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Manuel Diwosch 2. Februar 2009

So verändert Google 2009 die Suchmaschinenoptimierung

Google entwickelt seine Suchmaschine stetig weiter. Das Ziel ist, für den Benutzer relevantere Suchergebnisse zu finden. Alle Medienarten von PDF bis zum Video tauchen mittlerweile in den Suchresultaten auf. Zudem unternimmt Google bereits erste Schritte in Richtung individuelles Suchergebnis. Die Auswirkungen dieser Maßnahmen beeinflussen die Suchmaschinenoptimierung nachhaltiger als jede Algorithmusanpassung.

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Die wichtigste, weil augenscheinlichste Veränderung der Suchergebnisse trägt den Namen „Universal Search“. Diese universelle Suche ist nicht neu, sie wurde von Google nach und nach bei bestimmten Anfragen in unsere Suchergebnisse eingeführt. Und dieser Prozess ist noch nicht abgeschlossen. Im Gegenteil, vor allem im ersten Quartal 2009 soll er weiter vorangetrieben werden.

Unter Universal Search versteht Google die Verschmelzung der verschiedenen Medien-Indizes im Ergebnis der Top-Suchanfrage. Davor bot Google für jeden Medientyp eigene Tools an. Suchte man Bilder musste man auch das dafür vorgesehene Tool benutzen; ebenso bei News, Videos, Umgebungsplänen und anderen Verzeichnissen, zu denen Google Suchoptionen anbot. Die Universal-Search vereint die passenden Ergebnisse aller Medienarten nun in einer Liste.

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Am leichtesten lässt sich dies durch eine lokale Suchanfrage demonstrieren. Gibt man zu dem gewünschten Suchbegriff einen Ortsnamen ein, so erhält man an erster Stelle der Ergebnisliste eine Übereinstimmung mit Google-Maps. Die „normalen“ Suchergebnisse befinden sich erst darunter.

Was bedeutet das für SEOs und Seitenbetreiber?

Die Universal Search verändert die gewohnte Reihenfolge der Ergebnisliste durch Google-Maps, YouTube-Videos, Google-News, Shopping-Tipps und anderen Indizes, die von der Suchmaschine in den Hauptindex einfließen und in Zukunft noch einfließen werden. Eine organische Topplatzierung verliert dadurch bedeutend an Wert. Durchschnittlich klicken nämlich vier von zehn Nutzern auf das erstplatzierte Suchergebnis und nur noch einer von zehn auf das zweite. Der Klickanteil jener Websites, die erst auf der zweiten Seite der Ergebnisliste stehen, ist fast unbedeutend.

Für Suchmaschinenoptimierer (SEOs) und Seitenbetreiber wird die Arbeit durch Universal Search vielseitiger. Eine organische Platzierung in den Top-Five ist plötzlich nur noch einen Bruchteil wert, wenn davor zehn Google-Maps Treffer stehen. Will man seine Seite weiterhin für Google-Suchen optimieren, muss man auf mehreren Ebenen agieren. Das heißt, wenn unter einem Suchwort Google-Maps Treffer auftauchen, muss ich auch dort ganz oben stehen. Liefert die Suchmaschine unter dem Begriff YouTube-Videos aus, muss ich mich damit beschäftigen, wie ich ein Video bekannt mache. Erhält man Google-News Treffer, ist es wichtig in jenen Nachrichtenportalen präsent zu sein, die Google-News als Quellen heranzieht. Über diese Umwege sollten schließlich „Durchleitungen“ zu der eigenen Website erzeugt werden.

Weil Google nicht mehr nur die „einfache“ HTML-Page indiziert, müssen auch Bilder, Blogs, PDFs, Videos und Flash-Produktionen für die Suchmaschine optimiert werden. Zudem zwingt die Universal Search Seitenbetreiber zu erkennen, welche Medientypen für ihre Site die wichtigsten sind. Für einen Immobilienmakler könnten dies die Bilder seiner zu verkaufenden Objekte sein, für einen Shopbetreiber die Produktvideos und so weiter. Wenn diese Medientypen weit oben in den Suchtreffern auftauchen, werden sie genauso viele – oder sogar noch mehr – Besucher generieren wie organische Topplatzierungen. Der Vorteil eines gut gemachten Bildes einer Villa mit Swimmingpool im Grünen gegenüber dem kurzen Einleitungstext eines Maklerbüros ist offensichtlich. Wenn die Fotos gefallen wird der Haussuchende direkt darauf klicken und den Text zwei bis drei Platzierungen darunter gar nicht mehr wahrnehmen.

Der nächste Schritt: Die personalisierte Suche

Der Internet-Gigant Google lieferte auch schon das erste Tool für individuelle Suchergebnisse. Es trägt den Namen „SearchWiki“. Als erstes stand SerachWiki dem englischsprachigen Raum unter der Google.com-Domain zur Verfügung. Bei der Suchmaschine registrierte und eingeloggte Nutzer können die Reihenfolge ihrer Ergebnisse verändern, einzelne Websites aus der Ergebnisliste löschen, fehlende Sites hinzufügen und Kommentare zu den Ergebnissen verfassen. Zusätzlich können sie die Kommentare aller anderen Nutzer einsehen.


Mit SearchWiki kann der User die Suchergebnisse selbst ordnen und verwalten.

Auf die „normalen“ Suchanfragen aller nicht registrierten User sollen diese Bewertungen und Kommentare der SeachWiki-Nutzer noch keine Auswirkungen haben, verspricht Google. SEO wird also in Zukunft nicht bedeuten, die Seiten der Konkurrenz mit schlechten Bewertungen aus dem Index zu „schießen“.

Das erklärte Ziel hinter SearchWiki ist es, jedem Suchenden genau das zu liefern, was er finden will: Google-Mitarbeiter Amit Singhal erklärt im Google-Webmaster-Blog: „Unsere Evaluierung zeigt, dass User, die personalisierte Ergebnisse erhalten, diese gewöhnlich als relevanter empfinden als nicht-personalisierte Ergebnisse.“

An Beispielen erklärt: Google will wissen, ob ein Suchender mit dem Wort „Giants“ nach der Baseball- oder der Football-Mannschaft sucht, mit dem Wort „Puma“ nach Mode oder dem Tier und so weiter.

Die Auswirkungen der personalisierten Suche könnten vor allem für kleinere Seitenbetreiber mit einem gut herausgearbeiteten Alleinstellungsmerkmal von Vorteil sein. Für allgemeine Websites wie zum Beispiel große Preisvergleichsplattformen könnte SearchWiki nachteilig wirken. Schließlich liefert eine personalisierte Suche genauere Treffer. So wird ein Hobby-Bergsteiger, der nach Zubehör sucht, ohne den Umweg über eine Preisvergleichsplattform direkt zu einem Fachhändler geleitet werden und nicht zum „Allesbieter“ von der Klobürste bis zum LKW. Die Übereinstimmungen seines bisherigen Suchverhaltens mit den Informationen auf der Seite des Fachhändlers müssten deutlich größer sein. Als Auswirkung der personalisierten Suche kann demnach erwartet werden: Es werden zwar weniger Besucher auf eine Site gelangen, dafür aber die „richtigen“. Diese Tatsache müsste theoretisch die Konversionsrate anheben.

Die logische Konsequenz für Seitenbetreiber sollte also die sein, ein zugkräftiges Alleinstellungsmerkmal verstärkt herauszuarbeiten und sich mit besonders hoher Qualität des Contents von der Konkurrenz abzuheben. Denn die personalisierte Suche listet jene Seiten, die beim einzelnen Nutzer besonders beliebt sind, ganz oben. Search Wiki kann also dafür sorgen, dass zufriedene Nutzer um eine bestimmte Website gar nicht mehr herumkommen.

Nutzen diese Tools dem User oder ausschließlich Google?

Im Google-Webmaster-Blog behaupten die Autoren, dass die Universal Search und SearchWiki einen Fortschritt für die User bedeuten. Ergebnisse, die nicht nur auf einen Medientyp beschränkt sind, kommen in Ihrer Vielseitigkeit der Vielseitigkeit der Menschen entgegen. Im Gegensatz zum einfach gestrickten Bot können Menschen nämlich nicht nur Information aus Texten erhalten, sondern auch aus Bildern, Animationen und Videos. Genau so, wie es die Universal Search darstellt. Das Problem ist allerdings eine firmenspezifische „Zensur“ die Google für den oft unwissenden User vornimmt: Die Universal Search vereint nämlich lediglich „hauseigene“ Produkte des Internet-Giganten mit dem Hauptindex. Videos müssen auf YouTube stehen und lokale Einträge auf Google-Maps eingezeichnet sein. Die Produkte alternativer Anbieter werden ignoriert.

Auch die personalisierte Suche durch SearchWiki ist nicht uneigennützig für den User entwickelt worden. Verhält es sich nämlich so, dass registrierte Nutzer bessere Suchergebnisse erhalten, werden sich Suchende über kurz oder lang bei Google registrieren. Schließlich will jeder User möglichst ohne Umwege das finden, was er tatsächlich sucht.

Zusätzlich eröffnen sich dadurch für Google noch bessere Werbemöglichkeiten. Der größere Wissensstand über den Einzelnen ermöglicht nun nicht nur AdWords-Einschaltungen kontextsensibel an die Suchanfrage, sondern auch an die Interessen der Person vor dem Schirm anzupassen. In Zukunft könnte man also während des Suchvorgangs im Netz ständig mit Werbebotschaften, passend zu den eigenen Interessen, konfrontiert werden.

Wer sich diesem Trend rund um Universal Search oder personalisierter Suche entziehen will, hat es schwer. Nicht nur deshalb, weil Google Platzhirsch unter den Suchmaschinen ist, sondern auch weil die Konkurrenz rund um Yahoo, MSN und kleinere Suchmaschinen ebenfalls die Möglichkeiten dieser Entwicklungen erkannt haben und bereits an ähnlichen Projekten arbeiten.

Manuel Diwosch

Manuel Diwosch ist seit 2000 im Medienbereich tätig. 2008 schrieb er erstmals für Dr. Web und startete eigene, professionelle Webprojekte. Er verbindet technisches Know-How mit dem Fachwissen der journalistischen Kommunikation. Als Dienstleister entwirft er Online-Marketing-Strategien für Unternehmen und setzt diese um.

2 Kommentare

  1. Da hast du recht. Derzeit läuft das Alles noch größtenteils zu maschinell ab. Google beschäftigt zwar tausende menschliche Quality-Rater, deren Einfluss ist aber bedeutend zu gering, um merkbare Unterschiede im Ranking herbei zu führen.
    Mit der personalisierten Suche und mit den Kommentaren (die ja auch von anderen Suchern eingesehen werden können), unternimmt Google aber vielleicht einen ersten Schritt in die „Automatisierung“ des Quality-Ratings durch die Masse der User.
    Wo die Reise genau hingeht, weiß man ja noch nicht. Aber vielleicht läuft es ja irgendwann darauf hinaus, dass bei zahlreichen schlechten Bewertungen von Seiten mit gutem Pagerank bei den menschlichen Quality-Ratern aus dem Hause Google ein „Lämpchen“ angeht und diese eine Seite unter die Lupe nehmen. Oder Google arbeitet an einem Weg die nutzerbedingten Veränderungen der Reihenfolge (oder die Kommentare) in das Ranking einfließen zu lassen.

    Dass bei verschiedenen Firmen aus einer Branche redundante Informationen veröffentlicht werden, ist schwer zu ändern. Allerdings ist die Aufbereitung der Informationen oft von unterschiedlicher Qualität.

  2. Wenn es denn wirklich darauf hinaus läuft, mit seiner Homepage ein „Alleinstellungsmerkmal“ zu schaffen, sollte sich Google auch überlegen, ob externe Links noch das richtige Beweismittel für gute Internetseiten sind. Google müsste dann den Inhalt einer Homepage bewerten und diesen auch wie ein Mensch verstehen können. Wie soll das funktionieren?!

    Im Moment läuft doch alles viel zu maschinell! Keywords hier einbauen und dort einbauen, jetzt allen Bekannten noch schnell Bescheid geben, von Ihren Webseiten mit PR4 und höher auf die Seite zu verlinken und man hat gute Chancen schon mal nach vorne zu kommen.

    Egal bei welcher Branche, auf den Firmenwebsites steht im Grunde überall der gleiche Blödsinn – ich schließe mich da mit ein!

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