SITE123: Dieser Homepage-Baukasten liefert Websites im Handumdrehen

Dieter Petereit

ist seit 1994 im Netz unterwegs, aber bereits seit über 30 Jahren...

Heutige Website-Builder sind schon fast zu komplex, als dass sie sich für Otto Normalverbraucher eigneten. SITE123 geht bewusst nicht den Weg maximaler Freiheit und Featuritis, sondern legt Wert auf schnelle Resultate.

Homepage-Baukästen auf dem Holzweg?

Eins vorweg, ich arbeite seit 1994 als Webentwickler und kenne in etwa alle Tools, die jemals in unserer Branche eine Rolle gespielt haben. Schon ganz früh gab es Homepage-Baukästen, die sich von der Leistung eines professionellen Designers klar abgrenzen ließen.

Mit Geocities und Co. konnten unbedarfte Seitenbetreiber einfache Selbstdarstellungen im Netz der Netze veröffentlichen. Wer mehr wollte, ging zum Profi. Und so ist es auch richtig, denn der Normalkunde mag zwar eine grobe Vorstellung davon haben, was er transportiert wissen möchte, von Informationsarchitektur und Kommunikationsdesign hat er jedoch mit ziemlicher Sicherheit keinerlei Ahnung.

Homepage-Baukasten on Steroids: Featuritis, wo sie nicht gefragt ist

Seit einigen Jahren sehen wir, dass Homepage-Baukästen, die neuerdings viel lieber Website-Builder oder Online-Designsoftware genannt werden wollen, dermaßen stark an Funktion zunehmen, dass sich deren Zielgruppe verschiebt. Immer mehr Dienste nehmen neben dem Normalverbraucher auch den Designer ins Visier und tun so, als könnte ein Produkt problemlos beide Zielgruppen bedienen. Das allerdings ist Unsinn.

Ein Produkt für einen professionellen Designer muss eine Funktionsvielfalt und Flexibilität aufweisen, die selbst ein ambitionierter DIY-Seitenbetreiber nur ganz selten benötigen wird. Na und, könnte man sagen, dann benutzt eben jener nur die Features, die er für seinen geringeren Anspruch benötigt. Das aber ist der gedankliche Holzweg, auf den ich hinaus will.

Denn ein Seitenbetreiber ohne Designhintergrund, eigentlich die Kernzielgruppe ursprünglicher Homepage-Baukästen, benötigt nicht ein Übermaß an Funktionen. Er benötigt viel mehr ein hohes Maß an Führung im Rahmen von Best Practices.

Exkurs: Android vs. iOS

Es ist ein bisschen so wie im Vergleich zwischen Android und iOS. Klar ist Android das weitaus flexiblere, offenere System. Du kannst damit alles machen, es anpassen, bis der Arzt kommt. Du kannst dir auf Abwegen sogar ganz prima Schadsoftware drauf installieren. Android ist ein System, das man erlernen muss. Wenn man gut damit umzugehen weiß, ist es dem iOS deutlich überlegen.

iOS hingegen macht Vorgaben, trifft Entscheidungen für den Nutzer, ist nur in engen Grenzen flexibel. Sich das System zu vergurken, ist praktisch nicht möglich. Nicht einmal die willentliche Installation von Apps außerhalb des App-Stores ist zugelassen. Das schränkt die Nutzung zwar ein, aber das geschieht mit voller Absicht. Auf diese Weise erhalten Verwender nach der Apple-Philosophie ein System, das genauso ausgestaltet ist, wie es zu sein hat – erdacht auf der Bais von Expertenwissen.

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Diejenigen, die mit diesen Entscheidungen nicht einverstanden sind, sind nahezu ausnahmslos diejenigen, die fit genug sind, auch mit einem Android verantwortlich umzugehen. Ich habe indes noch nie von einem „normalen” iPhone-Nutzer Kritik dergestalt gehört, dass ihm das System zu eingeschränkt wäre.

Der alternative Ansatz zum multifunktionalen Homepage-Baukasten

Auf unser Homepage-Baukasten-Thema übertragen bedeutet das, dass es für die „normalen” Nutzer eines solchen Dienstes weitaus besser wäre, der Dienstbetreiber machte auf der Basis seines Expertenwissens mehr Vorgaben, als dass er versuchte, alles zu ermöglichen.

Dem interessierten Seitenbetreiber, der möglicherweise seine Seite nur im Kommunikationsmix, eventuell nicht mal als stärksten Bestandteil dessen, sieht, ist besser geholfen, wenn der Homepage-Baukasten etwas von dem professionellen Wissen, mit dem ein Designer an das Projekt ginge, mitbrächte. Dann könnte der Dienst den Nutzer an die Hand nehmen und ihn anhand von Best Practices seiner Branche zum Ergebnis führen.

An dieser Stelle kommt der nach eigenen Angaben „bei weitem einfachste kostenlose Webseitenersteller” namens SITE123 ins Spiel. SITE123 spricht 15 Sprachen, darunter Deutsch.

So baust du eine Website mit Site123

Der Name SITE123 ist als ein Versprechen zu verstehen. Du sollst 1, 2, 3, also quasi im Handumdrehen zu deiner eigenen Website gelangen. Der Prozess verspricht, so einfach wie möglich zu sein, dabei aber gleichzeitig zu professionellen Ergebnissen zu führen. Zielgruppe sind private, aber auch gewerbliche Anwender, die ohne Programmier- und Designkenntnisse und in sehr überschaubarer Zeit ihren Internetauftritt online bringen wollen.

Gehen wir den Prozess gemeinsam einmal durch. Zunächst begeben wir uns auf die Startseite des Dienstes. Dort klicken wir ganz rechts oben auf den Button „Hier starten”, womit direkt der Erstellungsvorgang gestartet wird.

Im ersten Schritt wählen wir eine Branche bzw. einen Anwendungszweck aus:

Im zweiten Schritt vergeben wir einen Namen für unsere Website:

Im dritten Schritt müssen wir uns registrieren. Das kann entweder auf traditionellem Wege mit Name, E-Mail, Passwort oder per OAuth über Google oder Facebook passieren:

Das war es zunächst. Site123 generiert jetzt eine Website:

Am Ende dieses Vorgangs öffnet sich der SITE123-Editor mit einem Designvorschlag und einer Tour durch die Benutzeroberfläche, die entspannend kurz ausfällt, weil eben nicht auf Featuritis gesetzt wird.

Auf der linken Seite des Browserfensters finden wir die vertikal angeordnete Navigation, die sich in die Bereiche Startseite, Seiten, Design und Einstellungen unterteilt, sowie Möglichkeiten der Preview und des Veröffentlichens bietet.

Jeder einzelne Menüpunkt birgt wiederum eine überschaubare Funktionalität. Mittels des Punktes „Startseite” etwa, konfigurieren wir uns eine Startseite hin, wie wir sie benötigen.

Dabei ist es durchaus möglich, ein komplett anderes Homepage-Layout zu wählen, als zunächst vorgegeben. Wir können uns allerdings keines völlig frei ausdenken. Die Änderungen erfolgen auch nicht direkt in der Seite, sondern über Dialog- und Textfelder, die wir ausschließlich über die linksseitige Navigation erreichen.

Bevor jetzt einer mault, das sei aber unflexibel, bedenkt bitte, dass auf diese Weise ein ganz glasklarer Erstellungsprozess gewährleistet wird. Wir fangen mit der Startseite an und befassen uns dann mit den einzelnen Seiten, die im Falle meines Layout als Slides im Stile einer OnePage-Website an die Startseite anschließen. Ob OnePager oder nicht, können wir in den „Einstellungen”, dem letzten Punkt der linksseitigen Navigation einstellen.

Auch das Untermenü „Seiten” ist klar strukturiert. Wir finden hier die einzelnen Seiten gelistet und können jetzt per Drag and Drop die Reihenfolge ändern oder über den orangenen Button ganz oben neue Seiten hinzufügen. Jede einzelne Seite kann gelöscht, inhaltlich bearbeitet oder mit einem neuen Seiten-Layout versehen werden. Je nach Art des Inhalts entscheiden wir, ob die Seite auch in Menü und Footer zu sehen sein soll.

Über den Menüpunkt „Design” bearbeiten wir übergreifende Aspekte der Gestaltung. Dabei bündelt SITE123 die Möglichkeiten überschaubar in sechs Kategorien, von denen der erste mit dem Titel „Layouts” den grundlegendsten Impact nach sich zieht.

Hier bauen wir die komplette Seitenstruktur um. Wir legen das Menü als Hamburger ab, kreiieren eine linksseitige Navigation. legen diese in den Footer und vieles mehr. Sogar parallaxe Layouts sind damit nur einen Klick entfernt.

Unter „Stile” ändern wir etwa das Farbschema der Seite, sowie weitere Details, wie das Buttondesign. Über „Schriftarten” greifen wir auf Google Fonts zu und legen die Schriftgrößen für Menü und Logo fest. In den „Menüoptionen” bauen wir eine Suchfunktion ins Menü und lassen Soziale Netzwerke und einiges mehr anzeigen. Über „Fußzeilenlayouts” legen wir unsere Social-Media-Links oder unsere Mailingliste via MailChimp in den Footer. Zu guter Letzt definieren wir per „Favicon und Bilder sozialer Medien” noch unser Favicon, sowie dasjenige Bild, das mit eingebunden werden soll, wenn Nutzer unsere Site in den Sozialen Medien teilen wollen.

Wo wir gerade beim Thema Bilder sind. SITE123 bietet eine Bibliothek mit Hunderten lizenzfreier Bilder zum Zugriff direkt aus dem Backend heraus an. Das ist in Zeiten von Pixabay, Pexels und Co. zwar kein kaufentscheidender Faktor mehr, aber dennoch angenehm zu wissen und vielleicht im Workflow bisweilen nützlich.

Der Menüpunkt „Einstellungen” bietet uns unter anderem die Möglichkeit, grundlegende SEO-Einstellungen zu treffen. Eine XML-Sitemap wird automatisch generiert. Wichtige Informationen, wie die AGB, die Datenschutzbestimmungen und die Umsetzung der Cookie-Richtlinie geben wir ebenfalls hier an. Die Texte sind nach eigenem Gusto zu gestalten, Muster gibt es nicht. Leider trifft das nicht auf den Cookie-Text zu. Den gibt es schon, gäbe es aber in der deutschen Übersetzung besser so nicht.

Besonders interessant ist der Unterpunkt „Plugins”. An dieser Stelle finden wir interessante Erweiterungsmöglichkeiten für Analyse, Marketing und Support, sowie verschiedene Tools für Webmaster, darunter sowohl Googles, wie auch Bings Webmaster-Tools. Die meisten Plugins funktionieren nur mit dem kostenpflichtigen Account.

Bevor wir nun den gelben Button klicken, um die Website zu veröffentlichen, prüfen wir über die responsiven Ansichten hinter dem blauen Button noch schnell, wie unsere Seite auf den diversen Auflösungen rüberkommt.

SITE123: Kostenlose und kostenpflichtige Leistungen

Nach dem Klick auf „Veröffentlichen” erhält unsere Website eine nummerische Subdomain der Hauptdomain SITE123.com zugewiesen. Damit sind wir im Netz der Netz zu erreichen und, auf diese Art und Weise genutzt, ist SITE123 tatsächlich komplett kostenlos, wenn wir mal von den kostenpflichtigen Plugins absehen. Die Wahrscheinlichkeit ist indes sehr hoch, dass du deine Website eher nicht als nummerische Subdomain eines Homepage-Baukastens dargestellt wissen willst.

Sobald du deine eigene Domain zum Einsatz bringen möchtest, musst du dich für einen der kostenpflichtigen Pläne entscheiden. Diese unterscheiden sich im Wesentlichen dadurch voneinander, dass mit steigendem Preis sowohl der Speicherplatz, wie auch das Trafficvolumen für deine Website steigt. In den Tarifen „Erweitert” und „Profi” stehen dir zwei, respektive fünf Mailboxes zur Verfügung, auch die Zahl der Produkte, die dein Onlineshop beherbergen kann, steigt mit dem Preis. Hier ist die Tabelle:

Weniger schön ist, dass sogar im Tarif „Basic” für immerhin 9,09 Euro im Monat bei jährlicher Zahlung immer noch ein Hinweis auf SITE123 auf deiner Site eingeblendet wird. Es handelt sich zwar nicht mehr um den relativ penetranten Floating-Tag, aber ein Hinweis im Footer muss meines Erachtens bei diesem, im Vergleich nicht besonders günstigen, Preis dennoch nicht sein.

Wie bei Homepage-Baukästen üblich, ist es nicht möglich, die Website extern zu registrieren und per CName auf SITE123 zu leiten. Vielmehr müssen wir zwingend die Domain über SITE123 hosten lassen. Das ist im Prinzip kein Problem, wenn wir nicht mehr als zwei Domains benötigen. Das macht nochmal die Zielgruppe sehr deutlich.

Weniger schön in diesem Falle ist, dass wir dann mindestens den „Erweitert”-Tarif benötigen, damit wir wenigstens auch zwei E-Mail-Postfächer bekommen. Da wäre ein CName-Eintrag im DNS weitaus flexibler.

Fazit: Site 123 hält sein Versprechen

Machen wir einen Strich drunter und rechnen mal zusammen. Tatsächlich hält SITE123 sein Versprechen und macht das Erstellen einer professionell aussehenden Website nach neueren optischen Standards so einfach, dass es wirklich jeder schaffen kann, sich ansprechend im Web zu präsentieren.

Die Vorgaben sind zugleich flexibel und starr genug, um das Ausufern des Einflusses schlechter Geschmäcker weitestgehend zu vermeiden. Kaputt kann sich eigentlich mit SITE123 keiner gestalten. Das spricht für den Dienst.

Im Grunde genommen ist lediglich das Preis-Leistungs-Profil nicht uneingeschränkt positiv zu bewerten. Hier stören mich persönlich im Wesentlichen zwei Dinge. Es bedarf mindestens des Pakets „Erweitert”, um den Hinweis auf SITE123 aus meiner Website zu entfernen. Und ich muss mindestens dieses Paket wählen, um ganze zwei Mailboxen zu erhalten. Damit kostet mich SITE123 bei jährlicher Zahlung runde 176 Euro, was mich nicht zum Spontankauf verleitet.

Wenn dich der Preis nicht schreckt, erhältst du einen sehr einfachen Homepage-Baukasten, der moderne, flexible Seiten erstellt und von jedermann bedienbar ist. Insofern kann ich SITE123 funktional uneingeschränkt empfehlen, preislich muss es jeder für sich selbst entscheiden.

Macht euch am besten selbst ein Bild. Zahlen müsst ihr ja erst, wenn eine eigene Domain ins Spiel kommt.

Dieter Petereit

ist seit 1994 im Netz unterwegs, aber bereits seit über 30 Jahren in der IT daheim. Seit Anfang des neuen Jahrtausends schreibt er für diverse Medien, hauptsächlich zu den Themenfeldern Technik und Design. Man findet ihn auch auf Twitter und Google+.

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