Heike Thormann 9. Januar 2009

Raus aus der Infoflut

Das Wort von der Infoflut ist in aller Munde. Immer mehr will gelesen, geschrieben, gelernt werden. Das kostet Zeit, geht zu Lasten unserer Produktivität und kann sogar die Gesundheit schädigen. Aber, pssst, das ist gar nicht nötig. Ziehen Sie sich einfach raus aus der Infoflut. So geht’s.

Das Wort von der Infoflut ist in aller Munde, nicht erst seit heute. Immer mehr Informationen beanspruchen unsere Aufmerksamkeit. Immer mehr will gelesen, geschrieben, gelernt werden.

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Das kostet nicht nur massiv Zeit. Es ist einfach ineffizient, sich mit allen Fakten, die einem über den Weg laufen, gleich ausgiebig zu beschäftigen. Perlen, die wichtig für einen wären, gehen in dem weißen Info-Rauschen unter. Selbst das beste Gehirn kann sich den Berg von Informationen nicht merken, der über einen hereinbricht. Und sogar die eigene Gesundheit kann leiden, wenn der Kampf gegen die Info-Flut zum Stress-Auslöser wird.

Aber falls das ein Trost für Sie sein sollte, es ist auch gar nicht nötig, sich mit allen Fakten, die Ihnen über den Weg laufen, gleich ausgiebig zu beschäftigen. Denn der Punkt ist nicht, möglichst viel zu schlucken, sondern bewusst mit den Informationen umzugehen, die Sie tagtäglich heimsuchen. In diesem Sinne: Ziehen Sie sich raus aus der Infoflut. So geht’s.

1. Machen Sie Bestandsaufnahme

Sie können Ihrer Infoflut nicht zu Leibe rücken, wenn Ihnen gar nicht bewusst ist, was da alles auf Sie niederschlägt und Ihre Zeit frisst. Machen Sie deshalb als erstes Bestandsaufnahme und klären Sie Ihr Informationsverhalten.

Beobachten Sie sich selbst: Welche Medien nutzen Sie? Wie oft lesen Sie welche Zeitungen? Wie steht’s mit Internet und Fernsehen? Wann lassen Sie sich von ihnen wie lange und wofür gefangen nehmen? Wie viele Stunden kosten Sie Berichte oder Meetings? Wie viel Zeit investieren Sie in welche Bücher?

Wenn Sie möchten, legen Sie eine kleine Liste an und schreiben Sie, sagen wir, zwei bis vier Wochen lang gewissenhaft auf, welche Informationen sich konkret hinter Ihrer Informationsflut verbergen. Bestandsaufnahme machen:

Ich nutze Weil ich … (Wozu?) Das dauert … (in h)
Zeitschriften
Fernsehen
News-Feeds
Microblogging
Instant Messaging
E-Mail

Diese Tabelle ist nur ein Vorschlag. Sie können auch gern in die Details gehen und einzelne Zeitschriften, Dienste und so weiter aufschreiben.

2. Hinterfragen Sie Ihren Informationskonsum

Na, haben Sie einen Schock bekommen, wohin Ihre Stunden fließen? Okay, dann nutzen Sie das als Motivation, um zu begrenzen. Fangen Sie damit an, dass Sie Ihren Informationskonsum hinterfragen. Müssen Sie wirklich alles auf Ihrer Liste lesen, wissen, sammeln? Oder reicht ein punktueller Überblick, reichen einige wenige Informationsquellen, die Sie immer wieder ansteuern? Beweisen Sie Mut zur Lücke, sortieren Sie aus und üben Sie den Verzicht.

Haben Sie Schwierigkeiten damit, auf liebgewordene Fernsehsendungen oder Zeitungen zu verzichten? Dann fragen Sie sich zusätzlich noch, wozu Sie nicht nein sagen können. Schreiben Sie auf:

Ich kann nicht darauf verzichten … Weil ich befürchte, dass ich dann …

So, und nun überlegen Sie ganz nüchtern, wie schlimm wäre das eigentlich, wenn Sie

  • nicht die neuesten Nachrichten kennen
  • Ihr eMail-Postfach mehrere Tage lang nicht kontrollieren
  • sich auf die fünf wichtigsten Fachbücher im Bereich xx beschränken?

Was könnte Ihnen schlimmstenfalls passieren? Wie würden Sie damit umgehen?

Denn der Witz an der Sache ist, dass der Verlust der täglichen Nachrichten und Co. oft weniger gravierend ist, als wir befürchten. Wir müssen nur erst einmal den Mut haben, auf Gewohntes zu verzichten.

3. Entrümpeln Sie, was Sie loswerden wollen

Machen Sie Nägel mit Köppen und trennen Sie sich beherzt von allem, was sich bei Ihrer Prüfung als „verzichtbar“ herausgestellt hat. Entrümpeln Sie Datenträger und Regale, entsorgen Sie alte Magazine, trennen Sie sich von überquellenden eMail-Ordnern, stapeln Sie keine Kataloge, wenn Sie deren Inhalt bequem im Internet nachschlagen können, löschen Sie RSS-Feeds, die Ihnen nicht genug Nutzen bieten.

Sie sehen das Prinzip? Grenzen Sie Ihr Material ein und entsorgen Sie, was Sie nicht mehr brauchen. Dann kommen Sie auch nicht in Versuchung, es zu lesen.

4. Setzen Sie bei neuen Informationen Prioritäten

Begrenzen und entrümpeln ist gut. Aber noch besser ist es, sich von vornherein nur mit dem einzudecken, was man braucht. Setzen Sie deshalb Prioritäten und fragen Sie sich zum Beispiel:

  • Wo muss oder will ich informiert sein? Wo nicht?
  • Was ist wichtig für mich? Was ist weniger wichtig?
  • Wo fühle ich mich gut informiert? Wo habe ich Lücken?
  • Wie kann ich diese Lücken möglichst effizient schließen?

Alles, was keine besonders hohe Priorität genießt, können und sollten Sie noch einmal überdenken und gegebenenfalls zur Seite lassen.

5. Suchen Sie gezielt nach neuen Informationen

Haben Sie überlegt, was Sie wirklich brauchen und was nicht? Ist Ihnen klar, was Sie wissen wollen und was Sie getrost ignorieren können? Prima. Dann können Sie jetzt gezielt auf die Jagd nach dem Rest gehen.

Gehen Sie bei jeder neuen Information, bei jedem Artikel, bei jeder Zeitschrift immer nach diesem Prinzip vor. Halten Sie sich Ihre Ziele vor Augen:

  • Was will ich wissen? (Zum Beispiel etwas über Webdesign.)
  • Was will ich genau wissen? (Vielleicht die neuesten Flash-Tricks.)
  • Was will ich also nicht wissen? (Die Geschichte der ersten HTML-Standards.)

Machen Sie einen Plan, legen Sie eine kleine Liste an, egal. Hauptsache, Sie suchen sich nicht einen Wolf, bauen wieder Lesestapel auf oder haben plötzlich zehn neue Online-Magazine auf Ihrer morgendlichen Leseliste. Je präziser Ihre Vorstellung von dem ist, was Sie eigentlich wissen wollen, desto weniger Zeit geht fürs Suchen und Lesen drauf.

6. Lesen Sie selektiv

Und noch etwas: Setzen Sie sich ruhig mentale Scheuklappen auf und lesen Sie selektiv. Das heißt, lesen Sie das neue Fachbuch nicht Seite für Seite oder jeden in Frage kommenden Artikel Satz für Satz.

Überfliegen Sie den Text und halten Sie nur bei den Stellen an, die Sie wirklich interessieren. Dafür sind Ihre Leseziele da. Wenn Sie diese sauber herausgearbeitet haben, sparen Sie gerade bei der täglichen Arbeit und Recherche viel Zeit.

Etwas anderes ist es natürlich, wenn Sie Buch oder Text von vorn bis hinten genießen wollen. Dann nur zu.

7. Setzen Sie sich Grenzen

Und zum Schluss noch einmal: Beweisen Sie Mut zur Lücke. Wenn Sie nicht umsonst Ihren Informationskonsum hinterfragt und entrümpelt haben wollen, dann fallen Sie jetzt nicht ins alte Laster zurück und suchen oder horten wie wild von Neuem.

Machen Sie einen Schnitt. Verfallen Sie nicht der Verlockung, immer noch mehr Artikel über, sagen wir, interessante Flash-Tricks zu suchen. Die gibt es mit Sicherheit. Aber, wie effizient ist das? Der Grat ist schmal zwischen einer sauberen Informationssuche und einem unkontrollierten Informationshunger.

Informationsjunkies sind ständig auf der Suche nach dem letzten Kick, der ultimativen Antwort. Sie haben Angst, dass ihnen etwas entgeht, wollen glänzen mit dem, was sie wissen und wissen doch nie genug. Die letzte Grenze ist einfach nicht zu erreichen und bevor Sie auf dem Weg dorthin zugrunde gehen:

  • Hören Sie rechtzeitig auf.
  • Begnügen Sie sich mit dem, was Sie wissen.
  • Stehen Sie zu Ihrem Nichtwissen. Sie sind auch nur ein Mensch.

Haben Sie keine Angst vor der Infoflut. Lernen Sie schwimmen. ™

Heike Thormann

Heike Thormann ist Trainerin, Redakteurin und Autorin. Ihr Schwerpunkt sind kreative Schreib-, Denk-, Lern- und Arbeitstechniken. Sie schreibt für verschiedene Fachmagazine und gibt mit ihrer Website ein Online-Magazin zu ihren Fachthemen heraus.
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Ein Kommentar

  1. Der Artikel kommt mir gelegen. Das Thema beschäftigt mich schon länger. Nur habe ich noch nicht begonnen, konsequent danach zu handeln. Dieser ausführliche und informative Artikel könnte nun der Beginn sein!

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