
OpenAI ruft den Notstand aus

Markus Seyfferth
Autor Dr. WebGoogle Gemini erobert den KI-Markt im Sturm. OpenAI zieht die Notbremse und stoppt alle Nebenprojekte. Was steckt hinter dem internen „Code Red“?
Hand aufs Herz: Haben Sie ChatGPT in letzter Zeit weniger genutzt? Sie wären nicht allein. In einem internen Memo hat OpenAI-CEO Sam Altman am Montag den unternehmensweiten Notstand ausgerufen. Das Unternehmen verschiebt sämtliche Nebenprojekte auf unbestimmte Zeit. Der Grund: Googles KI-Modell Gemini 3 überholt ChatGPT auf breiter Front.
Alle Ressourcen fließen in ChatGPT
Die Maßnahme ist beispiellos. OpenAI stoppt die Entwicklung von Werbefunktionen, Shopping-Assistenten, Gesundheits-Agenten und dem persönlichen Assistenten „Pulse“. Stattdessen sollen alle Teams an der Kernqualität von ChatGPT arbeiten. Konkret geht es um Geschwindigkeit, Zuverlässigkeit und bessere Personalisierung. Altman ordnete tägliche Abstimmungsrunden für die verantwortlichen Teams an. Sogar temporäre Teamwechsel werden gefördert.
Gemini wächst rasant
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Googles Gemini steigerte seine monatlichen Nutzer von 450 Millionen im Juli auf 650 Millionen im Oktober. Das entspricht einem Wachstum von 44 % in nur drei Monaten. Der Bildgenerator „Nano Banana“ treibt die Adoption massiv voran. OpenAI meldet zwar 800 Millionen wöchentliche Nutzer für ChatGPT. Doch die Dynamik liegt eindeutig bei Google.
GPT-5 enttäuschte im August
Der Druck kommt nicht nur von außen. Das im August veröffentlichte GPT-5-Modell fiel bei vielen Nutzern durch. Beschwerden über einen kälteren Ton und Schwächen bei simplen Mathematik- und Geografiefragen häuften sich. OpenAI musste GPT-4o wieder aktivieren und das neue Modell nachbessern. Erst drei Monate später erhielt GPT-5 ein Update, das die gröbsten Probleme behob. Nick Turley, Head of ChatGPT Product, räumte ein: „Im Nachhinein war es ein Fehler, GPT-4o nicht weiterhin anzubieten.“
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Finanzielle Schieflage droht
OpenAI verbrennt Kapital in beispiellosem Tempo. Das Unternehmen ist nicht profitabel und muss kontinuierlich Investoren überzeugen. Laut internen Projektionen benötigt OpenAI bis 2030 rund 200 Milliarden US-Dollar Umsatz, um die Gewinnzone zu erreichen. Google kann seine KI-Entwicklung dagegen aus laufenden Werbe- und Cloud-Einnahmen finanzieren. Dieser strukturelle Nachteil wird zum strategischen Problem.
Die Rollen haben sich vertauscht
Die Ironie der Geschichte: Als ChatGPT im Dezember 2022 startete, rief Google einen internen „Code Red“ aus. Sundar Pichai sah die Suchmaschinen-Dominanz bedroht. Drei Jahre später kehrt sich die Situation um. OpenAI verteidigt jetzt seinen Vorsprung gegen einen Konzern mit nahezu unbegrenzten Ressourcen. Altman betonte im Memo, dass ein neues Reasoning-Modell nächste Woche erscheinen soll, das Gemini 3 übertreffen werde. Die Frage bleibt: Reicht das, um den Trend zu drehen?
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2 Antworten zu „OpenAI ruft den Notstand aus“
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Ca. 95 % der Kollegen hatten mich ausgelacht, als ich das zu Beginn des Hypes öffentlich vorausahnte: „Google hat die KI Entwicklung verschlafen, OpenAI/ChatGPT ist uneinholbar, …“ waren die Gegenargumente.
Ich meinte damals, dass Google längst weiter ist als die Öffentlichkeit glaubt. Nur weil ChatGPT mit massivem Medienecho auf die Welt losgelassen wurde, wurde es so ein Hype.
Google hat dies (noch unter anderen Arbeitstiteln) im Hintergrund längst in diversen Sachen eingebaut, aber halt nicht so laut hinausposaunt.
Doch nicht erst seit heute gilt: Nur wer sich groß präsentiert, ist auch existent.Die eigene Nutzung schaut so aus, dass ich alle diese Dienste gleichermaßen nutze, je nachdem, was gebraucht wird. ChatGPT Produkte genauso wie andere. Am meisten eigentlich eine, hierzulande komplett unbekannte KI eines australischen Unternehmens.
Sicher ist die „komplette Übernahme des Webs“, wie manche die KI getriebene Google-Suche nennen, ein riesiger Vorteil in dem Rennen. (Nicht unbedingt für uns Web-Betreiber, aber auch das werden wir noch in unsere Richtung hinbiegen 😉 )Doch die künstlichen Intelligenzen anderer Schöpfer und deren Trainer haben genug weiterer, spezieller Aufgabengebiete, werden sicher nicht arbeitslos.
Denke, es liegt an uns Nutzern, wie wir das Angebot wahrnehmen und annehmen – oder ablehnen.
Und natürlich an den Entwicklern, welche diesen uralten, längst wahr gewordenen Traum der SiFi-Autoren in die Welt tragen, welche Anwendungen sie mithilfe der KI bauen. -
Toller aktueller Artikel!
Ich habe mich schon gefragt, wann genau, Gemini, GPT überholen wird. – Dass es so schnell passiert, hätte ich allerdings nicht gedacht.
Googles langjähriger und gut gepflegter Web-Index, gepaart mit der LLM-Macht von Gemini ist ein USP den GPT einfach nicht bringen kann.
Deshalb meine Prognose: Gemini wird GPT mit der Zeit komplett abhängen. – Allein durch die unschlagbaren Index-Daten.
Es bleibt spannend…
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