Spaces. Smartes Cloud Hosting für anspruchsvolle Webprojekte. Loslegen und Spaces testen. Von Mittwald.
Lukas Schlömer 3. Juni 2010

Steuerpauschalen: Buchhaltung für Dummies – Einkommensteuer

Kein Beitragsbild

Steuerpauschalen nutzen – Papierkrieg vermeiden?

Unter bestimm­ten Umständen kön­nen sich Freelancer und Kleinunternehmer den Papierkrieg mit dem Finanzamt ganz oder teil­wei­se erspa­ren: Wir nen­nen die wich­tigs­ten Steuerbefreiungen und Pauschalen für haupt- und neben­be­ruf­li­che Selbstständige.

Einkommensteuer-Variante I: Nulltarif für Nebeneinkünfte

Liegt Ihr Einnahmenüberschuss aus neben­be­ruf­li­cher Selbstständigkeit aufs Jahr gerech­net unter 410 Euro, müs­sen Sie dar­auf über­haupt kei­ne Einkommensteuer bezah­len. Angestellte, die dar­über hin­aus kei­ne wei­te­ren Nebeneinkünfte haben, brau­chen noch nicht ein­mal eine Einkommensteuererklärung abzu­ge­ben. Der soge­nann­te Härteausgleich ist in Paragraf 46 Einkommensteuergesetz gere­gelt.

Einkommensteuer-Variante II: Übungsleiterpauschale

Manche Gewerbetreibenden und Freiberufler sind viel­sei­tig qua­li­fi­ziert: Wer außer­halb sei­nes eigent­li­chen Hauptberufs im Auftrag gemein­nüt­zi­ger Vereine, öffent­li­cher oder öffent­lich-recht­li­cher Institution (z. B. für Gemeinden, Volkshochschulen, Kammern etc.) als …

  • Ausbilder, Übungsleiter, Erzieher, Betreuer arbei­tet oder “ver­gleich­ba­re Tätigkeiten” aus­übt,
  • alte, kran­ke oder behin­der­te Menschen pflegt oder auch
  • künst­le­risch tätig ist,

… darf die steu­er­freie Übungsleiterpauschale in Anspruch neh­men. Die liegt laut Paragraf 3 Nr. 26 Einkommensteuergesetz bei 2.100 pro Jahr. Ob Sie dane­ben im Hauptberuf ange­stellt arbei­ten, selbst­stän­dig, arbeits­los oder über­haupt nicht erwerbs­tä­tig sind und wie viel Sie dort ver­die­nen, ist für die Inanspruchnahme der Pauschale völ­lig uner­heb­lich.

Wenn Sie als pro­fes­sio­nel­ler Webdesigner neben­bei zum Beispiel einen Volkshochschulkurs anbie­ten, dann brau­chen Sie die dadurch erziel­ten Einnahmen bis zum genann­ten Freibetrag also nicht unbe­dingt als betrieb­li­che Einnahmen zu buchen. Aber Achtung: Die Grenze zwi­schen Haupt- und Nebenberuf ist in sol­chen Fällen oft umstrit­ten: Bieten Sie als Webdesigner eine Dreamweaver-Einführung an, gilt das zwei­fels­frei als haupt­be­ruf­li­che Verwertung Ihres pro­fes­sio­nel­len Know-hows. Weiterbildungsangebote wie “Existenzgründung für Freiberufler” oder auch “Wie wer­de ich Ebay-Powerseller” las­sen sich hin­ge­gen durch­aus als neben­be­ruf­li­che Tätigkeit dekla­rie­ren. Versichern Sie sich im Einzelfall bei Ihrem Auftraggeber, Steuerberater oder Ihrem zustän­di­gen Finanzbeamten, ob und wenn ja, wel­che Tätigkeit in Ihrem Fall von der Übungsleiterpauschale abge­deckt ist.

Übrigens: Die Bezeichnung Übungsleiterpauschale klingt zwar nach Taschengeld und kar­ger Aufwandsentschädigung – bei genau­em Hinsehen sind die Stundensätze aber vom Einkommensteuergesetz nicht gede­ckelt: Theoretisch lie­ße sich also sogar ein hap­pi­ges Beraterhonorar als Übungsleiterpauschale ein­stu­fen!

Wer mit öffent­li­chen, gemein­nüt­zi­gen oder mild­tä­ti­gen Einrichtungen zusam­men­ar­bei­tet, soll­te also über­prü­fen, ob die Nebenberufsklausel greift – es lohnt sich: Je nach per­sön­li­chem Steuersatz liegt die jähr­li­che Steuerersparnis bei vol­ler Ausschöpfung der steu­er­frei­en Pauschale zwi­schen 312,90 Euro (14,9 Prozent Einkommensteuer auf 2.100 Euro) und 945 Euro (45 Prozent auf 2.100 Euro).

Einkommensteuer-Variante III: Betriebsausgaben-Flatrate

Kommt die Übungsleiterpauschale für Sie nicht infra­ge? Bestimmte Berufsgruppen kom­men alter­na­tiv oder zusätz­lich in den Genuss von Betriebsausgaben-Pauschalen für Selbstständige im Sinne des Paragrafen 18 Einkommensteuergesetz:

  • Wer haupt­be­ruf­lich als Schriftsteller oder Journalist arbei­tet, darf zum Beispiel 30 Prozent sei­ner Betriebseinnahmen pau­schal als Betriebsausgaben abset­zen – höchs­tens jedoch 2.455 Euro jähr­lich.
  • Wer neben­be­ruf­lich als Wissenschaftler, Künstler oder Schriftsteller arbei­tet oder neben­amt­li­che Vortrags-, Lehr- und Prüfungstätigkeit aus­übt, darf statt der tat­säch­lich ange­fal­le­nen Betriebsausgaben pro Jahr pau­schal 25 Prozent sei­ner Betriebseinnahmen (maxi­mal 614 Euro) als Aufwand gel­tend machen.

Bitte beach­ten Sie: Der Höchstbetrag von 614 Euro kann für meh­re­re Nebentätigkeiten, die unter die Vereinfachungsregelung fal­len, nur ein­mal gewährt wer­den.

Zu fin­den sind die­se Ausnahmebestimmungen unter Randziffer 18.2 der amt­li­chen Einkommensteuer-Hinweise über Aufzeichnungspflichten und Betriebsausgabenpauschalen von Freiberuflern.

Wer also wenig ver­dient, nur gering­fü­gi­ge Aufwendungen hat und / oder über­haupt kei­ne Lust auf die Buchführung ver­spürt, kann sich als Angehöriger einer der begüns­tig­ten Berufsgruppen das Sammeln und die Kontrolle von Quittungen und Eingangsrechnungen sowie den Papierkrieg mit dem Fiskus fast ganz spa­ren: In dem Fall reicht eine voll­stän­di­ge Liste mit den Ausgangsrechnungen – und eine ein­fa­che Dreisatzrechnung, um den betrieb­li­chen Aufwand und letzt­lich den Einnahmenüberschuss zu ermit­teln.

Weiterführende Lektüre: Mit den Möglichkeiten der Vorsteuer-Pauschalierung befasst sich die Fortsetzung die­ses Beitrags: “Buchhaltung für Dummies – Umsatzsteuerpauschalen”.

Fazit

Echte Betriebsausgabenpauschalen könn­ten das Leben von Freiberuflern und Kleinunternehmen beträcht­lich erleich­tern. Vielleicht hat der Gesetzgeber ja irgend­wann ein­mal ein Einsehen: Dass Politiker dem Prinzip von Einheitstarifen grund­sätz­lich auf­ge­schlos­sen gegen­über­ste­hen, zei­gen die weit­ver­brei­te­ten Kostenpauschalen für Parlamentarier. (tm)

Aktualisiert, Erstveröffentlichung 29.04.2007

Lukas Schlömer

Lukas Schlömer ist ein pseudonymer Autor, der unter diesem Namen ausschließlich für Dr. Web schreibt.

5 Kommentare

  1. Ich betrei­be im Nebenerwerb einen Kleinstverlag, mit dem ich kaum mehr als ein Taschengeld erwirt­schaf­te. Die Buchhaltung ist den­noch ziem­lich auf­wen­dig. Ich ver­le­ge auch eige­ne Bücher und bin Herausgeberin von Anthologien. Könnte hier eine der genann­ten Betriebskostenpauschalen grei­fen?
    Wäre dank­bar für einen Tipp oder Hinweis.

  2. Hallo,

    kann ich die Übungsleiterpauschale auch als Freiberufler gel­tend machen?

    Neben mei­nem Studium arbei­te ich als Trainerin. Kann ich da über­haupt irgend­wel­che Freibeträge gel­tend machen?

    Ich arbei­te u.a. in Vereinen und an der Uni selbst als Trainerin.

    Freue mich über eine Antwort.

    lg anna

  3. Hallo erge­ka,
    grund­sätz­lich ist das mög­lich – aber wie wei­ter oben im Text bereits gesagt:
    ———— Zitat —————-
    Versichern Sie sich im Einzelfall bei Ihrem Auftraggeber, Steuerberater oder Ihrem zustän­di­gen Finanzbeamten, ob und wenn ja, wel­che Tätigkeit in Ihrem Fall von der Übungsleiterpauschale abge­deckt ist.
    ———-Zitat-Ende ————–
    Sie kön­nen es aber auch ein­fach dar­auf ankom­men las­sen, die 2.100 Euro bei der Steuererklärung als Übungsleiterpauschale anset­zen und dar­auf ver­trau­en, dass sie bei einer even­tu­el­len Betriebsprüfung aner­kannt wird.
    Viel Erfolg und freund­li­che Grüße
    Lukas Schlömer

  4. Sehr inter­es­sant. Kann ich die Übungsleiterpauschale auch gel­tend machen, wenn ich mehr als 2100 Euro damit ver­dient habe?

    Ich bin Grafikdesigner und habe 2009 rela­tiv viel EDV-Unterricht (PC-EinführungWindows/Word/Excel, also Themen die mit mei­ner Hauptquali als Grafik- und Webdesigner nichts oder nur am Rande zu tun haben) gege­ben, v.a. bei einem gemein­nüt­zi­gen Träger. Kann ich davon nun 2100 Euro Pauschale abzie­hen?

    MfG
    erge­ka

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.