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Dieter Petereit 14. August 2012

Verkauf oder wir machen dich fertig! Facebooks harsche Geschäftsmethoden erinnern an alte Italo-Western

“The Good, the Bad and the Ugly” fallen einem ein, oder “Für eine Handvoll Dollar”. Sogar “Spiel mir das Lied vom Tod” lässt sich mit den nun verstärkt bekannt werdenden Praktiken des blauen Netzwerkriesen aus Palo Alto assoziieren. Alles passt, nur die Musik war früher besser. Den Stein ins Rollen brachte App.net-Gründer Dalton Caldwell mit seinem offenen Brief an Mark Zuckerberg. Es gibt jedoch weitere Fälle…

Umsatzdruck zwingt Facebook zu Maßnahmen außerhalb üblicher Umgangsformen

Dalton Caldwell arbeitete an einer Facebook-App, die ähnlich dem werden sollte, was Facebook zwischenzeitlich mit dem eigenen App Center selbst vorstellte. Caldwell arbeitete allerdings früher als Facebook daran und sah im Grunde selber keine Konkurrenzsituation. Zudem hatte er sich im Vorfeld Rückendeckung aus Palo Alto geholt. Er durfte also davon ausgehen, eine offizielle Erlaubnis zu haben, genau das zu erstellen, was er erstellen wollte. So stellt es App.net-Gründer Dalton Caldwell in seinem – bislang unwidersprochenen – offenen Brief an Mark Zuckerberg dar.

Anlässlich eines hochrangigen Treffens im Juni 2012 wurde ihm jedoch unmissverständlich klar gemacht, dass man in seinem Produkt eine Konkurrenz sehen würde, die der Anzeigenvermarktung im Rahmen des App Center-Projekts schaden könnte. Diese Wettbewerbssituation wünsche man nicht und weil man Caldwell sehr schätze, böte man ihm eine Übernahme seines Unternehmens an. Als dieser nicht, wie offenbar erwartet, jubelnd zustimmte, drohte man ihm zwar implizit, aber deutlich genug damit, sein Geschäftsmodell zu zerschlagen. Zu wichtig sei das Projekt App Center und zu dringend sei man auf die Werbeumsätze angewiesen.

Facebook und die App-Entwickler: Tanzen mit dem Teufel

Wie CNet recherchierte, ist Caldwell nicht der einzige Betroffene. Das Magazin geht soweit, die App-Entwicklung für die Facebook-Plattform als “Tanz mit dem Teufel” zu bezeichnen. Manche Änderung an der Facebook-Technik erscheint lapidar, kann jedoch Geschäftsmodelle ruinieren.

So geschah es Siders BandPage, einem Service, der es Musikern erleichtern sollte, mit ihren Fans zu interagieren und eine wachsende Fanbase zu kreiieren. Sider baute BandPage komplett auf der Facebook-Plattform, weil dort beide Zielgruppen, Musiker und Fans, bereits vorhanden waren. Bedeutend für die Funktionalität des Dienstes war ein Facebook-Feature namens “Default Landing Tabs”. Musiker konnten mit diesem Feature ihren BandPage-Tab als Startseite ihres Facebook-Profils einstellen. Mit anderen Worten: Rief jemand die Facebook-Seite des entsprechenden Künstlers auf, wurde er automatisch auf die BandPage-Seite weitergeleitet.

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Mit der Einführung der Chronik nahm Facebook die “Default Landing Tabs” aus dem Featureset und der Traffic für Bandpage brach um über 90 Prozent ein. Jetzt müssen Fans erst die Band suchen, dann auf “Gefällt mir” klicken und danach den BandPage-Tab wählen. Der Dienst ist im Grunde am Ende.

Es gibt weitere Beispiele Facebookscher Willkür. Der Newsfeed selber, der nach Aussagen des blauen Riesen aus quantitativen und qualitativen, dabei relativ objektivierbaren Faktoren, entsteht, scheint deutlich mehr unter dem direkten Einfluss Facebooks zu stehen als bislang vermutet. So ist es möglich und wird offenbar auch getan, die Newsfeeds der User gezielt mit bestimmten, werblich interessanten Informationen zu fluten und andere, weniger liebsame Inhaltsschnipsel weitgehend auszublenden.

Auch andere Facebook-fokussierte Dienste, etwa das einst gehypte SocialCam mussten einen Absturz ihrer Nutzerzahlen hinnehmen, nachdem Facebook es für erforderlich hielt, einige Parameter ihres Dienstes so anzupassen, dass der Konsum von SocialCam-Content weniger komfortabel vonstatten gehen konnte.

Alles in allem muss Entwicklern, die sich auf Facebook als OS ihrer Apps verlassen wollen, dringend zur Vorsicht geraten werden. Genau wie bei Twitter ist es auch bei Facebook stets und ohne Vorankündigung möglich, dass für Developer wesentliche Features entfallen oder so verändert werden, dass die eigene App zum Scheitern verurteilt ist. Finger weg von Facebook. So scheint der beste Rat an interessierte Developer zu sein…

Dieter Petereit

Dieter Petereit

ist seit 1994 im Netz unterwegs, aber bereits seit über 30 Jahren in der IT daheim. Seit Anfang des neuen Jahrtausends schreibt er für diverse Medien, hauptsächlich zu den Themenfeldern Technik und Design.

Ein Kommentar

  1. Jetzt fühle ich mich bestätigt, das ich mich davor bisher gescheut habe etwas „für“ Facebook zu entwicklen. Der Trend immer mehr in Facebook zu verlegen gefiehl mir nie. Oder gar die gesamte Präsenz nur noch über Facebook laufen zu lassen. Eine eigene Webseite, mit mehr Kontrolle, oder volle Kontrolle bei einem Server, gefiehl mir da schon immer besser. Solche Meldungen festigen da meine Meinung nur noch mehr. Und wer weiß was da alles noch so rauskommt?!

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