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  • CMS
Dieter Petereit 11. Dezember 2008

SilverStripe – CMS For The Rest Of Us?

Kein Beitragsbild

Content Management Systeme gibt es wie Sand am Meer. Riesige Portale befassen sich allein mit deren Katalogisierung. Der Markt ist nahezu unüberschaubar geworden und stark von Technokraten geprägt. Wer schon einmal versucht hat, mit vertretbarem Aufwand ein CMS für ein Kundenprojekt qualifiziert auszuwählen, wird wissen, was ich meine. Nach einigen Stunden Recherche gab ich bislang noch immer auf und bog das Projekt so um, dass es mit Joomla, Typo3, WordPress oder Dreamweaver zu stemmen war. Tief im Inneren wusste ich jedoch stets, dass es irgendwo da draußen das System für den mittleren Internetauftritt geben musste. Das System, das einen nicht zwingt, erst einmal zum entsprechenden Experten des Systemsprech zu werden. Heute weiß ich, dass dieses System „SilverStripe“ sein könnte. Bald, vielleicht…

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Der erste Eindruck

Auf den ersten Blick kommt „SilverStripe“ nicht sehr auffällig daher. Die Projektwebsite ist ein gestalterischer GAU. Wüsste man nicht, dass SilverStripe die diesjährigen CMS-Awards in der Kategorie „Most Promising“ des Verlages Packt Publishing gewonnen hat, man würde wahrscheinlich gar nicht erst die Downloads-Section aufsuchen. So aber motivierte es mich schon, zu erfahren, welche Software CMS Made Simple und ImpressCMS, die ich beide schon einmal testete und beiseite legte, geschlagen hatte.

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Vielleicht sollte ich zunächst definieren, was ich von einem CMS für ein kleines bis mittleres Projekt erwarte?! Das Wichtigste ist eine überschaubare Einarbeitungszeit, sowie keine schwierig zu memorierenden Arbeitsschritte. Schließlich arbeite ich fallbezogen mit unterschiedlichen Technologien und kann mich nicht auf ein System einlassen, das erfordert, dass man dran bleibt, um seine Fertigkeiten nicht zu verlernen. Das gesuchte CMS muss entsprechend weitestgehend intuitiv bedienbar, jedenfalls intuitiv verstehbar sein. Also nicht so ein Navigationsmonster wie „ImpressCMS“:

impresscms-backend.gif

Was ich nicht gebrauchen kann, ist ein System, dass mit einer weiteren Template-Sprache arbeitet und mag sie auch noch so etabliert sein. Ich kann schon genügend Sprachen und will keine weitere erlernen müssen, bloß um ein CMS einsetzen zu können. Ideal wäre eine Software, die das Design vollständig html-/css-basiert ermöglicht und lediglich das Einfügen kleiner (!!) Logikblöcke in vorhandene Layouts erfordert. Ebenfalls als unbrauchbar empfinde ich Systeme, deren Seitenverwaltung einen förmlich erschlägt.

cmsmadesimple.gif

Aber der absolute Killer war bislang zumeist der Installationsprozess. Ungezählte CMS sind von meinen Festplatten geflogen, weil sie sich nicht oder nicht in akzeptabler Zeit installieren ließen. Bislang ungeschlagen steht in dieser Disziplin „WordPress“ da, wenn ich meinen Dreamweaver mal aus der Betrachtung lass.

Installation ohne unnötige Hemmnisse und Probleme

Mit diesen Erfahrungen und Erwartungen also ging ich an SilverStripe (SS) heran. SS erfordert PHP 5 und MySQL ab 4.1 und sollte einen Apache als Webserver antreffen, obschon es auch findige Leute gibt, die SS auf dem IIS ans Laufen bekommen werden. Ich hatte schon äußerste Schwierigkeiten, WordPress auf den IIS6 zu hieven und werde mich mit dieser Thematik nicht noch einmal auseinandersetzen. PHP und Apache gehören schlichtweg zusammen. Basta.

Angenehm überraschte mich bereits der Installationsvorgang. Detailliert zeigt SS auf, was an der Konfiguration noch nicht stimmte und nach ein paar einfachen Berechtigungseinstellungen klappte die Installation reibungslos und nahezu so schnell wie bei WordPress. Weitere Installationsscreens finden sich am Fuß dieses Beitrags in einer kleinen Gallery.

ss-install-1st-screen.gif

Themeinstallation  – retro, aber funktional

Während der Installation hat man die Möglichkeit, eine leere Website quasi als Tutorial-Grundlage oder eine mit fertigem Layout und Beispielinhalten zu erstellen. Ich entschied mich für die Beispielinhalte und so fand ich fünf Minuten nach dem Upload der Dateien eine funktionierende Website mit dem – allerdings ziemlich hässlichen – Standardtheme „BlackCandy“ vor. Schon in diesem frühen Stadium lernte ich die zwar überschaubare, aber doch ansprechende, weil professionelle Auswahl alternativer Themes auf der zugehörigen Downloadseite schätzen.

So lernte ich noch vor allen anderen Dingen, wie man Themes in SS installiert. Anders als in anderen Systemen, in denen die Template-Verwaltung per Backend längst etablierter Standard ist, ist bei SS dafür das Editieren der _config.php im Ordner mysite erforderlich. Angenehmerweise bedarf es bloß des Einfügens einer einzelnen Textzeile:

SSViewer::set_theme(„themename“);

Wobei unter „themename“ die Bezeichnung des Themes nach Downloaddatei eingegeben wird, in meinem Fall paddygreen. Exotischerweise muss man hernach noch den Cache flushen, indem man seine Website mit dem Parameter ?flush=1 versieht und aufruft. Auch wenn diese Vorgehensweise nicht nach 2008 klingt, muss man neidlos anerkennen, dass sie reibungslos und ohne Wenn und Aber funktioniert. Sechs Minuten nach dem Upload der Dateien auf meinen Server verfügte ich somit über eine ansprechende Website, ohne dass ich bis dahin nennenswerte Aktivitäten entwickelt hätte.

ss-website-after-themechange.gif

Website fertig nach 30 Minuten (längstens)

Seitenbetreiber, die auf der Suche nach einem leistungsfähigen CMS sind, dabei aber keine hohen Ansprüche an eigenständiges Design stellen, können sich an dieser Stelle bereits zurücklehnen und den Themekatalog auf der Silverstripe-Website aufrufen. Die meisten der dort enthaltenen Templates halten professionellen Gestaltungsansprüchen durchaus Stand und können dabei unproblematischer angepasst werden als das handelsübliche WordPress-Theme. Und so kann eine Website nach einer halben Stunde Arbeit bereits so aussehen, wie die Projektsite Inventionate.de, die auf dem unveränderten Paddygreen-Theme basiert.

Seitenbetreiber, die auf der Basis vorhandener Themes arbeiten, aber doch eine gewisse Eigenständigkeit erreichen wollen, werde sich darüber freuen, dass es in SilverStripe grundsätzlich mehrere CSS-Dateien mit jeweils klar definierten Aufgabengebieten gibt. So ist für das Erscheinungsbild, soweit es um die Positionierung von Objekten et cetera geht, die Datei layout.css zuständig. Formulare werden über form.css.css gestyled und die Typographie über typography.css. Weitere CSS-Dateien für weitere Aufgaben finden sich gemeinsam mit den bereits genannten stets im Unterverzeichnis css. Systemseitig erforderlich sind lediglich layout.css, typography.css und form.css. Weitere CSS-Dateien können, müssen aber nicht angelegt werden. Der Vorteil dieser Vorgehensweise, gerade für die Anpasserfraktion liegt in der größeren Übersichtlichkeit und Vorhersehbarkeit der Auswirkungen auf die Seitenoptik. Profis, die ohnehin CSS ohne Cheatsheets und sonstige Hilfen mittels Notepad erstellen, werden darin keinen Nutzen erkennen.

Templating – Separating the boys from the men

Silverstripe ist nicht nur ein CMS, sondern in gleichem Maße, wenn nicht ausgeprägter, ein Framework zur Anwendungsentwicklung, nicht unähnlich dem populären Ruby on rails. Konsequenterweise werden Code und Layout in einer Art und Weise getrennt, wie sie der durchschnittliche – sagen wir – WP-Themedesigner nicht kennt, wie sie aber der reinen Lehre einerseits und dem Workflow größerer Agenturen andererseits eher entsprechen dürfte. „No code in the template-files“, lautet die Devise. In Themedateien darf kein PHP verwendet werden. Stattdessen müssen alle PHP-Funktionen in separaten Dateien deklariert werden. Aus dem Template heraus erfolgt nur noch ein einfacher Aufruf der im Controller deklarierten „custom functions“.

ss-templating.png

Auf diese Weise bleibt der Themecode überschaubar und leicht zu ändern, einerseits. Andererseits mag es nicht für jeden Zweck sinnvoll erscheinen, zunächst eine „custom function“ erstellen zu müssen, bloß um diese dann aus dem Theme heraus verwenden zu können. Manch einer würde sich da sicherlich zumindest ein Wahlrecht wünschen. Dem Workflow größerer Agenturen hingegen mag diese Vorgehensweise sogar eher entsprechen. Dort arbeiten in der Regel Programmierer und Designer in strikter fachlicher Trennung und so mag es Silverstripe dort leichter haben, weil der Designer nicht in des Coders Dateien und umgekehrt rumpfuschen muss. Die durchschnittliche One-Man-Show der Webentwicklung hat natürlich davon zunächst keinen Vorteil.

Silverstripe erweitern

Durch die Anlage als Framework ist es mit Silverstripe grundsätzlich leichter, Projekte zu entwickeln, die sich nicht starr in ein CMS-Schema einpassen lassen. Fehlt eine Funktionalität kann sie – entsprechende PHP-Skills vorausgesetzt – relativ unproblematisch hinzugefügt und systemintegriert verwendet werden. Insoweit ist Silverstripe mehr ein Werkzeug zur Anwendungsentwicklung, denn ein reinrassiges CMS und ähnelt an diesem Punkt noch am ehesten dem Funktionsmonster „Drupal“, bleibt dabei aber wesentlich handhabbarer.

Anders als in konkurrierenden Projekten gibt es für Silverstripe bislang nur wenige zusätzliche Module, die man out of the box verwenden könnte. Zudem weisen die vorhandenen Module eine durchaus unterschiedliche, bisweilen durchwachsene Qualität auf. Insbesondere das Blogmodul dürfte dem WP-verwöhnten User die Tränen in die Augen treiben; ob vor lachen oder weinen mag jeder für sich selbst beurteilen.

Für etliche wesentliche Funktionsbereiche sind Module bislang nicht entwickelt worden. Silverstripe-Entwickler Ingo Schommer beklagte sich in gebotener Zurückhaltung über diesen Umstand bereits kommentierenderweise in dem ein oder anderen Blog. In der Tat scheint die Community um das Projekt bislang nur mäßig aktiv zu sein. All das wird den ambitionierten PHP-Entwickler nicht stören, kann er doch jedwede Funktion selber nachrüsten. Der Seitenbetreiber, der im Wesentlichen auf fertige Module angewiesen ist und sich lediglich an der optischen Anpassung beteiligen kann, wird möglicherweise noch einige Monate abwarten und auf die Belebung der Silverstripe-Community setzen müssen.

Fazit

Zum jetzigen Zeitpunkt ist Silverstripe das CMS der Wahl für kleine bis mittelgroße Websites, deren Entwickler entweder PHP-Profis oder weitgehend kenntnislos sind. Der PHP-Profi baut flexible Funktionalitäten so einfach in das System wie bei keinem anderen CMS sonst und realisiert auf diese Weise auch exotische Kundenwünsche. Der Seitenbetreiber ohne tiefergehende Kenntnisse freut sich über ein einfach zu installierendes und noch einfacher zu administrierendes System mit einer professionellen Themebasis, die unter Verwendung nur geringer CSS-Kenntnisse angepasst werden kann. Entwickler, die hinsichtlich ihrer Skills irgendwo zwischen diesen beiden Polen liegen, werden sich bei TYPOlight oder Drupal möglicherweise besser betreut fühlen. Definitiv aber ist Silverstripe mehr als nur einen kurzen Blick wert.

Anhang: Weitere Webquellen zu Silverstripe

  • Silverstripe – ein Schimmer am CMS Horizont? | medamind: Anne-Kathrin Merz, eingefleischte Joomla-/Typolight-Entwicklerin nähert sich an Silverstripe an, mit offenen Holprigkeiten…
  • SilverStripe CMS: Early Impressions — MikeWhoBikes: Mikes Early Adopters Impressionen und ein kurzer Dialog mit einem der Core-Entwickler.
  • Der neue Stern am CMS-Himmel! Oder doch nicht? | webholics – development +design | Freelancer im Bereich Webentwicklung und Webdesign: Mario Volkes recht harsche Kritik am seiner Meinung nach inkonsistenten und fehlerbehafteten Silverstripe.
  • FreelanceSwitch Forums – SilverStripe vs CMS Made Simple?: Ein interessanter Forumsthread für alle CMS-Nomaden.
  • SilverStripe – A New CMS Contender – from Beyond Caffeine and WebsiteStyle.com: Beyond Caffeine Bloggerin Nicole kritisiert qualifiziert Schwierigkeiten in Sachen Templatedesign unter Silverstripe.
  • Das PHP-Magazin zu Silverstripe: Bereits im März 2008 befasste sich das renommierte PHP-Magazin mit dem Newcomer-CMS und fokussierte dabei besonders auf die Framework-Eigenschaften.
  • Tobis Welt » Ein erster Test von Silverstripe 2.3.0 RC1: Tobias Hoderlein bloggt unermüdlich zum Thema Silverstripe. Informativ und deutschsprachig…
  • praegnanz.de: Silverstripe – mein neuer Top-Favorit!: Auf Praegnanz.de schaltet sich auch der deutsche Entwickler des Silverstripe-CMS in die Diskussion ein. Informationen aus erster Hand also.
  • SilverStripe CMS im praktischen Einsatz | tactical web development blog: Entwickler Broschart schildert in aller Kürze die Umsetzung eines Kundenprojektes auf Basis des Silverstripe-CMS.
  • Das Silverstripe-Buch: Im Galileo-Verlag erscheint im Februar 2009 ein Buch zum Newcomer. Autor Broschart verspricht fachkompetente Informationen. ™

Dieter Petereit

Dieter Petereit

ist seit 1994 im Netz unterwegs, aber bereits seit über 30 Jahren in der IT daheim. Seit Anfang des neuen Jahrtausends schreibt er für diverse Medien, hauptsächlich zu den Themenfeldern Technik und Design.

6 Kommentare

  1. wieso Silverstripe für kleine und mittlere Seiten….die Sternstunde und echte Reifeprüfung hatte es doch denke ich mit Mr. Obama….die Campaign Site wurde mit silverstripe gebaut …. bei den Zugriffen und Funktionalitäten würde ich es ohne Zweifel auch für grosse Webseiten in Betracht ziehen. Wir selber entwickeln derzeit fast alles auf Silverstripe und machen durchweg super Erfahrungen.

  2. Silverstripe hatte qualitativ auf mich einen recht guten Eindruck gemacht. Wer gerade vor einer CMS-Wahl steht sollte es sich auf jeden Fall ansehen.

  3. Ist ja so ganz nett, werde ich sicherlich demnächst mal probieren, aber ob SilverStripe gegen CMSimple ankommt bezweifel ich fast. CMSimple setze ich bevorzugt für kleine/mittlere Projekte ein.
    Genial klein, handlich, leicht zu verstehen, schnell und kein dödeliges Schicki-Micki-Zeug. Super erweiterbar. Templatebasierend. Einfach super!
    .. nur mal so als Ergänzung von mir ;-)

    Ach so, wen’s interessiert: http://www.cmsimple.dk

  4. Nein, ich meinte, dass Ingo Schommer, einer der Entwickler, sich bei praegnanz in die Diskussion einbringt.

  5. Für meine kleinen bis mittleren Seite nutze ich seit geraumer Zeit Textpattern und bin damit eigtl. durchgängig zufrieden. Alle von dir angesprochenen Forderungen an ein CMS (intuitiv bedienbar, keine Templatesprache, etc.) werden dabei imho erfüllt.
    Mit Silverstripe habe ich noch keine Erfahrung, man sieht in den Kommentaren von praegnanz.de jedoch, dass das System scheinbar noch nicht ganz ausgereift ist und die Community auch noch in den Kinderschuhen steckt.

    Achja du erwähnst bei den „weiteren Webquellen“ das Gerrit van Aaken (praegnanz.de) ein Entwickler von Silverstripe ist. Ist das denn wirklich so? Hab davon noch nichts in seinem Blog o.ä. gelesen.

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