Anzeige
Smartes Cloud Hosting für anspruchsvolle Projekte.
↬ Loslegen und Spaces testen ↬ Jetzt testen!
Dieter Petereit 5. Februar 2009

Studie: Traditionelle Mediennutzung stabil, neue Medien bauen Nutzungsanteile aus

Kein Beitragsbild

Eine neue Studie zur Mediennutzung amerikanischer Erwachsener wird derzeit gern zitiert. Allerdings geschieht das in durchaus unterschiedlicher Interpretation, je nach persönlicher Präferenz des Berichtenden eben. Objektiv betrachtet stellt das Ergebnis der Untersuchung jedoch einen Hoffnungsschimmer für die traditionellen Medien dar. Deren Nutzer wandern bei weitem nicht mehr so rasant ab, wie dies noch vor einigen Jahren geschah.

Wix Webseiten — echt superpraktisch. ↬ Mehr erfahren

Legenden und Wirklichkeit der Medien

Media Myths & Realities lautet der treffende Titel der nunmehr im dritten Jahr in Folge durchgeführten Untersuchung, für die das Beratungsunternehmen Ketchum in Kooperation mit der Universität von Südkalifornien Annenberg verantwortlich zeichnet. In der Tat halten sich bereits seit Jahren Mythen um das kurz bevorstehende Sterben der traditionellen Medienwelt hartnäckig. Wahrer werden sie indes dadurch nicht. Folgende Entwicklungstrends konnte die Untersuchung ermitteln und folgende Schlüsse sind daraus zu ziehen:

Anzeige

  • Der durchschnittliche Internetnutzer verwendet heute soviele Informationskanäle parallel wie niemals zuvor. Die Verwendung von Onlinemedien ist eine Selbstverständlichkeit geworden und führt dazu, dass die Grenzen zwischen traditionellen und neuen Medien stärker verschwimmen. Die Information steht im Vordergrund, nicht mehr der Weg, diese zu erhalten.
  • Das Internet ist nicht das meistgenutzte Medium zur Informationsbeschaffung. Noch immer stehen die großen TV-Nachrichtensender hier an vorderster Stelle. Zwar ist deren Nutzerbasis von 75% in 2006 auf 65 % in 2008 geschrumpft, dazu muss man jedoch anmerken, dass im Vergleich zum Vorjahr 2007 keine weitere Reduktion stattgefunden hat. Es scheint also so zu sein, dass sich dauerhaft die Nutzung der TV-Informationskanäle bei 65% und damit immerhin auf der Spitzenposition stabilisiert.
  • An Position 2 folgen regionale Zeitungen. Auch diese verloren seit 2006 Nutzer. Allerdings ist hier nach einem Rückgang von 69% in 2006 auf 62% in 2007 sogar wieder ein leichter Aufwärtstrend auf 63 % in 2008 erkennbar. Die regionale Zeitung ist damit definitiv nicht nachhaltig auf dem absteigenden Ast.
  • Auch an der Position 3 findet sich kein Onlinemedium. Regionale Fernsehsender haben zwar ähnlich wie die regionalen Zeitungen eine Abnahme der Nutzerzahlen (2006: 74%) hinnehmen müssen, konnten jedoch in 2008 ebenfalls wieder einen Prozentpunkt von 61 auf 62% gut machen.
  • Erst an der Position 4 folgen Suchmaschinen als Informationsbeschaffungskanäle. Erstaunlich werden es die meisten finden, dass deren Nutzeranteil seit 2006 jährlich um einen Prozentpunkt sinkt und in 2008 bei 59% verortet werden konnte.

Ich will nun nicht sämtliche 24 Kanäle mit ihren Einzelpositionen aufführen und verkürze das Ganze daher etwas. Nach den Suchmaschinen kommen zunächst wieder traditionelle Methoden der Informationsbeschaffung, unter anderem das Einholen von Ratschlägen bei Freunden, Bekannten und Arbeitskollegen. Auch das gute alte Radio liegt immer noch weit vorn und konnte sich im Vorjahresvergleich um fünf Prozentpunkte verbessern.

E-Mail-Newsletter sind gern gewählte Informationsmedien

Das meistgenutzte Onlinemedium nach den Suchmaschinen ist interessanterweise der E-Mail-Newsletter, den viele Experten schon seit Jahren, spätestens seit RSS für tot erklären. Schaut man sich das Nutzerverhältnis zwischen E-Mail-Newsletter (42%) und RSS-Newsfeeds (7%) an ist man eher geneigt, das letzte Fläschchen Öl für RSS hervor zu kramen. Nicht einmal perspektivisch mag man hier Vorteile für RSS erkennen. Beide Dienste verzeichneten in den letzten Jahren Nutzerzuwächse im einstelligen Prozentbereich. Mit 35% Nutzeranteil folgen Shopwebsites mit Bewertungsmöglichkeiten und Nutzerkommentaren. Den Ratschlägen auf Seiten wie Amazon schenken jedenfalls mehr Nutzer Vertrauen (35%), als den Ratschlägen der eigenen Arbeitskollegen (30%).

Was gern als Web 2.0 bezeichnet wird, spielt insgesamt durchaus eine bedeutende Rolle, wenn auch den traditionellen Medien nicht so bald der Rang abgelaufen werden wird. Social Networks, wie etwa Facebook oder die VZ-Varianten konnten sich in den letzten drei Jahren einen deutlichen Zuwachs von rund 10% sichern. Mit nahezu einer Verdoppelung seiner Nutzungsanteile von 13% in 2006 auf 24% in 2008 zählen die viel geschmähten Blogs zu den großen Gewinnern im Medienrennen. Podcasts, Videocasts und Mobilmedien liegen mit nur sehr moderaten Zuwächsen weit abgeschlagen dahinter. Durchaus erstaunlich darf man es wohl bezeichnen, dass Firmenwebsites mit 26% etwas stärker genutzt werden als Blogs, wo doch der Firmenwebsite per Definition schon der kritisch wertende, jedenfalls neutral informierende Charakter fehlt.

Der Fachmann ist gefragt

Laut Jerry Swerling von der USC Annenberg steht für die Konsumenten heutiger Informationskanäle die Frage nach der Glaubwürdigkeit einer Information im Vordergrund. Das erkläre die weiterhin starke Nutzung ganz traditioneller Medien, da dort das journalistische Prinzip eine gewisse Verlässlichkeit verspreche. Auch wenn ich das so nicht für alle journalistischen Medien unterschreiben würde, stimmt es im Großen und Ganzen schon. In Blogs wird tendenziell wesentlich ungefilterter, unrecherchierter und unreflektierter an Informationen gearbeitet als dies angezeigt, je nach Thema gar geboten wäre. Weist man solche Blogger darauf hin, wird einem entgegen gehalten, Blogger seien schließlich keine Journalisten und könnten deshalb schreiben, was sie wollten. Ich will dieses unerfreuliche Thema hier nicht vertiefen, habe aber Verständnis für jeden, der Vorbehalte gegenüber Blogs hat. Ist es Meinung, ist es Fakt? Stimmt überhaupt die Grundannahme? Fragen, die nur unter Einsatz von Lebensenergie und der äußerst knappen Lebenszeit zu beantworten wären. Etwas für unausgelastete Enthusiasten also. Auf diese Weise sichert die Blogosphäre den traditionellen Medien das Überleben und wird sie in den nächsten Jahren sogar weiter stärken.

Die parallel zu den Untersuchungen in den USA durchgeführten Studien im Vereinigten Königreich und in Brasilien führten übrigens insgesamt zum gleichen Ergebnis. Der Mediennutzer nutzt immer mehr Informationskanäle gleichzeitig, ist dabei aber stets bemüht, möglichst glaubwürdige Sprecher zu finden. Man darf gespannt sein, ob der Bürgerjournalismus unter diesen Vorzeichen irgendwann zu einem ernst zu nehmenden Phänomen zu werden bereit sein wird. Plattformen wie wordpress.com oder blogspot.com werden einer solchen Entwicklung jedenfalls eher schaden als nützen.

Dieter Petereit

Dieter Petereit

ist seit 1994 im Netz unterwegs, aber bereits seit über 30 Jahren in der IT daheim. Seit Anfang des neuen Jahrtausends schreibt er für diverse Medien, hauptsächlich zu den Themenfeldern Technik und Design.

7 Kommentare

  1. Abneigung gegen Blogs? Ich? Ich bin seit vier Jahren Blogger, wenn auch heute nicht mehr so aktiv wie zu Beginn…

  2. Offensichtlich sind die Vorteile von RSS auch in den USA bei den Erwachsenen noch ziemlich unbekannt: Interessantes aus zahlreichen Internetangeboten schnell zu filtern. In Deutschland gilt dies noch viel mehr. Verwunderlich ist dies nicht, denn selbst in der neuesten Version des am häufigst genutzten Internetbrowsers Internet Explorer ist die Bedienung der RSS-Funktion für den Normalnutzer zu unkomfortabel und kompliziert. Den meisten Nutzern reicht es, ihre wenigen Lieblingsseiten aufzurufen und Emailnewsletter zu abonnieren, um zu erfahren, wo es Neuigkeiten gibt.

    Dass traditonelle Medien wie Fernsehen und Zeitungen wegen ihrer Glaubwürdigkeit auch weiterhin ihre Bedeutung behalten ist nachvollziehbar.

  3. Interessanter Artikel, allerdings kommt deutlich heraus, dass der Autor eine starke Abneigung gegen Blogs hat. Schade, denn Blog-Artikel bieten oft den ersten Anstoß für Recherchen von großen Nachrichtenportalen etc. und ermöglichen somit eine bessere Informationsbeschaffung. Oft werden Blog nämlich von Insidern betrieben.

    Und ich muss auch Tobias recht geben. Letztendlich entscheidet die heutige Jugend, welche Medien in Zukunft wichtig sein werden. Und da die meisten Jugendlichen heutzutagen Größtenteils im Internet Surfen, wird das wohl die Zukunft sein.

    Immer mehr Print-Magazine/Zeitungen werden sich ins Internet Umsiedeln. Spiegel hat es vorgemacht und betreibt heute eines der, evtl sogar das größte Internet-Portal Deutschlands.Das wird letztendlich auch mit den regionalen Zeitungen passieren, welche im übrigen schon seit langem auch im Internet publizieren (zumindest die, die ich kenne).

    Was TV-Nachrichten angeht: Diese werden wohl auch in Zukunft stark genutzt werden. Schließlich sagt ein (bewegtes) Bild mehr als tausend Worte…

  4. Ich bezweifel die Glaubwürdigkeit solcher Umfragen, welches Medium gerade auf dem Vormarsch ist. Es ist letztendlich immer abhängig davon welche Personengruppe man befragt.

    Die Studie wurde nur unter Erwachsenen durchgeführt, aber letztendlich entscheiden die 16 – 25 Jährigen, welchem Medium die Zukunft gehört.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.