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Dirk Metzmacher 29. Juni 2019

Photoshop kreativ: So einfach simulierst du eine doppelte Belichtung

Im analogen Zeitalter waren doppelte Belichtungen noch leicht möglich: ein Foto wurde aufgenommen, der Film zurück gespult und ein weiteres Fotos geschossen. Mit etwas Glück entstanden so fast künstlerische Kombinationen zweier Motive. In Photoshop kannst du diesen Effekt simulieren und weitaus leichter kontrollieren. Du benötigst nur das passende Ausgangsmaterial.

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#1/ Das Ausgangsmaterial

In der einfachsten Variante benötigst du zwei Aufnahmen: einen Schattenriss sowie eine Textur, die als Grundlage zur zweiten Belichtung dient. Die Silhouette sorgt dafür, dass eine Fläche für die andere Aufnahme geboten wird, ohne sich um Freisteller kümmern zu müssen.

Eine zweite Variante ist da schon etwas komplexer. Hier ist eine Freistellung die Voraussetzung, die wir in einigen Schritten ausführlich erklären, so dass du nicht nur die doppelte Belichtung erlernen, sondern auch gleich Tipps und Tricks zum professionellen Freistellen erhalten wirst. Hier siehst du das Ausgangsmaterial noch unbearbeitet:

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#2/ Einfache Überlagerung

Öffne das Foto mit der Silhouette und ein weiteres Foto mit einer feineren Struktur, wie etwa einer Waldlandschaft. Ziehe das Dokument mit der Struktur zur Seite (durch Anklicken und Halten des Reiters) und dann mit dem Verschieben-Werkzeug (Tastenkürzel: V) das Foto ebenfalls durch Anklicken und Ziehen in das andere Dokument hinein. Positioniere das Bild grob und ändere den Mischmodus der Ebene von Normal auf Negativ multiplizieren ab.

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A woman in a swimsuit lying / 148463444 / Alan Poulson Photography

Diese Änderung nimmst du im Ebenenbedienfeld vor, gleich neben der Deckkraft. Solche Mischmodi (auch Füllmethoden genannt) bestimmen, wie die aktuelle Ebene mit den darunter liegenden Ebenen verrechnet wird. Negativ multiplizieren gleicht laut der Online-Hilfe von Adobe der Wirkung des Übereinanderprojizierens mehrerer Dias.

Dabei wird die Ausgangsfarbe als Negativ mit der Mischfarbe multipliziert. So werden helle Bereiche weiter aufgehellt, dunklere Bereich bleiben bestehen. Besonders im schwarzen Schattenriss ist deshalb die Struktur weiterhin deutlich zu sehen.

#3/ Abschwächung des Hintergrundmotives

Da der Hintergrund nicht komplett weiß erscheint, kannst du diesen noch optimieren. Aktiviere dazu die Hintergrundebene und gehe im Menü auf Ebene > Neue Einstellungsebene > Gradationskurven. Setze einen Punkt genau in die Mitte der Linie und einen weiteren Punkt etwas weiter links, unten an der ersten Schnittstelle der Linien im Hintergrund der Gradationskurven.

Ziehe diesen Punkt etwas nach oben und zur rechten Seite hin, den Punkt in der Mitte gerade nach oben. So wird das Bild mit der Silhouette heller und gleichzeitig der Kontrast gesteigert. Da besonders der Hintergrund so heller geworden ist, sorgt die weitere Ebene im Modus Negativ multiplizieren auch für eine verstärkte Aufhellung und die Fläche wird langsam weiß. Generell könntest du auch noch den Kontrast des Ergebnisses steigern.

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Vintage color autumn forest / 231187699 / Robsonphoto

#4/ Freistellung als Voraussetzung

Ein Foto einer Silhouette entsteht als Gegenlichtaufnahme. Leider hat nicht jeder solch eine Aufnahme parat. Photoshop bietet uns dann eine passende Lösung an, die allerdings eine Freistellung verlangt. Professionell kannst du mit den Pfad-Werkzeugen freistellen. Aktiviere dazu das Zeichenstift-Werkzeug und wähle in der Optionsleiste Pfad (statt Pixel oder Form) aus.

Über das Zahnrad-Symbol (etwas weiter auf der rechten Seite) hast du die Möglichkeit, Gummiband anzuwählen. Ist diese Funktion aktiviert, so zeigt Photoshop den Pfad schon beim Anlegen an. Aktiviere auch Autom. hinzuf./löschen. So bist du optimal vorbereitet für das nun folgende Freistellen deiner Bildmotive.

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Vergrößere einen Bereich am Rand des Motivs mit dem Zoom-Werkzeug und setze einen ersten Punkt mit dem Zeichenstift. Lasse weitere Punkte entlang der Kontur folgen. An kurvigen Stellen halte die Maustaste gedrückt und ziehe die Kurve nach. Um wieder gerade Linien ziehen zu können, klickst du den zuletzt gesetzten Punkt mit gedrückter Alt-Taste an. Nach dem Schließen des Pfades drückst du Strg+Eingabetaste, um den Pfad in eine Auswahl umzuwandeln. Klicke den Button Maske hinzufügen unten im Ebenenbedienfeld an. Das Model wurde damit freigestellt.

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#5/ Freistellung verfeinern

Ein Doppelklick auf die Maskenminiatur im Ebenenbedienfeld ruft den Eigenschaften-Dialog auf. Klicke da unter Verbessern auf den Button Maskenkante. Stelle den Ansichtsmodus ein (etwa auf einen weißen Hintergrund) und aktiviere das Radius-verbessern-Werkzeug auf der linken Seite, um im Bild über die Haare des freigestellten Models zu malen. Photoshop versucht nach dem Lösen der Maustaste den Hintergrund zu erkennen und stellt die feinsten Haare automatisiert frei. Du kannst diesen Vorgang wiederholen. Bist du zufrieden, so bestätige über OK. Die Maske wurde entsprechend angepasst.

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#6/ Kanten optimieren

Drücke Strg+J, um das freigestellte Bildelement zu kopieren, und klicke die Maske mit rechter Maustaste an. Wähle Ebenenmaske anwenden aus und gehe im Menü auf Ebene > Schnittmaske erstellen. Inhalte dieser Ebene sind so nur noch da sichtbar, wo auf der darunter liegenden Ebene Pixelmaterial vorhanden ist. Da oftmals bei freigestellten Motiven der Rand unschöne Färbungen zeigt, ziehst du diesen mit dem Wischfinger-Werkzeug etwas heraus. Achte darauf, den Rand nicht unscharf werden zu lassen. Reduziere den Schwellenwert in der Optionsleiste auf etwa 40%. Strg+E reduziert die beiden Ebenen.

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#7/ Belichten

Erstelle eine neue Ebene, etwa über das Tastenkürzel Umschalt+Strg+N, und fülle die Fläche mit weißer Farbe, was schnell über Umschalt+F5 möglich ist. Diese Ebene sollte in der Ebenenreihenfolge unterhalb der Ebene mit dem freigestellten Model liegen. Um die Ebenenreihenfolge anzupassen, klicke die Ebene an, halte die Maustaste gedrückt und ziehe die Ebene an die neue Position.

Wie im ersten Beispiel, wird ein Foto im Mischmodus Negativ multiplizieren über das freigestellte Model eingefügt, dann zwischen dieser Ebene und der Ebene mit dem Model eine Neue Einstellungsebene > Helligkeit/Kontrast positioniert. Diese steuert die Helligkeit sowie die Kontraste, die allesamt erhöht werden, um den Effekt noch zu verstärken.

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Portrait of handsome man / 156881834 / Mayer George

Wer mag, kann auch noch etwas kreativer werden. So wurde hier etwa ein „Wolkenkratzer“ freigestellt, damit dieser aus dem Kopf herausragen kann. Auch sollten Bereiche im Gesicht von der Bearbeitung durch die Überlagerung der Struktur ausgeschlossen werden, was leicht über eine Ebenenmaske für diese Ebene möglich ist.

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Sunset aerial view of New York City / 199319276 / littleny

#8/ Schwarzweiß-Umsetzung als Alternative

Sehr edel wirkt auch die unbunte Variante einer doppelten Belichtung. Dazu gehst du im Menü auf Ebene > Neue Einstellungsebene > Schwarzweiß und drückst da zunächst auf den Button Auto. Passt das Ergebnis noch nicht so ganz, benutze das Werkzeug oben, links mit der Hand und den zwei Pfeilen, um direkt im Dokument arbeiten zu können.

Klicke dazu einen Bereich an, halte die Maustaste gedrückt und bewege den Mauszeigen zur linken oder rechten Seite hin. Du bestimmst damit die Helligkeitswerte des angeklickten Farbbereiches visuell und kannst die Schwarzweiß-Umsetzung perfekt einstellen. Wer mag, erzeugt noch eine Neue Einstellungsebene > Gradationskurven und wählt da die Vorgabe Starker Kontrast aus.

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(dpe)

Dirk Metzmacher

Dirk Metzmacher

Dirk Metzmacher ist der Herausgegeber des Photoshop-Weblogs, sowie Fachjournalist und Photoshop-Profi, dessen Tutorials seit über 12 Jahren Leser von Fachpublikationen wie Galileo Press, DigitalPhoto, Dr.Web, Print24, PSD-Tutorials oder Noupe von den Grundlagen zum Thema Photoshop bis hin zu professionellen Arbeitsweisen begleitet haben. Sein Twitter-Account und seine Facebookseite.

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