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Lukas Schlömer 14. April 2008

Übersicht: Zuschüsse für Freelancer

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Auch kleine Betriebe und Freiberufler kommen in den Genuss von Subventionen: Staatliche Beihilfen gibt es nicht nur in Form persönlicher Unterstützungsleistungen, sondern auch als betriebliche Beratungs-, Investitions-, Lohnkosten- oder Werbezuschüsse. Wir listen die wichtigsten bundesweiten Hilfsprogramme auf.

Freiberufler und Unternehmer können Beihilfen zum Lebensunterhalt beantragen und darüber hinaus Zuschüsse für geschäftliche Vorhaben in Anspruch nehmen. Die elf wichtigsten nicht rückzahlbaren bundesweiten Förderprogramme im Überblick:

  • Gründungszuschuss:
    Wer sich als Gewerbetreibender oder Freiberufler hauptberuflich selbstständig machen will, die Tragfähigkeit seines Vorhaben durch die Stellungnahme einer fachkundigen Stelle nachweisen kann und noch mindestens 90 Tage lang Anspruch auf Arbeitslosengeld I hat, kann bei der Arbeitsagentur den Gründungszuschuss beantragen. Die Beihilfe wird neun Monate lang in Höhe des bisherigen Arbeitslosengeldes gezahlt – zuzüglich einer Sozialversicherungspauschale in Höhe von 300 Euro. Nach Ablauf der ersten Förderphase kann die Sozialversicherungspauschale weitere sechs Monate lang gewährt werden. Der Gründungszuschuss hat 2006 die Ich-AG-Förderung und das Überbrückungsgeld abgelöst.

Antragstellung: bei der örtlichen Arbeitsagentur.
Lektüre-Tipp: Die Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um den Gründungszuschuss finden Sie in unserer separaten Förder-FAQ.

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  • Einstiegsgeld:
    Weil Empfänger von Arbeitslosengeld II keinen Anspruch auf den Gründungszuschuss haben, gibt es für diesen Personenkreis eine spezielle Gründungsbeihilfe. Anspruch auf diese Leistung besteht jedoch nicht. Der zuständige Fallmanager kann bei Aufnahme einer selbstständigen Tätigkeit zusätzlich zum Arbeitslosengeld II ein Einstiegsgeld in Höhe von 50 bis 100 Prozent des ALGII-Regelsatzes zahlen. Auch bei dieser Beihilfe muss die Tragfähigkeit durch schriftliche Unterlagen (einfacher Geschäftsplan) plausibel gemacht werden. Oft ist hier ebenfalls das Tragfähigkeitsgutachten einer fachkundigen Stelle erforderlich.Antragstellung: bei der örtlichen Arbeitsagentur / Sozialamt / ARGE
  • Gründercoaching Deutschland:
    Anders als der Name vermuten lässt, richtet sich das Gründercoaching nicht nur an Gründer, sondern grundsätzlich an alle Freiberufler und Gewerbetreibende während der „Start- und Festigungsphase“: Gründung oder Übernahme dürfen bei Antragstellung bereits bis zu fünf Jahre zurückliegen! Gefördert werden nicht nur Coaching-Maßnahmen, sondern vielmehr alle Beratungs- und Qualifizierungsmaßnahmen zu „wirtschaftlichen, finanziellen und organisatorischen Fragen zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit“. Nur für klassische Rechts-, Steuer-, Versicherungs- sowie IT-Beratungen ist dieses Förderprogramm nicht gedacht.

    Die Obergrenze des förderfähigen Beraterhonorars liegt bei insgesamt 6.000 Euro. Pro Achtstundentag darf der Berater dabei bis zu 800 Euro in Rechnung stellen. Die Zuschusshöhe ist vom Unternehmensstandort abhängig: In den neuen Bundesländern (sowie einigen bevorzugten westdeutschen Regionen) übernimmt der Staat 75 Prozent des Beraterhonorars – maximal also 4.500 Euro. Antragsteller aus den alten Bundesländern bekommen nur einen 50-prozentigen Zuschuss zu den Beratungskosten – also höchstens 3.000 Euro.

    Antragstellung: Beim Kooperationspartner der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) im jeweiligen Bundesland (am besten lassen Sie sich durch einen akkreditierten Gründercoach dabei unterstützen. Den finden Sie über die bundesweite Beraterbörse. Lektüretipp: Dr.Web-Beitrag „Gründercoaching Deutschland: Beratungszuschüsse (nicht nur) für Gründer

  • Beratungsförderung:
    Das „Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle“ (BAFA) bietet vier verschiedene Beratungs- und Schulungszuschüsse: Die Kosten von Existenzgründungsberatungen vor der Gründung werden mit 50 Prozent der Beratungskosten (maximal 1.500 Euro) gefördert. Für Existenz-Aufbauberatungen innerhalb von drei Jahren nach der Gründung können ebenfalls Zuschüsse in Höhe von 50 Prozent der Beratungskosten beantragt werden (maximal 1.500 Euro pro Beratung und 3.000 Euro insgesamt). Darüber hinaus gibt es für Allgemeine Beratungen einen Zuschuss von 40 Prozent der Kosten (Höchstgrenze ebenfalls 1.500 Euro pro Beratung und 3.000 Euro insgesamt). Die gleichen Konditionen gelten für spezielle Umweltschutzberatungen.

    Informations- und Schulungsveranstaltungen (z. B. „Existenzgründerseminare“ und „Leistungssteigerungsseminare“), durch die die Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit von Freiberuflern und kleinen Unternehmen verbessert werden und ihnen helfen, sich an veränderte wirtschaftliche Bedingungen anzupassen, werden bis zu einer Gesamtdauer von höchstens 18 Stunden mit einem Stundensatz von 40 Euro bezuschusst. Voraussetzung ist, dass jeweils zwischen zehn bis zwanzig Teilnehmer daran teilnehmen.

    Antragstellung: beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Hinweis: Die Beantragung von BAFA-Zuschüssen gilt als ausgesprochen kompliziert. Am besten lassen Sie sich dabei von einem erfahrenen Berater Ihrer Wahl unterstützen.)

  • Investitionszulage:
    Selbstständige aus den neuen Bundesländern (Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Teilen von Berlin) können für die „Anschaffung und Herstellung von neuen abnutzbaren beweglichen Wirtschaftsgütern des Anlagevermögens“ eine Investitionszulage beantragen. Voraussetzung: Es handelt sich um eine Erstinvestition (außer Pkw) im Wert von über 410 Euro und das betreffende Wirtschaftsgut verbleibt mindestens fünf Jahre lang im Betrieb. In den Genuss der Förderung kommen nur Produktionsbetriebe oder produktionsnahe Dienstleister (z. B. Datenverarbeitung, Design oder Werbung). Je nach Standort beträgt der Investitionszuschuss für kleine und mittlere Betriebe zwischen 25 bis 27,5 Prozent der Anschaffungs- oder Herstellungskosten.Antragstellung: beim zuständigen Finanzamt
  • ALG I für Selbstständige:
    Auch Freelancer können arbeitslos werden. Sofern Sie sich freiwillig in der Arbeitslosenversicherung weiterversichert haben, kommen Sie sogar in den Genuss von Arbeitslosengeld I in Höhe von bis zu 1.300 Euro und mehr. Und das bei verhältnismäßig geringen monatlichen Beiträgen von zurzeit 20,50 Euro in den alten Bundesländern und 17,33 Euro in den neuen Bundesländern.

    Berechnet wird das ALG I im Versicherungsfall nicht aufgrund zuvor erwirtschafteter Gewinne aus der selbstständigen Tätigkeit, sondern auf Basis sogenannter Qualifikationsgruppen: Hochschulabsolventen sind dadurch besser gestellt als Selbstständige ohne Berufsausbildung.

    Hinweis: Auch wenn das viele Arbeitsagenturen anders sehen: Abmelden müssen Sie ihr Gewerbe oder Ihre freiberufliche Tätigkeit vor einer Arbeitslosmeldung nicht unbedingt – vorausgesetzt, Sie bleiben unter der Wochenarbeitszeitgrenze von insgesamt 15 Stunden und legen Ihre Einnahmen gegenüber der Arbeitsagentur offen! Dabei müssen Sie jedoch glaubhaft machen müssen, dass der zeitliche Aufwand für sämtliche Arbeiten (inklusive Werbung, Akquisition, Buchführung etc.) unterhalb der genannten Arbeitszeitgrenze liegt.

    Bei verbesserter Auftragslage dürfen Sie sich jederzeit wieder aus der Arbeitslosigkeit abmelden. Auch ein wiederholter Wechsel ist völlig legal. An- und Abmeldungen sind im Prinzip von heute auf morgen möglich.
    Antragstellung: bei der örtlichen Arbeitsagentur
    Lektüretipp: Dr.Web-Beitrag Arbeitslosengeld für Freelancer

  • ALG II für Selbstständige:
    Selbstständige, die sich nicht gegen Arbeitslosigkeit versichert haben, können bei nachgewiesener „Hilfebedürftigkeit“ für sich und ihre Angehörigen Arbeitslosengeld II beantragen. Wie bei allen anderen „Hartz-IV-Empfängern setzt das allerdings die Offenlegung der gesamten Vermögens- und Einkommenslage voraus. Anders als der Begriff „Arbeitslosengeld“ vermuten lässt, ist Arbeitslosigkeit keine Voraussetzung für den Bezug von ALG II: Es kann notfalls auch ergänzend zu anderen Einkünften und / oder ALG I bezogen werden! Die wöchentliche 15-Stundengrenze gibt es beim ALG II ebenfalls nicht.

    Die „Regelleistung“ für eine alleinstehende Person beträgt derzeit 347 Euro pro Monat plus Wohn- und Heizkostenübernahme. Pro Kind gibt es je nach Alter weitere 208 Euro bis 278 Euro. Eine typische „Bedarfsgemeinschaft“ bestehend aus Eltern und zwei Kindern über 14 Jahre kommt zurzeit auf ein monatliches ALG II in Höhe von maximal knapp 1.200 Euro (zuzüglich Miete und Heizkosten). Erzielte Einkünfte müssen offengelegt werden und mindern die Beihilfe entsprechend. Pferdefuß: Durch die Anfang 2008 in Kraft getretene neue ALG-II-Verordnung werden an die Gewinnberechnung für die Arbeitsagentur viel schärfere Anforderungen gestellt als sie bei der klassischen Einnahmenüberschussrechnung fürs Finanzamt gelten.Antragstellung: bei der örtlichen Arbeitsagentur / Sozialamt / ARGE

  • Wohngeld:
    Wer noch nicht „hilfebedürftig“ im Sinne des ALG-II-Bezugs ist, kann zur „Sicherung angemessenen und familiengerechten Wohnens“ nach wie vor Wohngeld beantragen: Mieter bekommen die staatliche Unterstützung in Form eines Mietzuschusses, Haus- und Wohnungseigentümer können einen „Lastenzuschuss“ erhalten. Gezahlt wird die Beihilfe frühestens ab dem Monat der Antragstellung für zunächst zwölf Monate. Allzu üppig fällt das Wohngeld allerdings leider nicht aus: Der durchschnittliche monatliche Wohngeldanspruch lag im Jahr 2006 unter 100 Euro. Antragstellung: bei der örtlichen Wohngeldstelle
  • Versicherungszuschuss:
    Selbstständige, die freiwillige Mitglieder in der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung sind und nur aufgrund ihres Krankenkassenbeitrages „hilfebedürftig“ werden (d. h. ALG II beantragen könnten / müssten), bekommen auf Antrag einen Zuschuss zu den Versicherungsbeiträgen. Das Gleiche gilt für freiwillige Einzahlungen in die gesetzliche Rentenversicherung sowie für Beiträge an berufsständische Versorgungseinrichtungen oder private Alterssicherungen.
    Antragstellung: bei der örtlichen Arbeitsagentur
  • Künstlersozialversicherung:
    Für freiberufliche Webdesigner und andere kreative Freelancer besonders attraktiv ist die Künstlersozialversicherung: Wer seine Künstler- oder Publizisteneigenschaft gegenüber der Künstlersozialkasse nachweisen kann und im Hauptberuf nahezu ausschließlich als selbstständiger Kreativer arbeitet, wird Pflichtmitglied in der gesetzlichen Sozialversicherung. Dann übernimmt die Künstlersozialkasse als eine Art virtueller Arbeitgeber erfreulicherweise den 50-prozentigen Arbeitnehmerbeitrag. Die monatlichen Beiträge werden zudem auf Basis des eigenhändig geschätzten Gewinns für das kommende Jahr berechnet. Antragstellung: bei der Künstlersozialkasse
  • Lohnkostenzuschüsse:
    Die Arbeitsagenturen unterstützen nicht nur Arbeitslose, sondern auch Freiberufler und Unternehmer – insbesondere dann, wenn sie Arbeitsplätze schaffen: Möglich sind Zuschüsse zu den Personalkosten vor allem bei Einstellung von Arbeitslosen im Zuge einer Neugründung (maximal 50 Prozent des Arbeitsentgelts von zwei Arbeitnehmern über 12 Monate) oder auch bei Einstellung schwer vermittelbarer Arbeitsloser (maximal 50 Prozent des Arbeitsentgelts für 12 Monate). Zudem können betriebliche Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen gefördert werden. Anspruch auf diese Leistungen gibt es allerdings nicht. Wichtig: Der Antrag auf Lohnkostenzuschuss muss unbedingt vor dem Abschluss des Arbeitsvertrages gestellt und bewilligt worden sein! Antragstellung: bei der örtlichen Arbeitsagentur
  • Messeförderung:
    Bundesländer und Bundeswirtschaftsministerium unterstützen die Teilnahme von Selbstständigen und Unternehmen an regionalen, nationalen und internationalen Messen mit unterschiedlichen Förderprogrammen. Über finanzielle Beihilfen hinaus umfassen die Programme Serviceleistungen beim Entwurf und Bau von Messeständen aber auch Seminare zu Konzipierung und Werbung, Fachbesucher-Akquisition sowie Mitarbeiterschulung. Antragstellung: bei speziellen Fördereinrichtungen der Bundesländer und beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle. Der Ausstellungs- und Messe-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft (AUMA) gibt einen Überblick über die Förderprogramme und förderfähigen Veranstaltungen.

Tipp: Eine eindrucksvolle Zusammenstellung aller wichtigen Unternehmens-Förderprogramme von EU, Bund, Ländern bietet das BMWi-Infoportal „existenzgruender.de“. In der Förderdatenbank des Bundes können Sie aus mittlerweile weit über 1.000 Programmen das für Sie passende herausfiltern.

Fazit:
Die Subventionslandschaft hierzulande ist vielfältig – auch für Freelancer und Kleingewerbetreibende steht so mancher Förder-Euro zum Abruf bereit. Sieht man einmal von den Beihilfen zum persönlichen Lebensunterhalt ab, sollten Sie aber sehr genau prüfen, ob sich der damit verbundene bürokratische Aufwand wirklich lohnt. Am besten verschaffen Sie sich zunächst einmal Klarheit über Ihren betrieblichen Bedarf. Mit andern Worten: Suchen Sie sich ein Förderprogramm, das zu Ihrem betrieblichen Bedarf passt. Das Schielen auf Fördermittel ist ansonsten nicht nur unökonomisch – es lenkt die Aufmerksamkeit auch vom eigentlichen Geschäftszweck ab. Schließlich kann man auf Dauer nicht von Fördermitteln leben, sondern nur von der Bereitstellung marktfähiger Produkte und Dienstleistungen – und den dazugehörigen zahlungsbereiten Kunden.

Lukas Schlömer

Lukas Schlömer ist ein pseudonymer Autor, der unter diesem Namen ausschließlich für Dr. Web schreibt.

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