Manuel Diwosch 20. November 2018

Onsite SEO: Effektive Sofortmaßnahmen für jedermann

Websitebetreiber, Webdesigner und manchmal sogar SEO-Profis verpulvern viel Geld mit teurem Linkbuilding und Suchmaschinenwerbung. Sie investieren viel in die Kür, aber vergessen die Pflicht. Dabei sind – vor allem in Nischen – bereits mit ordentlicher Onsite-Arbeit gute Positionen in Suchergebnissen erreichbar. Und wenn es nicht reicht, musst du dank sorgfältiger Onpage-Aufbereitung zumindest weniger Geld für entsprechendes Linkbuilding in die Hand nehmen. Onsite-Optimierung besteht zumindest auch aus „low hanging fruits“ (deutsch: leicht zu erntende Früchte), die sich zu pflücken lohnen.

SEO-Fakt scheint zu sein: Auf die eingehenden Links kommt es an. Denn Links gelten als Empfehlungen. Möglichst viele Links werden gleichgesetzt mit möglichst guten Positionen in den SERPS (Search Engine Result Pages, deutsch: Suchergebnisseiten).

Die Google-Updates der letzten Jahre haben diese Weisheit ein bisschen durcheinander gebracht. Noch mehr als früher wird zwischen „good“ und „bad neighbourhood“ unterschieden. Links aus „guter Nachbarschaft“ bringen viel für das Ranking, Links aus „schlechter Nachbarschaft“ schaden dem Ranking nun spürbar. Die alte Weisheit hat somit zwar nach wie vor noch Gültigkeit, aber eben etwas eingeschränkter. Dagegen erfuhr der Inhalt dadurch eine Aufwertung.

Noch mehr Blackbox, noch mehr Mythen, wildes Links abbauen und neu aufbauen

Diese Ranking-Konsequenzen waren zwar stets vorherzusehen, schlugen aber dennoch große Wellen. Denn solange die einfachen Black-Hat-Methoden so gut funktionierten, wurden sie auch angewandt. Man könnte es sogar drastischer formulieren: Wenn sie die Konkurrenz nutzte, musste man sie auch nutzen, um mitzuhalten. Sonst wären die Mitbewerber in den SERPS vorne gestanden und man selbst im Abseits.

Für Websitebetreiber, die nicht zu den SEO-Profis gehören, weil sie vielleicht nur eine Site für ihr lokales Kleinunternehmen betreiben, hat sich die Welt des Internets nun noch mehr zur Black Box entwickelt. Was früher galt, gilt heute nicht mehr. Wieder muss ein externer Profi engagiert werden. Diesmal hoffentlich der Richtige, der die Arbeit nachhaltig angeht.

Dabei verteuert sich der professionelle SEO-Einsatz stetig, weil es immer mehr Parameter zu beachten gibt. Es stellt sich tatsächlich die Frage, wie lange du da noch mitspielen willst.

Die Low Hanging Fruits der Onsite-Optimierung

Zugegeben: Wie Onsite-Optimierung funktioniert, ist und war längst kein gut gehütetes Geheimnis mehr. Im Gegenteil: Der Suchmaschinenriese Google selbst erklärt es ausführlich in den Webmastertools. Doch die Arbeit, diese Empfehlungen von der Primärquelle zu lesen, tut sich längst nicht jeder an. Sie zudem noch umzusetzen, behalten sich offenbar hauptsächlich „richtige” Profis vor.

Woran das liegt, ist – mir zumindest – unklar. Vielleicht liegt es daran, dass manche Webdesigner sich nur für das Design zuständig fühlen und ihre Kunden nicht über weitergehende Möglichkeiten und Notwendigkeiten unterrichten. Vielleicht versäumen sie es aber auch aus Unwissen (viele Webdesigner sind bekanntlich eigentlich gelernte Grafiker, die Webdesign nur so nebenher anbieten), vielleicht auch, weil sie es gar nicht als ihre Aufgabe sehen. Oder vielleicht liegt es daran, dass die ordentliche Onsite-Optimierung einfach viel Handarbeit bedeutet und sich diese vielen Arbeitsstunden nicht verkaufen lassen.

Dennoch: Onsite-Optimierung kann – vor allem in Nischen und auf der lokalen Ebene, also für regionale Suchen – extrem erfolgreich und damit auch ertragreich sein. Die Konkurrenz bei regionalen Suchanfragen nach dem Schema „Dienstleistung/Produkt Ort” ist meist dünn. Wenn du hier auf den richtigen Content (auf die korrekte Formulierung kommt es an) mit den richtigen Meta-Informationen und technischen Daten setzt, stellt unter solchen Nischenvoraussetzungen die erste Serp-Seite oft kein Problem dar. Externe Links sind dann nur noch wenige nötig.

Die Onsite-Basics im Überblick

Wie bereits erwähnt, sind die Maßnahmen der Onsite-Optimierung längst kein Geheimnis mehr. Google selbst versucht, sie den Websitebetreibern näher zu bringen. An dieser Stelle fasse ich sie einmal kurz zusammen und ergänze sie um ein paar Tipps:

1. Die wichtigsten Parameter: Title, Description und Url

Der Titel der Seite, die Metadescription und die Url sollten die Keywords enthalten, unter denen du gefunden werden willst. Natürlich sollten diese auch im Text wieder vorkommen. Schließlich geht es um Themenrelevanz zwischen Keywords im Content und den Hervorhebungen durch Title, Description und Url.

Zudem gilt: Je weiter vorne die Keywords im Title und in der Description vorkommen, desto wichtiger werden sie angesehen. So sollte etwaq der Seitentitel nicht „Firma XY – Produkt” lauten, wenn du unter dem Produkt ranken willst. Er sollte stattdessen „Produkt – Firma XY” lauten.

2. Saubere Struktur und Code

Der Quellcode der Website sollte einer Überprüfung unterzogen werden (validator.w3.org). Ist er fehlerfrei und hält die W3C-Standards ein, hat das zwar keine direkten Auswirkungen auf das Ranking, stellt aber sicher, dass die Seiten korrekt indexiert werden können.

3. Verhältnis Code zu Inhalt

Da die Google-Crawler nicht die Qualität des Inhalts messen können, dafür aber Quantität, wird das Verhältnis Code zu Inhalt als Kriterium herangezogen. Die Überlegung dahinter ist einfach: Je mehr Inhalt zur Verfügung gestellt wird, desto mehr Information sollte darin enthalten sein. Wie hoch die Informationsdichte darin ist, sagt das natürlich nicht aus. (Dafür benötigt es dann doch wieder das Empfehlungs-System der Links).

4. Hervorheben der relevanten Suchbegriffe durch Überschriften, unterstreichen, fetten

Die Crawler der Suchmaschine durchstöbern den Code nach hervorgehobenen Formatierungen. Dies sind Überschriften (<h1>, <h2>, <h3>,…), unterstrichene oder gefettete Passagen. Da diese Elemente auch bei der Gestaltung dazu da sind, die wichtigen Teile eines Textes für Menschen zu markieren, geht auch die Suchmaschine davon aus, dass diese Teile wichtig sind. Hier sollten daher ebenso die anvisierten Suchbegriffe vorkommen.

5. Wichtige und unwichtige Meta-Informationen

Wie bereits unter Punkt 1 erwähnt, sind Seitentitel, Url und Metadescription die wichtigsten Meta-Informationen für Google. Laut Matt Cutts, dem ehemaligen Kopf von Googles Webspam-Team, werden die Meta-Keywords in den Google Suchergebnissen überhaupt nicht berücksichtigt. Das heißt aber nicht, dass es sich nicht lohnt, diese auch sorgfältig einzupflegen. Andere Suchmaschinen verwenden diese nach wie vor.

Wichtig für die Google-Platzierungen sind dagegen noch Metadaten bei Bildern (aussagekräftige Dateinamen, Bild-Titel und Alt-Attribut), sowie bei Videos (Video-Sitemap als Erweiterung der Sitemap, Markups).

6. XML-Sitemap

Eine XML-Sitemap sollte auf Websites nicht fehlen. Sie dient den Crawlern dazu, die Struktur der Seite leichter zu durchschauen.

Content is King – aber nur in Balance zwischen Mensch und Maschine

Schritt für Schritt schafft es Google von Update zu Update die Qualität der Inhalte immer besser einzuschätzen. Zwangsläufig wird der Suchmaschinen-Riese dadurch weniger anfällig für Black-Hat-Methoden. Das ist die eigentliche eine Chance für alle seriösen Website-Betreiber: Sie können nämlich mit ihrem Wissen glänzen und mit guten Inhalten Besucher gewinnen. Laut dem Google-Webmaster-Support sollen die Inhalte auf Websites vertrauensvoll, hilfreich, informativ und kompetent sein. Zudem sollten sie möglichst frei von Rechtschreibfehlern sein, nicht aus Massenproduktion stammen und nicht mit unverhältnismäßig vielen Anzeigen gespickt sein.

Bei der Inhaltserstellung gilt es jedoch, eine weitere Kunst zu beherrschen: Du musst die Balance zwischen Suchmaschine und Mensch als Leser finden. Was das heißt? Ein menschlicher Leser könnte schnell gelangweilt sein, wenn du zu tief ins Detail gehst. Für eine Suchmaschine ist dies hingegen essentiell, da Details geradezu eine Garantie für ein erschöpfendes Behanmdeln eines Themas sind.

Ein Beispiel: Du bist Unternehmer und hast Probleme mit einem Mitarbeiter. Weil er immer zu spät kommt und seine Arbeit nicht erledigt, willst du ihm kündigen. Dafür brauchst du jetzt einen Anwalt und suchst nach „Arbeitsrechtsexperte Ort”.

Der Arbeitsrechtsexperte, der nun von dir gefunden werden will, muss also nicht nur das Keyword Arbeitsrechtsexperte auf seiner Seite integrieren, sondern auch den Ort. Betrachtet eine Anwaltskanzlei nun ihre Website nicht vor dem Hintergrund einer Suchmaschine, ist sie vielleicht versucht, einen Satz wie „Unser Team besteht aus Spitzenanwälten in allen Rechtsbereichen“ auf die Seite einzupflegen und es dabei zu belassen. Den Ort finden die Besucher ja letztlich auch im Impressum.

Die Kanzlei ginge vor, wie seit Jahrzehnten aus Zeitungsanzeigen, Telefonbuchanzeigen etc. gewohnt. Die Suchmaschine wiederum hat aber so keine Chance, aus diesem Satz den Arbeitsrechtsexperten herzuleiten und ihn auch noch am gesuchten Ort zu lokalisieren. Demzufolge wird diese Kanzlei nie unter der genannten Suchphrase auftauchen.

Ein Absatz, in dem alle Rechtsbereiche, die eine große Kanzlei abdeckt, einfach gelistet werden, wird indes ebenso nicht zielführend sein. Denn in diesem Fall wird die Website der Kanzlei zwar vielleicht in den SERPs ausgeworfen, aber der User erkennt unter Umständen nicht, dass er bei der richtigen Kanzlei gelandet ist. Schließlich ist das Wort „Arbeitsrecht“ irgendwo in dem langen Absatz versteckt. Im Gegensatz dazu hätte der eine Satz mit den Spitzenanwälten in allen Rechtsbereichen den Unternehmer vielleicht schnell und einfach überzeugt.

Ein SEO-Text ist daher nicht schnell hingehustet und er ist schon gar nicht irgendwie anrüchig. Einerseits muss der Text nämlich alle notwendigen Informationen für die Suchmaschine bieten, andererseits muss er übersichtlich gestaltet und leicht zu lesen sein.

Fazit

Die Onsite-Optimierung ist und bleibt eine „Low hanging fruit“, weil du als Websitebetreiber die alleinige Gestaltungsmacht darüber hat. In Nischen oder bei regionalen Suchen kann Onsite-Optimierung als alleinige Maßnahme namhafte Erfolge erzielen.

Sie erfordert allerdings viel Arbeitsaufwand – vor allem, wenn du bei einer bestehenden, größeren Seite rückwirkend nacharbeiten musst. Das jedoch ist ein Zeitinvestment, das der Grundstein für eine erfolgreiche Webkampagne sein kann. Sie kann sich lohnen, indem sie 1. direkt zu besseren Rankings führt oder 2. die Ausgaben für Linkbuilding niedriger hält.

(Artikelbild: Depositphotos)

Manuel Diwosch

Manuel Diwosch ist seit 2000 im Medienbereich tätig. 2008 schrieb er erstmals für Dr. Web und startete eigene, professionelle Webprojekte. Er verbindet technisches Know-How mit dem Fachwissen der journalistischen Kommunikation. Als Dienstleister entwirft er Online-Marketing-Strategien für Unternehmen und setzt diese um.
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4 Kommentare

  1. Ein guter Artikel zur Fokussierung auf die richtigen SEO-Maßnahmen. Auch für nicht SEO-Profis recht einfach verständlich…8)

  2. Guter Artikel! Ich hoffe, dass viele (potentielle) Kunden das lesen und verstehen was alles in einem Webprojekt zu tun ist und es nicht alles geschenkt geben kann.

  3. Leider wird in dem Artikel nichts über die Auswirkungen vom Hummingbird-Update von Google gesagt. Sind nicht auch die semantischen Auszeichnungen von Inhalten mehr und mehr in den Vordergrund zu stellen?

    • Der Punkt mit dem W3c würde ich jetzt nicht zustimmen hab schon oft Seiten gesehen wo das w3c ordentlich war aber die Struktur unübersichtlich und unnötiger voll gestopft wurde mit Code. Ihr habt übrigens mit 77 w3c warnungen ziemlich viele Fehler.. Im Code.

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