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Rene Schmidt 8. Juni 2005

Ökosystem X-Cart

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Der Online-Shop X-Cart bietet einiges: interessante Erweiterungsmodule, technische Flexibilität mit einfacher Bedienung, ausführliche Bedienungsanleitung. Allerdings hat die Sache auch einen Haken.

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X-Cart Gold ist ein klassischer Online-Shop und stammt vom Software-Dienstleister Qualiteam. Der Preis ist mit 199 US Dollar als günstig anzusehen. Eine Lizenz gilt aber nur für einen einzigen Web-Shop.

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Systemvoraussetzungen
Die Systemvoraussetzungen sind moderat. Ein Webserver mit PHP 4 und MySQL-Datenbank genügt. Aber wie immer gilt: je leistungsfähiger die Hardware desto mehr Kunden verkraftet das System. Angaben des Herstellers zufolge verkraftet X-Cart maximal circa 500.000 Produkte.

Installation
Die Installation ist in der Dokumentation ausführlich beschrieben und für Anfänger nachvollziehbar. Nach dem Hochladen der Shop-Dateien wird die Installation über ein Installations-Skript vervollständigt. Ob Beispiel-Kategorien und -Produkte angelegt werden sollen entscheidet der Nutzer während der Installation.

Anpassen
Das Template-System stammt aus dem freien Smarty-Projekt. Dieses leistungsfähige und flexible System bietet sehr weit reichende Anpassungsmöglichkeiten. Geschäfts- und Darstellungs-Logik sowie Layout und Design sind sauber voneinander getrennt. Smarty ist nicht nur für das HTML des Web-Shops verantwortlich, sondern auch für alle E-Mails der X-Cart-Software. Die Dokumentation von Smarty ist sehr ausführlich und auch auf Deutsch verfügbar.

Der Kunde darf den X-Cart-Quellcode verändern, aber (ob mit oder ohne Änderungen) nicht weitergeben: X-Cart steht unter einer proprietären Lizenz.

Screenshot
Frontend

Funktionsumfang
Um das Produkt herum hat sich ein kleines wirtschaftliches Ökosystem gebildet, welches X-Cart-spezifische Dienstleistungen und Erweiterungsmodule anbietet. Die Preise für die Module sind allerdings meist recht hoch, Beispiele: das Newslettermodul von Firetanksoftware.com kostet rund 50 Dollar. Die Erweiterungsmöglichkeiten durch die Modulschnittstelle sind nahezu unbegrenzt.

Der Datenexport nach Froogle ist in der Standardversion nicht möglich. Aber auch dafür gibt es ein Modul, sein Preis beträgt etwa 40 EUR.

Wartung
X-Cart kann einen statischen HTML-Katalog des Warenbestandes erzeugen. Der Katalog bietet zwei Vorteile: Suchmaschinen sehen den Inhalt statischer Seiten als ‚wertvoller‘ an. Außerdem ist die Serverlast beim Absuchen des Web-Shops niedriger. Andererseits birgt diese Methode handfeste Nachteile: Kunden, die über Suchergebnisse in den Shop kommen, und Suchmaschinen generell, sehen unter Umständen ein altes Warenangebot. Es könnte ein im Vergleich zu Konkurrenten verzerrtes Bild des Angebots entstehen.

Eleganter wäre es gewesen, den Shop nur statisch erscheinen zu lassen, zum Beispiel mit dem mod_rewrite-Modul des Apache-Servers. Die etwas höhere Serverlast könnte mit einem PHP-Beschleuniger abgefangen werden. So wäre der Shop Suchmaschinen-freundlich, trotzdem ‚wertvoll‘ und immer auf neuestem Stand.

Qualiteam wirbt für X-Cart unter anderem mit einer eingebauten ‚Selbstaktualisierungs-Engine‘. Doch schon die Dokumentation verrät: automatisch aktualisiert sich bei X-Cart nichts. Patches müssen noch immer manuell heruntergeladen, entpackt und auf den Server geladen werden. Erst danach greift der eingebaute Aktualisierungsmechanismus.

Backend
Ein System zur Rollenverteilung im Backend der Gold-Version ist nicht verfügbar. Sie bleibt der 499,- Dollar teuren Pro-Version vorbehalten.

Praktisch ist die Startseite des Backends. Sie zeigt auf einen Blick zeitlich differenzierte Umsatzzahlen, Top-10 der Kategorien und der Produkte und Daten der letzten Bestellung.

Die Optionen aller installierten externen Module sind auf einer eigenen Seite zusammengefasst. Die Eingabefelder sind in keinem direkt erkennbaren Schema gemischt untereinander aufgelistet, die Seite wirkt sehr unübersichtlich. Je mehr Module installiert sind desto mehr Eingabefelder werden auf der Seite angezeigt.

Screenshot
Backend

X-Cart-Community
Qualiteam betreibt ein recht aktives Kundenforum für die Produkte X-Cart Gold/Pro und LiteCommerce. Die Community umfasst über 7300 registrierte Nutzer. Interessenten, die sich eine Meinung über die Stimmung unter den Qualiteam-Kunden machen wollen, werden enttäuscht. Nur zahlende Kunden erhalten – angeblich aus Datenschutzgründen – Lese- und Schreibzugriff auf das Forum.

Fazit
X-Cart lässt technisch kaum Wünsche offen. Die hohe Flexibilität ist gepaart mit meist einfacher Bedienung. Dort, wo die Bedienung komplexer ist, hilft die ausführliche Dokumentation weiter. Der gute Eindruck von X-Cart wird allerdings nachhaltig getrübt:

Leider war es Dr. Web nicht möglich, die Qualität des Quellcodes zu überprüfen. Der Hersteller wirbt mit der Aussage, X-Cart wäre „Open Source“. Kunden dürften den Quellcode verändern und an eigene Bedürfnisse anpassen. Aber: In der Demoversion ist der Quellcode verschlüsselt und kann nicht begutachtet werden. Die Vollversion – die Demo erst recht nicht – ist nicht ‚frei‘ im Sinne einer freien Lizenz wie GPL oder BSD. Kunden, denen die einfache Modifikation des Programmcodes wichtig ist, sind darauf angewiesen, dass der russische Hersteller bei enttäuschten Erwartungen seine Geld-Zurück-Garantie wirklich einhält. Trotz mehrfacher Anfragen wollte Qualiteam eine unverschlüsselte Demoversion nicht bereit stellen.

Ein weiteres Problem: der Hersteller verstößt gegen das Copyright des Smarty-Projektes. Somit ist Qualiteam den Bestimmungen der LGPL-Lizenz zufolge nicht berechtigt, die X-Cart-Demo zusammen mit Smarty zu verbreiten. Es existieren juristische Unsicherheiten. Auf diese sollten X-Cart-Kunden gefasst sein. ™

Links:

Erstveröffentlichung 08.06.2005

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