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Dieter Petereit 7. Februar 2018

Präsentationsdesign: Ludus lässt Powerpoint vergessen

Die jun­ge Web-App Ludus bringt dir den Spaß am Präsentationsdesign und dei­nen Zuschauern den Spaß am Präsentationskonsum zurück. Gerade Designer soll­ten sich das Tool genau­er anse­hen.

Powerpoint hat bald die 45 Beschäftigungsjahre voll; endlich Rente

Du hörst das Wort „Präsentation“ und kannst dich direkt einer gewis­sen Müdigkeit nicht erweh­ren? Dann gehörst du zu denen, die schon län­ger hier arbei­ten. Wer sich schon seit den Neunzigern im Arbeitsleben bewegt, weiß, wovon die Rede ist. Schon seit Beginn der Neunziger wur­de alles und aus­schließ­lich mit Powerpoint prä­sen­tiert. Dabei kam es nicht ein­mal dar­auf an, ob das Thema über­haupt von einer Unterstützung durch eine Präsentation pro­fi­tie­ren konn­te. Egal! Es ging, also wur­de es getan. Jeder gute, aber vor allem jeder schlech­te Redner nutz­te den Dinosaurier aus Redmond, um sei­ne mehr oder weni­ger wacke­li­gen Thesen mit zumeist üblem, und ich mei­ne wirk­lich üblem Design zu unter­mau­ern.

Bis zum heu­ti­gen Tage hat sich Powerpoint nur ganz sach­te fort­ent­wi­ckelt, und so ist es der digi­ta­le Ersatz für den in den Achtzigern übli­chen Tageslichtprojektor geblie­ben. Dabei sind nicht nur die Anforderungen an moder­ne Präsentationen seit­her rasant gestie­gen, auch die tech­ni­schen Möglichkeiten haben sich deut­lich fort­ent­wi­ckelt. Inzwischen gibt es sogar Alternativen, etwa Apples Keynote. Aber kei­ner der Desktopgiganten trägt den gestie­ge­nen tech­ni­schen Möglichkeiten hin­rei­chend Rechnung.

Ludus definiert die Präsentation neu

Schon des­halb ist es nahe­lie­gend, über eine web-basier­te Alternative zu den altern­den Platzhirschen nach­zu­den­ken. Die Macher hin­ter dem Projekt Ludus begnüg­ten sich indes nicht mit Nachdenken, son­dern brach­ten eine Lösung an den Start, die zusam­men­fasst, was moder­ne Präsentationslösungen heut­zu­ta­ge kön­nen kön­nen.

Das Interface kommt Designern ver­traut vor. (Screenshot: Dr. Web)

Dabei besei­tigt Ludus nicht nur die kon­ven­tio­nel­len Probleme einer jeden Desktop-Präsentationssoftware, wie etwa die Schwierigkeiten, die beim Teilen der bis­wei­len rie­si­gen Dateien ent­ste­hen, oder die Kompatibilitätsprobleme bei der Verwendung unter­schied­li­cher Rechner im Kreise der Adressaten der Präsentation. Ludus bringt vor allem eine Flexibilität ins Spiel, die mit lokal erstell­ten, pro­prie­tä­ren Dateien gar nicht zu errei­chen ist.

Denn Ludus ist bereits zum jet­zi­gen Zeitpunkt in der Lage, bestehen­den Web-Content per Drag & Drop oder Copy & Paste in die Präsentation zu inte­grie­ren. So könnt ihr etwa Formulare mit Youtube-Videos kom­bi­nie­ren oder ani­mier­te Gifs aus GIPHY ein­fü­gen. Alles, was sich ergoog­len lässt, lässt sich auch in Ludus ver­wen­den. Das ist zwar etwas ver­ein­facht, aber im Kern wahr. Immerhin sieht das Ludus-Team das Web nach eige­ner Darstellung als Ansammlung von Lego-Bausteinen, aus denen du mit Ludus etwas schö­nes bau­en kannst.

Dazu passt es dann auch, dass du Ludus auf jedem Gerät ver­wen­den kannst – sowohl zum Erstellen, wie auch zum Präsentieren.

Web-App im bes­ten Sinne (Illustration: Ludus)

Ludus ist offen für jedweden Inhalt

Ludus inte­griert Bilder aus Dropbox, Flickr, GIPHY, Instagram und Unsplash, Schriften aus Google Fonts, Typekit oder dei­nem eige­nen Computer, Piktogramme von Icons8 und The Noun Project sowie Videos von Youtube, Vimeo, Streamable, Wistia und Vid.me. Ebenfalls mög­lich ist der Einbau von eige­nem Content aus InVision, Framer und SketchFab. Selbst 3D-Modelle und VR-Experimente kannst du in Ludus zur Unterstützung dei­ner Präsentation ver­ar­bei­ten.

Ludus ist ein offe­nes System. (Screenshot: Dr. Web)

Die Betreiber hin­ter Ludus betrach­ten die­se beacht­lich lan­ge Liste indes nur als einen Einstieg. Als Vorbild nen­nen sie Slack, das durch eine Öffnung hin zum Drittentwicklermarkt mitt­ler­wei­le für nahe­zu jeden Zweck eine eige­ne Lösung anbie­ten kann.

Nicht nur Klicken und Schieben, auch gestalten ist möglich

Anders als ande­re Präsentations-Tools ist Ludus nicht nur in der Lage, Material aus ver­schie­de­nen Quellen sei­ten­ori­en­tiert zusam­men­zu­fü­gen. Vielmehr ver­fügt die Software über eige­ne Designwerkzeuge, die sie weit über den Normalzustand einer Slideshow-Software hin­aus­he­ben.

Gerade Designer kön­nen sich so rich­tig aus­to­ben und ihre ganz kon­kre­ten Gestaltungsideen umset­zen. Wer sich mit Sketch aus­kennt, wird sich in Ludus gleich­sam wie Zuhause füh­len, so Vincent Battaglia, CTO und Mitgründer des Projekts. Mich erin­nert die Oberfläche eher an die Produkte aus dem Hause Adobe, und zwar ganz deut­lich.

Einen ers­ten Eindruck ver­mit­telt die­ses Video:

Ludus muss nichts kosten

Ludus gibt es in einer kos­ten­frei­en Variante, die auf einen ein­zel­nen Nutzer limi­tiert ist und kei­ne Kollaboration erlaubt. Die Zahl der Präsentationen ist auf 20 begrenzt. Das ist die maxi­mal auf Ludus gespei­cher­te Anzahl. Exportieren kannst du dei­ne Präsentationen im Free-Tarif nur nach PDF. Immerhin steht dir ein Gigabyte Speicher zur Verfügung und du musst auf kei­ner­lei Editing-Features ver­zich­ten. Gehen wir nun also davon aus, dass du dei­ne Präsentationen als PDF spei­cherst und nicht stän­dig mit mehr als 20 sol­cher Zuschauerquäler arbei­test, könn­test du mit der Free-Version gut bedient sein.

Willst du dich hin­sicht­lich der Zahl dei­ner Präsentationen nicht beschrän­ken und legst Wert auf den HTML-Export dei­ner Präsen, dann musst du in die Tasche grei­fen. Für 99 US-Dollar im Jahr kannst du dei­ne Präsentationen zusätz­lich mit einem Passwort schüt­zen, eine ein­fach zu mer­ken­de URL für jedes Projekt erstel­len und mehr Speicherplatz bean­spru­chen. Damit wärst du im Pro-Account. Teams mit bis zu zehn Nutzern müs­sen 499 US-Dollar pro Jahr oder 49 US-Dollar im Monat ver­an­schla­gen. Dafür erhal­ten sie aller­dings auch das Kollaborations-Feature und kön­nen gemein­sam an den Präsentationen schrau­ben.

Der Begriff Ludus stammt übri­gens aus dem Lateinischen und bezeich­net eine Bildungseinrichtung, die Kinder im alten Rom besuch­ten, um dort spie­le­risch zu ler­nen. Seit kur­zem ist Ludus öffent­lich zugäng­lich und kann von jeder­mann genutzt wer­den. Mach dir also dein eige­nes Bild vom Powerpoint aus der Zukunft.

Dieter Petereit

Dieter Petereit

ist seit 1994 im Netz unterwegs, aber bereits seit über 30 Jahren in der IT daheim. Seit Anfang des neuen Jahrtausends schreibt er für diverse Medien, hauptsächlich zu den Themenfeldern Technik und Design.

4 Kommentare

  1. Sieht sehr pro­fes­sio­nell aus und nicht mehr so sehr nach 30 Jahre altem “Word Art”. Danke für den tol­len Beitrag

  2. Hey Dieter, mach Powerpoint nicht älter, als es ist. Kleiner Zahlensturz, sind wohl ’nur’ 35 Jahre. Auch genug ;)

  3. Habe Powerpoint schon seit Ewigkeiten nicht mehr benutzt aber Lupus sieht auf­je­den­fall inter­es­sant aus. Die Möglichkeiten dort, las­sen die Präsentationen viel “fri­scher” wir­ken. Ist mal einen genaue­ren Blick wert.

  4. Hmm, was die Features angeht stimmt der Artikel ja. Aber ich bezweif­le, dass der Endanwender ohne gestal­te­ri­sche Kenntnisse mehr aus Ludus Präsentationen holt als aus PowerPoint. Das Problem ist doch eher die Präsentationswut, der so vie­le ver­meint­lich wich­ti­ge Menschen mit ihren PP-Präsentationen Gewicht zu ver­lei­hen mei­nen. Ich plä­die­re für eine Zusatzausbildung, die Menschen dazu befä­higt, Wichtiges von Unwichtigem tren­nen zu ler­nen und intro­spek­tiv zu erken­nen, was von den eige­nen Inhalten mit­tels einer Screenpräsentation tat­säch­lich berei­chert wird.
    Und was bei Ludus bares Geld kos­tet, lässt sich (auf den ers­ten Blick) “kos­ten­los” mit Google Slides auch rea­li­sie­ren.

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