Hallo Christoph!

      Wir dürfen natürlich keine konkrete Rechtsberatung machen. Daher nur allgemein zwei Hinweise. Als temporäre Beschäftigung gilt ein Zeitraum von 5 Jahren als unstrittig, nicht bloß 2. Weiterhin liegt das Risiko eher beim Auftraggeber, denn beim Auftragnehmer. Die Rechtsfolge der Scheinselbständigkeit ist die Einstufung als Arbeitnehmer. Manch ein Scheinselbständiger würde sich sogar über diese Rechtsfolge freuen. Schuldner rückwirkender SV-Beiträge ist in erster Linie der Arbeitgeber, der Arbeitnehmer haftet nur drei Monate rückwirkend für seine eigenen Anteile. Das Risiko ist also überschaubar.

      Es gibt jedoch ein Verfahren zur Statusklärung vor der Clearingstelle. Hier der Link zu den Formularen. Die Clearingstelle stellt im Einzelfall verbindlich fest, ob eine selbtständige Tätigkeit vorliegt. Manch Auftraggeber macht dieses Verfahren neuerdings zur Voraussetzung für Auftragsvergaben.

      Ich hoffe, ich konnte Dir ein wenig weiter helfen.

      Gruß
      Dieter Petereit
      Dr. Web Team

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