Dieter Petereit 22. Dezember 2017

UI Jar sammelt Dribbble-Designs, die du wirklich gebrauchen kannst

ist seit 1994 im Netz unterwegs, aber bereits seit über 30 Jahren...

Dribbble ist größer als du überblicken kannst. Das liegt auch daran, dass es viel Ausschuss enthält. UI Jar trennt die Spreu vom Weizen.

Dribbble, das dreischneidige Schwert

Dribbble habe ich vor ein paar Monaten erst mit deutlichen Worten bedacht. Ich sprach von einer Selbstbeweihräucherungsplattform und riet generell von der Nutzung selbiger ab. Es gibt dort einfach zu viel Hurra und zu wenig Arbeit, die es wirklich bis zum Kunden geschafft hat.

Man könnte noch wohlwollend von einer Art Experimentierlabor sprechen, wenn es denn eine Richtung hätte, im Sinne von, sich in die Vorwärtsrichtung bewegen würde. Tatsächlich findet sich auf Dribbble aber einfach Zeug, das weg kann und niemals ernsthaft von irgendwem in Erwägung hätte gezogen werden dürfen.

Das ist insofern ein bisschen schade, als es natürlich nicht nur realitätsfernen Mist auf Dribbble gibt. Wenn du lange genug suchst, findet du durchaus brauchbare Denkanstöße oder sogar nützliche Freebies. Die Sache hat zwei Haken. Der erste ist die schiere Masse an zu durchsuchendem Kram. Der zweite ist der hohe Grad an Expertise, der erforderlich ist, das Gute vom Schlechtem zu unterscheiden. Bloß weil etwas gut aussieht, ist es noch lange kein gutes Design.

UI Jar: Website-Designs. (Screenshot: Dr. Web)

UI Jar to the Rescue

Was wir also brauchen, um zum einen Zeit zu sparen oder zum anderen, sicher zu sein, dass wir es mit alltagstauglichen Vorschlägen zu tun haben, ist ein fähiger Experte, der für uns die Arbeit erledigt, die Spreu vom Weizen zu trennen. Oykun ist dieser Experte.

Oykun Yilmaz, Allround-Designer aus London, hat 15 Jahre Berufserfahrung im Produktdesign und weiß genau, was geht und was nicht. Da es ihn ebenso wie mich ärgerte, dass Dribbble immer mehr verwässerte, entschied er sich, einen Dienst ins Leben zu rufen, der ausschließlich brauchbare Designs aus Dribbble extrahiert und vorstellt.

UI Jar: Illustrationen (Screenshot: Dr. Web)

Auf UI Jar präsentiert er uns seine Suchergebnisse. Bei der Auswahl legt er Wert darauf, dass das Design entweder tatsächlich im Einsatz ist oder wenigstens zum tatsächlichen Einsatz taugt. Die Gestaltung des UI Jar ist dunkel gehalten. Der Fokus liegt auf den aus dem Schwarz herausleuchtenden Designs, die in einem Übersichtsraster gezeigt werden.

Neben der Sortierung in fünf grobe Kategorien, wie Websites, Illustrations und andere, vergibt Oykun Keywords in Hashtag-Form für jedes Element. Die Inhalte der so entstandenen bislang 95 Hashtags kannst du per Klick ebenfalls sortiert anzeigen lassen.

Klickst du im Übersichtsraster auf eines der vorgestellten Designs, öffnet sich ein modales Fenster, dass die Preview aus dem Raster nochmal etwas größer darstellt. Rechts davon erfährst du den Titel, den Ersteller und den Link zum Projekt auf Dribbble, sowie die Kategorie und die verwendeten Hashtags.

UI Jar: Detailansicht (Screenshot: Dr. Web)

Ein gewisser Glaube ist erforderlich

Oykun erläutert nicht, warum er das jeweilige Design ausgewählt hat. Hier müssen wir einfach auf seine Expertise vertrauen. Wenn du aber selbst vom Fach bist, werden dir die Selektionen jedenfalls nicht vollkommen unplausibel vorkommen. Auf jeden Fall habe ich keine Gestaltungsvorschläge aus dem Elfenbeinturm finden können.

Aktuell arbeitet Oykun daran, seine Plattform mit mehr Features auszustatten. Die Version 2 seines UI Jar kündigt er für das Frühjahr 2018 an. Ich bin gespannt.

Bist du auf der Suche nach weiteren Beispielen von User Interfaces aus dem echten Leben, kann auch Joe Tannorellas UIDB eine interessante Anlaufstelle sein.

Dieter Petereit

ist seit 1994 im Netz unterwegs, aber bereits seit über 30 Jahren in der IT daheim. Seit Anfang des neuen Jahrtausends schreibt er für diverse Medien, hauptsächlich zu den Themenfeldern Technik und Design. Man findet ihn auch auf Twitter und Google+.

5 Kommentare

  1. Jetzt musste ich mir den Ursprungsartikel zu Dribble leider doch noch einmal durchlesen. Der hatte mich damals schon verwundert und ich wollte mich damit nicht mehr beschäftigen, aber leider wird hier ja weiter darauf rum geritten.

    Erstens ist Dribble eine Plattform zur Inspirationsfindung von Designern (nicht nur Webdesign – es soll auch noch andere Formen von Screendesign geben). Und zweitens um von potentiellen Auftraggebern gesehen zu werden. Steht so schon auf der Startseite. Wo ist das Problem? Wen das nicht interessiert kann sich gerne jeden Tag die Bootstrap und Foundation Seiten ansehen. Weil die oft unverändert in Webseiten eingesetzt werden und deshalb so „innovativ“ sind.

    Genau solche Rants über die „Gebrauchsfähigkeit“ von Designs oder Layouts führen dazu, dass es aktuell gefühlt genau zwei unterschiedliche Layouts von Webseiten gibt und alle irgendwie gleich aussehen.

    Über die Ladezeiten, die Optimierung von CSS Dateien und den grundsätzlichen Aufbau dieser werden ganze Bücher und täglich hunderte von Artikel im Web verfasst. Natürlich ist das wichtig. Ohne Frage. Aber das kann doch nicht alles gewesen sein. Wir kümmern uns um die letzten 2KB der Datei und die Einsparung von 5ms Ladezeit. Und dann soll das Layout egal sein bzw. wird alles was irgendwie abweicht als „Kunst“ abgetan die keinen Sinn hat und weg kann?

    Ich halte es gerne wie Steve Jobs der mal gesagt hat:

    „Meistens wissen die Leute nicht, was sie wollen, bis man es ihnen zeigt.“

    Vielleicht wäre eines der Videos von Andy Clarke hier ganz gut, um mal eine andere Sichtweise auf den (traurigen) Stand von heutigem Webdesign zu bekommen und zu sehen was heute möglich ist wenn man sich ein bisschen traut und den Leitsatz „Das haben wir schon immer so gemacht“ aus seinem Sprachschatz verbannt.

    Und zum aktuellen Artikel über die Filterung von Dribble: Wenn das die einzige Möglichkeit ist, gut von schlecht und überflüssig zu unterscheiden frage ich mich, warum beim Artikel „Mal was anderes: Mondrianismus im Webdesign“ Beispiele gezeigt werden, die es auch nicht in reale Projekte geschafft haben. Zweierlei Maß? Ich verstehe es gerade nicht.

      1. Ach so. Ich dachte nur. Gleicher Autor und die Beiträge erschienen im Abstand von nur einigen Tagen. Da sollten Meinungen normalerweise nicht so weit auseinander liegen. Wenn Diskussionen über die Beiträge/Meinungen hier nicht erwünscht sind ist das auch ok. Weiß ich jetzt. Und zu UI Jar: Ich finde es nicht nützlich und lasse es.

  2. Also ehrlich gesagt, taugt UI Jar in meinen Augen nix. Ich halte nicht viel davon, wenn dem User durch eine Filterung Designs vorenthalten werden. Warum möchte Oykun dem User die Entscheidung abnehmen, was für ihn passend ist oder nicht? Ich denke, jede Person ist in der Lage selbst zu entscheiden, ob ein Design für ihn in Frage kommen könnte und es für den Einsatz taugt oder nicht. Ich schätze die große Auswahl von dribbble sehr und sehe mich gut in der Lage, die Ergebnisse durch Verwendung von passenden Suchkriterien einzuschränken und schnell das zu finden, was ich suche. Dribbble hat mir schon bei vielen Dingen inspirativ geholfen. UI Jar eher weniger und ich bin etwas enttäuscht von den Suchergebnissen bei den entsprechenden Tags.
    Naja, für mich ist UI Jar ein Griff ins Klo…netter Versuch, aber kann ich nicht gebrauchen und vergesse ich ganz schnell wieder 🙂

    1. Ausschließlich durch Filterung ist man in der Lage, die Spreu vom Weizen zu trennen und auf Dribbble gibt es extrem viel Spreu. Wenn du selber fachlich in der Lage bist, den Trennprozess zu machen, umso besser. Viele werden das nicht sein und denen hilft UI Jar dann sehr. Ich vermisse in deinem Kommentar diese Differenzierung.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.