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Gabi Neumayer 22. Oktober 2018

Bilder im Kopf: So schreibst du anschaulich

Willst du so anschau­lich, leben­dig und packend schrei­ben, dass bei dei­nen Leserinnen und Lesern Bilder im Kopf ent­ste­hen? Wenn du dir eini­ge Tricks bei gestan­de­nen Schriftstellern abguckst, ist das gar nicht so schwer, wie es zunächst erschei­nen mag.

Was bedeutet “anschaulich schreiben”?

In dem Wort steckt es schon drin: “anschau­lich” heißt, dass wir etwas zum Anschauen bekom­men. Es kün­digt an, dass durch die Worte auf dem Papier Bilder und Szenen vor unse­ren Augen ent­ste­hen. Aber nicht nur ums Sehen geht es: Erst wenn alle Sinne ange­spro­chen wer­den, fan­gen Texte für uns an zu leben.

Wenn du anschau­lich schrei­ben kannst, machst du dei­nen Leserinnen und Lesern übri­gens nicht nur eine Freude. Du sorgst gleich­zei­tig dafür, dass dei­ne Texte ver­ständ­li­cher und über­zeu­gen­der wer­den – und dass sie län­ger im Gedächtnis blei­ben. Ein kla­res Plus für jede Art von Text.

Was Adjektive bewirken

Wenn es um anschau­li­ches Schreiben geht, ver­fal­len begin­nen­de Schriftsteller schnell auf die nahe­lie­gends­te Idee: Adjektive! Andererseits sind Adjektive genau die Wörter, vor denen in Schreibratgebern zu Recht immer wie­der gewarnt wird. Schau dir ein­mal die­se Beispiele an:

  • Die Frau ging über die Straße zum Haus.
  • Die alte Frau ging lang­sam über die befah­re­ne Straße zu dem alten, ver­fal­le­nen Haus.

Konkret statt allgemein schreiben

b klingt sicher schon anschau­li­cher als a – aber Adjektive (“alt”, “befah­ren”, “ver­fal­len”) sind kei­nes­wegs die bes­te Lösung, wenn du anschau­lich schrei­ben möch­test. Viel bes­ser wirkt es, wenn du ver­suchst, statt der all­ge­mei­nen Verben (“ging”), Nomen (“Frau”) und Beschreibungen tref­fen­de­re Wörter zu fin­den. Zum Beispiel so:

  • Die Greisin schlurf­te zwi­schen den hupen­den Autos hin­durch zur Ruine der alten Villa, die nun schon seit zwan­zig Jahren leer stand.

Dieses Bild nur mit Text ent­ste­hen zu las­sen, ist nicht so ein­fach. (Quelle: herbert2512 / Pixabay)

Der Trick besteht also dar­in – das ist übri­gens eins der wich­tigs­ten Geheimnisse schrift­stel­le­ri­schen Schreibens -, dass du statt all­ge­mei­ner Ausdrücke kon­kre­te Details, kon­kre­te Wörter ver­wen­dest. Dadurch wird das Beschriebene spe­zi­fisch und ein­zig­ar­tig und prägt sich bei den Lesern ein.

Wenn du zusätz­lich eine bestimm­te Stimmung erzeu­gen willst, brauchst du noch mehr Details, etwa:

  • Damals war dort eine jun­ge Frau unter immer noch unge­klär­ten Umständen ums Leben gekom­men. Den ermit­teln­den Kriminalbeamten hat­te der Fall letzt­end­lich in die Psychiatrie gebracht. Die Greisin hin­ge­gen konn­te sich an den schick­sal­haf­ten Tag erin­nern, als wäre er ges­tern gewe­sen. Das aber wuss­te nur sie.

Damit ver­passt du der eigent­lich harm­lo­sen Berichterstattung über den Fußweg einer alten Frau eine Wendung, die in den Köpfen dei­ner Leser aller­lei Bilder und Assoziationen wecken wird. Noch inten­si­ver wer­den die Bilder im Kopf, wenn du wei­te­re Sinne ansprichst:

  • Noch heu­te konn­te sie den metal­li­schen Geruch fri­schen Blutes rund um die alte Villa wahr­neh­men. Leider konn­te selbst ihr abneh­men­des Augenlicht jene Bilder nicht til­gen, die sich seit­her bei­na­he jede Nacht auf ihre Netzhaut schli­chen.

“Show, don’t tell”

Dies ist ein wei­te­rer wich­ti­ger Grundsatz erfolg­rei­cher Schriftsteller: Zeigen statt behaup­ten! Was das bedeu­tet, kannst du an einem Standardsatz schlech­ter Bewerbungen sehen:

  • Ich bin team­fä­hig und enga­giert.

“Klingt schön”, wirst du als Personalentscheider zunächst den­ken. Und direkt danach: “Das kann ja jeder behaup­ten.”

Auch Fotos kön­nen sub­til sein und so zusätz­li­che Bedeutung trans­por­tie­ren. (Quelle: raw­pi­xels / Pixabay)

Stimmt. Deshalb gilt nicht nur für Bewerbungen, son­dern auch für jeden ande­ren Text, mit dem du für dich oder dein Produkt  oder dei­ne Dienstleistung wer­ben willst:

Zeigen, nicht behaup­ten.

Nur, wie stellst du das an? Indem du ein Beispiel wählt, das die gewünsch­ten Tugenden (Teamfähigkeit etc.) indi­rekt belegt. Und so kann das aus­se­hen:

  • 2017 habe ich ein Jahr lang in einem acht­köp­fi­gen Team an der Konzeption und Realisierung einer neu­en Internet-Zeitschrift gear­bei­tet, die nun seit acht Monaten erfolg­reich auf dem Markt ist.

Du erkennst den Unterschied: Hier muss sich der Leser nicht blind auf eine Behauptung ver­las­sen, son­dern zieht aus dem Beispiel selbst den Schluss, dass du ganz offen­bar team­fä­hig und enga­giert bist. So sieht über­zeu­gen­de Eigenwerbung aus.

Vermeide nichtssagende Verben

  • “Ich lie­be dich”, sag­te er. “Ich dich auch”, sag­te sie. “Gut, dass wir uns haben”, sag­ten sie gemein­sam. Dann schlie­fen sie ein.

Die Stimmung im Beispiel wird von dem ver­wen­de­ten Verb über­haupt nicht ein­ge­fan­gen. Während eine fil­mi­sche Darstellung der Szene wahr­schein­lich durch­aus roman­tisch sein dürf­te, wirkt der obi­ge Text eher kalt und nüch­tern.

Nun bleibt dir bei wört­li­cher Rede kaum etwas ande­res übrig als Verben zu benut­zen, um die Redeanteile von­ein­an­der abzu­gren­zen. Du soll­test dich dabei aber vor Generika hüten. Damit ver­dient nur Ratiopharm gut.

Verwende statt­des­sen leben­di­ge, eben anschau­li­che Verben, die Bilder im Kopf erzeu­gen, etwa so:

  • “Ich lie­be dich”, flüs­ter­te er ihr ins Ohr. “Ich dich auch”, ent­geg­ne­te sie erschöpft und zufrie­den. “Gut, dass wir uns haben”, mur­mel­ten sie wie aus einem Munde. Dann schlie­fen sie ein.

Das eben erzeug­te Bild dürf­te sehr viel ein­deu­ti­ger sein als das oben impli­zier­te, wenn du dir sicher­lich auch die Rahmenhandlung schon im ers­ten Beispiel unge­fähr aus­ma­len konn­test.

(Artikelbild: Depositphotos)

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