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Dieter Petereit 19. Dezember 2008

Thinkfree Office Writer braucht kein Webworker (und auch sonst niemand)

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Ursprünglich hat­te ich einen gro­ßen, dif­fe­ren­zier­ten Test des “Thinkfree Office (TFO) Writer” geplant. Weiters soll­ten dann Tests zu Calc und Show fol­gen. Immerhin bie­tet Thinkfree eine gro­ße Officesuite an, die es sowohl in einer Online-Version wie als Desktop-Anwendung gibt. Dabei ist die opti­sche Nähe zu den Microsoft-Officeprodukten groß. Umsteiger sol­len kei­ne Schwierigkeiten haben. Nach den ers­ten paar Stunden inten­si­ver Nutzung konn­te ich erken­nen, dass lei­der nicht nur die opti­sche Nähe zu MS groß ist. Deshalb hier ledig­lich ein Kurzbericht zu Office Writer für die inter­es­sier­te Webworkerschaft.

Online-Textverarbeitung: Meine Anforderungen

Zunächst zu den Grundanforderungen, die für mich unab­ding­ba­re Voraussetzung für ein Online-Office sind.

  1. Es muss eine ver­nünf­ti­ge Dokumentenverwaltung geben, die mir das Auffinden auch älte­rer Texte mög­lich macht.
  2. Die Textanwendung muss Formatierungen auf der Basis von Webstandards ver­wen­den, respek­ti­ve die­se wenigs­tens beim HTML-Export anbie­ten.
  3. In der Textanwendung muss ich jeder­zeit in eine HTML-Ansicht wech­seln kön­nen.
  4. Es muss mög­lich sein, vor­han­de­ne Formatierungen auf einen Schlag zu ent­fer­nen.
  5. Ich benö­ti­ge aus­sa­ge­fä­hi­ge Informationen zum Dokument (Wörterzahl, Zeichenanzahl etc.).

Alle übri­gen Funktionalitäten sind mir im Web nicht so wich­tig. Aufwändigere Dinge wie Fußnotenverwaltung oder Inhaltsverzeichnisse (was Google Docs übri­gens beherrscht) benö­ti­ge ich für kur­ze bis mitt­le­re Webtexte nicht und län­ge­re Texte schrei­be ich mit Open Office oder Office:mac. An die­ser Stelle ange­kom­men, soll­te der Leser über­le­gen, ob das hier benö­tig­te Featureset in etwa mit den eige­nen Anforderungen über­ein­stimmt, da die­se Annahme maß­geb­lich für das Testergebnis ist. Ich kom­me spä­ter – der Vollständigkeit hal­ber – noch auf ein paar Spezifika außer­halb mei­nes Anforderungshorizontes zurück.

Thinkfree Office und meine Anforderungen

Bezogen auf mei­ne obi­gen Grundanforderungen schnei­det Thinkfree Office Writer wie folgt ab:

  1. Eine brauch­ba­re Dokumentenverwaltung bie­tet auch Thinkfree, wobei die­se in der Webversion wesent­lich bes­ser als in der Desktop-Fassung (kein Tagging, kei­ne Datumsanzeige) ist.
  2. Writer for­ma­tiert Texte in ähn­lich fürch­ter­li­cher Weise, wie das dafür berühmt-berüch­tig­te MS Office.
  3. Eine HTML-Ansicht gibt es nicht und der HTML-Export erzeugt grau­en­haf­ten Code. Unbrauchbar für jedes CMS.
  4. Das Entfernen vor­han­de­ner Formatierungen ist nicht mög­lich. Leute, die Wordtexte über­neh­men müs­sen, wer­den wis­sen, wie ich fluch­te…
  5. Die Aussagefähigkeit der Statistikfunktion im Writer ist aus­rei­chend, aber nicht so aus­führ­lich wie die­je­ni­ge bei­spiels­wei­se von Google Docs.

Insbesondere die abso­lut furcht­erre­gen­de Codequalität hat bei mir zu einer reflex­ar­ti­gen Abkehr von Thinkfree geführt.

furchtcode.png

Das genann­te Featureset bil­den der­zeit am bes­ten Zoho Writer und Google Docs ab. Neidlos aner­ken­nen muss man, dass sich Google offen­sicht­lich ganz klar auf den klas­si­schen Webworker fokus­siert und die Funktionalität sei­ner Lösungen dar­auf­hin opti­miert. Derzeit hat Google Docs  wie­der ein­mal die Nase vorn im Wettstreit mit dem ein­zi­gen ernst­haf­ten Dauerkonkurrenten ZOHO Office.

Zurück zu Thinkfree. Im Folgenden gebe ich noch eini­ge Basisinformationen zu TFO für die­je­ni­gen unter Ihnen, die anders gela­ger­te Anforderungen an ein Online-Office stel­len, als ich das tue.

Thinkfree Office für die dennoch interessierte Anwenderschaft

TFO star­te­te ursprüng­lich als Weboffice. Basierend auf Java woll­te man von Beginn an eine Anwendungssuite bie­ten, die größt­mög­li­che Ähnlichkeit und Kompatibilität zu MS-Produkten gewähr­leis­tet. Dabei bestand die Geschäftsidee zunächst dar­in, den Usern 1 GB Online-Speicherplatz für lau zu geben und wei­te­ren gegen Cash zu ver­kau­fen. Mittlerweile gibt es die Möglichkeit, den Speicherplatz zu erwei­tern nicht mehr. Ich frag­te eigens beim Hersteller nach, der mir die­sen Umstand auch bestä­tig­te, aber ankün­dig­te, dass man im kom­men­den Jahr wie­der ein Angebot in die­ser Richtung machen wer­de.

tf-webword.gif

Derzeit fokus­siert sich TFO auf den Verkauf sei­ner Desktop-Lösung an die Hersteller und User von Netbooks. Eigens für die klei­nen Augenkrebs-Erzeuger wur­de eine Oberfläche geschaf­fen. Die Erfolge schei­nen durch­wach­sen und mit einem Preis von $ 49 ist die Lösung nicht eben ein Schnäppchen, berück­sich­tigt man den Umstand, dass es kom­plet­te­re Lösungen kos­ten­los gibt. Vermutlich im Zuge die­ser Neuausrichtung wur­de TFO auch als Desktopanwendung für ver­schie­de­ne wei­te­re Betriebssysteme, dar­un­ter Windows, Mac OS X und Linux, ent­wi­ckelt. Zusätzlich sind Thinkfree-Serverlösungen im Angebot. Alles in allem wird es vor­aus­sicht­lich nicht falsch sein, zu sagen, dass sich das Geschäft als rei­nes Online-Office mit kos­ten­pflich­ti­gem Speicherplatz nicht auf Dauer rech­nen liess.

TFO für lau während Betaphase

Entscheidet man sich die­ser Tage dafür, einen kos­ten­frei­en Account für das Weboffice bei TFO zu eröff­nen, wird einem auch die Desktopvariante zum Download ange­bo­ten. Diese ist als Beta gekenn­zeich­net, ent­hält den TFO Manager, Writer, Calc und Show; mit­hin das kom­plet­te Officepaket. Kosten fal­len kei­ne an. TFO scheint für die Dauer der Betaphase kos­ten­los ver­teilt zu wer­den. Ich habe jeden­falls nir­gend­wo eine Möglichkeit gefun­den, Geld per Registrierung los zu wer­den. Lediglich ein Skyscraper-Banner am rech­ten Bildschirmrand, der der­zeit Werbung für TFO anzeigt, zeugt von zukünf­ti­gen Monetarisierungsbestrebungsmöglichkeiten. Prima, könn­te man sagen, bekommt man doch eine Officelösung für lau. Das ist aller­dings bei Open Office auch der Fall.

tfo-gui.png

Und im direk­ten Vergleich zu OO hat TFO kei­ne ech­te Chance, auch wenn sich der Hersteller bemüht, aller­lei Topfacts, Videos und Beispiele auf­zu­bie­ten, die bele­gen sol­len, dass TFO dem aktu­el­len OO min­des­tens haus­hoch über­le­gen ist. Mir hat schon der tat­säch­li­che Vergleich der Arbeitsgeschwindigkeit zwi­schen TFO und OO gereicht, um OO den Vorzug zu geben. MS Office-Dokumente sahen in mei­nen Tests mit Reallife-Beispielen aus mei­nem akti­ven Bestand weder in der einen, noch in der ande­ren Office-Lösung ver­nünf­tig aus.

Fazit

Die Empfehlung an die­ser Stelle fällt daher ziem­lich deut­lich aus. Texte fürs Web las­sen sich mit TFO nicht sinn­voll erstel­len, Webautoren grei­fen daher bes­ser zu Google Docs oder Zoho Office. Alle übri­gen Officeverwender laden sich Open Office her­un­ter und erhal­ten eine kom­plet­te­res, leis­tungs­fä­hi­ge­res, per­for­man­te­res und noch dazu auf Dauer kos­ten­lo­ses Office-System. (tm)

Galerie der ver­wen­de­ten Screenshots:

Dieter Petereit

Dieter Petereit

ist seit 1994 im Netz unterwegs, aber bereits seit über 30 Jahren in der IT daheim. Seit Anfang des neuen Jahrtausends schreibt er für diverse Medien, hauptsächlich zu den Themenfeldern Technik und Design.

9 Kommentare

  1. drweb.de muss sich zwangs­läu­fig mit Webb-Anwendungen beschäf­ti­gen und dabei auch wol­ki­ge Anwendungen nicht aus­schlies­sen.

    Ich gebe aber Büroanwendungen im Internet kei­ne Chance.

    1. Das Internet ist nicht stän­dig und über­all erreich­bar.

    2. Im beruf­li­chen Umfeld ach­ten die Arbeitgeber (ins­be­son­de­re mei­ner) sehr dar­auf, daß kei­ne Unterlagen aus­ser­halb der Firma abge­legt wer­den. Die Festplatten aller Notebooks sind ver­schlüs­selt, Zugang zu Firmenservern wird von aus­ser­halb nur mit­tels Spezialsoftware gewährt.

    3. Privat: Es gibt nichts ein­fa­che­res, als sein por­ta­bles Büro auf einem USB-Stick zu trans­por­tie­ren, bei­spiels­wei­se por­ta­ble OpenOffice und die wach­sen­de Anzahl ande­rer Pogramme zu ver­wen­den. Der USB-Stick ist stän­dig erreich­bar.
    Kollegen und Freunde sind stets ver­blüfft, was alles ich mit Programmen erle­di­ge, die kei­ne Installation benö­ti­gen, son­dern por­ta­bel sind, und kei­ne Spuren hin­ter­las­sen.

  2. Ja, die Leute von TFO haben rela­tiv 1:1 abgek.., äh die Userexperience nach­ge­bil­det.

  3. fin­de ich eigent­lich auch nicht. office ist office. das kann vie­les sein.

    der abge­bil­de­te code­müll scheint mir ori­gi­nal ms office zu sein. steht ja sogar drin (mso-…) sieht jeden­falls genau­so aus.

  4. @Marotzke: Kleiner Einspruch. Bei Weboffice-Texten ist doch wahr­schein­lich, dass man die­se dort schreibt, um sie auch im Web zu ver­wen­den. Das geht ohne akzep­ta­ble Codequalität aber über­haupt nicht.

  5. Also bei Office hin­ter den Code zu schau­en fin­de ich eh unnö­tig; schließ­lich braucht man es nicht fürs Web son­dern nur für schnel­le Ausdrucke irgend­wel­cher nicht son­der­lich auf­wän­dig for­ma­tier­ten Texte (-> dafür gibts Layoutprogramme). Die Codeformatierung ist den­noch grau­sig anzu­schau­en, wobei so man­ches CMS bzw. deren WYSIWYG-Editoren da auch nicht bes­ser sind. Wenn man nicht alles selbst von Hand macht, kommt ein­fach nichts bei rum… :-)

  6. @Karl: Nimm die objek­ti­ven Teile des Berichts und inter­pre­tier nicht dran rum. Empfohlen habe ich mehr­fach: “Google Docs oder Zoho Office”. Du kannst mei­net­we­gen aber auch Notepad neh­men oder mit einem klei­nen Meißel Steine behau­en oder mit Feder und Tinte in ein geblüm­tes Tagebuch mit Schloss dran schrei­ben und es her­nach unter dem Kopfkissen ver­ste­cken.

    @Helen: Hör doch ein­fach auf, Online-Officethemen zu lesen. Wir kön­nen weder auf Einzelschicksale Rücksicht neh­men, noch uns dem Trend zum Cloudcomputing ver­schlie­ßen. Das wäre schließ­lich Blödsinn.

  7. schon inter­es­sant, wie man selbst bei einem blog-arti­kel zu think­free office noch den goog­le-fan­boy machen kann :-) objek­tiv ist das aber nicht.

    ich bekom­me jeden­falls gän­se­haut dabei, wenn ich mir vor­stel­le, dass der größ­te inter­net-kon­zern der welt mit goog­le office wüss­te, was ich schrei­be, wie ich schrei­be, an wen ich schrei­be… es reicht, wenn goog­le weiß, was ich suche. dass man dafür einem unter­neh­men mit­teilt, was man sucht, ist ja klar. aber alles muss goog­le nicht wis­sen.

  8. Bitte hört mit den Online-Office-Themen auf!

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