Heike Thormann 10. Januar 2008

Tipps gegen den Stress: 13 – 20

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Stress ist eine Volkskrankheit geworden. Was als sinnvolle Eigenschaft unseres Körpers begann, um akute Gefahren zu überwinden, hat sich längst zu einem krankmachenden Dauerzustand ausgewachsen. Grund genug, Ihnen in dieser kleinen Artikelserie ein paar Tipps an die Hand zu geben, wie Sie mit Ihrem Stress fertig werden können.

Waren Sie schon bei den letzten beiden Malen dabei und haben sich die ersten zwölf Tipps zu Gemüte geführt? Wenn nicht, können Sie das hier nachholen: 1-6 – 7 -12

Und weiter geht’s mit den 20 Tipps gegen Stress …

Tipp 13: Entspannen Sie sich
Entspannung – das war das richtige Wort. Entspannung ist der große Gegner des Stresses. Entspannte Leute sind nur selten gestresste Leute. Wann immer möglich, treten Sie deshalb auf die Bremse. Machen Sie langsam und rasen Sie nicht durch Ihr Leben. Erinnern Sie sich noch an die Slow-Food-Bewegung, den Vereinfachungstrend oder die freien Phasen?

Schenken Sie Ihrer Umwelt Ihre volle Aufmerksamkeit und nehmen Sie sie mit allen Sinnen wahr. Wann haben Sie zum letzten Mal hingerissen einen Vogel seine Bahnen am Himmel ziehen sehen? Sehen Sie … Tauchen Sie bewusst von Zeit zu Zeit aus Ihrer Arbeit auf. Probates Mittel dazu sind die Mini-Pausen.

Niemand wird im Ernst behaupten können, nonstop durcharbeiten zu können und immer in gleicher Weise leistungsfähig zu sein. Dafür sorgen schon unsere biologischen Grenzen. Spätestens nach etwa anderthalb bis zwei Stunden ist es soweit: Unsere Aufmerksamkeit erschlafft und unsere Konzentration lässt nach. Wir brauchen eine Pause. Folgen Sie dann den Bedürfnissen Ihres Körpers und ziehen Sie sich nach Möglichkeit für etwa eine Viertelstunde aus dem Geschehen zurück.

Machen Sie ein paar Dehnungsübungen oder Entspannungstechniken (Sie wissen schon, die Sache mit dem Sport), gehen Sie raus an die frische Luft oder halten Sie einen kleinen Büro-Schwatz, seien Sie gut zu Ihrem Gehirn und gönnen Sie ihm ein paar Schlucke Wasser, ziehen Sie sich zwei, drei beruhigende MP3s rein oder schließen Sie einfach die Augen und dösen vor sich hin. Finger weg auch von Ihrem Computer oder den neuesten eMails. So war die Sache nicht gedacht.

Ich erinnere mich da an einen ehemaligen Chef, der sich in der Mittagspause immer in seinen Sessel kuschelte, die Füße hochlegte, sein Telefon umleitete und für die Welt nicht mehr zu sprechen war (so genanntes Power-Napping). Damals fand ich dieses – zumal vor allen Leuten ausgelebte – Benehmen etwas seltsam. Heute weiß ich es besser. Der Mann hatte Recht. Jedenfalls, solange Sie nicht länger als 20 bis 25 Minuten vor sich hin nickern. Sollte Ihr Schläfchen eine halbe Stunde oder länger dauern, beginnt die Tiefschlafphase. Wenn Sie hier zu früh herausgerissen werden, sind Sie müder denn je zuvor.

Tipp 14: Träumen Sie
Aber egal, ob Sie nun meinem ehemaligen Chef folgen und es sich für ein kurzes Entspannungs-Schläfchen gemütlich machen oder nicht – träumen Sie. Oder genauer: Nutzen Sie Ihre Mini-Pausen, Ihre freien Phasen oder andere Rückzugsmomente und lassen Sie Ihre Gedanken wandern.

Schließen Sie Ihre Augen und tagträumen Sie. Schauen Sie aus dem Fenster, denken Sie an nichts, schalten Sie einfach nur ab. Oder stellen Sie sich etwas Schönes vor (vorzugsweise etwas Entspannendes) und folgen Sie diesem Bild mit Ihrem Geist. Schaffen Sie sich Ihre eigenen Oasen der Erholung, in die Sie immer wieder eintauchen können, wenn Ihnen alles zuviel werden sollte.

Sie können diese Erholungsbilder auch fördern, indem Sie zum Beispiel Ihre Handflächen für einige Minuten so auf Ihr Gesicht legen, dass Ihre Fingerspitzen die Stirn und Ihre Handballen das Kinn berühren. Damit schotten Sie sich symbolisch vor der Außenwelt ab und können mit einer leichten Massage zusätzlich daran gehen, Verspannungen und Stresssymptome zu lösen.

Tipp 15: Hübschen Sie Ihren Arbeitsplatz auf
Aber was sind schöne Bilder ohne eine schöne Umgebung? Unterschätzen Sie die Wirkung nicht, die Ihr Umfeld auf Ihr Wohlbefinden ausübt. Das hatten wir nicht nur in Punkt 9, als es darum ging, mit einem aufgeräumten Zuhause oder Büro einem stressfreien Geist Vorschub zu leisten. Sie können durch einen entsprechenden Arbeitsplatz auch Ihre Entspannung bewusst fördern.

Vermeiden Sie also zum Beispiel zu starke optische oder akustische Reize. Legen Sie sich bequeme Möbel zu, auf denen Sie länger als nur unbedingt nötig sitzen können. Greifen Sie zu Grünpflanzen, wenn Sie einen grünen Daumen haben. Wenn nicht, tut es zur Not vielleicht noch die Plastik-Version. Verteilen Sie Muscheln und andere Mitbringsel aus Ihrem letzten Urlaub. Bepflastern Sie die Wände mit Ihren Lieblingsbildern. Oder schmuggeln Sie ein wenig Entspannungsmusik ein.

Niemand hat gesagt, dass Sie Ihrer Arbeit als Asket nachgehen sollen. Machen Sie sich diese immer so angenehm wie möglich. Hochkonzentriertes Arbeiten kann von einer entspannenden Umgebung nur profitieren.

Tipp 16: Üben Sie sich im positiven Denken
Dieser Punkt ist vielleicht nicht ganz so offensichtlich wie andere, aber dafür umso nachdrücklicher. Negatives Denken und Selbstabwertungen, überzogene Ansprüche und Erwartungen, Ängste, Druck und Sorgen – alles erstklassige Stressfaktoren.

Kasteien Sie sich nicht selbst, weil Sie Ihren hohen Idealen nicht gerecht werden. Damit setzen Sie sich nur unter Druck, so dass Ihr Stress Sie erst recht daran hindern wird, diese zu erreichen. Reiben Sie sich auch nicht daran auf, andere Menschen ändern und nach Ihren Wünschen formen zu wollen. Jeder Versuch, Kontrolle auszuüben und dem anderen Ihren Willen aufzuzwingen, ist eine weitere, oft unterschätzte Stressquelle. Genauso, wie all die nur halb wahrgenommenen Gedanken, mit denen wir unsere Ängste schüren und uns das Leben schwer machen.

Wer sagt, dass Sie etwas nie schaffen werden? Haben Sie es probiert? Wer sagt, dass andere Sie für den letzten Trottel halten? Haben Sie dafür Beweise? Stress entsteht zu einem guten Teil in unserem Kopf und kann hier auch wieder abgebaut werden.

In diesem Sinne: Hinterfragen Sie Ihre Ängste und Sorgen. Klopfen Sie sie auf ihre Wahrscheinlichkeit ab. Und machen Sie einen Plan, wie Sie im schlimmsten Fall vorgehen werden.

Trennen Sie sich auch von abwegigen Vorstellungen wie der, von jedermann geliebt oder anerkannt werden zu müssen. Programmieren Sie Ihre mentale negative Dauerberieselung auf einen Strom positiver Selbstgespräche um. Und ändern Sie Ihre Perspektive. Wenn wir uns als Opfer fühlen, ist das erheblich belastender, als wenn wir glauben, unseren Stress und dessen Ursache selbst beeinflussen zu können.

Tipp 17: Meiden Sie Energiefresser
Es gibt sie, Menschen, die uns Kraft und Energie abziehen, wie Vampire ihren Opfern das Blut. Manche sind notorisch negativ gesinnt und versuchen, Sie ebenfalls runterzuziehen. Manche haben sich aus irgendeinem Grund gegen Sie eingeschossen und versuchen, Ihnen das Leben schwer zu machen. Hinzu kommen die üblichen Missverständnisse, Konflikte oder im Untergrund ablaufenden Machtspiele. Kein Wunder, dass auch dies erheblichen Stress verursachen kann.

Spielen Sie diese Spiele nach Möglichkeit nicht mit. Wenn Sie es nicht wirklich wollen, dann arbeiten Sie nicht am Weltbild der Frustrierten. Für „nur mal so im Vorbeigehen“ kostet es zu viel Kraft. Gehen Sie ihnen im Zweifelsfall lieber genauso aus dem Weg, wie all denen, die Sie offenbar als Reizkörper sehen. Ziehen Sie sich in diesem Sinne auch aus Konflikten zurück, die Sie nicht lösen können. Oder noch besser …

Tipp 18: Suchen Sie positive Verstärker
Machen Sie sich auf die Suche nach allem, was Ihnen Freude schenken, Ärger und Stress verringern kann.

Das können Freunde sein, die Ihnen ein offenes Ohr leihen oder Hilfe anbieten. Menschen, die Sie zum Lachen bringen und Ihre Sorgen vertreiben. Vielleicht auch Haustiere, die für Abwechslung und Entspannung sorgen. Oder Hobbys, die Ihre Gedanken zerstreuen.

Lieb gewordene Gewohnheiten, Dinge, die Sie gern tun, alles, was Spaß macht. Bunkern Sie diese kleinen Trostpflaster und wenden Sie sie regelmäßig an. Wie Vitamine, die Ihre Widerstandskraft erhöhen.

Tipp 19: Bekämpfen Sie Stress mit Stress
Wo wir gerade in der Medizin sind, kennen Sie die Methode, Gifte, Krankheiten und so weiter mit entsprechenden Gegengiften zu bekämpfen? Das können Sie auch auf Ihren Stress übertragen. Vorausgesetzt, Sie lassen diesen Phasen starker Belastung auch wirklich Phasen von Ruhe und Erholung folgen.

Stück für Stück gewöhnen sich Körper und Geist an dieses Wechselbad von Anspannung und Entspannung: Momente der Ruhe können Sie besser nutzen, und Hochburgen von Druck und Stress leichter widerstehen. Sie können aber auch zu profaneren Formen von „Gegenstress“ greifen:

  • Besorgen Sie sich einen Boxsack und nutzen Sie den als Sparringspartner, um sich einmal ordentlich abzureagieren.
  • Schnappen Sie sich ein Kissen oder warnen Sie die Nachbarn vor, beziehungsweise marschieren Sie zum nächsten einsamen Acker und schreien Sie Ihren Stress heraus.
  • Legen Sie sich einen Kamin zu und hacken Sie Holz.

Allen gemeinsam ist, dass Muskelarbeit, Abreagieren und Auspowern die Stresshormone in Ihrem Blut abbauen helfen – und Ihnen damit wieder einen klaren Kopf verschaffen.

Tipp 20: Und dann waren da noch…
Jede Menge weitere Tipps, wie etwa der,

  • sich genug Schlaf zu gönnen, weil Sie Problemen und Stress in ausgeruhtem Zustand erheblich besser zu Leibe rücken können
  • Großraumbüros und Menschenmassen zu meiden, weil eine zu hohe Populationsdichte, sprich zu viele Lebewesen auf einem Raum nicht nur Lemminge verrückt machen können
  • sich selbstständig zu machen oder zumindest einen Job mit möglichst viel Gestaltungsfreiheit zu suchen, weil zu geringe Entscheidungs- und Kontrollmöglichkeiten Frust aufbauen können
  • Kreativitätstechniken zu lernen, weil das Wissen um Ansätze und Methoden, Ihre Probleme zu lösen, beruhigend wirken kann.

Erstveröffentlichung 10.01.2008

Heike Thormann

Heike Thormann ist Trainerin, Redakteurin und Autorin. Ihr Schwerpunkt sind kreative Schreib-, Denk-, Lern- und Arbeitstechniken. Sie schreibt für verschiedene Fachmagazine und gibt mit ihrer Website ein Online-Magazin zu ihren Fachthemen heraus.
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