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Dieter Petereit 26. Juni 2019

Modernes Webdesign bedeutet Zielerreichung

Bevor du beginnst, Designvorschläge zu skizzieren, solltest du klar herausarbeiten, was das Ziel der zu erstellenden Website ist. Dann kannst du dich gleich auf das Wesentliche konzentrieren.

Die Goldgräberjahre: Hauptsache schön, oder so schön es halt ging.

In den Neunzigern haben wir uns nicht primär mit Marketingfragen beschäftigt. Ich gebe es zu. Wir als Designer wollten eine schöne Website mit ein paar schicken optischen Prahlereien, die nicht jeder hatte, erstellen. Und der Kunde wollte das scheinbar ebenfalls, denn auch er beschäftigte sich nicht wirklich mit Aspekten aus dem Marketing. Die einzige relevante Fragestellung lautete: Was kostet das?

So konnten wir direkt nach dem Erstgespräch unseren Lieblings-Pixeleditor anwerfen und eine gute Handvoll unterschiedlicher grafischer Entwürfe bauen. Dabei achteten wir tatsächlich darauf, dass die Entwürfe deutlich unterschiedlich waren. Ein ganz besonders hässlicher war ebenfalls immer dabei. Denn die Verkaufspsychologie verrät, dass Menschen sich umso leichter entscheiden, je krasser die Alternativen sind.

Nicht so schöne Designs gab es natürlich ebenfalls. Dieses hier lebt bis heute in seiner ganzen Unansehnlichkeit fort. (Screenshot: Dr. Web)

Neuzeit: Hauptsache schön hat immer noch nicht ausgedient

Das waren noch Zeiten. Wenn ich mich indes heutzutage im Netz umschaue, so habe ich den Eindruck, dass es eine nicht unbeträchtliche Zahl an Designern gibt, die immer noch genau nach diesem Ansatz verfahren. Dabei hat sich Webdesign in den letzten zwanzig Jahren in eine ganz andere Richtung entwickelt.

Andererseits ist es kein Wunder, dass immer noch so sehr auf Schönheit geschaut wird. Immerhin gibt es haufenweise Showcases, die sich mit ebensolchen Designs befassen. Welcher Designer schaut nicht mindestens gelegentlich bei SiteInspire oder Httpster oder wenigstens Dribbble vorbei?

Bei httpster dreht sich alles um Schönheit. (Screenshot: Dr. Web)

Das Kriterium für die Aufnahme eines Designs in all diese Dienste ist niemals die Zielerreichung: „Schau mal, wieviel Umsatz mein Kunde mit dieser Seite gemacht hat.” Stets geht es nur um die Schönheit oder spezielle Aspekte, wie die Responsiveness eines Entwurfs.

Bei den Aberdutzenden Template- und Theme-Verkäufern und -Verschenkern im Netz geht es gleich um gar nichts anderes. Im Grunde geht es dabei nicht einmal um Schönheit. Manch einer ist da durchaus auf Umsatz fokussiert, aber nur, soweit es den Absatz des eigenen Themes betrifft.

Hauptsache schön oder ist die Zielerreichung nicht doch wichtiger?

Und so ist die Zielerreichung im Allgemeinen nur dann ein Kriterium, wenn wir es gezielt dazu machen. Der Haken an der Sache ist, dass wir, wenn wir die Zielerreichung zum Hauptkriterium machen wollen, sehr früh damit anfangen müssen. Mit „sehr früh” meine ich nicht, nach dem dritten Entwurf, sondern vor dem ersten.

Wenn du darüber nachdenkst, dann wird dir ziemlich schnell klar, dass das Design sich vollkommen dem definierten Ziel wird unterordnen müssen. Es ist nicht möglich, irgendeine Optik zu verbrechen und dann zu hoffen, dass damit das definierte Ziel erreicht werden wird.

Die erste Frage beim Design der neuen Website oder beim Redesign der alten, lautet: „Was will der Kunde mit seiner Website erreichen?”

Will er Produkte verkaufen? Will er LeserInnen generieren? Will er Abonnenten gewinnen? Will er über seine Aktivitäten informieren? Will er bloß unterhalten?

Was auch immer das genaue Ziel der Website ist, du musst es herausfinden. Nicht nur das Design an sich, auch die Inhalte hängen davon ab, was letzten Endes erreicht werden soll. Wie willst du einen Call-to-Action formulieren, wenn du die gewünschte Action nicht kennst?

Nicht jeder Kunde kennt seine eigenen Ziele

Erstaunlicherweise wirst du auf Kunden treffen, die du mit der Frage nach der Zielsetzung regelrecht überraschst. Darüber denken tatsächlich nicht wenige wirklich nicht nach. Umso wichtiger ist es, dass du diesen Prozess anstößt. Das ist auch zu deinem eigenen Besten. Denn nur ein Projekt, dessen Ziele definiert sind, kann sich hinterher an diesen Zielen messen lassen.

So kommst du aus dem subjektiven Empfinden des Kunden raus. Denn, wer kennt ihn hier nicht?

Selbst, wenn du den Eindruck hast, dass dein Kunde genau weiß, was er wie erreichen will, verlasse dich nicht alleine darauf. Führe deine eigenen Überlegungen durch und ins Feld. Durch intensives Nachdenken ist noch kein Schaden angerichtet worden. So positionierst du dich als Experte, der nicht nur schöne Layouts klöppeln kann.

Zudem ist es natürlich so, dass dein spezieller Blickwinkel auf das gegebene Problem, zu Aspekten führen kann, die die Betriebswirte im Kundenunternehmen gar nicht sehen konnten.

Stets ist das Erreichen des gewünschten Publikums eines der Ziele

Es spricht übrigens nichts dagegen, das allen Websites unterliegende Grundziel als Ausgangspunkt der Überlegungen zu nehmen. Jede Website will ein Unternehmen mit seinen Kunden, allgemeiner seinem Publikum, verbinden. Wie kannst du eben diese Verbindung am effektivsten herstellen?

Diese Frage kannst du nur beantworten, wenn du das Publikum kennst. Lass dir von deinem Kunden so genau wie möglich beschreiben, wie sein Publikum demografisch und in anderer Hinsicht strukturiert ist. Wer sind die Wettbewerber und wie gehen sie vor?

Am Ende des Prozesses steht die Projektdefinition. Was machen wir zu welchem Zweck wie? Wie stellen wir am Ende fest, ob wir das Ziel erreicht haben? Was ist Erfolg in diesem Kontext? Die Projektdefinition muss natürlich mit dem Kunden abgestimmt sein.

Designentscheidungen ergeben sich dann aus der Projektdefinition

Jetzt ist der Moment gekommen, ins Design einzusteigen. Dabei gilt es, gewonnene Erkenntnisse aus der Zielgruppenuntersuchung ganz konkret in Design umzusetzen. So könntest du etwa festgestellt haben, dass die Zielgruppe ausschließlich aus über Sechzigjährigen besteht. Es wäre nun sicherlich keine schlechte Idee, etwa einen besonders gut lesbaren Font mit erhöhter Schriftgröße zu wählen. Auch die Kontrastverhältnisse auf der Website verdienen besondere Beachtung.

Erst, wenn du weißt, wer letztlich die Website benutzen wird, kannst du darauf reagieren. Und nur, wenn du die avisierte Zielgruppe auch wirklich erreichst, kann der Kunde wiederum sein Ziel erreichen. Erst dann wird das Projekt zum Erfolg.

Dieter Petereit

Dieter Petereit

ist seit 1994 im Netz unterwegs, aber bereits seit über 30 Jahren in der IT daheim. Seit Anfang des neuen Jahrtausends schreibt er für diverse Medien, hauptsächlich zu den Themenfeldern Technik und Design.

5 Kommentare

  1. Oh man, Du sprichst mir aus der Seele. Ich argumentiere dann bei meinen Kunden: „Ich mache Ihnen eine funktionelle Webseite die aus Interessenten Kunden macht, keine Visitenkarte“. Allerdings frage ich die angehenden Kunden auch vorher, wieviel Kunden sie über ihre bisherige Webseite akquirieren. Sie meinten dann immer, dass dabei Google schuld sei, weil sie nicht gefunden werden. An der tollen Webseite vom Designer XY für 8.000€ oder 10.000€ liegt das sicherlich nicht! Die Seite sieht ja soooo schick aus, das sagen alle……

    Oder noch schlimmer Karierreseiten. Da kommt der Charme der 2000er Jahre immer noch daher mit Fotos aus Bilderbibliotheken mit hochgereckten Daumen. Mir gruselts dabei. Keine eigene Positionierung als Arbeitgeber mit eigenen Fotos und Videos. Oft müssen sich eventuelle Bewerber x-mal durchklicken bis sie überhaupt die Karriereseite gefunden haben und dann auch noch „bitte senden Sie Ihre aussagekräftige Bewerbung per email an bewerbung@unsere-tolle-firma.de oder per Post. “ DSGVO ist dort immer noch nicht angekommen, denn Bewerbungen per eMail werden lt. DSGVO kritisch gesehen. Bei soviel Aufwand ohne Bewerbungsformular sind die angehenden Bewerber schon schnell wieder weg von einer Webseite – der Fachkräftemangel ist also selbstproduziert.

    Fazit: Die Unternehmen schaden sich selbst und verlieren viel Geld. Im Prinzip ist das wie mit der Evolution – wer nicht mit der Zeit geht wird Opfer der Evolution und ist irgendwann weg.

  2. Hallo Herr Petereit.
    Danke für Ihren erhellenden Input. Er hilft auch mir auf Unternehmensseite das Verständnis für eine Ziel- und Zweckdiskussion zu führen. Auch im B2B können Website-Analysen dafür sehr hilfreich sein.

  3. Also ich kann nur meine Erfahrungen aus dem Mittelstand mitteilen: Hier sind die Wünsche und Ansprüche an eine Seite teilweise so unpräzise und chaotisch auf Kundenseite, dass ich auch schon Sätze gehört habe wie:

    „Ja, wir brauchen halt auch jetzt eine Responsive-Design Seite, da jeder eine hat. Muss dann wohl sein.“

    oder auch hin und wieder mal

    „Ja den Webshop möchte ich schon haben, er soll aber bitte nicht so prominent sein.“

    Und spätestens dann fällt dir als Designer & gleichzeitig Kundenberater auch nur noch die Gegenfrage ein: „Ach so, sie wollen also gar nichts verkaufen bzw. den Umsatz steigern?“

  4. Bevor du beginnst, kostenfreie Bilder für deinen Blogbeitrag zu verwenden, solltest du erst einmal überprüfen, ob es aus dem Labyrinth überhaupt einen Ausgang gibt. Ich spreche von dem Labyrinth-Motiv von Pixabay. Dann kannst du dich auf das Wesentliche konzentrieren.
    ;D Shit Happen’s

  5. Das kann ich nur so unterschreiben…wie oft bekomme ich gesagt , dass ich einfach mal ein paar geile Entwürfe machen soll….aber ohne Zielsetzung bzw. Kenntnis über die Zielgruppe und deren Anforderungen kommen immer nur Seiten raus, die zwar gut aussehen, aber mehr auch nicht…Conversion ist bei vielen ein Fremdwort…

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