Dirk Metzmacher 8. Februar 2007

OpenEngine: WYSIWYG für alle

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Einerseits erleichtert OpenEngine dank integrierter Ajax-Technologie die Organisation der Inhalte, so das selbst der Laie zurecht kommt, andererseits sorgt die fehlende Theme-Unterstützung für Ratlosigkeit bei Anwendern, die weder HTML- noch PHP-Kenntnisse besitzen. Denn OpenEngine verlässt eingetretene Pfade.

Leider haben die Programmierer dieses Content Managment Systems auf eine leichte Theme- bzw. Template-Aktivierung mit einer Auswahl verschiedenster Designs verzichtet, wie man es von vielen Systemen gewohnt ist, und stattdessen alles auf die Programmierkünste ihrer Anwender gesetzt. Der gängige Weg, ein fertiges Layout über die programmierte Umgebung zu stülpen, wurde hiermit verlassen. Dafür ist diese Template-Architektur recht flexibel und das Einfügen von speziellem PHP-Code kein Problem, wenn denn die verlangten Kenntnisse vorhanden sind. Doch vor der Template-Erstellung kommt die Installation.

OpenEngine setzt PHP 4 und eine MySQL-Datenbank voraus. Die Daten werden auf den Server übertragen, wonach die Ordner »html/img/cache«, »html/img/pool« und »cms/config« Schreibrechte erhalten. Über www.domainname.de/cms/system/setup wird im Anschluß die Installationsroutine gestartet. Jetzt sollte man die Informationen zur Datenbank wie Name, Benutzer und Passwort bereithalten. Empfehlenswert ist die Installation inklusive der Beispielvorlage, da hiermit ein solides Gerüst geboten wird, an dem man sein eigenes Design ausrichten oder zumindest die Struktur hinter dem CMS entdecken kann, nachdem man sich mit dem selbsttätig generierten Passwort eingeloggt hat.

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Die Website zum CMS bietet Videos, ein Forum und Dokumentationen

Die Seitenerstellung
Einen Frontend- und Backendbereich sucht man bei OpenEngine vergeblich, denn hier wurden solche Abgrenzungen aufgelöst. Wer die Demo mit installiert hat, kann gleich den Titel, den Text und das Bildmaterial jeder Seite editieren oder auch neue Seiten anfügen und deren Reihenfolge ändern. Überall werden dazu neben den Inhalten kleine Buttons geboten, über die verschiedenste Eingabeoptionen in Popup-Fenstern aufgerufen werden können. So wird bei der Überschrift nur ein kleines Fenster mit einzeiliger Eingabemaske geöffnet, bei den Inhalten dagegen ein anständiger WYSIWYG-Editor.

Diese Aufteilung ist zwar etwas zeitraubend, stört aber nach einer kurzen Gewöhnungsphase kaum noch. Wer Texte aus Word kopiert und in den Editor einfügt, kann sich darüber freuen, dass (fast) alle Formatierungen übernommen werden. Und auch sonst ist eine deutliche Nähe dieser Eingabeoption zu einer Standard-Textverarbeitung zu spüren, dazu kann man Formularfelder und Tabellen generieren. Änderungen können also intuitiv und leicht selbst vom Internet-fremden Unternehmer und Redakteur umgesetzt werden. Der WYSIWYG-Modus verhindert leider das Einhalten der W3C Standards.

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Der leistungsstarke Editor bietet eine Stütze bei der Seitengestaltung

Der Tooltip des jeweiligen Edit-Buttons zeigt an, welcher Editor an dieser Stelle verwendet und was in diesem bearbeitet werden könnte. Für Bilder gibt es einen eigenen Editor, um diese an der gewünschten Stelle zu platzieren. Zuvor können über eine Upload-Funktion weitere Fotos hochgeladen werden, um das Archiv, das hier FilePool genannt wird, zu vergrößern. Darin können Dateien übersichtlich in Verzeichnisse organisiert werden. Eingebundene Bilder werden über das Minus-Icon von der Seite gelöscht, nicht aber aus dem FilePool. Speziellere Editoren, etwa zur Eingabe von PHP-Code oder für Auswahllisten, werden wohl eher selten zum Einsatz kommen.

In OpenEngine können nur Unterseiten angelegt werden. Für eine neue Seite, die auch in der Navigation erscheinen soll, muss man sich also auf der Startseite befinden. Für hierarchische Strukturen geht man auf die Seite, die Unterseiten erhalten soll und klickt im Admin-Popup auf »Neue Unterseite«. Jetzt legt man den Seitentitel des Browserfensters, die Überschrift und den Namen für den Navigationspunkt fest. Selbst der Pfad kann hier geändert, im nächsten Reiter dazu das Template festgelegt und auch Metatags definiert werden. Es folgen die Inhalte der Seite.

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Das Kontrollzentrum von OpenEngine

Wie schon beschrieben, wird der Content nicht in einem Backend-Bereich administriert, sondern ein spezielles Popup bildet ein »Kontrollzentrum«, über das die Reihenfolge der Seiten in der Navigation ajax-unterstützt per Drag & Drop geändert, der FilePool gefüllt, Benutzer verwaltet, allgemeine Einstellungen vorgenommen und neu erstellte Seiten freigegeben werden können. Hierbei unterscheidet OpenEngine noch zwischen der Freigabe einer neuen Seite und deren Inhalte.

Das rote Fähnchen-Icon oben links zeigt an, dass die Seite noch nicht publiziert wurde, für den Besucher also noch nicht abrufbar ist. Die Seite wird erst über »Freigabe/Berechtigung« im Admin-Popup veröffentlicht, die Inhalte für sich mit je einem Klick auf den nebenstehenden Release-Button. So kann man in Ruhe über Wochen an den Inhalten einer Seite feilen, diese Modifikationen jedoch erst zum Abschluß freigeben, um etwa einen provisorischen Text zu ersetzen.

PHP-Programmierung statt Themes
Wenn jetzt noch aus einigen Designs ein passendes ausgewählt werden könnte, wäre OpenEngine eine harter Konkurrent, doch leider muss man sich um den kompletten Aufbau der Wesite von Grund auf selber kümmern. Klar können Anwender mit den nötigen PHP-Kenntnissen sehr frei arbeiten, doch soll ja ein CMS nicht nur dem Redakteur die Arbeit erleichtern, sondern möglichst auch von unerfahrenen Usern zum Laufen gebracht werden können. Das Design muss man hierbei jedoch als PHP-Seite erstellen und im Template-Ordner ablegen.

Hilfe findet der Programmierer in den fertigen PHP-Routinen und Funktionen, womit die Implementierung grundlegender Eigenschaften, wie etwa das Einbinden der Editoren oder der Navigation, erleichtert wird. Mittels HTML, CSS und einigen Grafiken entsteht dann das Template. Deren Anzahl ist nicht begrenzt. So könnte man für jede Seite des Projekts ein eigenes Template erstellen. Die Vorlagen müssen nur vor dem Gebrauch im Admin-Popup unter »Templates« erfasst werden.

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Übersicht der Seitenstruktur

Auch wenn die Template-Herstellung etwas Einarbeitungszeit verlangt, wird dieses Manko doch leicht von den weitreichenden Optionen ausgebügelt, die OpenEngine bietet. So könnte man etwa ein Kontaktformular, eine Sitemap oder ein Newsletter als Modul einbinden. Selbst ein Extranet ist verfügbar. Da die dynamisch erstellten Seiten auch statisch als HTML exportiert werden können, ist OpenEngine dazu ein suchmaschinen-freundliches CMS. Die Performance wird so ebenfalls gesteigert, da die Zugriffe auf die Datenbank minimiert werden.

Wer also PHP-Grundkenntnisse mitbringt, kann sehr leicht, von der Demo-Installation ausgehend, einen anständigen Webauftritt gestalten. Unterstützung findet man auf der Entwickler-Website, die neben einer ausführlichen Dokumentation auch Videos und ein Forum anbietet. OpenEngine wird lizenzkostenfrei als Download zur freien Verfügung angeboten.

Erstveröffentlichung 08.02.2007

Dirk Metzmacher

Dirk Metzmacher

Dirk Metzmacher ist der Herausgegeber des Photoshop-Weblogs, sowie Fachjournalist und Photoshop-Profi, dessen Tutorials seit über 12 Jahren Leser von Fachpublikationen wie Galileo Press, DigitalPhoto, Dr.Web, Print24, PSD-Tutorials oder Noupe von den Grundlagen zum Thema Photoshop bis hin zu professionellen Arbeitsweisen begleitet haben. Sein Twitter-Account und seine Facebookseite.
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