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Lukas Schlömer 16. März 2010

Umsatzsteuer-Trick: So halbieren Sie die Zahl Ihrer Voranmeldungen!

Monatliche Umsatzsteuervorauszahlungen nerven. Per Dauerfristverlängerung lässt sich die Frist bis zur Abgabe der Meldung und zum Überweisen der Zahllast bekanntlich um einen Monat hinauszögern. An der Anzahl der Meldungen ändert das zunächst jedoch noch nichts. Mit einem kleinen Trick werden Sie dann aber doch noch zum Zweimonats-Melder.

Seit dem Jahr 2009 gelten für umsatzsteuerpflichtige Selbstständige und Unternehmen geänderte Grenzwerte bei den Umsatzsteuervoranmeldungen:

  • Bis zu einer jährlichen Umsatzsteuer-Zahllast von 1.000 Euro (früher: 512 Euro) sind keine Voranmeldungen erforderlich.
  • Bis zu einer jährlichen Umsatzsteuer-Zahllast von 7.500 Euro (früher: 6.136 Euro) genügen vierteljährliche Voranmeldungen.
  • Erst ab einer jährlichen Umsatzsteuer-Zahllast von mehr als 7.500 Euro sind monatliche Voranmeldungen Pflicht.

Die Zahllast ist dabei die Differenz zwischen der von den eigenen Kunden vereinnahmten Umsatzsteuer und der an Lieferanten und Dienstleister gezahlten Umsatzsteuer (= Vorsteuer). Gründer müssen in den beiden ersten Kalenderjahren weiterhin in jedem Fall monatliche Umsatzsteuervoranmeldungen abgeben – ganz gleich, wie hoch zu Anfang die abzuführende Umsatzsteuer ist.

An den Meldefristen hat sich ebenfalls nichts geändert: Die selbst ermittelte Zahllast ist dem Finanzamt bis zum 10. Tag nach Ablauf des Voranmeldezeitraums mitzuteilen. Die Meldung für Februar muss dann zum Beispiel statt bis zum 10. März erst am 10. April abgegeben werden. Gleichzeitig ist dann auch die Zahlung fällig.

1. Schritt: Entlastung durch Dauerfristverlängerung

Wem die 10-tägige Frist zwischen Monatsende und Meldung zu kurz ist, kann einen Antrag auf Dauerfristverlängerung stellen. Dann dürfen Sie sich einen Monat länger Zeit lassen mit Ihrer Voranmeldung. Um Zinsvorteile auszugleichen, müssen Sie als Monatsmelder allerdings eine Sondervorauszahlung in Höhe von einem Elftel der Vorjahres-Zahllast leisten. Nehmen Sie Ihr Gewerbe oder Ihre freiberufliche Tätigkeit erst im laufenden Kalenderjahr auf, wird die Sondervorauszahlung auf Grundlage der zu erwartenden Vorauszahlungen des Gründungsjahres errechnet. Wer nur zu vierteljährlichen Voranmeldungen verpflichtet ist, kommt ebenfalls in den Genuss einer Fristverlängerung. Zu Sondervorauszahlungen sind Quartalszahler nicht verpflichtet.

Die Bewilligung des Antrags auf Dauerfristverlängerung ist im Prinzip ein Selbstläufer: Das Finanzamt ist laut Gesetz dazu verpflichtet. Antragsteller bekommen daher normalerweise noch nicht einmal einen Bescheid oder eine sonstige Rückmeldung. Der Antrag kann via Internet gestellt werden: Im Formular-Management-System der Bundesfinanzverwaltung gibt es dafür ein eigenes Online-Formular, mit dessen Hilfe auch gleich die Sondervorauszahlung angemeldet werden kann:

Antrag auf Dauerfristverlängeurng im Jahr 2010

Aktueller Antrag auf Dauerfristverlängerung

Die Dauerfristverlängerung muss, wie der Name schon sagt, nur einmal gestellt werden: Sie gilt dauerhaft. Die Sondervorauszahlung wird hingegen einmal im Jahr (im Februar) auf Grundlage der Umsatzsteuervorauszahlungen des Vorjahres neu berechnet.

2. Schritt: Auf Zweimonats-Rhythmus umstellen

So sinnvoll und willkommen eine Dauerfristverlängerung sein mag: An der Pflicht zur monatlichen Abgabe der Umsatzsteuer-Voranmeldung ändert sich dadurch erst einmal gar nichts. Sie haben zwar einen Monat länger Zeit – das turbulente Alltagsgeschäft führt aber bei vielen Betrieben dazu, dass weiterhin Monat für Monat kurz vorm Meldetermin Hektik ausbricht. Der anfängliche Zeitvorteil löst sich in den meisten Fällen in Wohlgefallen (besser gesagt: in Missfallen) auf.

Zum Glück kann der einmonatige Meldeaufschub aber auch wirkungsvoller genutzt werden. Schließlich zwingt Sie ja niemand, die Dauerfristverlängerung in jedem Monat in Anspruch zu nehmen: Indem Sie alle zwei Monate in einem Aufwasch die Meldung für die beiden Vormonate einreichen, haben Sie nur noch halb so oft Stress mit der Steuer:

Angenommen, Ihre Dauerfristverlängerung ist bewilligt, dann können Sie sich mit der Umsatzsteuer-Voranmeldung für Februar bis zum 10. April Zeit lassen. Die Meldung für März wäre dann normalerweise im Mai fällig. Wenn Sie es schaffen, die Buchführung für März bereits in den beiden ersten Aprilwochen auf Stand zu bringen, reichen Sie bis zum 10. April sowohl die Meldung für Februar als auch die für März ein. Auf diese Weise verschaffen Sie sich eine zweimonatige Steuerfreizeit – bis Sie dann am 10. Juni die Voranmeldungen für April und Mai abgeben.

Wie gesagt: Die Zahl der Umsatzsteuervoranmeldungen bleibt gleich. Auch wenn Sie sich für die 2-in-1-Methode entscheiden, müssen Sie für jeden Monat eine separate Voranmeldung abgeben. Daraus ergibt sich aber auch ein wichtiger Vorteil: Denn am Zahlungszeitpunkt ändert sich gegenüber der konventionellen Monatsmeldung nichts! Die Überweisung der Zahllast an das Finanzamt ist immer erst zu dem Zeitpunkt fällig, der sich aufgrund der Dauerfristverlängerung ergibt. Das gilt auch dann, wenn Sie dem Finanzamt eine Einzugsermächtigung erteilt haben. Mit anderen Worten: Durch „zu früh“ gemeldete Monate entstehen Ihnen keine Zinsnachteile!

Vorteilstest durch Probebetrieb

Der größte Vorteil: Sie müssen sich nur noch halb so oft mit dem leidigen Steuerthema befassen. Wer sich erst einmal aufgerafft hat, dem fällt es meist leichter, gleich zwei Meldezeiträume auf einmal abzurechnen. Die Doppelmeldung erfordert zwar ein wenig Disziplin – unterm Strich ist die Arbeit dafür aber schneller erledigt. Probieren Sie’s aus: Mit einer versuchsweisen Doppelmeldung gehen Sie überhaupt kein Risiko ein.

Sie sind ja nicht darauf festgelegt, in jedem Fall Doppelmeldungen abzugeben. Sie können das Verfahren ganz nach Bedarf und Belieben nutzen – und sei es nur, um sich im Einzelfall bei absehbaren Zeitengpässen (etwa bei Belastungsspitzen oder in der Urlaubszeit) den Rücken frei zu halten.

Übrigens: Der Zweimonats-Rhythmus funktioniert auch dann, wenn sich ein Steuerberater um Ihre Umsatzsteuer-Meldungen kümmert. Denn auch dann haben Sie ja eine regelmäßige Deadline, bis zu der Sie Ihrem Berater die erforderlichen Informationen und Unterlagen zukommen lassen müssen. Die Häufigkeit dieser ungeliebten Pflicht können Sie ebenfalls halbieren. Das optimale Timing besprechen Sie in dem Fall am besten mit Ihrem Steuerberater.

Fazit

Mit einem Antrag auf Dauerfristverlängerung sowie ein wenig Selbstdisziplin lässt sich die Umsatzsteuer-Meldefrequenz problemlos halbieren: Wenn Sie immer zwei Umsatzsteuer-Voranmeldungen auf einen Schlag einreichen, bricht künftig nur noch halb so oft „Steueralarm“ aus.

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Lukas Schlömer

Lukas Schlömer ist ein pseudonymer Autor, der unter diesem Namen ausschließlich für Dr. Web schreibt.

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