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Dieter Petereit 13. November 2017

Nostalgie: War früher alles besser?

Diese ste­reo­ty­pe Aussage höre ich immer noch häu­fig. Wenn ich aller­dings dar­über nach­den­ke, kann ich das nicht bestä­ti­gen.

Wenn du, wie ich, in Digitalien daheim bist und online dein Geld ver­dienst, dann sind die Veränderungen der letz­ten 23 Jahre sicher­lich das Beste, was dir pas­sie­ren konn­te. Schauen wir doch mal, was sich alles ver­än­dert hat.

1. Arbeiten in den eigenen vier Wänden

Heimarbeitsplätze gab es auch in den Neunzigern schon. Sie kos­te­ten den Arbeitgeber aller­dings eine rich­ti­ge Stange Geld und waren von daher nur unter äußers­ten Voraussetzungen zu erhal­ten. Da muss­te man schon schwer­be­hin­dert oder sonst­wie mobi­li­täts­ein­ge­schränkt sein.

My Home Office is my Castle.

Heutzutage ist ein Heimarbeitsplatz Normalität. Selbst Gehaltsschergen erhal­ten von ihren Arbeitgebern zuneh­mend die Erlaubnis, den einen oder ande­ren Arbeitstag von Zuhause aus zu arbei­ten.

Selbst VPN-gesi­cher­te Zugänge sind kei­ne Investitionsentscheidungen mehr. Die Technik ist ver­füg­bar und bil­lig. Das war frü­her auf jeden Fall nicht bes­ser.

2. Internationale Kontakte

Ob ich heu­te einen Auftrag aus Chile oder aus München erhal­te, den ich digi­tal abwi­cke­le, ist voll­kom­men egal. Ob mei­ne Bekannten sich 200 oder 2.000 Kilometer ent­fernt auf­hal­ten ist auch egal. Nie war es ein­fa­cher, Kontakte zu pfle­gen und zu erhal­ten oder Geschäfte über Landesgrenzen hin­weg zu täti­gen.

Früher hat­te ich defi­ni­tiv weni­ger Kontakte…

Soziale Netzwerke sor­gen für den vir­tu­el­len Zusammenhalt auch grö­ße­rer Freundeskreise. Professionelle Netzwerke erleich­tern die Kollaboration über Unternehmens- und Landesgrenzen hin­weg. Das war frü­her nicht bes­ser.

3. Das Netz hat durchgehend geöffnet

Wenn mir der Gedanke kommt, dass ich für den Wochenendtrip noch ein Kabel für mein Smartphone benö­ti­ge, wech­se­le ich schnell den Browser-Tab und bestel­le es beim Technikhändler mei­nes Vertrauens. Vorzugsweise nachts fällt mir ein, was ich noch zu besor­gen ver­gaß. Da mein Computer 24 Stunden lang online ist, brau­che ich mir das Versäumnis nicht ein­mal zu mer­ken. Ich wech­se­le von Bett zu Schreibtisch und erle­di­ge die Bestellung.

Besonders nütz­lich ist das Netz da, wo es um Besorgungen geht, die du nicht an jeder Ecke erle­di­gen kannst. So bin ich dem vega­nen Lebensstil zuge­tan und habe hier am Ort nur eine gerin­ge Auswahl an Produkten. Im Netz steht mir eine Fülle spe­zia­li­sier­ter Onlineshops zur Verfügung.

Schön, aber zeit­lich und räum­lich unfle­xi­bel.

Ich kann mich noch gut dar­an erin­nern, was für Disketten- und CD-Schlachten ich frü­her zu schla­gen hat­te, wenn ich mir eine neue Software gekauft hat­te. Besonders beein­dru­ckend dabei waren stets die Microsoft-Produkte. Die muss­te man zu zweit aus dem Laden schlep­pen, weil einer allei­ne das Gewicht nicht bewäl­tigt bekam.

Heutzutage kann ich ent­we­der Software güns­tig kau­fen im Software Shop oder ich ver­wen­de gleich Lösungen, die als Web-Apps ver­trie­ben wer­den. So wicke­le ich etwa mei­ne Rechnungsschreibung ab. Manch Anbieter setzt auf Abo-Modelle, die eben­falls über das Netz ver­trie­ben wer­den. Wenn es geht, set­ze ich aller­dings doch auf das gute alte Kaufmodell aus dem Software Shop. Ich geste­he aller­dings, dass ich noch nie mit­ten in der Nacht eine Software erwor­ben habe.

Software-Kauf besteht heut­zu­ta­ge eigent­lich nur im Erwerb von Lizenzschlüsseln.

Was soll ich sagen? Auch das war frü­her alles nicht bes­ser.

4. Kommunikation

Ich erwähn­te bereits, dass es wesent­lich beque­mer gewor­den ist, Kontakte zeit­nah in aller Welt zu pfle­gen. Wesentlich begüns­tigt wird die­ser Komfort durch die moder­nen Möglichkeiten der kos­ten­lo­sen Kommunikation.

Dutzende von Messengern ste­hen zur Auswahl, um den Kommunikationsdrang des Homo Digitalis zu befrie­di­gen. Sogar die Ende der Neunziger sau­teu­re und total untaug­li­che Videokommunikation kön­nen wir heu­te bequem und mit guten Ergebnissen voll­zie­hen. Ich bevor­zu­ge übri­gens jeder­zeit Skype, kann mich jedoch des omni­prä­sen­ten WhatsApp auch nicht ent­zie­hen.

Das war frü­her kei­nes­falls bes­ser.

5. Wissen

Es ist ein Widerspruch in sich, dass sich aus­ge­rech­net in unse­rer Zeit, wo jedem auf der Welt, dem ein Internetzugang zur Verfügung steht, und somit gleich­zei­tig auch ein Füllhorn an Wissen zugäng­lich ist, den­noch die kol­lek­ti­ve Dummheit in allen Bereichen so rasant aus­brei­tet.

Dieses Werk stand in mei­nem Jugendzimmer.

Generell ist es aber als rein posi­tiv zu bewer­ten, dass ich heu­te kei­ne Schrankwand voll Brockhaus mehr benö­ti­ge, um ein umfas­sen­des Allgemeinwissen zur Hand zu haben. Das war frü­her sicher­lich nicht bes­ser.

Natürlich gibt es da auch die Kehrseite der Digitalisierung. Die gab es jedoch auch zu Zeiten der indus­tri­el­len Revolution. Für mich per­sön­lich über­wie­gen klar die Vorteile der moder­nen Möglichkeiten.

Was meinst du? War frü­her alles bes­ser?

Dieter Petereit

Dieter Petereit

ist seit 1994 im Netz unterwegs, aber bereits seit über 30 Jahren in der IT daheim. Seit Anfang des neuen Jahrtausends schreibt er für diverse Medien, hauptsächlich zu den Themenfeldern Technik und Design.

2 Kommentare

  1. Klar war frü­her alles bes­ser – ges­tern war Sonntag! ;-)

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