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Schwangerschaftsschutz und Elterngeld für Freiberufler

Auch Freiberufler beziehungsweise Selbstständige wollen Eltern werden. Leider aber gestaltet sich dies bei einer beruflichen Eigenständigkeit schwieriger als bei Arbeitnehmern. Das Mutterschutzgesetz tritt nicht in Kraft und auch die Elternzeit ist mit Risiken verbunden. Daher klären wir nun darüber auf, worauf Selbstständige mit Familienplanung achten müssen.

Selbst wenn einem der Beruf noch so wichtig ist, genießt das Privatleben immer einen höheren Stellenwert. Dies zeigt sich speziell, wenn in der Familie Nachwuchs erwartet wird. Die Zeiten, in denen man sich vorrangig den beruflichen Aufgaben widmete, gehören dann plötzlich der Vergangenheit an. Stattdessen kreisen die Gedanken nur noch um die Schwangerschaft, das erwartete Kind und die kommenden elterlichen Aufgaben.

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Als Arbeitnehmerin kann man sich innerlich voll und ganz diesen Themen zuwenden, weil man sechs Wochen vor der Geburt sowie acht Wochen danach ohnehin nicht arbeiten darf, trotzdem aber weiterhin volles Gehalt bezieht und dem Kündigungsschutz unterliegt.

Für Selbstständige und Freiberufler ist die Situation hingegen weitaus schwieriger. Hat man nicht ausreichend vorgesorgt, kann eine Schwangerschaft schnell zu einer Existenzgefährdung werden. Denn, wer kann es sich schon leisten, mehrere Wochen auf das Einkommen zu verzichten?

Auf der anderen Seite wäre es aber auch kritisch anzusehen, hochschwanger weiterhin der beruflichen Tätigkeit nachzugehen. Schließlich muss man in dieser Zeit jeden Stress vermeiden, um das eigene Wohl und das des Kindes nicht zu gefährden. Sind finanzielle Rücklagen beziehungsweise ist ein Partner mit gutem Einkommen also die Voraussetzung dafür, dass man als Freiberufler ohne Geldprobleme ein Kind zur Welt bringen kann?

Rechtzeitig vorsorgen per Krankentagegeld

Sofern man eine Schwangerschaft in Planung hat, sollte man bei einer beruflichen Eigenständigkeit rechtzeitig vorsorgen. Ist das Anlegen von finanziellen Rücklagen nicht möglich, könnte eine Krankentagegeld-Versicherung die Lösung sein. Denn auch eine Schwangerschaft wird als “Krankheit“ behandelt. Es ergibt sich also die Möglichkeit, sich per Krankentagegeld-Versicherung abzusichern.

Von Beginn der Arbeitsunfähigkeit an, die aus der Schwangerschaft resultiert und vom Arzt per Attest bescheinigt wird, werden dann die Tage angezählt und je nach Vertragsvereinbarung ist das Krankentagegeld als “Mutterschaftsgeld” ab einem festgelegten Zeitpunkt zu erwarten. Wann genau, kann zumeist ausgehandelt werden. Die Regel ist ein Krankentagegeldanspruch ab der sechsten Woche. Möchte man schon früher einen Anspruch haben, zum Beispiel schon nach drei Wochen, ist dies mit einer höheren Beitragszahlung verbunden.

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Zum jetzigen Zeitpunkt ist eine Krankentagegeld-Versicherung nur als Wahltarif erhältlich, der nich bei allen gesetzlichen Krankenversicherungen angeboten wird. Am 1. August 2009 wird es jedoch eine Änderung geben. Alle Selbstständige können dann frei entscheiden, ob sie zum herkömmlichen Beitragssatz ohne Krankentagegeld versichert sein möchten oder für einen höheren Beitragssatz (laut Auskunft der DAK wird der Zusatzbeitrag bei 0,6 Prozent liegen) eine Krankentagegeld-Versicherung in Anspruch nehmen.

Dabei ist zu bedenken, dass der einheitliche Krankenversicherungsbeitrag am 1. Juli dieses Jahres ohnehin um 0,6 Prozent sinken wird, sodass man eine Krankenversicherung mit Krankentagegeld praktisch zum selben Preis bekommen wird wie jetzt noch eine Krankenversicherung ohne Krankentagegeld. Wer also in näherer Zukunft seine Nachwuchsplanungen verwirklichen möchte, kann sich mit solch einem Tarif verhältnismäßig günstig absichern und im Ernstfall 70 Prozent des Durchschnittseinkommen aus dem vergangenen Jahr erwarten.

Für die Mitglieder der Künstlersozialkasse gilt das hier geschätzte Jahreseinkommen als Berechnungsgrundlage. Wenn man also das eigene Einkommen extra niedrig schätzte, um an den Sozialversicherungsbeiträgen zu sparen, wird sich das bei dem Krankentagegeld rächen.

Krankentagegeld für Privatversicherte

Für Privatversicherte gestaltet sich die Situation nur geringfügig anders als bei gesetzlich Versicherten. Auch hier gilt, dass man sich per Krankentagegeldversicherung (alternativ auch Krankenhaustagegeldversicherung) absichern kann. Unterschied gegenüber den Tarifen der gesetzlichen Krankenversicherung ist die höhere Gestaltungsfreiheit. So kann man bei den meisten Privatversicherungen völlig frei entscheiden, ab welchem Tag eine Leistung zu beanspruchen ist; ein früherer Leistungseintritt wäre selbstverständlich mit einer höheren Beitragszahlung verbunden.

Ein weiterer Vorteil kann die höhere Auszahlung sein. Während gesetzlich Versicherte nur 70 Prozent ihres durchschnittlichen Einkommens zu erwarten haben, kann bei einer Privatversicherung vereinbart werden, dass das volle Durchschnittseinkommen ausgezahlt wird.

Wichtig: Bei dem Abschluss einer Krankentagegeldversicherung gilt für gewöhnlich eine Wartezeit von 6 Monaten. Erst danach kann eine Leistung beansprucht werden. Daher sollte man mit dem Versicherungsabschluss nicht zu lange warten.

Elterngeld für Freiberufler

Ist das Kind erst einmal da, sollte sich die Aufmerksamkeit eher auf den Nachwuchs und weniger auf die Arbeit richten. Doch kann man es sich als Selbstständiger leisten, nach der Schwangerschaft erneut mehrere Monate auszufallen? Dank des Elterngeldes, welches am 1. Januar 2007 eingeführt wurde, ist dies durchaus möglich. Für einen Zeitraum von maximal 12 Monaten bezieht jenes Elternteil, das sich eine berufliche Auszeit nimmt und bei dem Kind bleibt, 67 Prozent des durchschnittlichen Nettolohns aus dem letzten Jahr; höchstens aber 1.800 Euro monatlich. Möchte man zwei weitere Monate die Förderung in Anspruch nehmen, müssen die 14 Monate Elternzeit auf beide Elternteile aufgeteilt werden. Voraussetzung ist nur, dass ein Teil des Erwerbseinkommen durch diese Konstellation wegfällt. Eine Sonderregelung ist für Alleinerziehende vorgesehen, die wegen des fehlenden Partners auch alleine die vollen 14 Monate Elterngeld-Anspruch haben.

Das Elterngeld steht Selbstständigen beziehungsweise Freiberuflern im selben Maße zu wie Angestellten. Dennoch ist die Auszeit bei einer beruflichen Eigenständigkeit mit mehr Risiken verbunden. Man kann leider nicht damit rechnen, dass die Kunden auf einen warten und nach der Elternzeit wieder mit Aufträgen versorgen. Möchte man also nicht wieder ganz von vorne anfangen müssen, sollte man die Elternzeit nur kurz nutzen oder aber während dieser Zeit im begrenzten Maße weiterarbeiten. Zwar wird das erzielte Einkommen auf das Elterngeld angerechnet, sodass es sich finanziell nicht lohnt, dafür aber kann man wichtige Kunden weiterhin an sich binden und so die berufliche Zukunft sichern.

Schwieriger gestaltet sich die Situation, wenn man Angestellte hat. Denn selbst wenn der Betrieb ruht, wird man weiterhin Gehälter zahlen müssen. Alleine mit dem Elterngeld lässt sich dies nicht auffangen und die erforderlichen finanziellen Rücklagen dürften nur wenige Selbstständige haben beziehungsweise dafür verwenden wollen. Daher ist man als Arbeitgeber meist dazu gezwungen, weiterhin beruflich aktiv zu sein und das Unternehmen am Laufen zu halten. Nur, wenn ein Mitarbeiter die Geschäftsführung vorübergehend übernehmen kann, wird man ohne größere finanzielle Einbuße die Elternzeit nutzen können. ™

1 Kommentar zu “Schwangerschaftsschutz und Elterngeld für Freiberufler”

Hallo,
witzig, genau mit diesem Thema beschäftige ich mir gerade. In meinem Fall nimmt meine Frau die Elternzeit (sie ist im Angestelltenverhältnis) und ich wollte eigentlich als Selbständiger zwei Partnermonate nehmen. Allerdings werde ich noch nicht ganz schlau daraus ob und wie sich das auf das Elterngeld auswirkt und was ich dann bekomme. Hat da jemand schon Erfahrungen sammeln können?
Gruß
André

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