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Dieter Petereit 4. November 2013

Typecast für Google Fonts: Web-Typografie mit Spaßfaktor

Monotype und Google kooperieren erneut und bringen mit einer speziellen Version von Monotypes Typecast-App eine kostenlose und sehr komfortable Möglichkeit, mit Google Fonts realitätsnah zu experimentieren. Die Einfachheit der Bedienung und das beachtliche Featureset könnten der Web-Typografie weiteren Auftrieb geben. Designer sollten sich die Typecast-App auf jeden Fall näher ansehen. Und genau das haben wir im folgenden Beitrag getan.

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typecast-landing

Web-Typografie: Im Kommen, aber noch unterstützungsbedürftig

Das Experimentieren mit passenden Web-Fonts hat, zumindest in meiner täglichen Praxis, nichts mit Spaß zu tun. Besser wurde es vor einiger Zeit, als Monotype das Produkt SkyFonts für die Verwendung mit Google Fonts kostenfrei verfügbar machte. Auch wenn es sich nicht eine Anwendung handelt, die tatsächlich Webfonts unterstützt, so erleichterte die Verfügbarkeit der Google Fonts als Desktop-Schrift doch die Beurteilung der Layouts für das Web.

SkyFonts stellte ich im Dr. Web Magazin in dem Beitrag “SkyFonts: Die beste Art, Google Fonts auf dem Desktop zu nutzen” ausführlicher vor. Vor SkyFonts behalf ich mir mit dem Komplett-Download aller Google Fonts. Die Vorgehensweise dazu beschrieb ich für das Dr. Web Magazin im Beitrag “So laden Sie alle 500+ Google Web-Fonts auf Ihren lokalen Desktop”.

Seit ein paar Tagen existiert eine nahezu ideale Lösung, denn Monotype und Google verstehen sich offenbar dermaßen gut, dass eine weitere, für den Nutzer kostenlose Kooperation in den Stiel gestoßen wurde. Ab sofort steht Monotypes Typecast App für die Verwendung mit dem kompletten Google Fonts Repository ohne Anmeldung oder sonstige Bürokratismen frei zur Verfügung. Erreichbar ist Typecast über eine spezielle Landingpage, sowie direkt aus dem Google Fonts Directory über die jeweiligen Pop-Outs der einzelnen Schriften.

typecast-in-google-fonts

Typecast wurde 2013 mit dem „Game Changer of the Year“-Award des Magazins „.net“ ausgezeichnet und das erscheint schon auf den ersten Blick völlig berechtigt. Typecast erlaubt es, Schriften mit echten Inhalten in echten Strukturen innerhalb lebensnaher Layouts auszuprobieren.

„Eine Schrift losgelöst vom inhaltlichen Kontext und anderen Textteilen auszuwählen, ist eine schwierige Aufgabe. Das Typecast Design-Tool macht es einfach, Schriften aus dem Google Font-Verzeichnis auszuprobieren und mit ihnen zu experimentieren.“

– Filip Zembowicz, Product Manager Google

Die Vorgehensweise ist dabei sehr einfach. Entweder über die Landingpage der Typecast-App oder über das Pop-Out der jeweiligen Schrift im Google Font Directory startet man Typecast und erhält eine Oberfläche, die derjenigen eines herkömmlichen Word-Prozessors nicht unähnlich ist. Auch Adobe-Anwender werden sich umgehend heimisch fühlen.

typecast-menu-preview

Der rechts neben dem Menü angeordnete Arbeitsbereich ist direkt mit den Standardinhalten aus Google Fonts gefüllt, so dass eine unmittelbare Beurteilung der Optik möglich ist. Über das Menü kann nun das erforderliche CSS/HTML heruntergeladen werden. Für die Weitergabe und Beurteilung durch Kunden und/oder Co-Worker lassen sich PNGs erzeugen.

typecast-vollvorschau
PNG des Ergebnisses

Typecast: Kleiner Exkurs zur Vollversion

In der kostenpflichtigen Vollversion der Typecast-App, die dann nicht nur Zugriff auf die Google Fonts zulässt, ist es möglich, mehrere Versionen für ein späteres Review zu speichern, Previews auch online mit anderen zu teilen, Tests auf mehreren Geräten durchzuführen oder schnell einen kompletten Styleguide zu generieren. Ab 29 Dollar netto muss man für diesen Funktionsumfang allerdings monatlich einkalkulieren.

Die Version für Google Fonts ist eher für das schnelle Experimentieren gedacht und als solches eine sehr gute Alternative zu bisherigen Verfahrensweisen. Sicherlich setzt Monotype darauf, dass die zusätzliche Bequemlichkeit der Premium-Funktionen möglichst viele Verwender der kostenlosen Version zu zahlenden Kunden werden lässt.

Bei mir wird das indes nicht funktionieren, denn ich weigere mich, den Preismodellen der Web-Font-Anbieter Raum zu geben. Nicht nur sind mir diese Dienste schon im Ansatz zu kostspielig, sondern was mir am meisten missfällt ist die Abhängigkeit des Preises von Parametern, die man kaum beeinflussen kann, in allererster Linie die Korrelation zwischen Preis und Traffic. Natürlich mag das ein jeder für sich anders beurteilen. Ich bleibe jedenfalls vorerst bei Lösungen wie Google Fonts.

„Es freut mich, dass Fans von Google Fonts diese neue, kostenlose Version der Typecast-App jetzt nutzen können. Der Service von Google ist extrem beliebt und viele Designer machen ihre ersten Erfahrungen mit Web Fonts dieser kostenlosen Bibliothek. In unserem Bestreben, die Online-Nutzung von Web Fonts zu fördern und neue Zugriffsmöglichkeiten zur Typecast-App zu schaffen, ist Google für uns der perfekte Partner. Wir hoffen, durch unsere kostenlose, frei zugängliche Version mehr Schriftliebhaber zu unterstützen und auf längere Sicht mehr Fürsprecher guter Typographie zu gewinnen. Aus unserer Sicht wäre das ein echter Gewinn für das Web, Kunden, Leser und Designer aller Bereiche.“

– Paul McKeever, Director von Typecast

Typecast: Visuelle Layoutanpassungen sorgen für realistische Tests

Klickt man irgendwo in den Text, verschwindet das linksseitige Menü und ein Arbeitsbildschirm zeigt sich, der alle Features mitbringt, die man auf den ersten Blick für einen ordentlichen Test einer potenziell in Frage kommenden Schriftart benötigt.

typecast-editor

Das Menü wird durch ein Floating Windows ersetzt, welches man frei auf dem Bildschirm positionieren kann und welches jederzeit die Eigenschaften des aktiven Elements zeigt und editierbar macht. Schriftvarianten, -größe, Zeilenhöhe, Text- und Hintergrundfarbe und Abstandswerte werden hier verwaltet. Ebenso lässt sich die Schriftart hier auch gleich komplett ändern.

Noch ausgefeilter sind die Manipulationsmöglichkeiten in den einzelnen Textcontainern selbst. Von der Breite der einzelnen Elemente in px, em oder Prozent über die Textausrichtung bis hin zur Anpassung von CSS-Details ist alles möglich. Dabei werden Veränderungen direkt in der Preview sichtbar. Ein optional einblendbares Baseline Grid erlaubt weiteres Finetuning.

Wer sich nicht auf die visuellen Bearbeitungsmöglichkeiten verlassen will, der kann jederzeit einen CSS-Editor aufrufen und manuelle Anpassungen vornehmen. Möchte man seine mühsam vorgenommenen Parametrisierungen zur späteren Verwendung oder weiteren Bearbeitung speichern, ist man allerdings gezwungen, zum zahlenden Kunden zu werden.

Von daher werde ich Typecast sicherlich nicht bis ins letzte ausreizen und noch am letzten Parameter feilen. Bei mir kommt Typecast für die schnelle, realitätsnahe Vorabprüfung zum Einsatz. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Und für diesen Einsatzzweck kenne ich keine bessere, vor allem günstigere App. Machen Sie sich selbst ein Bild!

Links zum Beitrag:

Dieter Petereit

Dieter Petereit

ist seit 1994 im Netz unterwegs, aber bereits seit über 30 Jahren in der IT daheim. Seit Anfang des neuen Jahrtausends schreibt er für diverse Medien, hauptsächlich zu den Themenfeldern Technik und Design.

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