Dieter Petereit 9. Mai 2018

Seitenbetreiber, bleib ruhig: Abmahnungen nach der DSGVO im Risiko-Check

Die DSGVO treibt Seitenbetreibern, Agenturen und Freelancern den Schweiß auf die Stirn. Hysterisch solltest du aber nicht werden, wie ich dir im folgenden Beitrag zeigen will.

Risiken, die deine Existenz bedrohen, gibt es, realistisch betrachtet, nicht

Panikmache rund um die DSGVO ist Alltag in der aktuellen Berichterstattung. Ich habe mit einem generellen Artikel drüben im Mittwald-Blog und einem auf WordPress fokussierten Beitrag hier bei Dr. Web versucht, den Druck etwas rauszunehmen.

Ich konnte aber die Angst vor möglichen Konsequenzen, die sich aus den neuen Regelungen ergeben könnten, wohl nicht nachhaltig bekämpfen. Deshalb will ich heute mal proaktiv damit umgehen.

Aus welchen Richtungen droht Seitenbetreibern potenzielle Unbill? Sind es die betroffenen Personen und in der Folge die Aufsichtsbehörden, sind es die Wettbewerbsverbände und die Verbraucherschutzeinrichtungen? Oder ist es die Abmahnindustrie, die sich hinter klangvollen Namen verbirgt, wie Aasgeier, Kopfgeldjäger und Partner?

Gefahren für Seitenbetreiber, die von Individuen ausgehen

Einige der genannten Risikofaktoren können wir relativ schnell auf Normalmaß stutzen. Wie ich bereits in den oben verlinkten Beiträgen schrieb, ist Datenverarbeitung generell in Ordnung, wenn sie rechtmäßig ist.

Die Frage der Rechtmäßigkeit ist dabei keine des Geschmacks einzelner Personen, die sich eventuell als betroffen empfinden könnten. Anders ausgedrückt ist eine rechtmäßige Datenverarbeitung also auch dann zulässig, wenn es dem beschwerdeführenden Individuum nicht gefällt. Hier wird nicht etwa dem Belieben aller ein Einfallstor eröffnet. Wir bewegen uns auch mit der DSGVO auf dem gerichtlich überprüfbaren Boden unserer Rechtsordnung mit all ihren Errungenschaften, wie etwa dem Einzelfallgrundsatz.

So wird der Umgang mit rechtlichen Ansinnen Einzelner, in der Regel über Anwälte ausgetragen, meiner persönlichen Prognose nach in der Zukunft nicht häufiger als bisher schon erforderlich werden. Immerhin ist auch das Thema Datenschutzerklärung für Seitenbetreiber nicht eben neu. Schon bislang mussten wir gut sichtbar auf unseren Seiten erklären, wie wir die personenbezogenen Daten unserer Besucher erheben, verarbeiten und nutzen. Auch das Auskunftsrecht des Nutzers gehörte schon in diesen Hinweis, wie auch die Verpflichtung, diese Daten vor dem Zugriff Dritter zu schützen.

Was wir grundsätzlich überprüfen müssen, ist, ob wir uns in jedem Fall der Datenverarbeitung an den nun wichtig gewordenen Grundsatz der Datensparsamkeit halten. So darfst du jeweils nur solche Daten erheben, die für die konkrete Verarbeitung erforderlich sind. Für die Newsletter-Anmeldung ist das, ganz streng genommen, nur die E-Mail-Adresse.

Auch im Hintergrund abgefragte Daten dürfen nur dann erhoben werden, wenn es erforderlich ist. So wirst du in nahezu allen Fällen künftig auf die Erhebung der IP-Adresse verzichten müssen. Das ist indes technisch kein Problem, sondern bedarf lediglich der entsprechenden Konfiguration.

Weitere Erfordernisse, allesamt nicht nur von Übermenschen zu erfüllen, entnimmst du meinen oben verlinkten Beiträgen.

In den Sand solltest du deinen Kopf natürlich auch nicht stecken. (Foto: Depositphotos)

Damit bist du dann, was den eigentlichen Zweck der DSGVO, nämlich den Schutz der personenbezogenen Informationen für das Individuum, betrifft, auf der sicheren Seite. Wir haben hier in all den Jahren Dr. Web noch nie ein Problem mit einer Besucherin oder einem Besucher gehabt, soweit es um die Einhaltung der Datenschutzregeln ging. Nicht einmal eine einzige Auskunftsanfrage ist hier eingegangen. Das war immerhin schon bisher möglich.

Die eigentlichen Gefahren gehen also nicht vom individuellen Schutzzweck der Verordnung aus, sondern kommen aus anderen Richtungen.

Gefahren für Seitenbetreiber, die von Verbraucherschutzorganisationen ausgehen

Kennst du das Gesetz über Unterlassungsklagen bei Verbraucherrechts- und anderen Verstößen? Dieses Gesetz jedenfalls berechtigt seit dem 24. Februar 2016, also auch schon seit gut zwei Jahren, unter anderem Verbraucherschutzorganisationen Verstöße gegen Datenschutzvorschriften, soweit es sich um Regelungen zum Verbraucherschutz handelt, geltend zu machen. Voraussetzung ist hier stets, dass die zu beurteilende Maßnahme das Verhältnis zwischen einem Unternehmer und einem Verbraucher betrifft.

Wer in Deutschland zu diesen Organisationen gehört und dementsprechend die Berechtigung hat, dich im Zweifel abzumahnen oder gerichtlich gegen dich vorzugehen, kannst du dieser Liste des Bundesamts für Justiz (PDF) entnehmen. Es gibt auch ein europäisches Verzeichnis. Ebenfalls berechtigt sind die Industrie- und Handelskammern, sowie die Handwerkskammern.

Einer muss ja mal genauer hinschauen. (Foto: Depositphotos)

Diesen Verbänden brauchen wir nun wirklich keine Abmahnwut zu unterstellen. Solltest du mit einer dieser Einrichtungen in einen Datenschutz-Konflikt geraten, dann wirst du wissen, warum. Das Gesetz schließt dabei aber sogar ausdrücklich eine „missbräuchliche Geltendmachung” aus. Diese liegt z. B. vor, wenn eine Abmahnung etwa nur zu dem Zweck erfolgt, die Kosten der Rechtsverfolgung oder sonstiger Aufwendungen entstehen zu lassen. Klingelt da was?

Gefahren für Seitenbetreiber, die von Wirtschaftsverbänden ausgehen

Neben den Verbraucherschutzorganisationen können sich auch Wirtschaftsverbände auf das eben genannte Gesetz stützen und gegen Rechtsverletzer vorgehen. Solltest du also Post von einem Wirtschaftsverband bekommen, dann schaust du erstmal in den § 1 der Unterlassungsklageverordnung und siehst nach, ob der Absender mit seiner Adresse darin aufgelistet ist.

Auch wenn es sich hier um die institutionalisierte Repräsentanz der Wirtschaft handelt, musst du nicht davon ausgehen, dass es zu Massenabmahnungen kommen wird.

Gefahren für Seitenbetreiber, die (angeblich) von der lieben Konkurrenz ausgehen

Kommen wir also nun zu jenen, die schon in der Vergangenheit für den meisten Ärger in der Seitenbetreiberschaft gesorgt haben, nämlich die Anwaltschaft (versteckt hinter Mandanten).

In diesen Fällen wird es immer um das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) gehen. Damit ist es unter Umständen möglich, gegen dich wegen eines Verstoßes gegen die DSGVO vorzugehen. Aber…

Nach dem UWG handelt unlauter, „wer einer gesetzlichen Vorschrift zuwiderhandelt, die auch dazu bestimmt ist, im Interesse der Marktteilnehmer das Marktverhalten zu regeln, und der Verstoß geeignet ist, die Interessen von Verbrauchern, sonstigen Marktteilnehmern oder Mitbewerbern spürbar zu beeinträchtigen” (Zitat, § 3a UWG).

Der dich abmahnende Anwalt müsste also nun den Verstoß gegen eine Datenschutznorm zu einem Verstoß gegen eine Marktverhaltensregel umdeuten. Zudem müsstest du diesen Verstoß absichtlich begangen haben, um dir ungerechtfertigt einen Marktvorteil gegenüber deinen rechtstreuen Wettbewerbern zu verschaffen. So sieht es jedenfalls der Bundesgerichtshof.

Ohne Worte. (Foto: Depositphotos)

Rechtlich nicht unumstritten ist die Frage, ob eine Datenschutznorm, die ja das Recht des Individuums schützen soll, überhaupt eine solche Marktverhaltensregelung sein kann. Das wird von der Mehrzahl der Gerichte in jedem Einzelfall, also im Fall einer konkreten Klage geprüft, von manchen aber rundheraus verneint.

Wie wahrscheinlich ist die Abmahnung und warum?

Damit dich ein Anwalt abmahnen kann, muss er natürlich einen Verstoß identifizieren können. Ob ganz hinten in deinem CRM-System vielleicht noch nicht alle IPs anonymisiert sind, kann er nicht beurteilen.

Es kann demnach bei solchen Abmahnungen immer nur um erkennbare Verstöße gehen. Ein solcher Verstoß, bei dem auch die Gerichte häufig vom Charakter einer Marktverhaltensregelung ausgehen, läge etwa vor, wenn du keine oder nur unzureichende Datenschutzhinweise auf deinen Seiten vorhieltest oder erkennbar keine Einwilligungen abfordern, sowie personenbezogene Daten außerhalb der Erforderlichkeit (zB Abfrage der Schuhgröße bei der Anmeldung zum Newsletter) erheben würdest.

All das kann natürlich von außen recht einfach identifiziert werden, ist aber ebenso leicht auch zu vermeiden.

In Sachen DSGVO werden hier die Karten insofern neu gemischt, als einer der bekanntesten Wettbewerbsrechtler Deutschlands in seinem Kommentar zum UWG (36. Auflage 2018, § 3a Rn. 1.40a und 1.74b, Köhler) klar schreibt, dass „Verstöße gegen die DS-GVO … daher nicht nach § 3a verfolgt werden” können. Mitherausgeber dieses Kommentars, der übrigens als Standardwerk gilt, ist ein Richter und Mitglied des für UWG-Fälle zuständigen I. Zivilsenats des Bundesgerichtshof. Das ist eben jener Senat, der schlussendlich die Frage, ob Verstöße gegen die DSGVO wettbewerbsrechtlich relevant sind,beantworten wird. (Quelle: Löffel Abrar)

Ich finde diese Ansicht eines juristischen Schwergewichts jedenfalls schon mal beruhigend.

Abmahnung kommt, was tun?

Was wir uns stets vor Augen führen müssen, ist die Tatsache, dass die DSGVO das sprichwörtliche Neuland ist. Rechtsprechung dazu gibt es noch nicht und wer welche Ansprüche hat, sowie geltend machen und letztlich durchsetzen kann, wissen wir nicht.

Genauso geht es auch den Abmahnern! Du kannst sicher sein, dass diese zwar im Zweifel felsenfest behaupten werden, einen Anspruch zu besitzen. Deren Schreiben werden furchterregend klingen. Aber was dahinter steckt, weiß nur der Richter, der die Frage bislang nicht entscheiden musste.

Du solltest also, selbst wenn dir eine Abmahnung ins Haus flattert, Ruhe bewahren. Erstmal ist diese Abmahnung nichts anderes als die Meinungsäußerung eines Anwalts.

Inwieweit dieser wirklich von seinem Anspruch überzeugt ist, ist zusätzlich unklar. Wenn seine Zielsetzung gar nicht darin besteht, dass du den Rechtsverstoß unterlässt, sondern darin, dass du die Abmahngebühren bezahlst und die Unterlassungserklärung unterschreibst, braucht ihn die substanzielle Beurteilung ja auch nicht zu interessieren.

Oder anders ausgedrückt, wenn du blöd genug bist, direkt zu zahlen, ist das Geschäft doch gemacht, ob der eigentliche Anspruch nun rechtmäßig ist oder nicht.

In der Regel wird die Abmahnung eine Kostennote über die Kosten der Abmahnung, sowie eine Unterlassungserklärung beinhalten. Manche Hartgesottene trauen sich überdies, Schadenersatz zu beziffern und zu verlangen.

Wenn du nun hergehst, und die Unterlassungserklärung unterschreibst, schließt du damit einen Unterlassungsvertrag mit dem Abmahner. Dann hat dieser tatsächlich den Anspruch, den er bis dahin nur behaupten brauchte. Denn Verträge sind bindend und können frei geschlossen werden. Du hättest ja nicht unterschreiben brauchen. Und genau das solltest du dann auch nicht tun.

Solange ein Richter kein Urteil spricht, ist der Rechtsstreit ungeklärt. (Foto: Depositphotos)

Wenn der Abmahner mit seiner Abmahnung bei dir unmittelbar nicht durchkommt, weil du weder zahlst, noch unterschreibst, müsste er seinen vermeintlichen Anspruch rechtlich, also vor Gericht durchsetzen. Dabei steht dir dann der Weg durch die Instanzen offen. Mehrere Gerichte befassen sich im Zweifel mit der Frage. Und ob hier der flugs herbei behauptete Anspruch des Abmahners Bestand behalten wird, ist mehr als fraglich.

Fraglich ist zudem, ob der Abmahner das überhaupt will. Denn, wenn Gerichte entscheiden, dass wettbewerbsrechtliche Ansprüche aus der DSGVO tatsächlich nicht abzuleiten sind, dann ist Schluss mit Abmahnen. Und das nicht nur bei dir. Da könnte es für die Abmahner durchaus lukrativer sein, die Frage unentschieden zu lassen und von der Furcht derer, die tatsächlich zahlen, auf Dauer zu profitieren.

Fazit: Ruhe bewahren

Ich hoffe, ich konnte dir nun auch bezogen auf mögliche Konsequenzen etwas Linderung verschaffen. Natürlich musst du die wesentlichen, sagen wir ruhig die sichtbaren Eckpunkte der DSGVO unbedingt umsetzen. Aber in Existenzangst musst du dich als Seitenbetreiber wirklich nicht versetzen lassen.

Abschließend muss ich natürlich wieder den Disclaimer bringen, dass du dich für die Beurteilung deines ganz konkreten Einzelfalls an einen Rechtsanwalt wenden musst, weil wir hier natürlich weder Rechtsberatung machen, noch eine solche ersetzen können oder wollen.

(Bildnachweis Artikelbild: Depositphotos)

Dieter Petereit

Dieter Petereit

ist seit 1994 im Netz unterwegs, aber bereits seit über 30 Jahren in der IT daheim. Seit Anfang des neuen Jahrtausends schreibt er für diverse Medien, hauptsächlich zu den Themenfeldern Technik und Design. Man findet ihn auch auf Twitter und Google+.
Dr. Webs exklusiver Newsletter
Hinweise zum Datenschutz, also dem Einsatz von Double-Opt-In, der Protokollierung der Anmeldung, der Erfolgsmessung, dem Einsatz von MailChimp als Versanddienstleister und deinen Widerrufsrechten findest du in unseren Datenschutzhinweisen.

39 Kommentare

  1. Die DSGVO ist ein Witz. Das haben wohl auch schon die Verantwortlichen festgestellt. Der Fokus lag wohl auf Facebook, Google und Co. Vergessen wurde aber, dass z.B. bei WordPress viele Plugins auf JQUERY bibliotheken und andere Resourcen zugreifen, um eine schnelle und coole Webseite aufzubauen. Von Adobefonts spricht keiner, aber von Google Fonts. Erste Abmahnungen sind schon im Bekanntenkreis eingeflattert und ein Gesetz soll in Zukunft Abmahnungen verbieten. Ich bin gespannt wie sich das entwickelt. Auf jeden Fall ist dieser Beitrag hilfreich und auch ich kann nur sagen: Ruhe bewahren, die Zeit wird das regelen.

  2. Danke für die Informationen Herr Petereit!. Könnten Sie evtl. zu den WordPress Emojis etwas sagen??? Ich finde bisher wenig Infos dazu. Es wäre sehr hilfreich. Im Voraus vielen Dank.
    MfG
    Marcelo

  3. Hallo!
    Was für ein toller Artikel, vielen Dank dafür! Ich bin froh, auch mal einen sachlichen, nüchternen Text zu diesem Thema zu lesen, da die ganze Panikmache nicht nur anstrengend sondern auch ausbremsend ist. Ruhe bewahren und nach bestem Wissen und Gewissen umsetzen was nötig ist klingt für mich realistisch!! Noch dazu sind es nüchtern betrachtet gar nicht soooo viele Änderungen und man kann diese DSGVO auch als Chance nutzten und mal ein bisschen auf den eigenen Seiten aufräumen! Da wird so viel mit irgendwelchen Plugins gesammelt – Daten die wir gar nicht brauchen. Und machen Festsetzungen der DSGVO scheinen mir unrealistisch und es wird sich sicherlich zeigen, wie und was Gerichte dazu entscheiden, wenn es zur Anklage kommt. Also noch einmal vielen Dank fürs Ruhe verbreiten! :-)
    Anna

  4. Danke für den tollen Artikel. Ruhe Bewahren ist das A und O, egal in welcher Situation, finde ich. Was das Sammeln von Daten angeht habe ich eine Verständnisfrage: mal angenommen ich nutze einen der großen Anbieter, um mir eine Webseite zu basteln, dann habe ich doch keine Kontrolle welche Daten der Anbieter sammelt und wie er sie verwendet. Wie soll ich da die DSGVO umsetzen? Das erschließt sich mir noch nicht.

  5. Klasse Artikel. Alles ist nunmehr entspannt. Danke an den Autor, verständlich klar und deutlich. Gruss

  6. Nun, viele Panikartikel sind übertrieben. Dieser hier ist übertrieben entspannt und auch wenig hilfreich.

    «Das wird von der Mehrzahl der Gerichte in jedem Einzelfall, also im Fall einer konkreten Klage geprüft, von manchen aber rundheraus verneint»

    Fakt ist, dass die Abmahnfähigkeit von Datenschutzverstößen aus Basis des Wettbewerbsrechts jahrelang mehrheitlich verneint wurde, in letzter Zeit aber nun zunehmend bejaht wurde. Man sollte eher davon ausgehen, dass das möglich ist.

    «Zudem müsstest du diesen Verstoß absichtlich begangen haben, um dir ungerechtfertigt einen Marktvorteil gegenüber deinen rechtstreuen Wettbewerbern zu verschaffen.»

    Diese Aussage ist grundfalsch. Das hieße, dass Unwissen vor Abmahnungen/Strafe schützt. Nennen Sie doch bitte konkret das BGH-Urteil, welches Sie so auslegen.

    «Ein solcher Verstoß, bei dem auch die Gerichte häufig vom Charakter einer Marktverhaltensregelung ausgehen, läge etwa vor, wenn du keine oder nur unzureichende Datenschutzhinweise auf deinen Seiten vorhieltest oder erkennbar keine Einwilligungen abfordern, sowie personenbezogene Daten außerhalb der Erforderlichkeit (zB Abfrage der Schuhgröße bei der Anmeldung zum Newsletter) erheben würdest.»

    Hahaha. Mit völlig absurden Beispielen die wahren Problempunkte zu umschiffen, hilft in der Sache keinen Millimeter weiter. Die relevante Frage im Zusammenhang mit Newsletter ist, ob der (Vor)Name noch (für eine persönliche Anrede) erfasst werden darf. Antwort:

    • Lieber Ernesto! Es ist schon erstaunlich, dass du hier frei postulierst, von mir aber Nachweise verlangst. Wo sind denn deine? Gehen wir es mal durch.

      Meine Aussage, dass die Frage der Marktverhaltensregel in jedem Einzelfall gerichtlich überprüft wird, ist zweifellos richtig. Was du als Fakt postulierst, ist mangels Quantifizierbarkeit nicht zu überprüfen. Bejahen die Gerichte in letzter Zeit mehrheitlich? Kann ich nicht erkennen. Es ist jedoch stets möglich, dass sie es im Einzelfall bejahen. Wo ist da der Streitpunkt?

      Meine Aussage, ein Verstoß müsste absichtlich erfolgt sein, ist der Verständlichkeit geschuldet. Die Gerichte sprechen vielmehr von „bewusst und planmäßig“, was dem Vorsatz entspricht und damit nichts anderes als Absicht bedeutet. Das Beispiel zu bringen, wonach Unwissenheit demnach doch vor Strafe schütze, zeigt nur, dass du nicht verstanden hast, worum es hier geht. Schau gerne durch die Rechtssätze aller relevanten Gerichte. Dort wirst du immer die Formulierungen „bewusst und planmäßig“, sowie „sachlich nicht gerechtfertigten Vorsprung vor gesetzestreuen Mitbewerbern“ finden. Und ja, das bedeutet, dass ein Fehler, der erkennbar aus Dämlichkeit gemacht wurde, in der Tat vor Strafe schützen kann. Das ist die sogenannte subjektive Komponente der Beurteilung des Verstoßes.

      Auch meine beispielhafte Darstellung der eindeutigen Haftungsrisiken ist zweifellos korrekt. Zum Newsletter hatte ich schon an anderer Stelle im Artikel geschrieben, dass hier unter dem Gesichtspunkt der Datensparsamkeit streng genommen nur noch die E-Mail-Adresse erfasst werden darf.

      Ich kann also, auch nach nochmaliger Prüfung, nichts „Absurdes“ finden. Jedenfalls nichts außer deinem Kommentar, der wohl bewusst und planmäßig die Dr. Web Leser und Leserinnen verunsichern soll.

  7. Dieser Artikel spricht mir aus der Seele. Der ganze Datenschutz ist vor allem eine Führungsverantwortung, eine des minimalen Eindringens in die Privatsphäre der Menschen mit dem Geschäftsmodell des Betreibers / Unternehmens. Und selbst wenn man irrgendwie ins Fettnäpfchen tritt, halb so schlimm wenn man Einsicht und Verbesserungswillen zeigt und offenlegt, was man mit den User daten macht. Im Übrigen wird digitales Marketing dies auch belohnen.

  8. Herzlichen Dank, dass nimmt für uns künstlerisch Tätigen auch den Druck ein wenig raus!

  9. Das ist ziemlich entpanikend – danke dafür!

  10. Sehr toller Artikel! Danke dafür!

  11. Ein super Artikel, der wirklich den Druck und auch sicher manche Ängste aus dem ganzen „Dilemma“ im Umgang mit der DSGVO herauszunehmen versteht. Klasse und vielen Dank!

  12. Na, das klingt ja easy.
    Aus eigener leidvoller Erfahrung kann ich allerdings nur sagen, dass es nicht so einfach ist.
    Da wird die so verlockende Grundidee des freien Internet für alle und jeden dann doch schnell zu einer kostspieligen Angelegenheit. Die eigene negative Erfahrung bezieht sich zwar auf einen anderen Sachverhalt, der aber vom Prinzip her ähnlich liegt.
    Da haben wir mit dem Verkaufsportal Dawanda die Erfahrung machen müssen, dass trotz Anwendung der vorgegebenen Rubriken und trotz Nutzung der Rechtstools für den eigenen Shop plötzlich eine Abmahnung von einem Interessenverband ins Haus flattert, weil angeblich die Produktauszeichnung fehlerhaft sei.
    Und auch die von Dawanda empfohlenen Anwälte haben keine Handhabe dagegen, weil bei der Materialwahl irgendein Begriff nicht eindeutig genug sei.
    Und plötzlich ist der mühsam erarbeitete Erlös von wenigen Euro durch eine Abmahngebühr von mehreren hundert Euro aufgebraucht.
    Verständlich ist das meines Erachtens nach nicht. Denn dieser Interessenverband macht Kasse, weil Laien, die für ein Hobby ein wenig Aufwandentschädigung erhalten, mit den rechtlichen Aspekten des Internets überfordert sind.
    Easy wäre es erst, wenn die Politik endlich mal nach dem Beispiel Österreichs eine Initiative entwickeln würde, die Privatpersonen und Kleinunternehmer vor geldgierigen Anwälten schützen, die mit geringem Aufwand Kasse machen wollen.
    Insofern kann ich gut nachvollziehen, dass manche Webseitenbetreiber nervös reagieren. Auch wenn nach gesundem Menschenverstand die befürchteten Konsequenzen nicht zu erwarten sind. Aber der gesunde Menschenverstand trügt leider, wenn Juristen eine Möglichkeit zum Gelddrucken wittern. Das zeigt leider meine Erfahrung. Und dieses Beispiel bei Dawanda war kein Einzelfall. Da waren hunderte Shops betroffen.

  13. Lieber Dieter,
    genau das habe ich gebraucht! Danke für Deine gut begründete Einschätzung, jetzt bin ich beruhigt.

  14. Ich war vierzig Jahre in der edv tätig. Vor ca 25 Jahren hat die diskussion über den Datenschutz begonnen. Ich war damals der Ansicht, dass das in eine riesige gschaftlhuberei ausarten wird. Das ist auch eingetroffen. Wieviele ahnungslose von journalisten bis Politikern und selbsternannten Experten hier mitreden ist unglaublich. Natürlich hat manches seine berechtigung, aber es artet aus.

  15. Die unnütze zusätzliche Arbeit für kleine Vereinsvorstände und Arbeitgeber bleibt natürlich zusätzlich ab 23.05.2018 bestehen. Jedes Vereinsmitglied weiß ohnehin, dass die von ihm wenigen angegebenen Daten bei der Erfassung vom Verein benötigt werden. Auch nützt eine spätere Löschung im kleinen Umkreis nicht viel, weil ohnehin jedes Mitglied dann von Anfang an jedes andere Mitglied näher kennengelernt hat. Für Vereine ist das eine vollkommene Überregulierung und steht in keinem Verhältnis zu Aufwand bzw. Nutzen. Getroffen werden sollten eigentlich große Konzerne, die aber nur über solch ein Gesetz lachen können angesichts der Millionenumsätze und Fachpersonal in den eigenen Reihen. Mit der DSGVO werden demnach nur wieder kleine Arbeitgeber und Vereine von der Abmahnindustrie abgezockt. In Kürze wissen wir mehr. Besser wird es jedenfalls nicht dadurch.

  16. Kompetent, überzeugend und beruhigend: Vielen Dank dafür!

  17. das Thema wurde eingehend, anschaulich und verständlich behandelt – Danke

  18. Eiegentlich sind für die Kontrolle der DSGVO die Datenschützer der Länder und des Bundes zuständig. Schaut man sich diese Behörden aber mal genauer an (Organigramme, Mitarbeiterzahlen, Aufgaben …) so wird schnell klar, dass die dazu praktisch NICHT in der Lage dazu sind. Beispiel Bayern https://www.lda.bayern.de/de/organisation.html.
    Klar – man sollte seine Hausaufgaben machen (Verarbeitungsverzeichnis, TOM Löschkonzept …) aber danach kann man meiner Meinung nach getrost relaxen.

  19. Vielen Dank für diesen meine Nerven entspannenden Artikel. Bisher schwankte ich hin und her, denn es gibt viel zu lesen und ich war schon ganz konfus, WAS denn nun genau in meiner Datenschutzerklärung noch zu ändern ist, „um eben nicht die besagten 20 Mios zahlen zu müssen“, Ende Mai.

    Sonnige Grüße
    Die Gartenphilosophin

  20. Danke endlich mal etwas Beruhigendes!

  21. Vielen Dank für diese nüchternen, fundierten und sehr beruhigenden Infos!

  22. Vielen Dank für die unaufgeregte, klare und pointierte Darstellung. Sehr hilfreich und zielführend.

  23. Hallo Dieter. Du hast eine erfrischend nüchterne Sicht auf die „neue Situation“, die da auf uns zukommt. Ich sehe das genauso: Nicht wird so heiß gegessen wie es gekocht wird. Vielen Dank für diesen nützlichen Beitrag.

  24. „Du solltest also, selbst wenn dir eine Abmahnung ins Haus flattert, Ruhe bewahren. Erstmal ist diese Abmahnung nichts anderes als die Meinungsäußerung eines Anwalts.“

    Erstmal ist es mit Kosten verbunden.Selbst einen Anwalt beauftragen und dann?

  25. Vielen Dank für die interessante Einschränkung und die rechtlichen Fakten.

  26. Was dabei außer Acht gelassen wurde ( und genau da sehe ich persönlich das Problem) ist der Kunde der deine Rechnung nicht bezahlt und dir dann für deine Mahnung eine reinwürgen will und der Mitarbeiter der klaut und du musst ihm fristlos kündigen.
    Diese schwärzen dich dann direkt bei der Behörde an und dann darfst du deine AV Verträge zeigen und deine VV.
    Das ist außerhalb der Web und das ist das Problem.

  27. Danke Dieter, bei meine/n ehrenamtlichen RedakteurInnen liegen schon seit Wochen die Nerven blank.

  28. Danke für den Beitrag. Das ist der Erste Beitrag den ich zum Thema DSGVO lese, der keine Panik verbreitet.

  29. Danke, endlich einmal ein beruhigender Artikel. Vor allem das Beleuchten der Tätigkeit der Abmahnanwälte ist Klasse. Wie im übrigen Leben, so auch hier: Nicht gleich alles unterschreiben. Genau so!

  30. Endlich mal etwas beruhigendes und vernünftiges…. Ein Großteil der Website Betreiber hat ja schon überlegt woher sie die 20 Mio. Euro nehmen sollen….

  31. Danke! Sehr hilfreich!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Kennst du schon unseren Newsletter?

Hinweise zum Datenschutz, also dem Einsatz von Double-Opt-In, der Protokollierung der Anmeldung, der Erfolgsmessung, dem Einsatz von MailChimp als Versanddienstleister und deinen Widerrufsrechten findest du in unseren Datenschutzhinweisen.

Cookies

Weitere Informationen zu den Auswahlmöglichkeiten findest du hier. Dazu musst du zunächst keine Auswahl treffen!

Um Dr. Web zu besuchen, musst du eine Auswahl treffen.

Deine Auswahl wurde gespeichert!

Informationen zu den Auswahlmöglichkeiten

Was du erlaubst!

Um fortfahren zu können, musst du eine Auswahl treffen. Nachfolgend erhältst du eine Erläuterung der verschiedenen Optionen und ihrer Bedeutung.

  • Ich stimme zu:
    Du erlaubst uns das Setzen aller Cookies, die wir in unseren Datenschutzhinweisen genannt haben. Dazu gehören Tracking- und Statistik-Cookies. Aus dem Tracking per Google Analytics bieten wir auf der Seite Datenschutz ein Opt-Out, also die Möglichkeit der Abmeldung, an.
  • Ich stimme nicht zu:
    Wir verzichten bei dieser Option auf den Einsatz von Google Analytics. Die für den Betrieb von Dr. Web notwendigen Cookies werden aber dennoch gesetzt. Einzelheiten entnimmst du bitte den Datenschutzhinweisen

Du kannst deine Cookie-Einstellungen jederzeit hier ändern: Datenschutz. Impressum

Zurück