Die offiziellen Zahlen bestätigen, was viele Mittelständler seit Wochen spüren. Der Auftragseingang der deutschen Industrie ist im April eingebrochen, doppelt so stark wie von Ökonomen erwartet. Automobil, Elektrotechnik und Maschinenbau ziehen das Ergebnis nach unten.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenBeim Auftragseingang im Verarbeitenden Gewerbe meldet das Statistische Bundesamt für April ein Minus von 3,8 Prozent gegenüber dem Vormonat. Erwartet hatten Volkswirte nur die Hälfte. Damit verfestigt sich das Bild einer Industrie, die aus ihrer Schwächephase nicht herausfindet.
Das Wichtigste in Kürze
- Minus 3,8 Prozent: Der Auftragseingang fiel im April deutlich, Volkswirte hatten nur 2,0 Prozent Rückgang erwartet.
- Schwache Branchen: Automobil verlor 5,3 Prozent, elektrische Ausrüstung 16,3 Prozent und der Maschinenbau 7,4 Prozent.
- Gegenbewegung: Der März war auf revidierte 4,5 Prozent gestiegen, viele Bestellungen waren wegen des Iran-Kriegs vorgezogen.
- Ausblick: Das Ifo-Geschäftsklima trübt sich ein, Volkswirte erwarten ein leichtes Schrumpfen im zweiten Quartal.
Welche Branchen brechen am stärksten ein?

Den Ausschlag geben die großen Zweige. In der Automobilindustrie sanken die Neuaufträge gegenüber dem Vormonat um 5,3 Prozent, bei den Herstellern elektrischer Ausrüstung sogar um 16,3 Prozent.
Der Maschinenbau verlor 7,4 Prozent und drückte das Gesamtergebnis zusätzlich. Auch ohne die schwankungsanfälligen Großaufträge bleibt das Minus bei 3,8 Prozent, der Rückgang trägt also breit. Kalenderbereinigt liegt der Auftragseingang nur noch 1,6 Prozent über dem Vorjahr, im März waren es 6,1 Prozent. Die genauen Werte führt das Statistische Bundesamt in seiner Mitteilung zum Auftragseingang auf.
Warum war der März noch so stark?

Der Sprung erklärt den Absturz. Nach dem Ausbruch des Iran-Kriegs Ende Februar zogen viele Unternehmen im März Bestellungen vor, aus Sorge vor kriegsbedingten Lieferproblemen. Diese Vorzieheffekte trieben den März auf revidierte 4,5 Prozent, im April fehlte der Schub.
Beim Ifo-Institut berichteten im Mai 15,9 Prozent der Betriebe von Engpässen bei Vorprodukten, nach 13,8 Prozent im April. Wie dünn die Substanz im Maschinenbau inzwischen wird, zeigte schon der DATEV-Bericht für Mai.
Ein einzelner Monatswert taugt nicht als Menetekel, der Trend dahinter schon. Die Auftragsbücher leeren sich schneller, als die Politik ihre Hausaufgaben erledigt.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was heißt das für Mittelständler?

Für Betriebe zählt jetzt die eigene Auftragsdecke mehr als der Monatswert. Planen Sie das zweite Quartal vorsichtig, denn das eingetrübte Ifo-Geschäftsklima lässt keine schnelle Erholung erwarten und Volkswirte rechnen mit einem leichten Schrumpfen der Wirtschaft.
Wichtiger als jede Umsatzhoffnung ist gerade die Liquidität: Sprechen Sie früh mit Banken und Lieferanten, bevor verzögerte Zahlungen und stornierte Aufträge durchschlagen. Zur Gesamtlage passt, dass die EU-Kommission ihre Wachstumsprognose für Deutschland halbiert hat.
Den nächsten Datenpunkt liefert die Industrieproduktion in wenigen Tagen. Bis dahin gilt: lieber konservativ kalkulieren als auf die schnelle Trendwende wetten.
Mehr Newshunger?
